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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2020

Hat mich gut unterhalten

Bierbrauerblues
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Die ganze Welt, also eigentlich der Mikrokosmos namens „Koppelried“, ein fiktiver Ort im Salzburger Land, ist auf den Beinen als die schöne Marie den ungehobelten Max Rieger heiratet. Will sie Dorfwirtin ...

Die ganze Welt, also eigentlich der Mikrokosmos namens „Koppelried“, ein fiktiver Ort im Salzburger Land, ist auf den Beinen als die schöne Marie den ungehobelten Max Rieger heiratet. Will sie Dorfwirtin werden? Dass die Ehe nicht lang halten wird, war abzusehen, aber dass Marie bereits nach drei Tagen Witwe ist, ist dann doch ein wenig überraschend. Ehemann Max ist ermordet worden. Doch wer hat hier ein Motiv? Die nun vermögende Witwe, die, wie ganz Koppelried nun weiß, die Hochzeitsnacht nicht mit ihrem Angetrauten verbracht hat? war? Oder die Kathi, Maxens Verhältnis, der Lehrling Gregor oder gar die alte Tante, die sich nicht, auf’s Altenteil abschieben lassen will und gar nicht so gebrechlich ist, wie es manchmal den Anschein hat?

Dorfpolizist Raphael Aigner hat einige Rätsel aufzulösen und denkt, beim Anblick von Marie, nicht so sehr mit dem Kopf, sondern eher mit einem anderen Körperteil.

Meine Meinung:

Natascha Keferböck ist ein durchaus humoriger Krimi gelungen. Wer kennt sie nicht, die dörfliche Idylle, in der nichts, aber schon gar nichts verborgen bleibt? Es muss ja nicht unbedingt eine nächtliche Vorstellung im Möbelhaus sein, um zum Dorfgespräch zu werden.
Die oft schrägen Charaktere sind herrlich getroffen. Besonders gut ist Aigners Schwester gelungen, die sowohl zu Hause als auch in der Pfarre das Zepter schwingt. Anders als in anderen Krimis, hat Raphael durchaus nette Kollegen. Er selbst ist nach dem Unfalltod seiner Frau noch immer nicht bereit, eine neue Partnerschaft einzugehen, obwohl die für ihn und seinen kleinen Sohn Felix sicherlich gut wäre.

Der Schreibstil ist locker und flüssig zu lesen. Für alle jene, die den Salzburger Dialekt nicht so gut verstehen, gibt es im Anhang ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen.

Fazit:

Mir hat der Krimi gut gefallen und gebe daher 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.10.2020

Die Geschichte einer süßen Verlockung

Das kleine Buch: Die Geschichte der Original Salzburger Mozartkugel
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Wer kennt ihn nicht? Den zarten Geschmack von Marzipan und Nougat, der von feiner Schokolade umhüllt ist? Genau, es ist von der Mozartkugel die Rede! Doch welche ist die echte, originale?

In diesem Buch ...

Wer kennt ihn nicht? Den zarten Geschmack von Marzipan und Nougat, der von feiner Schokolade umhüllt ist? Genau, es ist von der Mozartkugel die Rede! Doch welche ist die echte, originale?

In diesem Buch aus der Reihe „Das kleine Buch“ widmet sich Autor Jakob M. Berninger der Geschichte der köstlichen Naschigkeit.
Dabei geht er auf die akribisch ausgewählten Zutaten ebenso ein, wie auf die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten. Der Erfinder der Köstlichkeit Paul Fürst hat sich von 130 Jahren nicht um Urheberrechte und/oder Patente gekümmert.
Wenn wir also eine Mozartkugel, die in blau-silberner Stanniolfolie eingewickelt ist, in der Hand halten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, eine echte Salzburger Mozartkugel vor uns zu haben. Alle anderen sind Plagiate, die meist nicht minder gut schmecken.

Fazit:

Ein nettes Buch aus dem Salzburger Servus-Verlag, der Lust auf eine echte Salzburger Mozartkugel macht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.10.2020

Hat mich nicht überzeugt

Vier Tage im Juni
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Wir schreiben das Jahr 1963. John F. Kennedy ist Präsident der USA. Die welt steht wieder einmal am Rande eines Atomkrieges, der Kalte Krieg ist in den Alltag der Menschen integriert. Das ist die Weltlage, ...

Wir schreiben das Jahr 1963. John F. Kennedy ist Präsident der USA. Die welt steht wieder einmal am Rande eines Atomkrieges, der Kalte Krieg ist in den Alltag der Menschen integriert. Das ist die Weltlage, in der sich Kennedy entschließt, die Bundesrepublik Deutschland zu besuchen.

Die Herzen der Menschen fliegen dem Präsidenten zu, der sich als Charming Boy präsentiert. Kaum jemand weiß, dass er medikamentenabhängig ist und sein Tagespensum unter Schmerzen absolviert.

Als bekannt wird, dass ein Attentat auf den Präsidenten verübt werden soll, laufen die Sicherheitsvorkehrungen auf Hochtouren. Nur, wie will man Kennedy, der gerne ein Bad in der Menge nimmt, wirkungsvoll schützen?

Als dann gleich am ersten Besuchstag Schüsse fallen, stehen alle Kopf.

Meine Meinung:

John F. Kennedy ist auch Jahrzehnte nach seiner Ermordung gerne Mittelpunkt von Büchern. Wie man ja weiß, verlässt er Deutschland unbeschadet und wird wenig später in Dallas ermordet.

Jan-Christoph Nüse verknüpft Fakten und Fiktion, wobei nur Leser mit genauen Kenntnissen diese wirklich auseinanderhalten können. Hin und wieder wirken die Figuren nicht ganz glaubwürdig. Allen voran die kurzfristig eingesprungene Dolmetscherin. Die Charaktere erscheinen unnahbar.

Obwohl die durchaus charismatische Person von John F. Kennedy viel Stoff für allerlei Verschwörungstheorien hergibt, kommt in diesem Krimi wenig Spannung auf. Der Leser ist den Ermittlern stets einen Schritt voraus, da er seine Informationen aus Briefen erhält, die der Polizei nicht oder verspätet zugänglich sind. Wir Leser haben kaum die Möglichkeit, eigene Gedanken zu den Attentaten oder Tätern zu entwickeln, denn die Lösung wird fix und fertig präsentiert. Das nimmt schnell die Freude am Lesen.

Fazit:

Obwohl genügend Zutaten zu einem spannenden Krimi vorhanden wären, hat der Autor die Chance nicht genutzt. Für diese laue Geschichte gibt es nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 18.10.2020

Farbenprächtig und opulent

Shakespeares Welt
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In seinem dritten Buch entführt Autor Ian Mortimer seine Leser in das Elisabethanische Zeitalter, das als das „Goldene Zeitalter“ gilt. Dass die Zeiten alles andere als golden waren, wird uns in diesem ...

In seinem dritten Buch entführt Autor Ian Mortimer seine Leser in das Elisabethanische Zeitalter, das als das „Goldene Zeitalter“ gilt. Dass die Zeiten alles andere als golden waren, wird uns in diesem Buch sehr intensiv nahe gebracht.

Auf der einen Seite finden wir Prunk und Überfluss und auf der anderen bittere Armut. Deutlich zeigt sich das Bild des 16. Jahrhunderts: England ist ein Land des Widerspruchs.

In zwölf Kapiteln geht Ian Mortimer auf die Lebensumstände dem Menschen ein, die von Krieg, Hunger, Krankheit, Glaubenskämpfen aber auch von Poesie und Komfort (den sich aber nur die wenigsten leisten konnten) geprägt ist.

Die Landschaft - von Feldern, Flüssen und imposanten Bauwerken
Die Menschen - von Status und Macht, Reichtum und Elend
Die Religion - von Protestanten, Katholiken und Atheisten
Das Wesen des elisabethanischen Menschen
Grundlegende Aspekte des Alttagslebens
Wie Sie sich kleiden
Wie Sie durch das Königreich reisen
Wo Sie Unterkunft finden
Was Sie essen und trinken
Von Hygiene, Krankheit und Medizin
Von Recht, Gesetzesbrechern und Strafen
Was Sie zum Zeitvertreib unternehmen können

Sehr interessant sind die detaillierten Ausflüge in die Rechtssprechung, die Glaubenskämpfe und die Schwierigkeiten des Alltagslebens.

Der Autor spricht den Leser direkt an: „Sie können auf den Straßen von London flanieren ...“. Dadurch ist der Leser mittendrin im historischen London oder in Exeter oder auf dem Land. Diese farbenprächtige Zeitreise ermöglicht es dem Leser in die Welt der Elisabeth I. einzutauchen.

Ich mag Bücher, die mit Jahreszahlen und historischen Persönlichkeiten gespickt sind. Manchem Leser kann dieser Detailreichtum ein wenig zu viel sein. Allerdings ist das Buch in einer leicht lesbaren Form geschrieben, was auch an der gelungenen Übersetzung liegt. Ein kleine Kritik muss ich doch anbringen: Der Originaltitel „The Time Traveller‘s Guide to Elisabethan England“ passt besser, denn William Shakespeare kommt nicht allzu oft zu Wort. Aber das ist I-Tüpfel-Reiterei.

Das vorliegende Buch macht Lust, die beiden anderen („Im Mittelalter“ und „Zeiten der Erkenntnis“) des Autors lesen zu wollen.

Fazit:

Ian Mortimer entwirft ein farbenprächtiges, detailreiches Bild einer faszinierenden Epoche. Ich kann dieses Buch nur empfehlen und gebe 5 Sterne.

Veröffentlicht am 17.10.2020

Biodynamiser Weinbau - Klasse statt Masse

Von der Freiheit, den richtigen Wein zu machen
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Bevor noch die zwölf ausgewählten Winzer zu Wort kommen, gibt Informationen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die u.a. in folgenden Kapiteln zusammengefasst sind:

„Eine kurze Geschichte der Landwirtschaft“
„Die ...

Bevor noch die zwölf ausgewählten Winzer zu Wort kommen, gibt Informationen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die u.a. in folgenden Kapiteln zusammengefasst sind:

„Eine kurze Geschichte der Landwirtschaft“
„Die Grundlagen der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise“
„Richtlinien und Zertifizierung“

Die Autorin stellt 12 Winzerbetriebe vor, die dem konventionellen Weinbau aus unterschiedlichen Gründen und Motiven den Rücken gekehrt haben. Diese interviewten Weinbauern sind in Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien zu finden. Es gibt bestimmt noch mehr Betriebe, die nach diesen Richtlinien arbeiten.

Das Buch ist sehr gut gegliedert und lässt die Menschen zu Wort kommen. Sehr persönliche Statements unterstreichen das Engagement der Winzerinnen und Winzer, die nach biologisch-dynamischen Gesichtspunkten ihren Weinbau betreiben.
Schmunzeln musste ich, dass beinahe alle Rudolf Steiners Schriften für nicht gut lesbar halten und dennoch seine Philosophie beachten und weitertragen.

Zahlreiche Fotos von Böden, von Reben und Weinstöcken ziehen sich durch das Buch. Jeder Winzer berichtet über seine Erfahrungen, mit der neuen Art zu wirtschaften. Manchmal reagiert die Umgebung skeptisch, doch der Erfolg gibt den Winzern Recht. Manchmal müssen sie sich Vorurteilen stellen „Nur die faulen Winzer hatten Unkraut im Weinberg“ (S.208/ Rita Busch). Die anderen, die „Fleißigen“ haben Unkrautvernichtungsmittel gespritzt und das vielfältige Bodenleben zerstört.

Klasse statt Masse ist die Devise. Jeder dieser Betriebe hat sich die Freiheit genommen, den richtigen Wein zu machen.

Der Autorin bemerkt gleich zu Beginn: „Das Buch soll keine Opposition zur konventionellen Wirtschaftsweise darstellen. Mir geht es darum, den Blick zu erweitern…“

Das ist ihr vortrefflich gelungen! Gerne gebe ich diesem interessanten Buch 5 Sterne.