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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2026

Schöne bunte Welt

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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Dieses Hörbuch hat mich von der ersten Minute an gepackt. Der Einstieg ist so stark, so atmosphärisch dicht, dass ich mich sofort in die Welt des Modehauses Bouttier hineingezogen fühlte. Paris, Familiengeheimnisse, ...

Dieses Hörbuch hat mich von der ersten Minute an gepackt. Der Einstieg ist so stark, so atmosphärisch dicht, dass ich mich sofort in die Welt des Modehauses Bouttier hineingezogen fühlte. Paris, Familiengeheimnisse, alte Wunden – all das schwingt mit einer Intensität, die man fast riechen kann. Doch nach dieser kraftvollen ersten Hälfte verliert die Geschichte etwas an Schwung. Die Handlung dreht sich lange um den Konkurrenzkampf zweier Modehäuser, ohne wirklich voranzukommen. Man spürt das Potenzial für Gossip, für Verrat, für Intrigen – aber vieles bleibt in der Schwebe, bis es am Ende endlich explodiert.

Was die Geschichte inhaltlich nicht immer schafft, holen die Stimmen der Sprecher:innen wieder heraus.

Hannah Schepmann legt so viel Gefühl in Elodies Zerrissenheit, dass man ihr inneres Chaos fast körperlich spürt.

Markus J. Bachmann verleiht Adam eine Mischung aus Härte und Verletzlichkeit.

Louis Friedemann Thiele trifft Gabriels weiche, aber komplizierte Seite erstaunlich gut.

Gemeinsam schaffen sie eine emotionale Tiefe, die der Roman selbst nicht immer erreicht.

Die Dreiecksbeziehung ist das Herzstück der Geschichte – und gleichzeitig ihr wackeligster Punkt. Elodie schwankt zwischen zwei Männern:

einem, der sie schlecht behandelt,

und einem, der moralisch fragwürdig startet, sich aber als warmherziger Mensch entpuppt.

Dieses Liebeschaos wirkt nicht immer glaubwürdig, und gerade in der Hörbuchfassung spürt man manchmal deutlicher, wo die Emotionen nicht ganz tragen.

Trotzdem: Die drei Perspektiven sind ein echter Gewinn. Sie öffnen Türen in die Gedankenwelt der Figuren, lassen uns ihre Unsicherheiten, Ängste und Wünsche verstehen. Auch wenn die Modewelt lange an der Oberfläche bleibt, entsteht durch die wechselnden Stimmen ein Sog, der einen weiterhören lässt.

Und dann kommt das Ende.
Ein Knall, der mich wirklich überrascht hat. Ein Moment, der alles aufreißt, was vorher nur angedeutet wurde. Ein Cliffhanger, der nicht billig wirkt, sondern die Geschichte endlich in die Tiefe stößt, die ich mir früher gewünscht hätte. Danach muss man einfach wissen, wie es weitergeht.

Fazit
Ein Hörbuch, das stark beginnt, sich zwischendurch verliert, aber durch Atmosphäre, Stimmen und ein wuchtiges Finale wieder auf Kurs kommt. Die Modewelt hätte mehr Biss, mehr Geheimnisse, mehr Verrat vertragen – doch die Sprecher:innen tragen die Geschichte mit so viel Gefühl, dass man trotzdem gern dranbleibt.

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Veröffentlicht am 03.06.2026

Nicht gruselig, aber dafür kurios

Sträters Gutenachtgeschichten
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Ich bin mit echter Neugier an dieses Buch herangegangen, gerade weil ich Sträters Bühnenhumor so schätze. Umso deutlicher merkt man hier, dass viele der Geschichten aus seiner frühen Schreibphase stammen. ...

Ich bin mit echter Neugier an dieses Buch herangegangen, gerade weil ich Sträters Bühnenhumor so schätze. Umso deutlicher merkt man hier, dass viele der Geschichten aus seiner frühen Schreibphase stammen. Der typische Wortwitz, den ich sonst so an ihm liebe, blitzt nur vereinzelt auf – oft wirken die Texte eher verschachtelt und schwerfällig.

🕯️ Zwischen Ruhrpott‑Charme und zähen Passagen
Einige Kurzgeschichten haben mir durchaus gefallen: sie tragen diesen warmen, leicht schrägen Ruhrpott‑Ton, der Sträter so unverwechselbar macht. Diese Kapitel lesen sich flott, sind unterhaltsam und manchmal sogar ein bisschen atmosphärisch.

Andere wiederum ziehen sich spürbar. Manche Ideen wirken überdehnt, manche Wendungen vorhersehbar. Von Horror kann man kaum sprechen – die meisten Geschichten bleiben harmlos und verlieren sich eher im Absurden als im Grusel.

📘 Stil & Struktur
Sträters verschachtelter Stil, der auf der Bühne wunderbar funktioniert, wirkt im schriftlichen Format manchmal sperrig. Gerade in den längeren Geschichten fällt das auf. Die Mischung aus 27 sehr unterschiedlichen Texten sorgt zwar für Abwechslung, aber auch für starke Qualitätsschwankungen.

Ein paar Highlights gibt es dennoch – etwa „Der Geruch von Blau“, das für mich zu den stärkeren Beiträgen gehört.

🎯 Für wen funktioniert das Buch?
Fans von Sträters Bühnenhumor werden hier eher enttäuscht.

Liebhaber echter Horrorliteratur vermutlich ebenfalls.

Wer Lust auf skurrile, teils absurde Kurzgeschichten hat, findet ein paar gelungene Perlen – aber eben auch viel Durchschnitt.

⭐ Mein Fazit
Ich mag Sträter wirklich sehr, aber dieses Buch hat mich nur phasenweise abgeholt. Einige Geschichten sind charmant und unterhaltsam, andere schlicht langatmig. Als Gesamtwerk bleibt es für mich durchwachsen – mit Lichtblicken, aber ohne echten Sog.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Herzerwärmend

The Iced Caramel Coffee Agreement
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The Iced Caramel Coffee Agreement hat mich sofort wieder in dieses kleine britische Städtchen gezogen, das sich inzwischen fast wie ein zweites Zuhause anfühlt. Lower Whilby hat einfach dieses besondere ...

The Iced Caramel Coffee Agreement hat mich sofort wieder in dieses kleine britische Städtchen gezogen, das sich inzwischen fast wie ein zweites Zuhause anfühlt. Lower Whilby hat einfach dieses besondere Etwas – gemütlich, ein bisschen chaotisch, voller Menschen, die man gernhaben muss.

Im Mittelpunkt stehen diesmal Nore und Dex, und die beiden haben mich komplett erwischt. Nore mit ihrem großen Herzen, ihrem ständigen Funktionieren und den leisen Zweifeln, die man nur merkt, wenn man genau hinschaut. Und Dex, der so viel mehr ist als der typische Musiker-Love-Interest: verletzlich, überfordert, aber gleichzeitig so aufmerksam und gut.

Was ich an ihrer Geschichte liebe, ist diese stille, ehrliche Art, wie sie sich gegenseitig Halt geben. Keine großen Dramen, keine überzogenen Gesten – nur zwei Menschen, die sich langsam trauen, wieder sie selbst zu sein. Die kleinen Szenen am See, die Wortgefechte, die Mutproben, die Festivalvorbereitungen… das alles hat so viel Herz und Leichtigkeit, dass ich beim Lesen ständig lächeln musste.

Kyra Groh schafft es einfach, ernste Themen wie Selbstwert, Erwartungen und familiären Druck so einzubauen, dass sie berühren, ohne die Geschichte schwer zu machen. Ihr Schreibstil ist warm, humorvoll und gleichzeitig so präzise, dass man sich in jeder Emotion wiederfindet.

Und ja – das Cover ist wieder ein kleines Highlight. Verspielt, cozy, perfekt für die Reihe.

Mein Fazit:
Ein Buch, das wärmt, ohne kitschig zu werden. Eine Liebesgeschichte, die sich verdient anfühlt. Charaktere, die bleiben. Für mich sogar noch stärker als Band 1 – und das sagt einiges. Absolute Empfehlung für alle, die Geschichten lieben, die gleichzeitig leicht und tief sind.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Mythologische Magie

Threadcut
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Threadcut hat mich sofort abgeholt: eine moderne Welt, durchzogen von Fäden des Schicksals, und mittendrin eine junge Frau, die mehr sieht, als ihr guttut. Yuna erkennt die Lebensfäden der Menschen – ein ...

Threadcut hat mich sofort abgeholt: eine moderne Welt, durchzogen von Fäden des Schicksals, und mittendrin eine junge Frau, die mehr sieht, als ihr guttut. Yuna erkennt die Lebensfäden der Menschen – ein Geschenk, das sie nie wollte und das sie gleichzeitig antreibt, das Unvermeidliche zu ändern. Als ihre Mutter im Sterben liegt, trifft sie auf den Halbgott Zenon, der Tote ins Jenseits begleitet. Aus dieser zufälligen Begegnung entsteht ein gefährliches Bündnis, das sie bis zu den Moiren und tief in die Unterwelt führt.

Was mich besonders gepackt hat, ist die Dynamik zwischen den beiden: dieses ständige Anziehen und Abstoßen, die bissigen Sprüche, das Misstrauen, das sich langsam in etwas Zarteres verwandelt. Die Kapitel wechseln zwischen Yunas und Zenons Perspektive, wodurch man beide Seiten ihrer Reise versteht. Dazu kommen geheimnisvolle Briefwechsel zwischen einer Fate und einem Bones, die erst spät ihre Bedeutung entfalten und die Geschichte noch dichter machen.

Der Schreibstil ist für mich eines der Highlights: bildhaft, flüssig, intensiv. Die Autorin schafft es, Spannung und Emotionen so zu verweben, dass man komplett in die düstere, atmosphärische Welt eintaucht. Die Handlung bleibt durchweg fesselnd, mit Wendungen, die man nicht kommen sieht, und Figuren, die Ecken, Kanten und echte Entwicklung zeigen.

Besonders mochte ich, wie Yunas Gabe, Zenons Vergangenheit und die Begegnung mit Hades ineinandergreifen und die Geschichte immer größer wirken lassen, ohne sich in Komplexität zu verlieren. Trotz der mythologischen Tiefe bleibt der Roman zugänglich und emotional greifbar.

Fazit: Ein atmosphärischer Einzelband, der Spannung, Gefühl und Mythologie überzeugend verbindet. Kleine Längen oder Erklärlücken verzeiht man gern, weil die Geschichte einen so konsequent mitreißt. Für Fans von modernen Mythen, starken Charakteren und einer Prise Dunkelheit eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Mehr Schein als Sein

Bachelorette Party
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Mich hat das Cover in den Bann gezogen und auch der Klappentext hat sich super gelesen, so dass ich einfach zuschlagen musste.

Inhalt/Meinung:

Tessa, eine True‑Crime‑Podcasterin, reist widerwillig zu ...

Mich hat das Cover in den Bann gezogen und auch der Klappentext hat sich super gelesen, so dass ich einfach zuschlagen musste.

Inhalt/Meinung:

Tessa, eine True‑Crime‑Podcasterin, reist widerwillig zu einem Junggesellinnenabschied auf eine abgelegene Insel – ein Ort, an dem zehn Jahre zuvor vier junge Frauen verschwunden sind. Was als entspanntes Yoga‑Wochenende geplant ist, kippt schnell ins Unheimliche, und schon kurz nach der Ankunft wird eine Leiche entdeckt. Die Geschichte springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, arbeitet mit mehreren Perspektiven und kurzen Kapiteln, was grundsätzlich Neugier erzeugt, aber den erhofften Sog nicht ganz entfaltet.

Tessa bleibt die einzige Figur, die etwas greifbarer wirkt, doch auch zu ihr entsteht kaum Nähe. Ihre Motivation, überhaupt an diesem Wochenende teilzunehmen oder sich so verbissen in den alten Fall zu verbeißen, bleibt schwer nachvollziehbar. Die übrigen Frauen wirken eher wie zufällig zusammengewürfelt als wie ein Freundeskreis – was die Dynamik zusätzlich distanziert erscheinen lässt.

Die Atmosphäre der schwedischen Schären, das Setting einer isolierten Insel und das Versprechen eines düsteren Geheimnisses bieten eigentlich perfekte Voraussetzungen für Spannung. Doch statt eines stetigen Thrills entsteht eher ein unterschwelliges Unbehagen, das sich nur langsam steigert. Richtige Spannung kommt erst spät auf, während viele Szenen zuvor eher langatmig wirken. Das Finale wiederum schlägt plötzlich in Brutalität um, die im Verhältnis zum restlichen Erzählton fast zu heftig wirkt und deren Motive wenig überzeugend erscheinen

Fazit:

Insgesamt bleibt der Thriller solide, aber unausgewogen: interessante Idee, starke Kulisse, aber blasse Figuren und ein Spannungsbogen, der nicht ganz trägt. Wer ein ruhigeres, atmosphärisches Rätsel sucht, kann hier fündig werden – wer jedoch packende Nervenkitzel erwartet, sollte die Erwartungen etwas dämpfen.

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