Toller Auftakt
The Ruby Circle (1). All unsere GeheimnisseDieser Auftaktband zur Highclare‑Reihe überrascht mit einer Mischung aus Glamour, Geheimnissen und sehr menschlichen Momenten. Obwohl das Eliteinternat mit seinen abgeschotteten Mauern zunächst wie eine ...
Dieser Auftaktband zur Highclare‑Reihe überrascht mit einer Mischung aus Glamour, Geheimnissen und sehr menschlichen Momenten. Obwohl das Eliteinternat mit seinen abgeschotteten Mauern zunächst wie eine glänzende Kulisse wirkt, entfaltet sich die Geschichte vor allem über Louisa – ein Mädchen, das nach einem zerstörerischen Medienskandal verzweifelt versucht, irgendwo wieder Boden unter den Füßen zu finden. Ihr Blick von außen auf die Welt der Reichen und Einflussreichen macht den Roman besonders reizvoll, weil er zeigt, wie fremd und gleichzeitig verführerisch diese Umgebung sein kann.
Der erste Teil konzentriert sich stark auf Louisas Loslösung von ihrer manipulativen Mutter. Diese Phase wirkt ruhig, aber nie belanglos, weil man Louisa dabei sehr nah kommt. Danach verschiebt sich der Fokus: Prüfungen, Reitsport, neue Freundschaften und eine vorsichtige, aber spürbare Anziehung zu Theo bestimmen den Ton. Die Autorin versteht es, immer dann Tempo aufzunehmen, wenn die Handlung droht, sich zu verlieren. Dramatische Szenen – etwa die Konfrontation auf einer Vernissage – sind so packend inszeniert, dass man unweigerlich weiterliest.
Die Atmosphäre bleibt insgesamt weniger düster, als die vielen Andeutungen vermuten lassen. Zwar gibt es geheimnisvolle Orte, verschwundene Personen und rubinrote Einladungen zu einer rätselhaften Party, doch die Auflösungen bleiben eher realistisch und bodenständig. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber Mystery‑Fans sollten wissen, dass der übernatürliche Nervenkitzel ausbleibt.
Besonders gelungen ist das Knistern zwischen Louisa und Theo: zurückhaltend, manchmal frustrierend, aber glaubwürdig. Gleichzeitig bleiben einige Nebenfiguren blasser, als es das komplexe Setting erlauben würde. Der Reitsport ist präsent, ohne die Handlung zu dominieren – ein angenehmer Balanceakt, der auch Nicht‑Pferdefans abholt.
Auf den letzten Seiten zieht die Spannung deutlich an, und der Cliffhanger sorgt dafür, dass man den nächsten Band kaum ignorieren kann. Ein paar offene Fragen bleiben bewusst stehen, was nicht jeder mögen wird, aber Lust auf mehr macht es allemal.
Fazit:
Ein fesselnder Jugendroman über Selbstfindung, Machtspiele und erste Gefühle, der mit seinem Setting und der stetigen Spannung überzeugt. Kleine Schwächen in der Figurenzeichnung verhindern das ganz große Funkeln, aber die Sogwirkung ist da – und macht neugierig auf die Fortsetzung.