Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2022

Späte Aufarbeitung der Vergangenheit

Die Internationale Stiftung Mozarteum und der Nationalsozialismus
0

Spät, aber doch, stellt sich die „Internationale Stiftung Mozarteum“ ihrer unrühmlichen Vergangenheit während der NS-Zeit.

„...Lange haben wir uns nicht die Frage gestellt, welche Rolle die "Stiftung ...

Spät, aber doch, stellt sich die „Internationale Stiftung Mozarteum“ ihrer unrühmlichen Vergangenheit während der NS-Zeit.

„...Lange haben wir uns nicht die Frage gestellt, welche Rolle die "Stiftung Mozarteum" eigentlich in den Jahren zwischen 1938 und 1945 im Kulturleben der Stadt Salzburg und darüber hinaus gespielt hat, welchen Zielen die damals amtierenden Herren in der Leitung der Stiftung gedient, was sie während dieser sieben Jahre tatsächlich getan und was sie unterlassen haben....“ (Dr. Johannes Honsig-Erlenburg, aktueller Präsident der Stiftung im Vorwort)

Die beiden Herausgeber Alexander Pinwinkler und Oliver Rathkolb haben nun insgesamt 13 Aufsätze von sechs Historikern und einer Historikerin in diesem Buch veröffentlicht. Damit wird eine jahrzehntelang klaffende Lücke in der Geschichte der „Internationalen Stiftung Mozarteum“ endlich geschlossen.

Anhand erstmals ausgewerteter Quellen werden so manche, vom Rassenwahn geleitete Projekte beleuchtet. Die Vereinnahmung Wolfgang Amadeus Mozarts als „Arier“ wird ebenso behandelt wie die Aktivitäten des damaligen Präsidenten Albert Reitter.

Dem Vernehmen nach ist ein zweiter Band in Arbeit, der die Entwicklung in den Nachkriegsjahren sowie die Auslandsbeziehungen aufarbeiten soll. Auch hier ist mit spannenden Enthüllungen zu rechnen.

Meine Meinung:

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Aufarbeitung und daher entsprechend stringent aufgebaut. Es ist vermutlich nicht für das breite Publikum gedacht, sondern für jene, die sich kritisch mit Kulturvereinen und deren Verhalten in der NS-Zeit auseinandersetzen wollen. Bislang gab und gibt es hier nach wie vor einiges aufzuarbeiten.
Zahlreiche Zitate, Fotos und Faksimiles aus den Originaldokumenten ergänzen dieses Werk.

Fazit:

Eine längst fällige Auseinandersetzung einer Kulturinstitution mit ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.04.2022

Sieben auf einen Streich

Inselwandern in Kroatien
0

Autorin Eva Gruber, die ich schon von anderen Publikationen kenne, lädt ihre Leser diesmal ein, einige der kroatischen Inseln zu erwandern. Ja, richtig gelesen - auf Schusters Rappen die Inseln erkunden. ...

Autorin Eva Gruber, die ich schon von anderen Publikationen kenne, lädt ihre Leser diesmal ein, einige der kroatischen Inseln zu erwandern. Ja, richtig gelesen - auf Schusters Rappen die Inseln erkunden. Entschleunigt und macht Spaß!

Folgende Inseln dürfen wir gemeinsam mit Eva Gruber in 35 Wanderungen per pedes erleben:

Krk
Cres
Lošinj
Pag
Korčula
Hvar
Pelješac

Zu Beginn gibt es eine allgemeine Einführung über die beste Zeit für die Wanderungen, die Ausrüstung und - Achtung! - die Warnung vor unvorhersehbaren Gewittern.

Dann kann es aber schon losgehen. Auf 35 Wanderungen, die manchmal eher gemütlichen Spaziergängen ähneln, kann man die karge mediterrane Landschaft genießen. Allerdings gibt es auch anderes zu entdecken: blaues Meer, malerische Buchten, den archäologischen Wanderweg in Orebic oder die Überreste des k.und k. Flairs auf Lošinj.

Seglern sind die kroatischen Inseln natürlich gut bekannt und laden zum Anlegen ein.

Das Buch ist gut strukturiert. Für jede der sieben Inseln gibt es einen farblichen Akzent, der ein schnelles Wiederfinden garantiert. Zahlreiche wunderschöne Fotos sowie Kartenausschnitte und Tipps für die Wanderungen komplettieren diesen tollen Urlaubsratgeber.

Fazit:

Sieben auf einen Streich - also kroatische Inseln - machen Lust auf Urlaub an der kroatischen Adria. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Eine Leseempfehlung

Der Führer und die Maus
0

Schauplatz Berlin 1935: Adolf Hitler ist seit zwei Jahren Reichskanzler. Die Nürnberger Rassegesetze sind in Kraft, Juden und Andersdenkende werden verhaftet und in Lager gesteckt. Daneben will der NS-Staat ...

Schauplatz Berlin 1935: Adolf Hitler ist seit zwei Jahren Reichskanzler. Die Nürnberger Rassegesetze sind in Kraft, Juden und Andersdenkende werden verhaftet und in Lager gesteckt. Daneben will der NS-Staat mit allen Mitteln eine eigene grandiose Filmindustrie aufbauen. Blöd nur, dass die führenden Köpfe, jüdische Regisseure wie Schauspieler und Drehbuchautoren aus dem Land vertrieben worden sind. Die wenigen, die noch geblieben sind, versuchen soweit es geht, unsichtbar zu bleiben. Soweit der geschichtliche Hintergrund, vor dem dieser als Krimi deklarierte historische Roman spielt.

Der halbjüdische Künstleragent Max Horwitz will auch in das aufstrebende Zeichentrickfilm-Geschäft à la Walt Disney einsteigen. Dafür engagiert er einen Zeichner, einen Musiker und einen Schauspieler. Bei einer Razzia der SA werden die Skizzen des jüdischen Zeichners beschlagnahmt und landen im Propagandaministerium, wo man über die geheime Vorliebe des Reichskanzlers für Zeichentrickfilme weiß. Gleichzeitig erkennt dort Ministerialrat Dr. Keller den Wert der Zeichnungen für die Propaganda. Die fieberhafte Suche nach dem Zeichner beginnt.
Vorerst fügen sich Horwitz und seine Leute den Avancen des Propagandaministeriums und liefern Dr. Keller einen Trickfilm mit Schwein, Dachs und Gans. Gleichzeitig suchen sie heimlich einen Ausweg aus der tödlichen Umarmung des Regimes, denn allen ist bewusst, dass sie auf Gedeih und Verderb den Launen von Hitler & Co ausgesetzt sind.

»Büzzje, büzzje, büzzje …« Die Frauen hielten jetzt ihre Pässe hoch, stürmten auf die Männer zu, wollten die Pässe genauestens zeigen, die Grenzer dabei umarmen, lachend, albern, aufgedreht.
Grietje hatte sich dicht an einen der Beamten geschmiegt. »Na, Herr Kommissar, nun durchsuchen Sie mir doch mal ein büschen!«, sagte sie mit stark holländischem Akzent und wollte ihm dabei sogar die Dienstmütze vom Kopf nehmen, was der Mann aber verhinderte.
Den Grenzbeamten gelang es nur mühsam, die entfesselten Frauen zum Bus zurückzukomplimentieren. Eine nach der anderen stieg schließlich, laut singend und klatschend, wieder ein. Die Grenzer waren am Ende froh, einer warf noch einen kurzen Blick in den Bus, auf weitere Kontrollen wurde verzichtet. Die Tür schloss sich, der Schlagbaum öffnete sich, der Bus fuhr los.“


Meine Meinung:

Marc Hecht ist ein interessanter zeitgeschichtlicher Roman rund um die Propaganda in Nazi-Deutschland gelungen, der die Anachronismen des Diktators und seines Unrechtsregimes aufzeigt. Wenn man nicht über die fatalen Auswirkungen von Hitlers Größenwahn Bescheid wüsste, könnte man ja darüber fast lachen. Doch bei 6 Millionen ermordeten Juden bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

So schmunzle ich über die Chuzpe von Max Horwitz und seinem Team, wie sie dem Regime doch noch, unter Zuhilfenahme moderner Medientechnik, ein Schnippchen schlagen.

Marc Hecht schafft es, die bedrohliche Szenerie der Diktatur sehr gut darzustellen und gleichzeitig, zumindest für diese Protagonisten, einen Hoffnungsschimmer am Horizont erscheinen zu lassen.

Fazit:

Diesem Roman über Mut und Moral in einer Zeit, in der ein falsches Wort zu falscher Zeit, den sprichwörtlichen Kopf gekostet hat, gebe ich gerne verdiente 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Hat mich nicht überzeugt

Hotel Portofino
0

Portofino im Jahr 1926. Das englische Ehepaar Bella und Cecil Ainsworth führt hier ein Hotel für betuchte Engländer.
Doch leider nimmt Cecil mehr Geld aus der Kassa, als Bella einnimmt. Lucien, der gemeinsame ...

Portofino im Jahr 1926. Das englische Ehepaar Bella und Cecil Ainsworth führt hier ein Hotel für betuchte Engländer.
Doch leider nimmt Cecil mehr Geld aus der Kassa, als Bella einnimmt. Lucien, der gemeinsame Sohn ist als Kriegsversehrter aus dem Großen Krieg zurückgekehrt und will sich als Maler profilieren. Allerdings suchen seine Eltern eine vorteilhafte Braut. Es soll ausgerechnet die unter der Fuchtel der dominanten Mutter Julia Drummond-Ward stehende Rose, sein.

Doch nicht nur das fehlende Geld und der flatterhafte Ehemann machen Bella Sorgen, sondern auch der Stadtrat, der ein fanatischer Anhänger Mussolini ist und ihr allerlei Prügel zwischen die Beine wirft.

Meine Meinung:

Leider hat mich dieser Roman nicht wirklich gepackt. Zum einen plätschert die Handlung ohne Höhepunkte dahin und zum anderen erscheinen mir die Figuren ziemlich blass.

Unterschiedliche Menschen im Hotel - das könnte doch ein Feuerwerk von Konflikten oder Amouren sein. Doch leider nein - hier ist davon wenig zu spüren, obwohl recht illustre Gäste das Hotel frequentieren. Da ist zum Beispiel die exotische Tänzerin, der Tennis-Champ oder der reiche Amerikaner.
Selbst die Spannungen zwischen den Eheleuten Ainsworth wirken nur so halbgar. Das kann aber nicht ausschließlich an der britischen Contenance liegen.

Schade, hier ist eine große Chance vertan worden. Vom „unvergesslichen italienischen Flair der Zwanziger Jahre“ habe ich nur wenig gespürt. Recht deutlich kommen die gegenseitigen Ressentiments zwischen Engländern und Italienern heraus.

Fazit:

Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Ein komplexer Krimi mit hohem Spannungsbogen

Ostseekreuz
0

Dieser Krimi ist der 17. (!) rund um KHK Pia Korittki. Ich habe noch nicht alle gelesen, doch das stört nicht wirklich, denn es gibt immer wieder punktuelle Hinweise auf die Vorgänger, sodass ich mich ...

Dieser Krimi ist der 17. (!) rund um KHK Pia Korittki. Ich habe noch nicht alle gelesen, doch das stört nicht wirklich, denn es gibt immer wieder punktuelle Hinweise auf die Vorgänger, sodass ich mich trotzdem gut zurechtfinde.

Worum geht’s diesmal?

Pia Korittki leidet seit ihrer Entführung an einer PTBS, was sie sich zum Leidwesen ihrer Umgebung nicht wirklich eingestehen will/kann. Als geringstes Übel erachtet sie eine zweiwöchige Auszeit in einem Kloster. Sie checkt inkognito ein. Doch aus der beschaulichen Klosterruhe wird nichts, denn es werden ein Klosterbruder und ein Gast ermordet.
Um ihren wahren Beruf, von dem nur der Abt weiß, zu bewahren, vertraut sie sich dem ermittelnden Beamten an und erhält den inoffiziellen Auftrag, als verdeckte Ermittlerin die Augen und Ohren offen zu halten.

Gleichzeitig spitzt sich Lage außerhalb des Klosters zu, denn Pias Entführer, der aus der Justizanstalt geflohen ist und nach wie vor sie und ihre Familie bedroht, wird in Frankreich gesichtet. Pias Freund, der BKA-Ermittler Marten, nimmt an der Cote d’Azur die Verfolgung auf und begibt sich in große Gefahr.

Meine Meinung:

In diesem Krimi wird Pia Korittki ein wenig persönliche Ruhe gegönnt, was aber den Krimi nicht minder spannend macht. Der zweite Handlungsstrang, die Jagd auf den entflohenen Entführer, ist rasant und hält die Leser in Atem.

Sehr geschickt gemacht von Autorin Eva Almstädt! Der Spannungsbogen ist extrem hoch und beschert beiden Handlungssträngen einen passenden Showdown.

Pias verdeckte Ermittlungen, die ohne die sonst üblichen technischen Hilfsmittel auskommen müssen, fördern nicht nur einen, sondern gleich mehrere Verdächtige mit unterschiedlichen Motiven zutage. So, lieber Leser, nun musst du dich entscheiden: Wer ist der Mörder?

Interessant ist der Unterschied zwischen den beiden Handlungssträngen: Während die Verfolgungsjagd ziemlich klar ist: Der Verbrecher muss zur Strecke gebracht werden - tot oder lebendig, Punkt und aus, gibt es im Kloster zahlreiche Personen, die vorgestellt werden müssen, damit der Leser selbst herausfinden kann, wer der Täter ist. Wir erfahren einiges über das Klosterleben, das hier auch nicht immer alles Liebe-Wonne-Waschtrog ist, sondern, dass auch hier Eitelkeiten und Missgunst herrschen. Daneben lernen wir einige Gäste des Klosters kennen. Genervt hat mich das Frauen-Duo Christine und Julia.

Die psychischen Belastungen, denen Pia ausgesetzt war und ist, sind für die Leser deutlich spürbar. Zusätzlich ist auch Pias Privatleben ein wenig turbulent. Doch das scheint nun zu einem guten (?) Ende gekommen zu sein.

Fazit:

Ein Krimi, der durch seinen komplexen Aufbau und den hohen Spannungsbogen besticht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.