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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Schatten der Schuld
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Just während der Feierlichkeiten zu ihrem 80. Geburtstag im Hamburger Rathaus wird Marlen Reinhardt, Reederin und Mäzenin, in Hamburg, von einem alten Mann niedergestochen und schwer verletzt. Die Identität ...

Just während der Feierlichkeiten zu ihrem 80. Geburtstag im Hamburger Rathaus wird Marlen Reinhardt, Reederin und Mäzenin, in Hamburg, von einem alten Mann niedergestochen und schwer verletzt. Die Identität des Mannes, dessen Tochter zu den geladenen Gästen zählt, weil sie Repräsentantin einer von Reinhardt unterstützten NGO ist, ist schnell klar, das Motiv nicht, denn der Mann, Danil Baumberger, macht einen verwirrten Eindruck.

Marlenes Enkeltochter Katharina, aussichtsreichste Kandidatin, die Nachfolge ihrer Großmutter im Familienunternehmen zu übernehmen, beginnt gemeinsam mit KHK Callsen und Privatermittler Simon Mahler Nachforschungen anzustellen. Als wenig später der Staatsschutz die Ermittlungen übernimmt und Callsen ausgebootet wird, scheint klar zu sein, dass hier etwas vertuscht werden soll.

Bei ihren Nachforschungen entdecken Katharina und Simon die Verstrickungen der Reederei in die NS-Zeit, über die in der Familie nicht gesprochen wird.

Als Katharina ihre Großmutter mit den Ergebnissen ihrer Recherchen konfrontiert, zeigt diese ihr wahres Gesicht: Sie ist nicht mehr die bewundernswerte Großmutter und toughe Geschäftsfrau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchgesetzt hat, sondern eine knallharte Person, die buchstäblich über Leichen geht und ihre Enkelin vor ein Ultimatum stellt.

Wie wird Katharina sich entscheiden? Wird sie die Annehmlichkeiten wie Sportwagen und Wohnung an der Alster aufgeben sowie die Nachfolge im Konzern antreten? Oder wird sie ihrem Gewissen folgen und versuchen, das Unrecht das der Familie des Attentäters zugefügt worden ist, wenigstens publik machen? Denn eine „Wiedergutmachung“, im Sinne einer Wiedereinsetzung in den alten Stand, ist ausgeschlossen. Und kann man erlittenes Unrecht und Leid mit Geld abgelten?

Meine Meinung:

Michael Jensen, im Brotberuf Mediziner und Trauma-Therapeut, spricht mit diesem Roman, der uns abwechselnd von der Gegenwart in die NS-Zeit entführt, ein nach wie vor brisantes Thema an. Arisierung jüdischer Firmen und die daraus hervorgegangenen Konzerne, die heute (noch) Big-Player in der deutschen Wirtschaft sind sowie das Verschweigen dieses Unrechts. Selbst wenn der eine oder andere Firmeninhaber oder deren Erben die Firmengeschichte kennen, wie viele wären bereit, die Konsequenzen einer Restitution zu tragen? Herrscht in vielen Fällen nicht eher die Meinung von Marlene Reinhardt, die ihr der geschätzte Autor so trefflich in den Mund gelegt hat, vor?

"Hätte er [Katharinas Großvater] die Chance nicht ergriffen, dann wäre eben ein anderer gekommen. Und du hättest heute keinen Sportwagen und keine fünf Zimmer in Alsternähe."
Ein weiters höchst interessantes Thema, mit dem ich mich schon auseinandergesetzt habe, ist die transgenerationale Traumaforschung, die Autor Michael Jensen in diesen Roman integriert. Wie kann es sein, dass Nachfahren Traumata ihrer Großeltern oder Eltern entwickeln? Jensen zeigt dieses Phänomen am tragischen Beispiel von Danil Baumberger, der Sohn eines Shoah-Überlebenden, der selbst nach 1945 geboren worden ist.

An Hand von Rückblicken, die uns unter anderem in NS-Zeit, sowie in die 1960er-Jahre in einen Kibbuz führen, erfahren wir, welches Unrecht der Familie Baumberger angetan worden ist. Die Familie steht hier stellvertretend für Tausende jüdischen Unternehmerfamilien, denen dasselbe widerfahren ist.

Ebenso wird der Frage nach Schuld und Wiedergutmachung, die auch die Politik nicht ausklammert, nachgegangen. Resultiert das Mäzenatentum von Marlene Reinhardt unbewusst (?) aus dem schlechten Gewissen heraus? Oder sind die Summen, die sie an die NGO, deren Vorsitzende Francine Baumberger ist, reines Kalkül, steuerliche Absetzposten? Es scheint, als existiere hier eine Grauzone, in der sich Marlene stellvertretend für reale Konzernchefs hier befindet.

Wie wir es von Michael Jensen gewöhnt sind, hat er penibel recherchiert und Fakten mit Fiktion zu einem fesselnden Roman verquickt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Roman, der Fakten und Fiktion zu einem fesselnden Roman über die Schatten der Schuld, die über so manchem deutschen Großkonzern liegen, der auf Kosten von jüdischen Unternehmen erst so richtig groß geworden ist, aufmerksam macht, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Eine gelungene Fortsetzung

Die Schneiderei in der Fliedergasse - Neue Hoffnung
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In der Fortsetzung der Geschichte der Schneiderei in der Fliedergasse dürfen die Zwillinge Susanne und Leonhard endlich ihren Berufungen nachgehen. Susanne studiert Jus und Leonhard arbeitet sich in der ...

In der Fortsetzung der Geschichte der Schneiderei in der Fliedergasse dürfen die Zwillinge Susanne und Leonhard endlich ihren Berufungen nachgehen. Susanne studiert Jus und Leonhard arbeitet sich in der mütterlichen Schneiderei bestens ein und entwirft Kostüme für das Theater. Es könnte alles so schön sein, wenn nicht, das liebe Geld für die von der Stadt vorgeschriebene Renovierung des Wohn- und Geschäftshauses in der Fliedergasse fehlen würde.

Die Geschwister und ihr Freundeskreis sind kreativ in der legalen Beschaffung von Geldmitteln. Doch es reicht nicht. Also beschließen sie, ihren bislang unbekannten leiblichen Vater Henri um Hilfe zu bitten und fahren nach Straßbourg. Dort angekommen, erwartet sie eine herbe Enttäuschung: Sie erfahren, dass er bereits verheiratet war (und es immer noch ist) sowie zwei Kinder hat, als er mit ihrer Mutter eine Liebschaft eingegangen ist. Die Empörung bei den Geschwistern und der Ehefrau ist riesengroß. Also reisen sie desillusioniert ab.

Ob sich die Geschichte zu einem, für alle Beteiligten guten Ende entwickelt, verrate ich hier nicht. Das müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Hinter dem Namen Katharina Oswald verbergen sich die beiden Autorinnen Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, eine stimmige Fortsetzung geschrieben haben, die einen sehr guten Eindruck der 1970er-Jahre vermittelt. Alte Rollenbilder brechen langsam auf, politische Themen wie die studentischen Proteste der sogenannten 68er-Bewegung gegen das noch immer in den Köpfen vieler Menschen vorherrschende (rechte) Gedankengut. Während in den Großstädten Straßenschlachten für Angst sorgen, ist in Tübingen alles ein wenig kleiner, gemäßigter. Trotzdem haben die Auseinandersetzungen auch für Susanne und Leonhard Auswirkungen.

Dieser Roman, der eine fiktive Familiengeschichte erzählt, die sich so oder so ähnlich abgespielt haben könnte, flicht auch reale Personen wie Leonard Cohen (durch sein Lied „Suzanne“) oder Rosa Parks und Emma Goldmann als Porträts ein. Eine nette Idee und zugleich eine Hommage stellvertretend für alle, die am Aufbruch in die neuen Zeiten, Anteil haben.

Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen sowie das Thema Homosexualität, die durch §175 nach wie vor unter Strafe steht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem zweiten Teil der Familiensaga 4 Sterne, empfehle aber auch den ersten Teil zu lesen.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Zerstörung des Nahen Ostens
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Israels längster Krieg und die Zukunft des Nahen Ostens

Inhalt (übernommen):

„Der Nahe Osten vor einer neuen Ära der Gewalt. Israel setzt auf militärische Dominanz. Israel wie der Hamas nutzen Krieg ...

Israels längster Krieg und die Zukunft des Nahen Ostens

Inhalt (übernommen):

„Der Nahe Osten vor einer neuen Ära der Gewalt. Israel setzt auf militärische Dominanz. Israel wie der Hamas nutzen Krieg mehr als ein Frieden. Netanjahu wird von biblischen Zionisten getrieben, Trump von christlichen Evangelikalen.. Umfassend schildert Rainer Hermann die Fronten und zeigt, wie die Region eine friedliche Zukunft finden kann. Die Golfaraber befürworten einen wirtschaftlich verbundenen Nahen Osten, dessen Wohlstand den Weg zum Frieden ebnet.

Der Vulkan des Palästinakonflikts schien erloschen, als er am 7. Oktober 2023 mit einer zerstörerischen Wucht wieder ausbrach, die im Nahen Osten alles in Frage stellt. Israel führt seither den längsten Krieg seiner Geschichte und greift auch arabische Staaten an. Scharfsinnig analysiert Rainer Hermann die neue geopolitische Lage und die wachsende Isolation Israels. Er zeigt, wie sich eine neue antiisraelische Achse formiert, wie Iran für weitere Kriege aufrüstet und warum die Region vor einem sich ausweitenden Flächenbrand steht. Zugleich entwirft er Perspektiven für eine mögliche Neuordnung des Nahen Ostens – jenseits von Gewalt und Konfrontation. Die Golfaraber setzen sich für einen ökonomisch vereinten Nahen Osten ein, der über Wohlstand zu Frieden führt. Doch die Politik Israels und der USA wie auch der Terror der Hamas werden von religiösen Phantasien befeuert. Ein hochaktuelles Buch zur brisantesten Konfliktzone der Welt.“

Meine Meinung:

Seit nunmehr 5 Wochen führen die USA Krieg gegen den Iran, weshalb die Spekulationen im Kapitel „Kein Verlass auf Irans Verbündete“, ob Iran (See)Straße von Hormus sperren wird, überholt sind.

Dennoch kann ich dieses Buch nur ausdrücklich empfehlen, denn Autor Rainer Hermann gelingt es, die komplexe Lage der gesamten Region sehr gut darzustellen. Dazu muss er natürlich weit in der Vergangenheit zurückgehen und auch die Bibel zitieren, aus der sowohl Juden als auch Muslime ihren Anspruch auf Palästina begründen. Als dritte Kraft mischt das Christentum mit, Stichwort Jerusalem. Dennoch sind es, neben diesen religiösen (?) Themen, wirtschaftliche Interessen, die diese Konflikte am Köcheln halten, bis sie sich zu einem Flächenbrand ausbreiten. Die Frage ist, wie lange werden es sich die Golfstaaten gefallen lassen, dass ihre Interessen beeinträchtigt werden? Wann werden sie eingreifen?

Wird es genügen, wenn Trump und Netanjahu von der politischen Weltbühne verschwinden, um eine politische Lösung zu finden? Derzeit sieht es leider nicht danach aus. Zwar formieren sich sowohl in den USA als auch in Israel Widerstand gegen ihre Staatsoberhäupter, doch bis diese abgewählt werden, wird der Nahe Osten noch mehr Zerstörung erleiden und im Chaos versinken.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fundierten Sachbuch zu einer hochkomplexen Gemengelage, die Auswirkungen auf die ganze Welt und besonders Europa hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Schokolade - süße Versuchung oder beinhartes Geschäft?

Die dunkle Seite der Schokolade
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Serafine Montalin tritt ihren neuen Job beim renommierten Schokoladenkonzern CacaoBest mit gemischten Gefühlen an. Zum einen hat sie die besten Voraussetzungen dafür, hinter die Kulissen von der Produktion ...

Serafine Montalin tritt ihren neuen Job beim renommierten Schokoladenkonzern CacaoBest mit gemischten Gefühlen an. Zum einen hat sie die besten Voraussetzungen dafür, hinter die Kulissen von der Produktion von Schokolade zu blicken, weil sie ein Ausbildung zur Lebensmittelchemikerin und Juristin absolviert hat, und zum anderen will sie die mysteriösen Umstände des Unfalltods ihres Vaters in Erfahrung bringen.

Recht bald erkennt sie, dass hinter der ach so sauberen Fassade von CacaoBest einige unschöne dunkle Flecken lauern, die auch weitere Fragen, die Vergangenheit ihrer Familie betreffen, aufwerfen.

„An Edith Novak ist so vieles unecht, dass man weder ihr Alter noch ihre Absichten einschätzen kann.“ S. 49

Welche Rolle spielt Josef Pichler, der einstigen rechten Hand ihres Vaters, und nunmehriger, beinahe unverzichtbarer Mitarbeiter bei CacaoBest? Hat er etwas mit dem Tod von Serafines Vater zu tun? Und was haben Matthis von Vilan und seine herrische Mutter, die Eigentümer der kleinen, aber feinen Schokoladenfabrik Grison, mit CacaoBest zu schaffen? Serafine schwant Übles, denn Hermine von Vilan hasst die Familie Montalin mit jeder Faser ihres Körpers.

Meine Meinung:

Als eifrige Besucherin von Führungen in Schokolademanufakturen in Hamburg, Brüssel, Brügge und Gent, sowie Leserin einschlägiger Lektüre (Lindt & Sprüngli), bin ich mit dem Fachvokabular sowie den Herstellungsprozessen bestens vertraut. Ich kann mich daher uneingeschränkt den Machenschaften der beiden Firmen widmen. Denn dass auch bei CacaoBest in Wirklichkeit nicht alles sooo sauber abläuft, wie auf dem Papier steht, wird klar, wenn immer wieder der Hinweis auf die Ethik-Regeln und das Saubermann/frau-Image kommt. Wäre alle Vorgänge wirklich so einwandfrei, müsste nicht dauernd daraufhin gewiesen werden. Das erinnerst stark an Politiker, die das Wort „ehrlich“ und seine Abarten, in ihren Reden gefühlt in jedem zweiten Satz verwenden.

Die Verflechtung von Serafines Familie mit der von Matthis‘ nimmt einigen Raum ein. Erst nach und nach werden die alten Verstrickungen offenbart. Wir Leser erfahren dabei einiges, ohne wie Serafine, körperlicher Gewalt ausgesetzt zu sein.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Nicht alle spielen mit offenen Karten. Neben Hermine ist Josef Pichler ein besonders ekeliges Exemplar. Er ist Frauen, im allgemeinen und Serafine im Besonderen, gegenüber, nicht nur in Worten übergriffig. Dass er sie ausnahmlos duzt, ist eine Grenzverletzung, die ich an Serafines Stelle nicht akzeptieren würde. Auch Edith Novak ist ein echtes Herzerl, wie man aus diesem Statement zum vermeintlichen Unfalltod von Emil Montalin ableiten kann:

„Für Sie [also Serafine] ist es ein emotionaler Verlust, für mich ein wirtschaftlicher.“

Schmunzeln musste ich über die KKPs, die Kakao-Kommunikations-Prinzessinnen, die kichernd in High Heels und pinkgewandet durch die Gänge stöckeln.

Über die Zuordnung in das Genre Kriminalroman ließe sich streiten. Für mich passt die Gewichtung zwischen Krimi und Serafines Nachforschungen zu ihrer Familiengeschichte ganz gut. Geschickt streut Dina Casparis Informationen zu Bestechung und Ausbeutung in den Anbaugebieten der Kakaobohnen in diesen Roman ein, die ja laut Edith Novak nur bei den anderen Firmen existieren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Mix aus Krimi, Familiengeschichte und Einblick in die Herstellung von Schokolade 4 Sterne.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Hier ist wenig, wie es scheint

Donaumelodien - Wiener Verschwörung
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Ganz Wien rüstet sich 1879 zur Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth, die mit einem pompösen Festzug über die Ringstraße gefeiert werden soll. Ganz Wien? Nein, denn solche Lustbarkeiten ...

Ganz Wien rüstet sich 1879 zur Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth, die mit einem pompösen Festzug über die Ringstraße gefeiert werden soll. Ganz Wien? Nein, denn solche Lustbarkeiten mit Menschenmassen rufen immer wieder Verschwörer und Attentäter auf den Plan, die den Trubel ausnützen, ihre sinistren Vorhaben in die Tat umzusetzen wollen und fordert andererseits die Polizei, die eben jenes bereits im Ansatz verhindern soll.

Als ein abgetrennter Kopf mit einer Botschaft auf Latein im Polizeipräsidium abgegeben wird, wirkt der Wiener Polizeipräsident Wilhelm Marx von Marxberg hochgradig nervös. Er beauftragt Geisterfotograf Hieronymus Holstein, der nun ganz offiziell als Privatermittler arbeitet, abermals mit den Ermittlungen. Marx scheint niemandem im Präsidium trauen zu können. Wie recht er damit hat, zeigen die weiteren Ereignisse.

Gleichzeitig zu den Ermittlungen bekommt Hieronymus‘ Wohngemeinschaft Zuwachs von einem sympathischen Schaustellerpaar und Anezkas Tochter lernt die schwere Arbeit in einer der zahlreichen Spinnereien kennen.

Meine Meinung:

In seinem 5. Krimi gerät ausnahmsweise nicht Hieronymus Holstein unter Mordverdacht sondern ausgerechnet der Polizeipräsident wird eines Komplotts gegen den Kaiser verdächtigt. Wilhelm Marx von Marxberg (1815-1897), der seinem Namensvetter Karl, 1874 oder 1875 während eines Aufenthalts in Karlsbad begegnet ist, ist eine historische Figur, die bereits in historischen Krimis anderer Autoren Eingang gefunden hat. Marx von Marxberg ist eine interessante Persönlichkeit, deren Erfolge zahlreiche Neider auf den Plan ruft. Seine glänzende Karriere endet mit dem verheerenden Brand des Ringtheaters, der offiziellen Angaben nach 384 Todesopfer (Schätzungen sprechen von an die 1.000 Tote) forderte. Marx werden Nachlässigkeiten bei der Sicherheitsüberprüfung des Theaters vorgeworfen, weshalb er 1882 um Pensionierung ansucht. Ich denke, diese Katastrophe lässt sich Bastian Zach nicht entgehen, um weitere Krimi zu schreiben.

Doch zurück zu diesem Krimi. Holsteins Nachforschungen führen in das Revolutionsjahr 1848, in dem Arbeiter, Studenten und vor allem Frauen mehrmals auf die Barrikaden gingen, um gegen das System Metternich sowie die Arbeitsbedingungen und willkürliche Lohnkürzungen in den Fabriken zu protestieren. Während der Aufstände von März, August und Oktober sind bei den Kämpfen mindestens 2.000 Revolutionäre, darunter zahlreiche Frauen getötet worden (siehe Praterschlacht). Anschließend wurden namhafte Vertreter der Revolution wie Robert Blum, Alfred Julius Becher oder Hermann Jellinek hingerichtet. Diese Ermittlungen bescheren mir auch ein Wiedersehen mit der Frauenrechtlerin Karoline von Perin (1806-1888). Ja, so mag ich das! Historische Krimis, in denen reale Persönlichkeiten auftreten dürfen.

Allerdings sind Bastian Zach gleich zwei gravierende Fehler passiert, die zwar mit der direkten Handlung nicht zu tun haben, aber mich sehr ärgern und daher den 5 Stern kosten: (siehe Kapitel LXII/eBook S. 278)

„Die Monarchie wäre zwar kurzzeitig erschüttert, aber wenn Erzherzog Franz Ferdinand erst den Thron besteigt, würde er rigoros gegen alle jene vorgehen, denen man die Mitschuld am Tod seines Vaters in die Schuhe schieben könnte. Sozialisten, Demokraten, Verfechtern der Rechte der Arbeiter und der Frauen. Allen jenen, die dem Machterhalt des Adels, der Großindustriellen und der Bourgeoisie entgegen stehen.“

Hier muss es Kronprinz Rudolf heißen, denn der lebt 1879 noch. Er wird 1889 nach dem Mord an Mary Vetsera Selbstmord begehen. Daher ist von einer Thronfolge des Erzherzogs Franz Ferdinand (1863-1914) noch lange keine Rede. Zudem ist Franz Joseph der Onkel von Franz Ferdinand und nicht der Vater. Franz Ferdinands Vater ist Erzherzog Carl Ludwig von Österreich (1833-1896) , Franz Josephs Bruder.

Die Charaktere sind lebendig und manche, wie Anezka haben schrullige Angewohnheiten. Sie spricht von sich immer in der dritten Person. Schmunzeln musste ich über Louise von Marxberg, die wie es scheint, in dieser Ehe den Ton angibt. Der Schreibstil ist dem 19. Jahrhundert angepasst. So wird Hieronymus vom Polizeipräsidenten „geerzt“, auch wenn er ihm persönlich gegenübersteht. Veraltete Ausdrücke sowie Bezeichnungen im Wiener Dialekt werden in Fußnoten erklärt.

Fazit:

Wer historische Krimis liebt, wird auf seine Kosten kommen. Ich wünsche mir ein bisschen mehr Sorgfalt bei den historischen Details, denn der oben beschriebene Lapsus ist nicht der erste in dieser Reihe. Wie oben erwähnt, kostet dieser den 5. Stern, also 4 Sterne.