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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2026

Drei Frauen auf der Suche nach Identität und Heimat

Ein Ort, der bleibt
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Der Roman ist hauptsächlich aus der Perspektive von drei Frauen erzählt, die alle der botanische Garten in Istanbul verbindet: Magda, Mehpare und Imke. Es wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt, ...

Der Roman ist hauptsächlich aus der Perspektive von drei Frauen erzählt, die alle der botanische Garten in Istanbul verbindet: Magda, Mehpare und Imke. Es wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt, die ineinander übergehen und vermischt Fiktion und reale historische Personen bzw. Ereignisse. Das Buch handelt von Identität, Heimatsuche, Gemeinschaft, interkultureller Austausch und Neuanfängen.

Die Türkei als Exilort für die von den Nazis verfolgten deutsche Wissenschaftler ist ein sehr spannendes Thema, was wunderbar recherchiert und für den Roman aufbereitet wurde. Auch der Schauplatz des Romans Istanbul wurde sehr detailreich und atmosphärisch beschrieben, sodass man richtig das Gefühl bekam dort zu sein. Generell hat mir der Schreibstil gut gefallen, denn er war ruhig, angenehm, mitfühlend und hat die historischen Figuren lebendig wirken lassen. Besonders Mehpare und Magda fand ich als Charaktere sehr interessant und komplex. Ich konnte beim Lesen einiges lernen, besonders über die deutsch-türkische Geschichte.

Der Roman ist sehr ruhig, besonders am Anfang, aber mit viel Tiefgang. Da der botanische Garten im Zentrum der Geschichte steht, hat mir sehr gut gefallen, wie viel sprachliche Mittel wie Metaphern sich der Botanik bedienen und sich Pflanzen als Symbole wirklich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Allerdings hätte es für meinen Geschmack ein paar weniger Passagen über die Arbeit in der Botanik geben können. Außerdem waren im letzten Teil große Zeitsprünge auf einmal und dann kam das Ende ziemlich abrupt, da hat mir die Erzählstruktur vorher besser gefallen. Trotzdem hatte das Buch trotz seiner 450 Seiten und seinem ruhigen Tempo für mich kaum Längen und war sehr mitreißend.

Auf jeden Fall ein Roman, bei dem ich viel gelernt habe und der mich noch lange in Gedanken begleiten wird!
Ich würde es allen empfehlen, die gerne historische Romane lesen, die sich eher langsam aber mit viel Tiefgang entfalten.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Beklemmend, verstörend und poetisch

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Dieser Roman erzählt eine emotionale Geschichte über Identität, Verlust und das Umgehen mit einer traumatischen Kindheit. Die Protagonistin Lale wächst im Berlin der 80er-Jahre als Pflegekind ...

Dieser Roman erzählt eine emotionale Geschichte über Identität, Verlust und das Umgehen mit einer traumatischen Kindheit. Die Protagonistin Lale wächst im Berlin der 80er-Jahre als Pflegekind in einer Männer WG einer linken, antiautoritären Kommune auf, da ihre Mutter suchtkrank ist und ihr Vater im Gefängnis. Hier gibt es zwar keine Regeln für sie, aber gleichzeitig wächst sie zwischen Partys, Saufgelagen, Drogen und Orgien auf. Ihre Kindheit ist ein komplexes Zusammenspiel aus Freiheit zur Selbstentfaltung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch.

Dieses Buch ist wirklich keine leichte Lektüre und teilweise sehr verstörend und abstoßend, da es auch um sexuellen Missbrauch geht. Trotzdem schafft es die Autorin eine mitreißende Geschichte zu erzählen, ohne dass irgendetwas romantisiert wird. Trotz der schweren Themen ist nichts schwarz-weiß und die Komplexität von Lales Leben und ihren Gefühlen wird gut dargestellt. Es wird zwar aus einer erwachsenen, rückblickenden Perspektive erzählt, dennoch erfahren wir die Gedanken und Gefühle eines unschuldigen, unwissenden Kindes.
Der Schreibstil hat mir extrem gut gefallen, denn er ist klar und doch auch poetisch und schafft es einen richtig mitfühlen zu lassen durch treffende Metaphern, die einem durch Mark und Bein gehen. Die vielen Beschreibungen und Medienreferenzen bringen einen auf eine Zeitreise durch die 80er und 90er Jahre.

Alles in allem wirklich ein Buch was mich sehr bewegt hat und was noch lange in mir nachhallen wird! Auf jeden Fall sehr zu empfehlen, allerdings wahrscheinlich eher nicht für jüngere LeserInnen.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine feministische, glaubwürdige und romantische Liebesgeschichte

The Dirty Version
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Dieser Roman hat es geschafft mit vielen Clichés und Regeln des Romance -Genres zu brechen, aber gleichzeitig eine romantische und glaubwürdige Liebesgeschichte zu erzählen.
Wenn man sich ein ...

Dieser Roman hat es geschafft mit vielen Clichés und Regeln des Romance -Genres zu brechen, aber gleichzeitig eine romantische und glaubwürdige Liebesgeschichte zu erzählen.
Wenn man sich ein bisschen mit dem Thema Feminismus beschäftigt, merkt man schnell wie viele alte Rollenbilder und fragwürdige Verhaltensweisen noch im Großteil der aktuellen Liebesromane reproduziert und romantisiert werden, was es für mich doch oft schwer macht diese richtig zu genießen, obwohl ich das Genre an sich sehr gerne mag. Man stellt sich dann doch oft die Frage, ob ein "feministischer" Liebesroman überhaupt funktionieren könnte. Diese Frage hat sich mir mit diesem Roman nun endlich beantwortet!

Tash ist ein sehr interessanter, starker und komplexer Charakter. Sie ist auch teilweise ein bisschen anstrengend, was aber zu ihrem Charakter passt und durch ihre Erfahrungen begründet bzw. realistisch ist. Caleb hingegen ist der perfekte Love Interest: selbstbewusst, empathisch und respektvoll. Auch Tashs Freundinnen fand ich super als Charaktere.
Sehr positiv überrascht hat mich, dass es keinen "Spice" gibt trotz des Titels und Thema des Buches, was natürlich sehr subversiv und meta ist. Auch die Einblicke hinter die Kulissen Hollywoods fand ich interessant und der Konflikt zwischen kommerziellen Interessen bzw. der profitgeleiteten Filmindustrie und der künstlerischen Integrität ist sehr spannend, vielschichtig und immer aktuell.
Super gefallen hat mir auch, dass Tash eine glaubwürdige Entwicklung im Laufe des Romans durchgeht und trotzdem ihren Werten und Prinzipien bis zum Ende treu bleibt.
Ich hätte mir nur noch ein bisschen mehr Humor und Leichtigkeit gewünscht, dann hätte es die ernsten Themen noch ein bisschen aufgelockert. Außerdem fand ich den Schreibstil an manchen Stellen ein bisschen komisch, was aber auch an der Übersetzung liegen könnte.

Alles in allem auf jeden empfehlenswert, besonders für alle, die sich für Feminismus interessieren und oft mit Rollenbildern in Liebesromanen hadern!

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Gegen die Zustände

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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In diesem neuen Buch der Känguru-Reihe beschließen das Känguru und Marc-Uwe gegen die aktuellen Zustände zu rebellieren und versuchen möglichst viele Menschen davon zu überzeugen.
Wie schön die ...

In diesem neuen Buch der Känguru-Reihe beschließen das Känguru und Marc-Uwe gegen die aktuellen Zustände zu rebellieren und versuchen möglichst viele Menschen davon zu überzeugen.
Wie schön die vorherigen Teile hab ich auch den neuen als Hörbuch gehört und wie immer liest Marc-Uwe Kling das Känguru und die anderen Figuren super und sehr unterhaltsam. Das Buch ist insgesamt sehr kurzweilig und hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Gleichzeitig ist es deutlich ernster und weniger absurd als die vorherigen Teile, was natürlich auch an der derzeitigen politischen Lage in Deutschland und auf der Welt liegt. Es gibt viele Stellen, wo die derzeitigen Probleme in der Politik erklärt werden, was zwar auch unterhaltsam war, aber in meinem Fall war nicht wirklich etwas dabei, was ich noch nicht wusste. Das Känguru selbst als Figur ist auch irgendwie sehr viel gemäßigter bzw. weniger radikal geworden, was mich leider enttäuscht hat, aber wahrscheinlich passt es so besser in die heutige Zeit. Wenn es schon so viel um aktuelle Politik gehen soll, hätte ich mir dann doch mehr konkrete Vorschläge, wie man "gegen die Zustände rebellieren" kann. So hab ich mich zwar in meiner Meinung bestätigt gefühlt, aber sonst nicht viel aus dem Buch gewinnen können.
Deswegen hat mir der Teil nicht so gut gefallen, wie die vorherigen, aber trotzdem natürlich empfehlenswert vor allem für Fans der Reihe, und es ist natürlich schwierig an die Genialität der ersten Teile ranzukommen, vor allem wenn die aktuelle Weltlage wirklich nicht zum Lachen ist.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Eine explosive Mischung aus Manipulation, Machtspielchen und Begehren

Ultramarin
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Lou ist seit der Schule eng mit den Geschwistern Raf und Sophie befreundet und die drei fahren jeden Sommer zusammen in den Urlaub. Dieses Mal kommt allerdings statt Sophie nur ihre Freundin Nora mit, ...

Lou ist seit der Schule eng mit den Geschwistern Raf und Sophie befreundet und die drei fahren jeden Sommer zusammen in den Urlaub. Dieses Mal kommt allerdings statt Sophie nur ihre Freundin Nora mit, die sofort zwischen den beiden besten Freunden steht. Es folgt ein spannender psychologischer Thriller über Manipulation, Machtspielchen und Begehren.

Ich habe das Buch wirklich verschlungen und an einem Tag gelesen, weil es von Anfang spannend war. Durch die zwei verschieden Zeitstränge wird nochmal extra Spannung aufgebaut und man versteht nach und nach die Dynamiken zwischen den Charakteren besser.
Auch der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen und erinnerte mich teilweise an Sally Rooney, da die wörtliche Rede weggelassen wurde. Dadurch fühlt es sich noch viel mehr so an, als ob wir wirklich im Kopf von Lou sind. Der Schreibstil ist sehr fließend und atmosphärisch und die Naturbeschreibungen teilen sehr zu der Stimmung bei.

Ich muss aber sagen, ich habe selten einen Charakter so sehr gehasst wie Raf und manche Seiten waren deshalb wirklich schwer zu lesen, vor allem da wir alles nur aus der Sicht von Lou mitbekommen. Auch Lou war als Charakter teilweise schwer zu ertragen, da er sich so leicht manipulieren und schlecht behandeln lässt. Man wird wirklich wütend beim Lesen. Doch das Buch stellt sehr realistisch da, wie eine emotional und körperlich missbräuchliche Beziehung funktioniert und auch, dass dies genauso in queeren Beziehungsformen vorkommt. Generell hat mir gut gefallen, wie das Buch mit dem Thema Queerness umgegangen ist.
Ich hätte mir nur noch mehr Einblick in Lous Leben gewünscht bevor er Raf kennengelernt hat, um noch ein bisschen besser zu verstehen, warum er sich so behandeln lässt, was im Buch nur kurz angeschnitten wird.

Ich würde es allen empfehlen, die Lust auf diese Art psychologischen Thriller haben, allerdings ist es wirklich gerade zum Ende hin keine leichte Kost. Für einen Debütroman ist es sehr beeindruckend und ich werde auf jeden Fall nach den künftigen Büchern der Autorin Ausschau halten!

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