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Veröffentlicht am 20.05.2026

Die Reise seines Lebens

Die Mitternachtsreise
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Nachdem ich „Die Mitternachtsbibliothek“ großartig fand, war ich sehr gespannt auf Matt Haigs neuestes Buch, das sich optisch und thematisch an diesen Bestseller anlehnt: „Die Mitternachtsreise“. Auf sie ...

Nachdem ich „Die Mitternachtsbibliothek“ großartig fand, war ich sehr gespannt auf Matt Haigs neuestes Buch, das sich optisch und thematisch an diesen Bestseller anlehnt: „Die Mitternachtsreise“. Auf sie begibt sich Wilbur, als alter Mann frisch verstorben und auf dem Weg in die Ewigkeit. Er reist per Zug, der an verschiedenen Stationen seines Lebens hält und ihn einige Momente erneut als Zuschauer erleben lässt. Begleitet wird er während der Fahrt von Agnes Bagdale, einer längst verstorbenen Buchhändlerin, die ihm die drei Regeln für diese Fahrt ins Jenseits einschärft: sein früheres Ich nicht ansprechen, keinesfalls zugegen sein, wenn es einschläft und den Zugsignalen folgend aus- und in jedem Fall auch pünktlich wieder einsteigen. Und so erlebt Wilbur die Höhen und Tiefen seines Lebens noch einmal und wird von den Leserinnen und Lesern begleitet – gewissermaßen von der Wiege bis zur Bahre. Mir ist er dabei ans Herz gewachsen, mit seinen Fehlern, Schwächen und der Sehnsucht danach, alte Fehler korrigieren zu können. Und Matt Haig wäre nicht Matt Haig, wenn die Erfüllung dieses Wunsches völlig aussichtslos wäre …

„Die Mitternachtsreise“ hat mich begeistert. Ein stimmiger und stimmungsvoller Roman, ein fantasievolles Gedankenexperiment voller Herz, leiser Zwischentöne und kluger Gedanken. Das Buch lädt unaufdringlich zum Sinnieren, Träumen und Reflektieren ein. Nachdem ich mit „Die Unmöglichkeit des Lebens“ vom gleichen Autor nicht so viel anfangen konnte, hat mich dieser neueste Roman wieder voll abgeholt.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Die Berserkerin

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog ...

Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog in den Tod): Schon diese Ausgangskonstellation hat mich neugierig gemacht. Wer ist Marceau Miller?
Welcher, nach eigenen Angaben, „Schriftsteller und Drehbuchautor“ das Pseudonym benutzt, weiß ich auch nach der Lektüre nicht. Was zu Marceau Millers Tod geführt hat, wird gegen Ende des Romans aber schließlich enthüllt – in einem furiosen Finale, nachdem die Frau des Bestsellerautors wie eine Berserkerin durch die Kapitel gewütet ist. Sarah Miller ist die eigentliche Hauptfigur, eine Frau voller Schmerz, Wut und Unverständnis (Marceau ist während einer Free-Solo-Tour abgestürzt, obwohl er versprochen hatte, nicht mehr ungesichert zu klettern). Zu Beginn des Buches fühlte sich ihr Fühlen und Denken für mich irgendwie unstimmig an, doch das legte sich. Nachdem Marceaus Tod feststeht, ist Sarahs Welt komplett aus den Fugen und sie versucht, ohne Rücksicht auf Verluste, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzudecken. Und ohne Rücksicht auf ihre 10- und 12-jährigen Kinder, die nur eine Nebenrolle spielen. Für ihr Umfeld ist das äußerst anstrengend und für mich als Leserin war es mitunter auch strapaziös, wie Sarah sich immer wieder in Gefahrensituationen stürzt, ohne nachzudenken, vor Gesprächen davonläuft und das meiste mit sich selbst ausmacht. Sarah wütet und rast durch die beschauliche Landschaft rund um den Genfersee und ich war ganz froh, dass es ab und zu etwas Entspannung durch eine andere Perspektive und Kapitel des letzten Romans von Marceau Miller gab. Dass die Auflösung des Buches mich dann so überzeugt, hatte ich nicht mehr erwartet – sie wirkt nicht weit hergeholt, doch ich wäre nie im Leben von alleine darauf gekommen. Deswegen doch vier Sterne für Marceau Miller.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Spaßiger Sammelband mit toller Ausstattung

Der kleine Rabe Socke: Noch eine Geschichte, bitte-danke!
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Wer kann diesem Schelm schon etwas übelnehmen? Verschmitzt schaut der kleine Rabe Socke vom Cover dieser dicken Geschichtensammlung; der Hintergrund ist so rot-weiß gekringelt wie seine Socke. Im Inhaltsverzeichnis ...

Wer kann diesem Schelm schon etwas übelnehmen? Verschmitzt schaut der kleine Rabe Socke vom Cover dieser dicken Geschichtensammlung; der Hintergrund ist so rot-weiß gekringelt wie seine Socke. Im Inhaltsverzeichnis sind dann 30 Geschichten im typischen Rabe-Socke-Stil aufgelistet, von „Alles in Ordnung!“ bis „Alles getauscht!“ Bei der Orientierung helfen die kleinen Bildchen neben jedem Titel, anhand derer meine Kinder schnell ihre Lieblingsgeschichten identifizieren. Toll finden sie außerdem den Farbschnitt (hellblau mit Ringelsocken) und das Lesebändchen – beides kennen sie sonst höchstens von Erwachsenenromanen und finden es super, dass eins ihrer Bücher auch mal so ein stylisches Beiwerk hat.
Die Geschichten kannten wir zum Teil bereits aus Pixis oder anderen Rabe-Socke-Bilderbüchern – das ist aber nicht erstaunlich, schließlich sind hier laut Titel keine brandneuen, sondern die 30 „allerbesten“ Geschichten zusammengetragen. Themen-Evergreens wie Geburtstag, Winter und Schule finden sich; vor allem letzteres kam bei meinen Kindern sehr gut an. Aber eigentlich gefallen uns alle Geschichten super. Am Ende des Buches gibt es noch fünf Fragen zu jeder Geschichte, die allerdings bei uns bislang nicht zum Einsatz kamen – es kommt mir so unterrichtsmäßig vor, nach dem Vorlesen einer Geschichte vorformulierte Verständnisfragen zu stellen.
Unser Mini-Kritikpunkt: Manchmal hätten wir uns mehr bzw. andere Illustrationen zu den Geschichten gewünscht. So spielt gleich in der ersten Geschichte ein kunterbuntes Blumenbeet eine Rolle, das meine Kinder zu gern gesehen hätten, aber es gibt leider kein Bild dazu. Die vorhandenen Illustrationen sind in gewohnter Rabe-Socke-Manier sehr schön und gelungen. Ein toller Geschichtenschatz, von dem man lange etwas hat.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Fesselnd mit kleinen Schwächen

Der Fjord
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Autorin Sarah Goodwin ist Spezialistin für Einzelkämpferinnen. Auch Amelia, die Hauptfigur in ihrem neuesten Thriller „Der Fjord“ ist eine, getrieben von einem einzigen Wunsch: Sie will ihre mutmaßlich ...

Autorin Sarah Goodwin ist Spezialistin für Einzelkämpferinnen. Auch Amelia, die Hauptfigur in ihrem neuesten Thriller „Der Fjord“ ist eine, getrieben von einem einzigen Wunsch: Sie will ihre mutmaßlich in Norwegen verschollene Schwester wiederfinden. Deren Spur hat sich auf einer exklusiven Party der superreichen Familie Fowley verloren. Amelia setzt alles daran, ihr Ziel zu erreichen: die jährlich stattfindende Party ebenfalls zu besuchen. Doch die Recherche vor Ort gestaltet sich alles andere als einfach …

Als Leser*in kennt man Amelias Beweggründe von Anfang an und kann gemeinsam mit ihr rätseln, was wohl im Vorjahr passiert ist und was auf dieser Party eigentlich vor sich geht. Denn unter der Oberfläche scheint es zu brodeln; der Gastgeber lässt sich kaum sehen, riegelt sein Haus hermetisch ab und Alkohol und Drogen gibt es im Überfluss. Was da eigentlich vor sich geht, wird immer undurchsichtiger und liest sich durchaus fesselnd. Im letzten Drittel häufen sich die Twists, die leider nicht alle komplett glaubwürdig sind. Bei der ein oder anderen Charakterentwicklung hat es sich die Autorin nach meinem Geschmack etwas einfach gemacht – man sieht sie nicht kommen, aber nicht, weil das Ganze so raffiniert eingefädelt wurde, sondern weil es keinen einzigen Hinweis in die jeweilige Richtung gab. Die Auflösung hat mich nicht komplett überzeugt. Packende Spannungslektüre ist „Der Fjord“ trotzdem – mit einem etwas unpassenden Titel, denn der namensgebende Fjord spielt nur eine kleine Nebenrolle. „Die Party“ hätte es eher getroffen.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Gedankenschatz

Felsenfest
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Dieses Buch streichelt die Seele – besser kann ich es nicht beschreiben. Es gibt auf sanfte Art und Weise Gedanken zur Eltern-Kind-Beziehung weiter, in Form von Anekdoten, Gedichten und Reflexionen. Häufig, ...

Dieses Buch streichelt die Seele – besser kann ich es nicht beschreiben. Es gibt auf sanfte Art und Weise Gedanken zur Eltern-Kind-Beziehung weiter, in Form von Anekdoten, Gedichten und Reflexionen. Häufig, aber nicht immer, sind sie aus der Ich-Perspektive geschrieben. Autorin Nora Imlau teilt ihre Ideen auf eine sehr empathische Art und Weise. Sie kritisiert nicht, sondern ermutigt. „Felsenfest“ handelt zwischen den Zeilen immer von der elterlichen Liebe für die eigenen Kinder. Anfangs steht das kleine Kind im Vordergrund, später das größere. Das Buch hilft, einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu machen, was eigentlich zählt, wenn man den oft stressigen Alltag beiseite schiebt. Wunderschön sind auch die Illustrationen; sie drängen sich nicht in den Vordergrund, machen den Text aber bunt und fröhlich. „Felsenfest“ ist ein kleiner, aufbauender Schatz, den man immer wieder zur Hand nehmen kann und der stärkt und ermutigt.

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