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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2022

Hat mir nicht so gefallen

Das U-Boot
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Dieses Buch ist der zweite Teil einer Thrillerreihe. Es lässt sich grundsätzlich auch solo lesen. Allerdings wird einiges vielleicht klarer, wenn „Der Tunnel“ bekannt ist.

Die Geschichten von Leah und ...

Dieses Buch ist der zweite Teil einer Thrillerreihe. Es lässt sich grundsätzlich auch solo lesen. Allerdings wird einiges vielleicht klarer, wenn „Der Tunnel“ bekannt ist.

Die Geschichten von Leah und Tarik, sie Angehörige des israelischen Militärs, er palästinensischer Tunnelbauer, wird in zwei Handlungssträngen erzählt, wobei das Hauptaugenmerk auf Leah liegt, denn Tariks Geschichte ist ja schon aus „Der Tunnel“ bekannt. Der erste Teil dieses Buchs verzettelt sich leider in der Beziehungsgschichte zwischen Leah und Freund Uri. Auch die Fahrt mit dem U-Boot wirkt eher langatmig.
Und der Abschnitt, der in ferner Zukunft liegt, in dem eine Handvoll Auserwählte (?) die nicht näher beschriebene Katastrophe überlebt hat und nun in einer kalten, lebensfeindlichen Umgebung einen neuen Menschenschlag hervorbringt, der auch nach hunderten von Jahren noch weit hinter unserer aktuellen Zivilistation herhinkt.

Meine Meinung:

Aufgrund der tollen Aufmachung des Buches habe ich hier zugregriffen. Ich wollt wieder einmal „U-Boot-fahren“. Ich persönlich habe noch Lothar-Günther Buchheims Wälzer und Wolfgang Petersens TV-Reihe „Das Boot“ vor Augen und im Kopf, sodass diese Fahrt hier leider nur wie ein müder Abklatsch wirkt. Aber vermutlich geht es hier um ganz etwas anderes. Nur um was?

Ich gebe zu, keine große Freundin von dystopischen Geschichten zu sein. Das Buch habe ich deswegen gelesen, um einmal wieder über meinen Tellerrand zu blicken.

Doch wie befürchtet, hat mich die Geschichte nicht so wirklich gefesselt. Der Teil, in der über die Katastrophe berichtet wird, erscheint mir zu kurz und zu undurchsichtig. Hans Leister hält seine Leser lange im Dunkeln, was genau passiert sein könnte. Es drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass sich Hans Leister die Katastrophe für einen dritten Band der Reihe aufhebt.

Fazit:

Fans von dystopischen Thrillern oder auch Katastrophenszenarien allgemein, werden hier aufs Beste versorgt. Mich hat das Buch nicht überzeugt, daher nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 11.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Salzburgrache
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Kris Kailer, seines Zeichens Eventmanager, liegt tot am Fuß der Festung Hohensalzburg. Dass es sich hier nicht um einen Unfall handeln kann, ist den Ermittlern schnell klar. Hat der Mord mit Kailers spektakulären ...

Kris Kailer, seines Zeichens Eventmanager, liegt tot am Fuß der Festung Hohensalzburg. Dass es sich hier nicht um einen Unfall handeln kann, ist den Ermittlern schnell klar. Hat der Mord mit Kailers spektakulären Konzept, die Salzburger Burgen und Schlösser in einer Art Disneyland zu bewerben zu tun? Denn die vorgeschlagene Werbekampagne ist einer Reihe renommierter Historiker ein spitzer Dorn im Auge. Kann das ein MOrdmotiv sein? Aber welcher der honorigen Herren würde den Eventmanager von der Festung stürzen? Professor und dreifach Doktor Dankwart Kupferkann, den alle nur Second Hand Copper nennen, etwa?

Als die Ermittler entdecken, dass der Tote auch für die FFB, die Freiheit-für-Bürger-Partei tätig ist, bekommt der Tod von Kris Kailer eine ganz andere Dimension. Denn diese selbsternannte Bürgerwehr, die gegen die etablierte Ordnung auftritt und umstürzlerische Umtriebe pflegt, hat schon manchem Politiker eben genau jenen Tod angedroht, den Kailer jetzt gestorben ist.

Wenig später gibt es einen zweiten Toten - in der Folterkammer von Schloss Moosham...

Meine Meinung:

Wie schon in den neun Vorgängern kommen sowohl die Landeshauptstadt Salzburg als auch das gleichnamige Bundesland mit deren schönen Seiten vor. So dürfen neben der Feste Hohensalzburg auch die Burg Hohenwerfen und Schloss Moosham Schauplatz der Ermittlungen sein.

Genial finde ich den Einfall mit dem Raben, der das Treiben der FFB und den Mord beobachtet. Dass einer dieser FFB-Radaubrüder sich zwar des Rabenlogos aus der NS-Zeit bedient, aber keine Ahnung von Hugin und Munin, den beiden Vögeln von Odin hat, hat mich trotz des ernsten Themas schmunzeln lassen.

Der arme Martin Merana fällt wieder einmal unter die Räuber. Diesmal bekommt er es auch noch mit einer Schlange zu tun.

Wie bei allen Krimis aus Manfred Baumanns Feder, ist der Täter nicht leicht zu entlarven. Auch diesmal führt uns der Autor mehrmals in die Irre.

Gemeinsam mit seinem Team sammelt Merana Zahlen, Daten und Fakten. Die eingeschweißte hält zusammen. Jede/r weiß, was won ihm/ihr erwartet wird. Mir gefällt, wie umsichtig Merana seine Team führt. Er hat ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitarbeiter. Er mutet ihnen nicht mehr zu als er selbst zu geben ist. Martin Merana und sein Team lösen die Fälle mit solider Polizeiarbeit und Köpfchen. Dass Merana gute Verbindungen hat und sich auch in kulturellen Umfeld zu bewegen weiß, ist Teil des Erfolges dier Krimi-Reihe.

Fazit:

Auch der zehnte Fall hat mir sehr gut gefallen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.08.2022

Hat Potenzial zu einer Reihe

Tod am Neusiedler See
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Nikolaus Lauda, nach eigenen Angaben mit dem Rennfahrer weder verwandt noch verschwägert, sondern ein ursprünglich aus Wien stammender Kriminalbeamter, der jahrelang in Essen gelebt und gearbeitet hat, ...

Nikolaus Lauda, nach eigenen Angaben mit dem Rennfahrer weder verwandt noch verschwägert, sondern ein ursprünglich aus Wien stammender Kriminalbeamter, der jahrelang in Essen gelebt und gearbeitet hat, will in der kleinen Freistadt Rust am Neusiedlersee untertauchen. Er war in Essen einem Mafiaclan auf der Spur, der seine Ehefrau Luise ermordet hat.

Doch auch in Rust kommt er nicht zur Ruhe, denn just am Tag nach seiner Ankunft wird im nahen Steinbruch St. Margarethen, die Leiche einer Journalistin gefunden. Für den Chefinspektor Kammer ist klar: der Neue, der Fremde muss der Täter sein.

Um seine Unschuld zu beweisen, stellt Nikolaus Lauda eigene Ermittlungen an. Unterstützt wird er dabei von Bella, einer herrenlosen Hündin. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn auch die Mafia kommt ihm wieder auf die Spur und schickt ein Vollstrecker-Duo.

Als dann noch Kammer, der sich ja auf Lauda als Mörder ziemlich schnell festgelegt hat, ermordet wird, ist das Problem für Nikolaus nicht wirklich kleiner geworden.

Meine Meinung:

Lukas Pellmann hat einen etwas eigenwilligen Schreibstil, der allerdings zu diesem Krimi recht gut passt. Mit seinem trockenen Humor enthüllt der als Ich-Erzähler auftretende Nikolaus Lauda häppchenweise die gesamte Geschichte.

Wir begegnen unterschiedlen Charakteren, um nicht zu sagen „Typen“. Manche(s) wirkt überzeichnet wie die dümmlichen Mafiakiller oder die neugierigen Dorfbewohner oder die allen Fremden gegenüber misstrauischen Polizisten. Eine recht einnehmende Figur ist die Taxilenkerin, allgemein nur „Taxiprucknerin“ genannt, die Laudas Frau Luise von früher her kennt oder die Bürgermeisterin, die immer nur „Josef“ gerufen wird, weil das der unter Österreichs Bürgermeistern der häufigste Vorname ist. Und überhaupt spielt das dichte Beziehungsgeflecht von Rust und der näheren Umgebung eine gewichtige Rolle.

Allerdings finden auch ernste Themen Eingang in diesen Krimi: So kommen Umweltverschmutzung durch im Steinbruch vergrabene Fässer mit Giftmüll zur Sprache wie auch die Machenschaften einzelner Baukartelle. In einem Ort, in dem man sich kennt, werden, weiß am auch um solche offenen Geheimnisse.

Grinsen musste ich über die Namen einzelner Mitspieler. Denn auch wenn zu Beginn (wie in jedem Buch) steht, dass dieser Roman reine Erfindung wäre und die Namen der Personen rein zufällig sind, gibt es doch einige Namen, die uns Lesern bekannt vorkommen. Neben dem Nikolaus Lauda kommt auch ein Günter Netzer vor – Fußballfans werden den bei Borussia Mönchengladbach und später bei Real Madrid bzw. Grashoppers Zürich spielenden Langhaarigen sicher kennen. Witzig auch, dass Lukas Pellmann eine TV-Serie, die in der Gegend spielte, mehrfach nennt.

Der Autor kann ein wenig seine persönliche Herkunft in diesem Krimi unterbringen, ist er doch 1975 selbst in Essen geboren und lebt seit 1990 in Wien.

Bin schon gespannt, ob Nikolaus Laude hier in Österreich weiter ermitteln darf. Einige Figuren hüten so manch ein Geheimnis, das Potenzial zu einer Fortsetzung hat.

Fazit:

Ein gelungener Regionalkrimi, der Land und Leute sehr gut beschreibt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mühlviertler Gift
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Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der ...

Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der Mann vergiftet worden ist.

Um Mara Grünbrecht, Edwins Verlobte aus ihrer Trauer herauszuholen, beschließt Chefinspektor Oskar Stern, sie in die Ermittlungen einzubeziehen, vor allem als klar wird, dass der Tote seine Ehefrau regelmäßig schwerst misshandelt hat. Stern zählt auf Maras Instinkt und darauf, dass die Ehefrau des Mordopfers eher mit einer Frau als mit einem Mann über ihr Martyrium spricht.

Natürlich sind die nahen Angehörigen in erster Linie verdächtig. Vor allem in diesem Fall, in dem die Mutter und die Schwester der Witwe einen Freudentanz aufführen und auch noch wie Pech und Schwefel zusammenhalten.

Doch ist die Lösung des Falls wirklich so simpel?

Meine Meinung:

Eva Reichl hat hier einen ganz tollen Krimi geschrieben. Zum einem thematisiert sie das Trauma, wenn ein Kollege im Dienst stirbt und zum anderen schreibt sie über häusliche Gewalt, die quer durch alle Gesellschaftsschichten präsent ist.

Gut gelungen ist die Gratwanderung bei der Trauerbewältigung um Edwins Tod (siehe „Mühlviertler Kreuz-4“). Der Dienst, der durch den Verlust eines Kollegen stark belastet ist, muss weitergehen. Die Kollegen sind da ziemlich gefordert und der Neue im Team hat es nicht wirklich leicht. Doch Oskar Stern ist ein guter Vorgesetzter, der auch die manchmal unwirsch reagierende Mara Grünbrecht zur Räson bringt.

Eva Reichl legt sowohl für die Leser als auch für die Ermittler zahlreiche Spuren, von denen die eine oder andere anfangs viel verspricht, um anschließend in einer Sackgasse zu münden.

Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Sie dürfen ihre Ecken und Kanten haben, sowie Gefühle wie jeder Mensch zeigen.

Schmunzeln musste ich, als Mara den Dienstwagen havariert hat, das Team auf ein neues, schnelles Fahrzeug hofft und alle enttäuscht werden.

Fazit:

Ein sehr gut gelungener Krimi, der ernste Themen anspricht und sehr gut auflöst. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine widersprüchliche Persönlichkeit

Der Kinderpapst
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Peter Prange ist der Großmeister des historischen Romans und hat sich diesmal einer höchst umstrittenen Persönlichkeit gewidmet: Papst Benedikt IX., jenem Mann, der eigentlich Theophylakt III. von Tusculum ...

Peter Prange ist der Großmeister des historischen Romans und hat sich diesmal einer höchst umstrittenen Persönlichkeit gewidmet: Papst Benedikt IX., jenem Mann, der eigentlich Theophylakt III. von Tusculum heißt, und hier latinisiert zu Teofil wird, und der zwischen 1032 und 1048 insgesamt dreimal zum Papst ausgerufen worden ist.
Man schreibt das Jahr 1032. Papst Johannes XIX., Teofils Onkel ist eben gestorben und nun soll der noch minderjährige Teofil seinen Platz einnehmen, um Ansehen, Macht und Vermögen der Familie zu mehren. Teofil wird von seiner bigotten und ehrgeizigen Mutter in die Rolle des Papstes getrieben, obwohl er viel lieber mit Chiara di Sasso eine Familie gründen möchte. Sowohl Teofil als auch Chiara werden zu Spielbällen der Politik, die weder vor Intrigen und Mord zurückschreckt. Was letztendlich dabei herauskommt sind Aufstände in Rom, die zur (mehrmaligen) Absetzung von Benedikt IX. führen sowie mehr oder weniger zeitgleich drei Päpste.

Meine Meinung:

Die Lebensgeschichte des historischen Theophylakt III. von Tusculum bietet, da weder sein Geburts- noch sein Sterbedatum exakt überliefert sind, Stoff für den vorliegenden dramatischen historischen Roman. Selbst ob er wirklich mit 10, 12 oder 14 Jahren zum Papst gemacht worden ist, liegt im Dunkel der Geschichte. Nachfolgende Päpste bzw. Geschichtsschreiber haben ihn natürlich in ihrem Sinne verunglimpft. Ob er wirklich der beschriebene Wüstling und Machtmensch war, lässt sich ob der dürftigen Quellenlage nicht feststellen. Vermutlich wird wohl ein Körnchen Wahrheit in den Überlieferungen stecken. Wasser für die Gläubigen predigen und selbst Wein trinken, war schon seit Langem geübtes Brauchtum in der Kirche.

Aber, es wäre nicht Peter Prange, der aus einer solchen widersprüchlichen Figur einen opulenten historischen Roman erzeugen könnte. Dem Menschen Teofilo stellt Peter Prange zwei Menschen zur Seite, die seinen Werdegang bestimmt maßgeblich beeinflusst haben: Da ist zu einem seine äußerst ehrgeizige und bigotte Mutter Ermilina und zum anderen den Kanzler des Papstes Petrus da Silva. Für da Silva kann ich ja noch Sympathien aufbringen, doch Ermilina ist mir zutiefst unsympathisch mit ihrer Frömmlerei.
Der Schreibstil ist wie immer opulent. Doch hin und wieder blitzt eine viel zu moderne Sprechweise durch. Gut getroffen ist der Sprachduktus, wenn Teofil spricht von sich spricht: Er hat es nicht verinnerlicht von sich im Pluralis Majestatis zu sprechen.

Fazit:

Trotz dürftiger Quellenlage ein spannender historischer Roman. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.