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annuschkar

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2026

Eher enttäuschend als fesselnd

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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“Der Trip” ist in meinen Augen ein sehr schwacher Strobel, da das gesamte Buch über keinerlei wirkliche Spannung erzeugt werden kann.

Evelyn ist Mitte fünfzig, forensische Psychologin und seit dem Verschwinden ...

“Der Trip” ist in meinen Augen ein sehr schwacher Strobel, da das gesamte Buch über keinerlei wirkliche Spannung erzeugt werden kann.

Evelyn ist Mitte fünfzig, forensische Psychologin und seit dem Verschwinden ihres Bruders vor zwei Jahren auf einem absteigenden Ast. Nun arbeitet sie mit ihrem Ermittlerkollegen und gleichzeitigem Ex-Freund an einem Fall eines Serienmörders, dessen Phantombild verdächtig aussieht wie ihr verschwundener und totgeglaubter Bruder. Wir beobachten Evelyn dabei, wie ihre eigene psychische Verfassung immer weiter abnimmt und wie sie dennoch versucht den Fall auf eigene Faust zu lösen, immer gefangen zwischen der Hoffnung ihren Bruder lebend zu finden und dem Wunsch, dass er nicht der Täter ist.

Bevor sich in der zweiten Hälfte des Buches ein wirrer Road Trip entfaltet, ist fast jede Szene davor repetitiv und beinah unlogisch. Dabei treffen wir auf bekannte und unbekannte Gegenspieler und sollen fleißig auf eine Falsche Fährte gelockt werden, damit kurz vor Ende alles einfach verpufft. Es findet keine richtige Auflösung statt, keine wirkliche Erklärung für das was passiert ist und vor allem dafür wie unprofessionell Evelyn sich verhält.

Mir ist es in der Gesamtheit etwas zu undurchdacht und zusammengewürfelt und hat mich eher enttäuscht als gefesselt.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Süße Geschichte im Münchener Kunstmilieu

Painted Promises (Golden Hearts, Band 3)
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Mit Painted Promises ist ein ganz wunderbarer Reihenabschluss entstanden, der sich locker und leicht lesen lässt und das Interesse dennoch festhält.

Luis & Minnie sind beides Figuren die sich in ihren ...

Mit Painted Promises ist ein ganz wunderbarer Reihenabschluss entstanden, der sich locker und leicht lesen lässt und das Interesse dennoch festhält.

Luis & Minnie sind beides Figuren die sich in ihren frühen 20ern befinden und mit Erwartungshaltung, Druck und Talent zu kämpfen haben, sich Fragen stellen, die man eben so hat in dem Alter. Was möchte ich eigentlich vom Leben? Was macht mich aus? Wer bin ich denn eigentlich so ganz ohne den Blick der Anderen?
Die Beziehung der Beiden ist knisternd, schnell und zu Teilen explosiv. Man freut sich richtig, die Entwicklung der beiden zu beobachten.

Es gibt wenig was mich stört, aber irgendetwas fühlt sich dennoch nicht ganz rund an. Der Schluss ist durchaus etwas over the top, aber irgendwie auch lustig. Tatsächlich stoße ich mich ein wenig an der Sprache, zu viele Anglizismen, die bei Henry & Vincent noch charakteristisch vertretbar waren, mir hier aber aufstoßen. Außerdem ist die Wortwahl an mancher Stelle durchaus blasphemisch, aber da bin ich einfach etwas sensibler als andere.

Es ist ein Buch mit viel Fanservice, ausgelegt um auf Booktok und Bookstagram eine Plattform zu haben, möglichst glatt gebügelt, was meine Freude über die wirklich süße Geschichte im Münchener Kunstsetting etwas trübt.

Dennoch vier Sterne für ein Buch was Spaß macht und mich aus meiner mehrmonatigen Leseflaute geholt hat.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Gute Geschichte, die etwas blass bleibt

Nachtkommando
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Es ist kein nervenaufreibender Thriller, aber ein guter Krimi. Buchreihen rund um deutsche Ermittler von 1920 bis in die 1950er ist ja genau mein Ding, weswegen auch der zweite Teil der „Dunkles Berlin“ ...

Es ist kein nervenaufreibender Thriller, aber ein guter Krimi. Buchreihen rund um deutsche Ermittler von 1920 bis in die 1950er ist ja genau mein Ding, weswegen auch der zweite Teil der „Dunkles Berlin“ Reihe von Scarrow nicht fehlen darf.

Der ehemalige Rennfahrer Horst Schenke steckt mit seinem Team eigentlich in einem ganz anderen Fall, als er von Ruth (bekannt aus Teil 1) gebeten wird, sich den Fall eines toten SS-Arztes anzusehen. Dessen Frau glaubt nämlich nicht an den offiziellen Grund des Selbstmordes.
Genauso wenig wie ein befreundeter Journalist von Horsts Verlobten Karin glaubt, dass die Häufigkeit der Sterbefälle von Kindern in der Potsdamer Schiller-Klinik Zufall sind.

Scarrow verwebt diese beiden Ansätze zu einem Krimi, der sich mit den Auswirkungen der Nürnberger Gesetze und dem Wunsch zur „Reinhaltung und Erhaltung der arischen Rasse“ auseinandersetzt. Wir bekommen es wieder mit gefährlichen historischen Charakteren (wie Heydrich) zu tun und tauchen in das dunkle Kapitel der Euthanise ein.

Die Auflösung des Falles ist an sich recht gut gelungen, jedoch vollführt dafür einer der Hauptakteure eine 180 Grad Wendung des Charakters, die sich sehr unnatürlich anfühlt.

Die moralische Frage nach richtig und falsch, nach der Möglichkeit sich zwischen Auflehnung und Resignation zu entscheiden ist enorm wichtig, mir aber etwas zu deutlich von Historischer Retrospektive eingefärbt.

An sich eine gute Geschichte, die aber etwas blass bleibt was die Ausarbeitung des Settings und der Charaktere angeht. Berlin ist vielleicht auch einfach mittlerweile zu abgenutzt für solch eine Reihe.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Für jeden Titanic-Fan

Schiff der verlorenen Träume
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Fast 20 Jahre begleitet mich nun diese Obsession für die Geschichte der Titanic. Neben fiktionalen Werken versuche ich auch alles an Sachbüchern, Dokumentationen und anderem zu diesem Thema zu verschlingen ...

Fast 20 Jahre begleitet mich nun diese Obsession für die Geschichte der Titanic. Neben fiktionalen Werken versuche ich auch alles an Sachbüchern, Dokumentationen und anderem zu diesem Thema zu verschlingen und als ich dann per Zufall gesehen habe, dass es einen deutschen Roman in diesem Setting gibt, musste ich diesen haben.

Ich wurde nicht enttäuscht. Die Liebesgeschichte von Catherine, dem Mädchen aus gutem Hause die gezwungen wird jemanden zu heiraten und dem ersten Offizier Murdoch, der das Meer mehr liebt als seine Ehefrau wird mit einem federleichten Schreibstil erzählt, wobei die historischen Gegebenheiten gut aufgearbeitet werden. Am Anfang fühlt es sich fast ein wenig an, als würde man eine Folge Downtown Abbey schauen.

Während die Titanic also auf ihre Jungfernfahrt geht und sich eine berührende Liebesgeschichte entspannt, wurde ich in den Bann des Buches gezogen, denn natürlich weiß der Leser was passiert - die Titanic wird untergehen und lässt das alles in einem bittersüßen Licht erstrahlen.

Es werden reichlich Intrigen gesponnen und die wenigen Tage an Bord sind voll mit Wendungen, denn neben Catherine und Murdoch treten noch andere Figuren auf. So Catherines Kammerzofe Josephine mit einer tragenden Rolle, oder ihr Verlobter Josef, oder dessen bester Freund Alfred, oder dessen Angebetete, oder Catherines eigentlich Verlobter Matthew, oder ihr Bruder George, oder ihre beste Freundin - zusätzlich zu etlichen real existierenden Personen, die wir aus der Geschichte bereits kennen.

Und das ist der Knackpunkt an der Geschichte. Es entstehen zu viele von einander abhängigen Beziehungen die die Story verdichten und zu chaotisch machen. Schön finde ich, dass auch die verwirrenden Anhörungen und Untersuchungen nach dem Untergang thematisiert werden.

Ich konnte das Buch nur schlecht aus der Hand legen und habe sogar ein paar Tränchen verdrückt - große Empfehlung.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Große Empfehlung

Nachts am Askanischen Platz
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Im Jahr 1928 wird im Hinterhof des „Cabaret des Bösen“ eine Leiche gefunden, die Identität wirft für Leo Wechsler und sein Team viele Fragen auf. Welche Rolle spielen die Akteure in diesem Sensationstheater? ...

Im Jahr 1928 wird im Hinterhof des „Cabaret des Bösen“ eine Leiche gefunden, die Identität wirft für Leo Wechsler und sein Team viele Fragen auf. Welche Rolle spielen die Akteure in diesem Sensationstheater? Und wie passt Jelena, die mysteriöse Russin, ins Bild, die auf einmal im Theater auftaucht?

Auch im sechsten Teil der Kriminalroman-Reihe bekommen wir einen spannenden Fall präsentiert, der am Anfang noch undurchdringlich erscheint, sich dann aber wie eine Lotusblüte öffnet und genau so vielschichtig ist. Militärgeschichte von deutschen Kriegsgefangenen, historische Polizeiarbeit, eine herzzerreißende Liebesgeschichte - eingebettet in den Kontext der späten 1920er Jahre.

Im Gegenteil zu anderen Krimireihen bekommen wir hier etwas weniger Lokalkolorit, dafür aber mehr Einblicke in das „echte“ Leben. Die Ermittlerkollegen Jakob Sonnenschein und Robert Walther werden ebenso beleuchtet wie Leo Wechsler und seine eigene Familie.

Mit 312 Seiten ist es ein eher kürzeres Buch, was den verkürzten und etwas gehetzt wirkenden Einstieg erklären mag. Dies hat mir zu Beginn etwas Sorgen bereitet, sich dann aber schnell gelegt, als die Gesichte so richtig an Fahrt aufgenommen hat.

Bisher vermutlich mein liebster Teil der Reihe und eine große Empfehlung für alle Fans von nicht so derben und weniger blutigen Krimis mit einem historischem Faible.