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Venatrix

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Ein gelungener Reihenauftakt

Die Welt in Meran - Walzerblut
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Dieser historische Roman, der im Jahr 1872 im Luftkurort Meran spielt, ist der der erste Band einer Reihe von Angela Marina Reinhardt. Meran ist nicht ganz so mondän wie Davos, dennoch geben sich reich ...

Dieser historische Roman, der im Jahr 1872 im Luftkurort Meran spielt, ist der der erste Band einer Reihe von Angela Marina Reinhardt. Meran ist nicht ganz so mondän wie Davos, dennoch geben sich reich und schön, und vor allem Adelige aus aller Welt hier ein Stell-dich-ein.

Zahlreiche Kurgäste werden von ihren heiratsfähigen Töchtern begleitet, um für sie eine vorteilhafte Ehe zu arrangieren, weshalb man mit großem Gepäck reist, um bestens gekleidet an den diversen Tanzveranstaltungen teilzunehmen. Sollte das eine oder andere Kleidungsstück doch nicht genügen, so kann man sich innerhalb weniger Wochen eines in den örtlichen Werkstätten eines anfertigen lassen. Womit der Bogen zu den elenden Arbeits- und Lebensbedingungen der örtlichen Bevölkerung gespannt ist, die in den Seiden- und Baumwollspinnereien ihr Dasein fristen müssen. Deren Tuberkulose wird nicht mit Trinkkuren und Spaziergängen behandelt.

Die wenigsten Kurgäste interessieren sich für die jungen Mädchen und Frauen im Gastgewerbe, in den Fabriken oder deren Lebensumstände. Eine Ausnahme ist unkonventionelle Helen, eine englisch-deutsche Adelige, die, wenn es nach der Mutter geht, hier in Meran einen Ehemann finden soll. Sie stolpert unversehens in das kurze Leben der jungen Anna, die im Hotel als Dienstmädchen schuftet und ein streng gehütete Geheimnis hütet. Damit ist Anna nicht die einzige. Auch der leicht aufbrausende Korse Jean de Benedetti, der auf Grund einer Kriegsverletzung mophinsüchtig ist und versucht, die Droge vom neuen Kurarzt aus Wien, dem Witwer Simon Hirsch, zu erhalten, ist bemüht seine Vergangenheit verbergen. Und dann haben wir noch den Erbgrafen Maximilian von Montalban um dessen Vermögen es doch nicht ganz so gut bestellt zu sein scheint, weshalb er selbst eine finanzkräftige Braut sucht.

Meine Meinung:

Die Autorin Angela Marina Reinhardt war mir bislang unbekannt.
Dieser historische Roman, der sehr gut recherchiert ist, hat mich nicht enttäuscht. Der Schreibstil ist flüssig, die Charaktere sind gut gezeichnet. Manchmal wird das eine oder andere Klischee bemüht. So wird der Korse als feurig, aufbrausend beschrieben und Helen als spleenig, wie man sich damals (?) Engländer eben vorstellt. Trotzdem wirken diese Zuschreibungen stimmig.

Auch die Beschreibung des Elends der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Spinnereien sind ziemlich authentisch. Gut gefallen hat mir der Exkurs in die Seidenmanufaktur. Kaum jemand kann sich (bis heute) vorstellen, wie viel Arbeit in der Produktion der Seidenfäden für die wertvollen Stoffe steckt. Das milde Klima in Meran begünstigt die Zucht des Maulbeerspinners vulgo Seidenraupe, der sich ausschließlich von den Blätter des Maulbeerbaumes (Morus Alba) ernährt.

Und natürlich dürfen die Stadt an der Passer sowie das (damalige) Lokalkolorit nicht fehlen. Damit sich die Leserinnen und Leser in der Stadt zurecht finden, ist ein Stadtplan von Meran abgedruckt.

Um in dieser illustren Gesellschaft den Überblick zu bewahren, gibt es im Anhang ein Personenverzeichnis.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der auf eine Fortsetzung neugierig macht, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Balkan-Odyssee, 1933-1941
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Die wenig bekannte Fluchtroute – Der Balkan

Wenn man „Balkan-Route“ hört, denkt man an illegale Einwanderungen der letzten Jahre. Dass der Balkan bereits in den Jahren 1933 bis 1941 für Tausende von ...

Die wenig bekannte Fluchtroute – Der Balkan

Wenn man „Balkan-Route“ hört, denkt man an illegale Einwanderungen der letzten Jahre. Dass der Balkan bereits in den Jahren 1933 bis 1941 für Tausende von verfolgten Juden und Kritikern des NS-Regimes ein Fluchtmöglichkeit geboten hat, ist längst nicht so bekannt, wie jene nach Frankreich und anschließend über die Pyrenäen in das neutrale Spanien über die Uwe Wittstock in seinem Buch „Marseille 1940“ ausführlich geschrieben hat.

Diese Lücke in der Exilforschung versucht nun Marie-Janine Calic zu schließen. In ihrem Sachbuch listet sie zahlreiche Prominente wie Tilia Durieux, Manès Sperber oder Franz Theodor Csokor und weniger Prominente auf, die sich auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg durch die Schluchten des Balkans gemacht haben, um einen Platz auf einem der Seelenverkäufer nach Palästina zu gelangen.

Der Balkan, also das damalige Königreich Jugoslawien, ist lange Zeit nur von wenigen Verfolgten als Möglichkeit dem NS-Regime zu entkommen, wahrgenommen worden. Calices Recherchen stützen sich auf Tagebücher, Briefe, Akten, Fotos und andere Quellen um die verschlungenen Wege von mehr als 55.000 Betroffenen nachzuzeichenen. Dabei hat sie, wie sie schreibt, „Nichts wurde erfunden und kein Zitat verändert, um den Erzählfluss oder Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.“.

So wird einerseits die systematische Enteignung und Vertreibung der Juden aus Deutschland, Österreichs und der letztlich anderen annektierten Gebiete, bevor der staatlich angeordnete Massenmord an den Juden vollzogen wird, sowie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung Jugoslawiens und Albaniens beschrieben. Die Hilfsbereitschaft endet schlagartig im Jahr März 1941 als gegen die Regierung des Prinzregenten geputscht wird. Wenig später marschiert die deutsche Wehrmacht über Ungarn in Jugoslawien ein, das nach nur elf Tagen kapituliert und von Hitlers Truppen besetzt wird. Einige Gebiete müssen an Mussolinis Italien abgetreten werden, der zuvor schon Albanien annektiert und 1940 Griechenland überfallen hat.

Die Flüchtlinge sitzen in der Falle, weil die Briten gleichzeitig die Einwanderung der verfolgten Juden nach Palästina verbieten. Sie bringen die ohnehin kaum seetüchtigen Schiffe auf und internieren die Menschen unter anderen auf den Malediven.

Die Autorin gibt uns einen Einblick in die Arbeit der verschiedenen jüdischen Hilfsorganisationen, die oft als willfährige Helfer des NS-Regimes erscheinen, zumal sie dazu gezwungen werden, mit zwielichtigen und kriminellen Personen zusammenzuarbeiten. Es müssen Unterkünfte, Lebensmittel, Einreisegenehmigungen und Transitvisa beschafft werden. Alles äußerst schwierig und gefährlich sowie kostspielig.

Wie oft die versprochenen und im Voraus bezahlten Passagen - aus unterschiedlichen Gründen - nicht durchgeführt worden sind, zeigt die Geschichte des Kladowo-Transportes, der 1939 in einem der jugoslawischen Donauhäfen festsaß. Der heftige Wintereinbruch 1939 verhindert ihre schnelle Weiterreise, denn die versprochenen Schiffe kmen nicht.

Fazit:

Ich habe schon einiges über den Balkan als Fluchtroute für verfolgte Juden gelesen, trotzdem ist dieses Buch auf Grund der peniblen Recherche und der Fülle der dargebotenen Unterlagen eine Ergänzung meines bisherigen Wissens. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Eine Leseempfehlung!

Lebensbande
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Dieser historische Roman von Mechthild Borrmann spielt so wie viele ihre anderen Roman während des bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschickt werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen dargestellt.

Worum ...

Dieser historische Roman von Mechthild Borrmann spielt so wie viele ihre anderen Roman während des bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschickt werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen dargestellt.

Worum geht’s hier?

Diese Geschichte erzählt das Leben von drei jungen Frauen, Lene, Nora und Lotte, die durch das NS-Regime und den Krieg zu Freundinnen werden, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Lene, die Tochter von Bauern, die wiederum einen Bauern heiraten soll, sich aber in einen jungen Holländer verliebt, Nora, ihre Cousine und Krankenschwester, die einige Jahre später Lenes Sohn Leo aus den Fängen einer Vernichtungsanstalt retten wird, und Lotte, eine überzeugte Nationalsozialistin, die erst sehr spät erkennt, welcher Propaganda sie aufgesessen ist.

Wie die Geschichte der drei Frauen miteinander verknüpft ist, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist nach wahren Begebenheiten geschrieben und nimmt ein eher unbeachtetes Thema der Nachkriegsgeschichte auf: Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen in die UdSSR verschleppt worden sind, um dort Wiederaufbauarbeit zu verrichten. Nora und Lotte werden acht lange Jahre im Gulag von Workuta Wiedergutmachung leisten. Als Bundeskanzler Konrad Adenauer beginnt, diese Zwangsarbeiterinnen freizukaufen, scheint eine Heimkehr möglich.

Durch den geschickten Schachzug, eine zunächst unbekannte Frau, die in Kühlungsborn an der Ostsee lebt und kurz nach dem Mauerfall ein Schreiben der Rentenversicherung erhält, ergänzende Angaben zu den Jahren vor 1953 zu machen, ihr Leben erzählen zu lassen, ist es kaum möglich, dieses Buch aus der Hand zu legen. Nach und nach enthüllt sich das Geheimnis dieser Frau, die nun im Alter ihre Lebensgeschichte und die gleich zweifache Schuld, die sie auf sich geladen hat, in zwei Schulheften notiert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der einen großen Eindruck bei mir hinterlassen jat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.10.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Wir dachten, das Leben kommt noch
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"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .
Dieser historische Roman ist der zweite, der die junge Radiomoderatorin und Übersetzerin Gwen in den Mittelpunkt stellt. Ich habe den ersten Teil der ...

"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .
Dieser historische Roman ist der zweite, der die junge Radiomoderatorin und Übersetzerin Gwen in den Mittelpunkt stellt. Ich habe den ersten Teil der Reihe (Porträt auf grüner Wandfarbe) nicht gelesen. Ob es der Vorgeschichte bedurft hätte, kann ich nicht sagen, werde aber bei Gelegenheit diese Lücke schließen.

Als Gwen die Chance erhält, ein Buch über jene Frauen zu schreiben, die während des Zweiten Weltkrieges für Winstin Churchils SOE (Special Operations Executive) in Frankreich ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um die deutsche Besatzung auszuspionieren, packt sie ihre Koffer, schnappt ihre kleine Tochter Ruth und reist nach Paris, um dort weiterführende Recherchen durchzuführen. Mit im Gepäck sind Tonbandkasetten, die ihre verstorbene Großmutter Isabé besprochen hat, denn sie scheint nicht nur ein großes Geheimnis gehütet zu haben, sondern hat auch einen Auftrag, der Gwens Sicht auf ihre Granny nachhaltig verändern wird:

"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Romane von Elisabeth Sandmann gelesen und finde ihren Schreibstil sehr angenehm. Es gelingt ihr sehr gut, die Charaktere lebendig und mit Ecken und Kanten darzustellen.

Das Thema dieses historischen Romans, die Leistungen der Frauen der SOE, die im allgemeinen nicht gewürdigt, sondern verschwiegen worden sind, in den Fokus der Leserschaft zu rücken, ist an sich gut gelungen. Auch wenn ich mir ein wenig mehr erwartet habe. Ich habe nämlich eine mehrteilige Doku über einige dieser wagemutigen Frauen gesehen, von denen nur Noor Inayat Khan (1914-vermutlich 1944 im KZ Dachau) in diesem Roman Erwähnung findet.

Der Roman wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und lässt uns mit den fiktiven Agentinnen des SOE, die ständig von der Enttarnung und mit dem Tod bedroht sind, mitzittern. Gleichzeitig lernen wir ihre Gedanken der Überlebenden kennen, weil sie sich niemandem anvertrauen können und mit Schuldgefühlen, eventuell an einer Verhaftung einer Kollegin schuldig zu sein, leben müssen. Auch die Recherchen, die Gwen anstellt, sind sehr interessant.

Elisabeth Sandmann hat für diesen Roman penibel recherchiert, was ich sehr schätze. Auch die Rolle der BBC während des Zweiten Weltkriegs wird beleuchtet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der versucht die Leistungen der britischen Agentinnen postum zu würdigen, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.10.2025

Gute Unterhaltung

Entführung im Himmelreich
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Wie schon im ersten Kriminalfall auf dem Campingplatz im Himmelreich lässt Andreas Winkelmann sein ungewöhnliches Trio, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler Björn Kupernikus, seiner Hundedame Pinguin ...

Wie schon im ersten Kriminalfall auf dem Campingplatz im Himmelreich lässt Andreas Winkelmann sein ungewöhnliches Trio, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler Björn Kupernikus, seiner Hundedame Pinguin und seiner Bekannten Annabelle abermals ermitteln.

Was haben das Verschwinden des Bäckers und das verdächtige Gehabe des Fleischhauers mit den durchaus als schräg zu bezeichnenden Gewese der alten Damen zu tun?

Kuperinkus fühlt sich in der Rolle des Ermittlers pudelwohl, obwohl er diese Rolle während seiner Schauspielkarriere nie inne gehabt hat. Ein Naturtalent? Aber reicht das, um die Entführung des Bäckers aufzuklären?

Meine Meinung:

Andreas Winkelmann ist abermals ein kurzweilige Cosy-Krimi gelungen, der einem für geraume Zeit den stressigen Alltag vergessen lassen kann. Höchstspannung darf man sich nicht erwarten, dafür die eine oder andere humovolle Szene, die einen schmunzeln lässt.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich gut unterhalten, weshalb ich ihm 4 Sterne gebe.