Noir bleibt Noir. Zum Glück!n
Die Toten von morgenWie klasse ist das denn: Kaum vier Wochen nachdem ich Die Guten und die Toten gelesen hatte, hatte ich Band zwei in der Hand. Nihal lässt einen nicht lange warten.
Berlin, Nacht, Asphalt. Rauer Sound, ...
Wie klasse ist das denn: Kaum vier Wochen nachdem ich Die Guten und die Toten gelesen hatte, hatte ich Band zwei in der Hand. Nihal lässt einen nicht lange warten.
Berlin, Nacht, Asphalt. Rauer Sound, schnelle Schnitte, Figuren mit Bruchlinien. Und wieder zieht einen dieser zweite Band rein, weil Koplin nicht einfach dieselbe Geschichte noch einmal erzählt, sondern tiefer geht – vor allem in das, was Nihal ausmacht und kaputt macht.
Ihr Vater liegt im Sterben. Und Nihal steht draußen. Denn sie hat ihren Bruder ins Gefängnis gebracht – der hatte mit ihrer Dienstwaffe einen Überfall begangen und einen Polizisten angeschossen. Was sie getan hat, war richtig. Das weiß sie. Hilft ihr kein bisschen. Die Eltern strafen sie mit Schweigen und Vorwürfen, und Nihal bestraft sich gleich selbst noch dazu. Schuldgefühle, die sie für sinnlos hält und trotzdem nicht loswird. Den Zorn kanalisiert sie, wie immer: in Sport. Gefühle zeigen? Kommt nicht in Frage. Das kennen wir ja.
Was neu ist: Saad und Leila sind wieder da. Nihal hatte den Kontakt gekappt – zu nah waren ihr die beiden gekommen, zu gefährlich für jemanden, der emotionale Distanz als Überlebensstrategie betreibt. Aber ein neuer Fall bringt sie wieder zusammen. Und diesmal ist Saad nicht nur am Rand der Geschichte – er scheint mittendrin zu stecken.
Zwei Männer werden hingerichtet, scheinbar ohne Zusammenhang. Dahinter steckt ein Versuch, den Berliner Drogenmarkt neu aufzuteilen: Ein Newcomer will King Charles vom Thron stoßen, der das Geschäft bisher kontrolliert hat. Koplin wechselt wieder in rasantem Rhythmus zwischen den Perspektiven – Nihal, Saad, King Charles –, und wer den ersten Band kennt, weiß: Durchhalten lohnt sich. Die Fäden fügen sich.
Stil und Ton: unverändert. Knapp, direkt, keine Schnörkel. Noir eben – konsequent und ohne Kompromisse, genau wie beim ersten Mal.
Das Ende ist diesmal fast zu aufgeräumt. Praktisch alles gelöst, alles geklärt – für eine Welt, die sonst so schön unordentlich ist, sind das schon paradiesische Zustände. Ob es daher einen dritten Band geben wird, scheint fraglich. Was wirklich schade wäre. Nihal hat, finde ich, noch einiges vor sich.
Wer Die Guten und die Toten mochte, wird hier nicht enttäuscht. Wer noch nicht angefangen hat: unbedingt mit Band eins beginnen.