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Veröffentlicht am 18.02.2026

Definitiv nicht jugendfrei, aber sehr packend und mit interessanten paranormalen Elementen

Pen Pal
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Die eher introvertierte Kayla hat vor einigen Wochen ihren Ehemann verloren, trauert und lebt jetzt allein in ihrem großen und zudem baufälligen Haus, in dem eigenartige Dinge geschehen. So erhält sie ...

Die eher introvertierte Kayla hat vor einigen Wochen ihren Ehemann verloren, trauert und lebt jetzt allein in ihrem großen und zudem baufälligen Haus, in dem eigenartige Dinge geschehen. So erhält sie merkwürdige Briefe eines ihr unbekannten Mannes namens Dante aus einem Gefängnis. Obwohl sie sich absolut nicht vorstellen kann, was dieser Mann von ihr will, siegt ihre Neugier und sie antwortet ihm immer wieder. Allerdings kann sie mit seinen Antworten lange Zeit absolut nichts anfangen.

Nahezu zeitgleich lernt sie den Handwerker Aiden kennen, der eigentlich das Dach ihres Hauses reparieren sollte. Als sie sich in ihrem Haus nicht mehr sicher fühlt, flieht sie zu ihm und es beginnt eine aufregende Liebesbeziehung, wie sie sie so noch nie erlebt hat. Dennoch kann sie sich ihm nicht gänzlich öffnen und als er sich daraufhin von ihr zurückzieht, ist sie noch unglücklicher als zuvor. Wird sie es schaffen, ihre Trauer hinter sich zu lassen?

Leicht und flüssig konnte ich dieses Buch von Anfang an lesen. Geschrieben ist es hauptsächlich aus der Perspektive von Kayla in der ersten Person. Sie war mir von Anfang an sehr sympathisch und ich fühlte erst ihre Trauer, dann ihren Zwiespalt wegen ihrer Gefühle für Aiden und wünschte ihr von ganzem Herzen, dass es bei dieser Beziehung nicht nur bei einer heißen Affäre bleibt. Denn auch Aiden mochte ich, nach einer nur ganz kurzen Phase des Misstrauens ihm gegenüber, richtig gern.

Jugendfrei waren allerdings sehr viele enthaltene Szenen definitiv nicht. Allerdings empfand ich persönlich auch die sehr ausführlich beschriebenen heißen Bettszenen als sehr heiß und aufregend. Ich kenne jedoch etliche Menschen, die es so detailliert eher nicht mögen und wer sich dazu zählt, sollte lieber nicht zu diesem Buch greifen. Der im Vorfeld veröffentlichte Klappentext verriet auch nicht, dass diese durchaus dunkle Romanze sehr stark paranormal angehaucht ist.

Mich persönlich hat das zwar überrascht, aber nicht auf unangenehme Art und Weise, da ich dieser Art von Lesestoff sowieso sehr zugeneigt bin. Ich weiß aber, dass es durchaus Leser gibt, die mit Dingen, die es in der Realität eigentlich nicht gibt, wenig anfangen können. Mir hingegen hat es überhaupt nichts ausgemacht, außer, dass mir eine für mich völlig aus der Kalten kommende Wendung die Tränen in die Augen trieb. Im Nachgang verstand ich zwar, dass es darauf durchaus schon viel früher etliche Hinweise gab, die ich so aber nicht verstanden hatte.

Dennoch ließ mich die mir bislang komplett unbekannte Autorin am Ende nicht im Regen stehen und bescherte der ganzen Geschichte dann doch einen von mir als sehr versöhnlich empfundenen Ausgang. Insgesamt hat mir dieses Buch richtig gut gefallen und ich möchte nun auch noch andere Bücher von J. T. Geissinger lesen.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Durchaus spannend, aber…

The Puppet Master
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… mir sind dadurch jetzt schon sehr viele Details zum eigentlichen Reihenauftakt bekannt, der in deutscher Übersetzung erst im Herbst erscheinen soll.

Ein Mann wird zur Rushhour am Bahnsteig vom Zug erfasst. ...

… mir sind dadurch jetzt schon sehr viele Details zum eigentlichen Reihenauftakt bekannt, der in deutscher Übersetzung erst im Herbst erscheinen soll.

Ein Mann wird zur Rushhour am Bahnsteig vom Zug erfasst. Im ersten Moment denkt jeder an Selbstmord. Doch es gibt ein paar Details die absolut nicht dazu passen und auch ihr Bauchgefühl sagt DCI Cara Elliot, die als leitende Ermittlerin den Fall untersucht, dass hier etwas überhaupt nicht stimmt. Das Gefühl wird zur Gewissheit, als sich vermeintliche Suizide in kürzester Zeit häufen, doch nach wirklichen Beweisen dafür suchen sie und ihr Team, trotz unermüdlicher Arbeit, lange Zeit vergeblich. Und auch als ihnen diese endlich vorliegen, scheint es so, dass ihnen der Täter immer noch mehr als einen Schritt voraus ist. Wird es ihnen gelingen, ihn zu stoppen, ohne, dass wieder Leute aus den eigenen Reihen oder deren Familien den Preis dafür zahlen müssen?

Nachdem mir, nach kleinen Startschwierigkeiten, vor etwas mehr als einem Jahr der Thriller „The Twenty“ von Sam Holland in deutscher Übersetzung doch sehr gut gefiel, freute ich mich, als ich Ende letzten Jahres bei NetGalley das Buch „The Puppet Master“ dieser Autorin entdeckte. Nun habe ich auch dieses Buch gelesen und es hat mir durchaus auch gut gefallen. Allerdings merkte ich beim Lesen diesmal viel deutlicher als beim Vorgänger, dass mir der Reihenauftakt fehlt.

Im englischen Original ist „The Twenty nämlich schon der zweite Teil und „The Puppet Master“ der Dritte. Warum man in Deutschland nicht mit dem ersten Teil „The Echo Man“ startete, fragte ich mich bereits nach „The Twenty“ und jetzt nach „The Puppet Master“ noch viel mehr. Während in „The Twenty“ die Ereignisse aus „The Echo Man“ wirklich nur sehr kurz erwähnt wurden und auch die Hauptfigur aus dem Reihenauftakt und diesem Buch hier – DCI Cara Elliot – nur eine ganz kleine Nebenrolle spielte, geschieht das in „The Puppet Master“ sehr häufig und es wird nicht nur vage daran erinnert, sondern ich erfahre etliche Details, die mir einen höchstwahrscheinlich spannungsmindernden Informationsvorsprung für das Lesen von „The Echo Man“ verschaffen.

Am Ende von „The Puppet Master“ wird nämlich angekündigt, dass „The Echo Man“ in deutscher Übersetzung im Herbst 2026 erscheinen soll und es gibt auch eine Leseprobe. Ich hätte es deutlich besser gefunden, wenn „The Echo Man“ noch vor „The Puppet Master“ erschienen wäre. Lesen möchte ich den eigentlichen Reihenauftakt in deutscher Übersetzung zwar trotzdem noch. Das liegt aber daran, dass ich etliche Charaktere aus „The Twenty“ und „The Puppet Master“ inzwischen so liebgewonnen habe, dass ich jetzt auch alle bislang veröffentlichten Informationen zu ihnen kennen möchte.

Allerdings hatte ich, obwohl ich eben den eigentlichen Reihenauftakt noch nicht kenne, durch die vielen Erwähnungen der Details daraus, bei diesem Buch hier auch keinerlei Verständnisprobleme und konnte dadurch Caras persönliche Situation und die ihres Bruders Nate Griffin gut einordnen, obwohl ich selbst, als Mutter, Caras Entscheidungen im Privatleben teilweise nicht in Ordnung fand und selbst definitiv anders gehandelt hätte.

Den Schreibstil empfand ich wieder als sehr flüssig und die Handlung spannend. Geschrieben ist es wieder in der dritten Person, abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Protagonisten. Mir gefiel, dass der Fokus nicht nur auf den Ermittlungen lag, sondern auch auf dem Privatleben der Hauptfiguren. Dadurch werden sie für mich immer menschlicher und ich kann viel besser mit ihnen fühlen. Wer letztendlich der kranke Strippenzieher im Hintergrund war, hatte ich bis kurz vor der Auflösung durch die Autorin tatsächlich gar nicht auf dem Schirm.

Insgesamt kann ich auch für dieses Buch Thrillerfreunden durchaus wieder eine Leseempfehlung mitgeben. Für mich selbst hoffe ich jetzt allerdings ein bisschen, dass ich bis zum Herbst einen Großteil des hier zu „The Echo Man“ Gelesenen wieder vergessen habe.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Hin und wieder war ich ein bisschen genervt, insgesamt hat mir das Buch jedoch wieder gefallen

Kein Kuchen für Vampire
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Mit ihrer im Original derzeit achtteiligen Reihe – The Guild Codex: Spellbound – von der ich alle fünf bislang in deutscher Übersetzung bereits gelesen habe, hatte sich die kanadische Autorin Annette Marie ...

Mit ihrer im Original derzeit achtteiligen Reihe – The Guild Codex: Spellbound – von der ich alle fünf bislang in deutscher Übersetzung bereits gelesen habe, hatte sich die kanadische Autorin Annette Marie bereits einen Platz bei meinen Lieblingsautorinnen gesichert.

Als dann im vorigen Jahr der erste Teil ihrer im Original bislang vier Teile umfassenden Spinoff Reihe – The Guild Codex: Demonized – in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde, gefiel mir auch dieser sehr gut und ich wollte auch diese Reihe unbedingt weiterverfolgen. Kein Kuchen für Vampire ist nun der zweite Teil davon und jetzt, wo ich ihn ausgelesen habe, hoffe ich sehr, dass auch der nächste Teil in deutscher Übersetzung nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Seit den dramatischen Ereignissen im Haus von Robins Onkels sind einige Wochen vergangen. Seitdem ist dieser spurlos verschwunden und mit ihm auch der wichtigste Teil ihres Erbes - das Grimoire ihrer Familie. Robin ist sich sicher, dass sie nur damit ihren Vertrag mit dem Dämonen Zylas erfüllen kann. Daher sucht sie zusammen mit ihm und ihrer Cousine Amalia nach Onkel Jacks Aufenthaltsort und stößt dabei immer wieder auf Vampire sowie auf ein Team ihrer neuen Gilde, welches von der jungen Magierin Zora angeführt wird.

Letztere gibt Robin einen Crashkurs über die Blutsauger und lädt sie sogar ein, sich an der Jagd auf diese zu beteiligen. Da sie das nicht ausschlagen kann, macht Robin mit. Doch die Vampire verhalten sich definitiv anders, als Zora es ihr erklärte und es gibt plötzlich auch deutlich mehr von ihnen, als bislang angenommen. Doch warum ist das so und was haben sie mit dem Verschwinden ihres Onkels und dem Grimoire ihrer Mutter zu tun?

Zeitlich ist die Handlung von „Kein Kuchen für Vampire“ parallel zum fünften Teil der Spellbound Reihe einzuordnen. Allerdings spielen die mir daraus bekannten Figuren bislang keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die Geschichte wird weiterhin in der ersten Person aus der Perspektive von Robin erzählt. Der Schreibstil ist nach wie vor flüssig und sehr leicht zu lesen. Sehr gut gefielen mir die vielen Kabbeleien zwischen Robin und ihrem Dämonen Zylas. Diese lockerten vorangegangene gefährliche Situationen immer wieder auf, zeigten aber auch, dass sich beide immer weiterentwickelten.

Allerdings hat Robin noch immer sehr wenig Selbstbewusstsein und es gab durchaus Stellen im Buch, in denen sie mir deswegen ein bisschen auf die Nerven ging. Wiederum hat sie sich ihre so liebenswerten mitfühlenden Eigenschaften bewahrt, was u. a. dazu führte, dass es in Amalias kleiner Wohnung jetzt noch einen weiteren Mitbewohner gibt. Und dann gab es auch immer wieder spannungsgeladene Situationen, in denen sie über sich hinauswuchs.

Sehr gut gefiel mir aber auch, dass die Autorin zwar von in einschlägiger Fantasy-Literatur fast überstrapazierten Vampiren schreibt, diese letztendlich aber gänzlich anders sind, als dort schon hunderte Male dargestellt. Interessant fand ich auch die Dinge, die Zylas über Dämonen im Allgemeinen preisgab. Insgesamt war dieses Buch für mich wieder eine spannend unterhaltsame Urbanfantasy Lektüre und am Ende – natürlich mit einem Cliffhanger – hätte ich am liebsten sofort weitergelesen.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Für mich ist dieses Buch kein würdiger Abschluss der vorher so spannenden Reihe

Oxen. Interregnum
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Es ist tatsächlich schon wieder mehr als 2 Jahre her, dass ich mit dem 6. Teil der Reihe um den ehemaligen dänischen Elitesoldaten Niels Oxen in die Reihe einstieg. Seitdem habe ich mir die Vorgänger alle ...

Es ist tatsächlich schon wieder mehr als 2 Jahre her, dass ich mit dem 6. Teil der Reihe um den ehemaligen dänischen Elitesoldaten Niels Oxen in die Reihe einstieg. Seitdem habe ich mir die Vorgänger alle gekauft, jedoch noch nicht komplett gelesen. Dennoch konnte ich nicht widerstehen, anzufragen als vor einigen Wochen bei NetGalley dieser neuste 7. Teil in deutscher Übersetzung als Rezensionsexemplar angeboten wurde und ich freute mich sehr, dass ich das Ebook kurze Zeit später auch schon bestätigt bekam.

Axel Mossman, ist für kurze Zeit als kommissarischer Leiter des PET zurückgekehrt und bestellt seine engsten Mitarbeiter – Margarethe Franck und den Soldaten Niels Oxen – zu einer geheimen Besprechung in seinen Keller. Er hegt den Verdacht, dass der zerschlagen geglaubte Danehof wiederaufgebaut wird und bittet die beiden um Hilfe, um diese gefährliche und mächtige Geheimorganisation endgültig zu bekämpfen.

Kurze Zeit später wird einer der vermeintlichen neuen Anführer in Schweden tot aufgefunden. Obwohl alles erst einmal nach einem Unfall aussieht, finden Margarethe und Oxen Hinweise darauf, dass es sich um einen gut vertuschten Mord handelt. Allerdings können sie der Person, die sie verdächtigen, diesen Mord in Auftrag gegeben zu haben, lange Zeit absolut nichts nachweisen. Erst als sie eine Verbindung zum ebenfalls als Selbstmord getarnten Mord an einem chinesischen Studenten herstellen können, erkennen sie ein Muster. Doch reicht das aus, um den Danehof endgültig zu vernichten?

Während ich den sechsten Teil damals nach einer kurzen Einlesephase kaum noch aus den Händen legen konnte, empfand ich diesmal etliche Längen und quälte mich auch ein wenig. Es war zwar nicht so, dass der Lesestoff für mich so uninteressant wurde, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen, aber eben auch nicht so, dass ich – wie es beim Vorgänger und den anderen inzwischen gelesenen Teilen der Reihe war – Lesepausen nur ungern einlegte und während dieser dem Zeitpunkt entgegenfieberte, an dem ich wieder zum Buch zurückkehren konnte.

Obwohl mir der Schreibstil noch immer gefiel und mehrere Handlungsstränge, die parallel zueinander liefen, durchaus für Abwechslung sorgten, plätscherte es mir diesmal zu lange vor sich hin und das minderte bei mir die Spannung. Während ich die anderen Bücher der Reihe jeweils in zwei Tagen auslas und es mich nebenbei überhaupt nicht zu anderen Büchern zog, brauchte ich für dieses Buch hier insgesamt fast 3 Wochen und zog mir zwischendurch auch noch einige Graphic Novels mit rein.

Dass ich trotzdem immer wieder zu dem Buch zurückkehrte lag vor allem daran, dass ich das Ermittlertrio, ihre bekannten Helfer und auch Oxens Sohn Magnus in den Vorgängerbüchern, die ich bereits gelesen habe, liebgewonnen hatte, sie nach wie vor meine Sympathien haben und mir auch die neu dazugekommene Polizistin sehr sympathisch ist. Deshalb würde ich, auch wenn dieser Teil für mich der bislang schlechteste Teil der Reihe war, wieder zu einer weiteren Fortsetzung greifen.

Allerdings bin ich mir nach dem, was ich im Netz gelesen habe, nicht sicher, ob es eine Solche überhaupt geben wird. Denn da wurde geschrieben, dass es der letzte Teil der Oxen Reihe wäre und das wiederum fände ich sehr schade, weil ich das Gefühl habe, dass die Geschichte eben noch nicht auserzählt ist. Gerade in Bezug auf Oxen und Margarethe gibt es Einiges, was bislang ungesagt blieb und wenn das hier wirklich der letzte Teil sein sollte, empfinde ich ihn nicht als würdigen Abschluss der vorher so spannenden Reihe.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Mir fehlte in der Bildgeschichte die emotionale Nähe zu einzelnen jüdischen Familien an Bord

Die Irrfahrt der St. Louis
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Graphic Novels reizen mich immer wieder und ich bin auch der Meinung, dass von den Verbrechen der Nazis im vorigen Jahrhundert, besonders an der jüdischen Bevölkerung, immer wieder erzählt werden muss ...

Graphic Novels reizen mich immer wieder und ich bin auch der Meinung, dass von den Verbrechen der Nazis im vorigen Jahrhundert, besonders an der jüdischen Bevölkerung, immer wieder erzählt werden muss und, dass dieser Teil der deutschen Geschichte auch in den jüngeren Generationen nicht in Vergessenheit geraten darf. Als ich diese Graphic Novel bei NetGalley entdeckte, wollte ich sie gern lesen und anschauen. Daher freute ich mich sehr, als ich sie kurz nach meiner Anfrage als PDF auf meinen Rechner laden konnte.

Allerdings bin ich jetzt, nachdem ich damit fertig bin, ziemlich enttäuscht. In einer Graphic Novel erwarte ich davor und danach keine ellenlangen Texte am Stück, die mir die Geschichte erklären müssen, sondern, dass sich bei mir die Emotionen durch das Zusammenspiel der Texte und Bilder aufbauen und das war hier leider selten und irgendwie einseitig der Fall. Es wurden vor der Abfahrt der St. Louis zwar einige der jüdischen Familien namentlich in Bildern vorgestellt, bei denen in den von mir als wirklich gut empfundenen Zeichnungen durchaus zu sehen war, dass etwas passiert war, was diese Menschen verletzte oder, dass sie traurig sind. Aber welches Unrecht ihnen persönlich dabei gerade widerfuhr oder den Grund ihrer Traurigkeit, konnte ich allein aus diesen Bildern ohne Text nicht wirklich fühlen, so, dass sich bei mir auch keine emotionale Nähe zu diesen Protagonisten aufbaute.

Mir persönlich gingen zwar einige der Zeichnungen ohne Text – besonders die ganz am Anfang - trotzdem unter die Haut, allerdings eher, weil ich in den letzten fast 50 Jahren – also seit ich des Lesens mächtig bin - sehr viel über Einzelschicksale von Verfolgten des Nationalsozialismus gelesen oder auch in Filmen gesehen habe. Das haben jedoch viele junge Menschen meistens noch nicht und die Jugendlichen in meiner Familie oder meinem Freundeskreis lesen in Comics oder Graphic Novels – so wie ich es hier übrigens auch tat – erst einmal nur die Texte, die bei den Bildern stehen, überblättern lange Texte davor und hören am Ende der Zeichnungen mit den Texten auf. Lange Texte wie sie hier davor und danach stehen, lesen sie nur, wenn sie die, ich nenne es mal Bildgeschichte, richtig abgeholt hat und sie dann unbedingt noch mehr erfahren möchten.

Letzteres war selbst bei mir hier leider nicht der Fall und ich glaube auch nicht, dass es meinen 16-jährigen Enkeln anders ginge. Ich empfand das, was den Menschen auf diesem Schiff durch die permanente Zurückweisung angetan wurde, zwar durchaus als schlimm und der Kapitän hatte für sein einfach nur menschliches Verhalten auch all meine Sympathien, aber dadurch, dass mir keiner der jüdischen Passagiere emotional so richtig nahegebracht wurde, war das für mich alles irgendwie trotzdem zu weit weg. Wäre das hier kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich im Nachgang wahrscheinlich nicht mal die langen und durchaus wichtigen Texte vor und nach der Bildgeschichte gelesen.

Obwohl ich die Thematik an sich wirklich wichtig finde, fürchte ich, dass diese Umsetzung hier am Ziel vorbeigeht und Jugendliche oder Erwachsene in Sachen Antisemitismus nicht wirklich zum Nach- oder gar Umdenken bringt. Da haben mich andere Graphic Novels über Menschenrechtsverbrechen aus dieser schlimmen Zeit schon deutlich mehr mitgerissen.

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