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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Schatten der Vergangenheit

Das geplünderte Nest
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Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, ...

Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, verfeindeten Clans und als krassen Gegensatz dazu rauschend Partys, bevor die nächsten Granaten einschlagen sowie einer aktiven Graffiti-Szene. Bei der Bearbeitung des Fotomaterials in seinem, vom Großvater Ludwig geerbten, Haus, erinnert er sich an seine eigene Jugend, in der er selbst als Sprayer unterwegs gewesen ist, und an Hugo Lenz, jenen einarmigen Berliner Maler, der 1944, also lange vor seiner Geburt, nach Alpach gekommen ist und dem man nachsagte, ein Spion zu sein. Später hat Lenz ihn unter seine Fittiche genommen hat, um ihm alles über die Malerei beizubringen. Dazu haben die beiden ausgedehnt Spaziergänge unternommen, bei denen auch Gerüchte über die Rolle Ludwigs in der NS-Zeit zur Sprache gekommen sind.

Als der Ich-Erzähler wenig später den Historiker Martin Reischer kennenlernt, der über Partisanen in Tirol schreibt, muss er sich wohl oder übel mit der Vergangenheit seines Großvaters, der Aufseher im nahe gelegenen Kriegsgefangenenlager gewesen sein soll. Hat er mit dem Verschwinden des ukrainischen Gefangenen Artem zu tun?

Meine Meinung:

Autor Robert Prasser schickt in diesem interessanten Roman einen Enkel (den Ich-Erzähler) auf die Spuren seines Großvaters und dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg. Wie häufig, wurde in den Familien nicht über die NS-Zeit gesprochen. Sei es, dass man von der Verfolgung betroffen oder daran beteiligt war.

Mir hat der Roman recht gut gefallen. Leider greift Robert Prasser zur modernen Unsitte, keine Redezeichen bei der direkten Rede zu verwenden.

Spannend zu lesen ist, wie der Ich-Erzähler langsam, in die Vergangenheit des Großvaters eintaucht, um Gerüchte Halbwahrheiten und Tatsachen zu erfahren, die Auswirkungen bis in seine aktuelle Gegenwart haben.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser interessanten Spurensuche, die so oder so ähnlich häufig vorkommt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Festlich morden
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24 weihnachtliche Kurzkrimis sind wie Vanillekipferl oder Anisbögen in einer Keksdose. Einzeln köstlich, wenn man zu viele davon nascht, ist man leicht übersättigt.

So ähnlich ist es mir hier ergangen. ...

24 weihnachtliche Kurzkrimis sind wie Vanillekipferl oder Anisbögen in einer Keksdose. Einzeln köstlich, wenn man zu viele davon nascht, ist man leicht übersättigt.

So ähnlich ist es mir hier ergangen. Einzelne Krimis habe ich gut bzw. witzig gefunden, andere hätten ohne die weihnachtliche Verbrämung zu jeder Jahreszeit an jedem Ort stattfinden können, wie z.B. jener mit den Lovescammern, die sich an einsame ältere Frauen heranmachen. Manche bedienen Klischee und andere wiederum bilden die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich manchmal zu Abgründen verwandeln, ab.

Anerkennen muss wieder, dass es gar nicht so leicht ist, auf nur wenigen Seiten, eine spannende Geschichte zu schreiben. So haben Krimi-Koryphäen wie Volker Kutscher, Tatjana Kruse oder Jennifer B. Wind einen Beitrag geleistet.

Leider hat mir diese Sammlung von Festtagskrimis nicht so ganz gefallen, so dass es nur für 3 Sterne reicht.

Veröffentlicht am 03.10.2025

Hat mich gut unterhalten

Advent im Grandhotel
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Ernestine Kirsch und Anton Böck haben eine Einladung zu einer Kunstausstellung erhalten, bei der das eine oder andre Bild zugunsten einer Hilfsorganisation für Kriegswaisenkinder versteigert werden soll. ...

Ernestine Kirsch und Anton Böck haben eine Einladung zu einer Kunstausstellung erhalten, bei der das eine oder andre Bild zugunsten einer Hilfsorganisation für Kriegswaisenkinder versteigert werden soll. Die Veranstaltung findet am Semmering im legendären Südbahnhotel statt, das nicht ganz so mondän wie das Panhans ist, in den sich Ernestine und Anton kennengelernt haben. Und weil Antons Tochter Heide in wenigen Wochen das zweite Kind erwartet, nehmen die beiden Antons Enkelin Rosa und ihren Freund Fritzi mit, denn die Aussicht auf Zuckerwatte, Lebkuchen und eine winterliche Schlittenfahrt, lassen auf ein gemütliches Wochenende schließen.

Wer Beate Maly kennt, kann sich ausrechnen, dass es nicht ganz so gemütlich wird, denn zum einem gibt es Reibereien unter den Ausstellern, nörgelnde Hotelgäste und antisemitische Sprüche und zum anderen verschwinden zwei jener Bilder, die versteigert werden sollen.

Nun ist der Spürsinn von Ernestine wieder gefragt ...

Meine Meinung:

Wie mir Autorin Beate Maly, die ich am vergangenen Wochenende bei einer Lesung getroffen habe, erklärt hat, ist dieser historische Roman kein Krimi sondern eine Adventgeschichte. Daher wird mehr Wert auf das vorweihnachtliche Ambiente gelegt, denn auf Spannung. Wir streifen durch das Südbahnhotel, das seine besten Jahre schon hinter sich hat . Direktor Silberstein erhofft sich von der Veranstaltung neues Klientel. Wie wir unschwer erraten können, erfüllen sich seine Erwartungen nicht, denn im Jahr 1926 haben die wenigsten Leute Geld für Urlaub.

Natürlich dürfen Rosa und Fritzi ihren Beitrag zur Aufklärung beitragen. Eine Nebenhandlung beschäftigt sich mit dem harten Los der Dienstmädchen sowie den Übergriffen, denen Balletttänzerinnen ausgesetzt sind.

Das Cover passt mit seinen an den Jugendstil angelehnten Elementen perfekt zur Krimi-Reihe.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem vorweihnachtlichen Roman, der uns in die Zwischenkriegszeit auf den Semmering entführt, 4 Sterne. Für mich hätten es durchaus ein paar Seiten mehr sein dürfen.

Veröffentlicht am 03.10.2025

Auf den Spuren der Vergangenheit

Alte Wut
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Caroline Caro Matzko, die im deutschen Fernsehen bekannte Moderatorin, hat in ihrem Leben bereits einige Therapien gemacht, Klinikaufenthalte inklusive, um unter anderem ihre Magersucht, ihre Depression ...

Caroline Caro Matzko, die im deutschen Fernsehen bekannte Moderatorin, hat in ihrem Leben bereits einige Therapien gemacht, Klinikaufenthalte inklusive, um unter anderem ihre Magersucht, ihre Depression und ein Burn-out in den Griff zu bekommen.

Zudem herrscht in der Familie eine angespannte Stimmung in der der Vater, Jahrgang 1934, wie ein Feldwebel agiert. Während ihr zehn Jahre älterer Bruder recht bald auszieht, muss die kleine Caro den Vater aushalten. Ungefragt erzählt er jedem, über seine Flucht als Zehnjähriger aus Ostpreußen, erzählt, wie er mehrmals dem Tod gerade noch entkommt, wie er in die Mündung eines deutschen und auch eines russischen Gewehrs schauen muss und was er alles auf der Flucht erlebt hat. Er erzählt, dass sein Vater von den Russen abtransportiert worden ist. Jahre später kommt eine trockene Karte mit der Meldung über seinen Tod in einem Arbeitslager. Das kann ein Kind kaum verarbeiten, zumal man vor allem den Jungs damals Emotionen abtrainiert hat. Der „Erfolg“? Eine Generation von Kriegskindern und in weiterer Folge Kriegsenkel, die ihre Traumata mit sich herum schleppen und mehrheitlich nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.

Es scheint, als wären die vererbten Traumata ihres Vaters, eine der Ursachen von Caros eigenen Problemen. Nach Rücksprache mit einer ihrer Therapeutinnen packt Caro Matzko ihren Mann Rainer, die Tochter Fanny sowie den Familienhund und begibt sich auf ein dreiwöchige Reise zu den Orten, die ihr Vater einst als Heimat bezeichnet hat.

Stadt für Stadt, Dorf für Dorf bereisen sie seine Fluchtroute in die Vergangenheit zurück, bis sie in Osterode ankommen, wo Ekkehart Matzko mit seiner Familie gelebt hat und just in dem Hotel absteigen, das gegenüber dem 2016 abgerissenen Hotels der Matzkos errichtet worden ist und in dessen Treppenhaus das alte Hotel als Fototapete grüßt.

Die Reise ist für Caroline Matko nicht ganz einfach, hat sie doch selbst einige Vorurteile ihres Vaters im Gepäck, obwohl sie dessen politische Ansicht und Meinung nicht teilt. Doch beinahe überall begegnet sie Menschen, die ihr weiterhelfen, so wie die 90-jährige Roza, die einst Rosemarie hieß und ihren Namen in die polnische Variante ändern musste, um nicht vertrieben zu werden.

Wie es Touristen häufig machen, nimmt Caro Matzko ein paar Steine, die sie für Überreste des alten Hotels hält, sowie ein Sackerl voll (Heimat)Erde mit nach Hause, ohne zu wissen, dass sie damit ihrem Vater seinen Herzenswunsch erfüllt.

Nach der Rückkehr nach Deutschland, schreibt sie dieses Buch, in dem sie auch über Therapieansätze und Erfolge berichtet. Es scheint, dass sich dabei einige Knoten bei ihr gelöst haben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem schnörkellosen und dennoch emotionalen Einblick in eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.10.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tatort Hafen - Die letzte Fähre nach Dockland
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Melanie Cullmann, Logistikerin im Hamburger Hafen, wird tot am Elbufer gefunden. Zunächst wird ein Selbstmord angenommen, was der Ehemann Fred vehement abstreitet und voller Wut auf eigene Faust Nachforschungen ...

Melanie Cullmann, Logistikerin im Hamburger Hafen, wird tot am Elbufer gefunden. Zunächst wird ein Selbstmord angenommen, was der Ehemann Fred vehement abstreitet und voller Wut auf eigene Faust Nachforschungen anstellt, die in tief in seine Vergangenheit führt.

Recht bald bemerkt Jonna Jacobi vom LKA, dass sowohl Melanie als auch Fred ihre Geheimnisse haben. Melanie scheint bei ihrer Arbeit am Eurocon Containerterminal in Unregelmäßigkeiten verwickelt zu sein. Daher wird Tom Bendixen von der Wasserschutzpolizei den LKA-Team zugeteilt und schleust seinen Mitarbeiter Quetsche im Containerterminal als Zivilfahnder ein.

Wenig später entdecken die Ermittler die wahre Identität von Fred Cullmann als ehemalige Kiezgröße. Da er vermutlich immer noch Verbindungen hat, wird die Jagd nach dem Mörder seiner Frau zu einem Wettlauf mit der Zeit. Denn weder schläft der Hamburger Hafen noch das organisierte Verbrechen...

Meine Meinung:

Das Autoren-Duo Angelique und Andreas Kästner führt uns nun zum dritten Mal in den Hamburger Hafen, der eine eigene faszinierende Welt für sich ist und die immer wieder für spannende Geschichten sorgt. Ob Drogenschmuggel oder illegale Einwanderung - der Hafen Hamburg ist ein großes Einfallstor für Waren aller Art und die Zollbehörden sind chronisch unterbesetzt. Sie können nur einen kleinen Bruchteil der umgeschlagenen Container kontrollieren, was sich kriminelle Banden zu Nutze machen. Und wenn dann noch der eine oder andere Container durchgeschleust wird, erreichen die Gewinnmargen ein Maximum.

Geschickt wird eine Kiste mit Zollplomben, die während des Elbhochwassers aus dem Hafen geborgen wird, zu einer, nicht von allen, beachteten Hauptdarstellerin (siehe vorherigen Fall). Erst nach einiger Zeit und weiteren Toten erkennt Tom Bendixen die Bedeutung des Inhalts dieser Kiste.

Wir begegnen den Charakteren aus den beiden vorherigen Fällen und lernen neue interessante Figuren kennen. Diesmal ist keine gekommen, um zu bleiben. Das gilt vor allem für den liebenswerten Schrotti, einen ehemaligen Barkassenführer, der bei einem Unglück seine Familie verloren hat und noch immer darauf wartet, dass die Elbe die sterblichen Überreste seiner Frau hergibt.

Wie immer können sowohl Angelique Kästner als auch Andreas Kästner aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Sie als ausgebildete Psychotherapeutin und er als ehemaliger Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei. Sie flechten Fakten, wie zum Beispiel das Barkassenunglück von 1984, bei dem 19 Menschen, darunter 11 Kinder ihr Leben verloren haben, in fiktive Charaktere ein. Daneben erfahren wir Wissenswertes über den Hafen Hamburg, der für die meisten von uns Lesern zahlreiche Geheimnisse birgt, sowie über den Hamburger Kiez und seine kriminellen Bewohner und das Nadelöhr der Stadt - die Köhlbrandbrücke.

Einigen Lesern sind die nautischen und polizeilichen Begriffe vielleicht nicht so präsent, daher gibt es ein ausführliches Glossar.

Ich freue mich schon auf den vierten Fall für Tom Bendixen, Jonna Jacobi und Charlotte Severin, der - wie man der Leseprobe entnehmen kann - im Umfeld des Hafengeburtstags spielen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der im Hamburger Hafen spielt und bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.