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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Dieser historische Roman, der 1946 im zerstörten Wien spielt, ist der erste Teil eine Dilogie, die aufzeigt, dass es den vertriebenen Jüdinnen und Juden nicht leicht gemacht worden ist, in ihre Heimatstadt ...

Dieser historische Roman, der 1946 im zerstörten Wien spielt, ist der erste Teil eine Dilogie, die aufzeigt, dass es den vertriebenen Jüdinnen und Juden nicht leicht gemacht worden ist, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Es sind nicht nur die materiellen Schäden sondern vor allem die Nazi-Ideologie, der nach wie vor sehr viele Menschen anhängen, die Stella Herzig, einer Lehrerin, die den Krieg in England verbracht hat, das Leben schwer machen.

Beate Maly beschreibt die bangen und doch hoffnungsfrohen Stunden und Tage von Stellas Rückkehr. Die Freude über die Anstellung im Lindengymnasium wird recht schnell durch die Ablehnung einiger ihrer Kolleginnen und Kollegen getrübt, die aus ihrer Ablehnung einer Jüdin keinen Hehl machen. Es sind auch genau diese Lehrkräfte, die den Schülern, die aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aus Platzgründen statt in die Hauptschule im Gymnasium unterrichtet werden, das (Schüler)Leben zur Hölle machen. Grundlos werden die Schüler mit dem Rohrstaberl gezüchtigt, wird ihnen Lernwille und Fleiß abgesprochen und ihnen ständig mit dem Hinauswurf gedroht. Genau diesen Schülerinnen und Schülern widmet Stella ihre besondere Aufmerksamkeit.

Unterstützt wird sie vom Direktor der Schule, der einen oder anderen Lehrkraft sowie ihrer besten Freundin Felicitas, die als Sekretärin in der Schule arbeitet. Doch Feli, wie sie genannt wird, hat ihren eigenen Kummer.

Als ein besonders begabtes Mädchen die Schule verlassen soll, um eine Lehrstelle als Schneiderin anzutreten, um zum Familienunterhalt beizutragen, überwindet sich Stella und macht einen Hausbesuch. Eine persönliche Herausforderung, denn die Familie lebt in der ehemalige Wohnung von Stellas Eltern, aus der die Familie vertrieben worden ist .....

Meine Meinung:

Beate Maly ist es eindrucksvoll gelungen, die Stimmung im Wien der Nachkriegszeit einzufangen. Das braune Gedankengut ist so schnell nicht aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen. Das zeigt sich auch noch in meiner Gymnasialzeit in den 1970er-Jahren. Auch noch fünfundzwanzig (und mehr) Jahre nach Kriegsende unterrichten Lehrkräfte, die entweder als Soldaten an der Front waren oder aus NS-Familien stammen.

Autorin Beate Maly beschreibt Stellas Bemühungen auf die Kinder zuzugehen, neue fortschrittliche Unterrichtsmethoden zu verwenden. Es sind vor allem die vielen kleinen bösartigen Vorkommnisse in der Schule, die Stella manchmal daran zweifeln lassen, ob ihre Entscheidung, in ihr geliebtes Wien zurückzukehren, richtig ist. Denn das Wien, wie sie es gekannt hat, gibt es nicht mehr, was aber nicht nur an den zerstörten Gebäuden liegt.

Geschickt verknüpft Beate Maly Fakten und Fiktion, den dieser zweiteilige historische Roman basiert auf den Lebenserinnerungen der österreichischen Pädagogin Stella Klein-Löw (1904-1986). Wie wir es von Beate Maly gewöhnt sind, sind die Charaktere, die guten wie die bösen, vielschichtg und authentisch angelehnt.

Als Wienerin, die im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, die vor dem Zweiten Weltkrieg der Inbegriff eines florierenden jüdischen Lebens gewesen ist, aufgewachsen ist, kann ich mich hier sehr gut einfühlen.

Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger und so bleibt mir nur, auf die Fortsetzung zu warten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf der Lebensgeschichte einer realen Persönlichkeit beruht, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.05.2025

Eine gelungene Fortsetzung

OTTO fährt los – Ein Sommer in den Bergen
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In seinem dritten Reise-Abenteuer fährt der kleine Campingbus Otto in die Berge. Er reist mit seiner neuen Urlaubsfamilie quer über und durch die Alpen, besucht mit ihnen gemeinsam Städte in Deutschland, ...

In seinem dritten Reise-Abenteuer fährt der kleine Campingbus Otto in die Berge. Er reist mit seiner neuen Urlaubsfamilie quer über und durch die Alpen, besucht mit ihnen gemeinsam Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Truppe entdeckt Schlösser und andere Sehenswürdigkeiten sowie Almen mit Kühen. Als dann ein Kälbchen ausgebüxt ist, ist Otto zur Stelle und hilft mit, das Tier zu finden.

Wie schon in den beiden Vorgängern ist auch diese Reise für ca. Vierjährige gedacht. Die Texte sind kindgerecht und die Illustrationen von Stephanie Reich zauberhaft. Die Geschichte ist spannend und lässt die lieben Kleinen zahlreiche gezeichnete Details entdecken.

Zum Vorlesen für für Kids ab vier Jahren, Leseanfänger können die Texte gut selbst lesen.

Fazit:

Ein must-have für jede Reise mit Kindern. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 04.05.2025

Erleuchtung oder Tod?

Echnatons Fluch
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Nach der Aufklärung ihres ersten gemeinsamen Falles Kleopatras Grab und der Zerschlagung eines Verschwörerringes in dem auch hochrangige Politiker verstrickt waren, fristet der degradierte Polizist Fadi ...

Nach der Aufklärung ihres ersten gemeinsamen Falles Kleopatras Grab und der Zerschlagung eines Verschwörerringes in dem auch hochrangige Politiker verstrickt waren, fristet der degradierte Polizist Fadi al Sawi ein Leben in einer fensterlosen Abstellkammer, um Strafbescheide gegen Tempo- und Parksünder auszustellen. Theodora Costanda befindet sich in einem 300 km südlich von Kairo gelegenen Yoga-Retreat, um über ihre Zukunft nachzudenken. In Ägypten, der Heimat ihrer Mutter bleiben oder nach Belgien zurückkehren?

Die Antwort auf ihre Fragen wird ihr quasi vom Schicksal abgenommen, denn beim Besuch eines Marktes trifft sie auf eine Gruppe gelb gekleideter Menschen, die sich auffällig benehmen. Sie beginnt Fragen zu stellen und erfährt, dass diese Personen Anhänger des Sonnengottes Aton sind und ihm in einem Tempel in der Nähe huldigen. Als Theo wenig später in jenem Grab, das als Echnatons gilt, eine geheime Kammer und Blutspuren entdeckt, , ist es mit Entspannung und Yoga endgültig vorbei und die Ermittlerin in Theo erwacht abermals. Sie lernt eine besorgte Mutter, deren Tochter dieser Gruppe angehören soll und händeringend um Hilfe bittet, kennen. Denn niemand, der sich diesen Aton-Anhängern angeschlossen hat, ist jemals wieder aufgetaucht...

Gleichzeitig sorgt sich Theo um ihre Mutter, die sie seit einigen Tagen nicht mehr erreichen kann. Sie bitte aIso Fadi, erstens bei ihrer Mutter vorbei zu schauen und zweitens, Informationen über diese Aton-Fans zu herauszubekommen.

Was sie damit auslöst, müsst ihr schon selbst lesen ....

Meine Meinung:

In seinem zweiten Fall für Theo Costanda und Fadi al Sawi lässt sich Autor Constantin Schreiber mit einem ziemlich umstrittenen Herrscher ein - mit Echnaton, Gemahl der Nofretete, der zunächst seinem Vater Amenophis III. als Amenophis IV. folgt, um wenig später dem Polytheismus abzuschwören und Aton, den Sonnengott als alleinige Gottheit einzuführen. Weder das Volk noch die entmachteten Priestern der bisherigen Götter sind mit dem neuen Monotheismus einverstanden. Rücksichtslos setzt sich Echnaton, wie sich Amenophis IV. nun nennt, durch. Nach seinem bislang ungeklärten Tod erfolgt die Rückkehr zu den alten Göttern.

Klar, dass so eine interessante und umstrittene Herrscherpersönlichkeit die Fantasie zahlreicher Autoren anspornt. Diese historischen Details sind sehr gut recherchiert und gut in den Krimi integriert, der sich flott lesen lässt.

Und hier liegt auch schon mein kleiner persönlicher Kritikpunkt: Für mich hätten es gern ein paar Seiten mehr sein können.

Was zunächst nur wie eine der zahlreichen Menschen fangenden Sekten beginnt, entwickelt sich zu einem fesselnden Krimi, der sich mit Wunderheilern und illegalen Experimenten auswächst. Der Glaube an Wunder, die unheilbar Kranke wieder gesund machen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die damit verbundenen Experimente sowie Heilsversprechen und Scharlatanen, ebenso.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 04.05.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Was am Ufer lauert
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Nachdem ich den ersten Band dieser Krimi-Reihe rund um Gianna Pitti-Sanbaldi gelesen und für interessant befunden habe, war ich sehr neugierig auf die Fortsetzung. Gleich vorweg, ich bin leider enttäuscht ...

Nachdem ich den ersten Band dieser Krimi-Reihe rund um Gianna Pitti-Sanbaldi gelesen und für interessant befunden habe, war ich sehr neugierig auf die Fortsetzung. Gleich vorweg, ich bin leider enttäuscht worden. Dabei hat mich der Klappentext, in dem es um ein bislang nicht gelüftetes Geheimnis von Winston Churchill gehen sollte, angesprochen.

Gianna soll auf Bitte ihres Vaters Arnaldo, einem ehemaligen Investigativjournalisten, am Ufer das Gardasees einen Informanten treffen, der Aufschluss zu Churchills Geheimnis geben könnte. Doch der erscheint nicht, stattdessen findet Gianna eine Frauenleiche und eine leer CD-Hülle mit der Aufschrift „Churchills Geheimnis“.

Offensichtlich war hier jemand schneller. Nur wer? Der englische Geheimdienst, der Churchills Geheimnis um jeden Preis gewahrt haben will? Geschäftemacher? Oder doch die Ewiggestrigen und ihre Nachkommen, die Mussolini & Co. gar nicht so übel fanden und finden?

Meine Meinung:

Einem geschätzten Staatsmann, ein wohl gehütetes Geheimnis entreißen zu wollen, dass vielleicht an seinem Saubermann-Image kratzt, ist ein interessanter Ansatz. Leider ist die Umsetzung nicht so toll gelungen. Wir Leser stolpern mit der Familie Pitti-Sanbaldi, das sind Gianna, die Brüder Arnaldo und Francesco sowie Arnaldos Ex-Frau (mit zwielichtigem Lover) und seine aktuelle Freundin, Giannas Chefin Elvira durch die Handlung. Oftmals stehen die komplizierten Familienverhältnisse dem flüssigen Lesen und der Spannung im Weg.

Die Jagd nach Churchills Geheimnis nimmt nur wenige Tage in Anspruch und endet mit einem Showdown sowie einer unerwarteten Auflösung, die zum Schmunzeln anregt. Echte Spannung und Polizeiarbeit, die ich von Commissario Grauner und Saltapepe kenne, fehlen hier gänzlich.

Die Charaktere, ausgenommen Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi, der mir durch seine unkonventionelle, bisweilen schrullige Art gut gefällt, bleiben eher blass.

Fazit:

Der erste Fall mit Gianna Pitti Was der See birgt hat mir wesentlich besser gefallen. Hier reicht es nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 03.05.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Drei Leichen zum Frühstück
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Autorin Eva Reichls neuester Krimi spielt wieder in Oberösterreich. Diesmal geht es um einen Täter, der bei seinen Opfern einen Sinnspruch hinterlässt. Dem ersten, das am Traunsee gefunden wird, hat er ...

Autorin Eva Reichls neuester Krimi spielt wieder in Oberösterreich. Diesmal geht es um einen Täter, der bei seinen Opfern einen Sinnspruch hinterlässt. Dem ersten, das am Traunsee gefunden wird, hat er die Beine abgetrennt und einen Zettel mit den Worten „Lügen haben kurze Beine“ beigefügt. Das lässt auf eine persönliche Täter-Opfer-Beziehung schließen. Nur, welche?

Chefinspektorin Lotta Meinich und ihr Kollege Daniel Proschko haben einiges zu tun, um das Umfeld des Toten, der sich als Anwalt und Politiker jede Menge Feinde gemacht hat, zu durchleuchten. Damit noch nicht genug, muss sie sich mit ihrem Vater Gustav, einem pensionierten Chefinspektor mit hoher Aufklärungsquote, der sich mit dem Unruhestand nicht abfinden kann und seine neugierige Nase in Lottas Ermittlungen steckt, herumschlagen.

Als er dann noch entdeckt, dass dem tödlichen Arbeitsunfall eines Bauleiters ein Zitat, das bei den Todesanzeigen in der Lokalzeitung abgedruckt ist, vorangegangen ist, ist man in Lottas Dienststelle wenig amused. Gustav und sein Freund Rudi geraten kurzfristig in das Visier der Ermittler und Lotta, die für ihre Alleingänge bekannt ist, hat einen schwarzen Punkt mehr.

Meine Meinung:

Eva Reichl ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der zeigt, dass es nach wie vor Ressentiments Frauen in Führungspositionen gegenüber gibt. Die sind bei der Polizei deutlich größer als im Durchschnitt. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Privatleben. Dass Lotta ebenso wie ihr Kollege Daniel geschieden ist, wird dennoch unterschiedlich bewertet. Erschwerend kommt bei Lotta hinzu, dass ihr Vater Anzeichen einer beginnender Demenz zeigt, allerdings dies nicht einsehen will. So muss sich Lotta dennoch Beruf den Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern versuchen. Ich denke, da wird noch einiges an Konfliktpotenzial auf uns Leser warten.

Die Grundzüge der Charaktere sind, wie bei Eva Reichl üblich, sehr gut herausgearbeitet und haben die Möglichkeit in alle Richtungen zu wachsen.

Fazit:

Mir hat dieser Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe sehr gut gefallen, daher erhält der Krimi 4 Sterne.