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Veröffentlicht am 15.12.2025

faszinierend

Mr. Saitos reisendes Kino
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Mr. Saitos reisendes Kino ist ein ungewöhnlicher, lebenspraller Roman, der trotz seines beachtlichen Umfangs durchgehend unterhaltsam geblieben ist. Schon der Einstieg – mit Litas Zeugung auf einer Tanzfläche ...

Mr. Saitos reisendes Kino ist ein ungewöhnlicher, lebenspraller Roman, der trotz seines beachtlichen Umfangs durchgehend unterhaltsam geblieben ist. Schon der Einstieg – mit Litas Zeugung auf einer Tanzfläche in Buenos Aires – macht klar, dass einen hier keine gewöhnliche Geschichte erwartet.

Im Mittelpunkt steht Lita, die mit ihrer schillernden Mutter Fabiola, leidenschaftliche Tangotänzerin und wandelnder Magnet für Chaos, durch das Leben reist. Als die beiden ihre Heimat überstürzt verlassen müssen, verschlägt es sie eher zufällig auf eine raue Insel vor Neufundland. Dort finden sie Zuflucht in einem Seemannsheim, das von einer ganzen Sammlung herrlich skurriler Figuren bevölkert wird – genau diese Vielfalt an eigenwilligen Charakteren habe ich besonders geliebt.

Lita findet schnell Anschluss, vor allem zu Oona McGregor, der gehörlosen Tochter der Gastgeber, deren stille Stärke und Eigenartigkeit sehr berührt. Mit dem Auftauchen von Mr. Saito, der mit seinem wandernden Kino Bilder und Geschichten aus der großen weiten Welt auf die abgelegene Insel bringt, bekommt die Geschichte eine fast magische Note. Ohne es zu ahnen, wird diese Begegnung Litas Leben nachhaltig prägen.

Der Roman ist eine große, manchmal ausschweifende Reise über Wahlfamilien, erste Liebe, Sehnsucht und das Ankommen an unerwarteten Orten. Auch wenn sich manche Passagen etwas gezogen haben, passt die erzählerische Fülle gut zu dieser warmherzigen, detailverliebten Geschichte. Ein langer, aber lohnender Roman voller Charme, Eigenwilligkeit und unvergesslicher Figuren.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Spannende Dystopie

Das Dream Hotel
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Das Dream Hotel hat mich als Fan dystopischer Romane wirklich überzeugt. Die Grundidee ist beklemmend und erschreckend nah an einer möglichen Zukunft: Eine Gesellschaft, in der selbst Träume überwacht, ...

Das Dream Hotel hat mich als Fan dystopischer Romane wirklich überzeugt. Die Grundidee ist beklemmend und erschreckend nah an einer möglichen Zukunft: Eine Gesellschaft, in der selbst Träume überwacht, analysiert und zur Grundlage staatlicher Entscheidungen gemacht werden.

Sara Hussein ist eine düstere, vielschichtige und zugleich faszinierende Protagonistin. Nach ihrer Rückkehr von einer Dienstreise wird sie am Flughafen gestoppt – nicht wegen einer Tat, sondern wegen eines Risikowerts, der aus ihren Träumen berechnet wurde. Angeblich stellt sie eine potenzielle Gefahr für ihren Ehemann dar. Um ihn zu schützen, soll sie sich für 21 Tage in staatliche Beobachtung begeben. Während ihr Mann nichtsahnend mit den kleinen Zwillingen auf sie wartet, verliert Sara schlagartig ihre Freiheit.

Besonders eindrücklich fand ich, wie hilflos und surreal die Situation zunächst wirkt. Wie die anderen inhaftierten Frauen versucht Sara anfangs, ihre Unschuld zu beweisen – doch schnell wird klar, dass Logik und Wahrheit in diesem System kaum eine Rolle spielen. Mit jeder neuen Begründung für die Verlängerung ihrer Haft wächst die beklemmende Erkenntnis, dass sie selbst aktiv werden muss, wenn sie jemals wieder frei sein will.

Der Roman ist spannend, atmosphärisch dicht und wirft viele wichtige Fragen zu Überwachung, Selbstbestimmung und Schuld auf. Einen Stern ziehe ich nur ab, weil sich manche Passagen etwas gezogen haben. Insgesamt aber ein richtig guter dystopischer Roman, der noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Formel 1-Liebe

Crushing Souls (Driven Dreams-Dilogie, Band 1)
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Als großer Formel-1-Fan hat mich Crushing Souls sofort gepackt. Schon der Einstieg mit Fiona MacKenzie, die alles an der Königsklasse liebt – außer den arroganten Duncan McKinnon – hat mich neugierig gemacht. ...

Als großer Formel-1-Fan hat mich Crushing Souls sofort gepackt. Schon der Einstieg mit Fiona MacKenzie, die alles an der Königsklasse liebt – außer den arroganten Duncan McKinnon – hat mich neugierig gemacht. Er ist der gefeierte Fahrer im Rennstall ihres Vaters, sie die Tochter, die sich schon ihr halbes Leben lang nach Anerkennung sehnt. Ihre ständige Konkurrenz und die hitzigen Wortgefechte sorgen für ordentlich Spannung, genauso wie die Frage, ob sich zwischen Boxenstopps, riskanten Manövern und glamourösen Events nicht doch mehr entwickelt.

Carolin Wahl schafft es, die Atmosphäre der Formel-1-Welt richtig intensiv einzufangen – sei es durch den Nervenkitzel auf der Strecke, die Einblicke hinter die Kulissen oder die Reisen rund um den Globus. Das hat mir unglaublich gut gefallen und mein Motorsport-Herz höher schlagen lassen.

Etwas übertrieben fand ich allerdings die Darstellung der Rivalitäten zwischen den Teams. Natürlich lebt die Formel 1 von Konkurrenz, aber manche Konflikte wirkten für mich zu stark zugespitzt. Trotzdem bleibt die Dynamik zwischen Fiona und Duncan spannend und emotional, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Fazit: Ein packender, emotionaler Roman mit viel Rennsport-Feeling – perfekt für alle, die Formel 1 lieben. Von mir gibt’s 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

interessantes Thema

Heimat
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Heimat greift ein unglaublich aktuelles und wichtiges Thema auf: Was passiert, wenn man plötzlich in eine Umgebung gerät, in der die AfD-Wahl so selbstverständlich ist wie das tägliche Frühstück? Jana ...

Heimat greift ein unglaublich aktuelles und wichtiges Thema auf: Was passiert, wenn man plötzlich in eine Umgebung gerät, in der die AfD-Wahl so selbstverständlich ist wie das tägliche Frühstück? Jana zieht mit ihrer Familie aufs Land und merkt schnell, dass dort andere Regeln gelten. Besonders ihre Nachbarin Karolin, die sich voller Überzeugung der Rolle als „Tradwife“ verschrieben hat, wird für sie zu einer Mischung aus Faszination und Schock. Zwischen Tradition, Familienidylle und ultrakonservativem Weltbild versucht Jana, ihre eigene Haltung zu behaupten – und ertappt sich trotzdem dabei, Karolins Leben in mancher Hinsicht zu beneiden.

Mich hat vor allem erschreckt, wie leichtfertig viele Frauen im Buch davon ausgehen, dass die AfD tatsächlich ihre Interessen vertritt. Das wirkt realistisch und beklemmend zugleich, weil man solche Haltungen leider auch in der Realität wiederfindet. Die Stärke des Romans liegt darin, dass er diese Dynamiken ungeschönt zeigt und deutlich macht, wie subtil Anziehung und Abgrenzung nebeneinander existieren können.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass manche Entwicklungen sehr drastisch gezeichnet wurden – fast zu plakativ. Dennoch hat mich die Geschichte nachhaltig beschäftigt und dazu gebracht, über gesellschaftliche Strömungen und persönliche Werte nachzudenken.

Fazit: Ein intensiver, erschütternder Roman über Verführungskraft, Ideologie und die Frage, was „Heimat“ heute bedeutet. Von mir gibt’s 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

interessante Familiengeschichte

Onigiri
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Onigiri erzählt die bewegende Geschichte von Aki, die nach dem Tod ihrer Großmutter gemeinsam mit ihrer demenzkranken Mutter Keiko nach Japan reist. Eigentlich weiß Aki, wie riskant es ist, ihre Mutter ...

Onigiri erzählt die bewegende Geschichte von Aki, die nach dem Tod ihrer Großmutter gemeinsam mit ihrer demenzkranken Mutter Keiko nach Japan reist. Eigentlich weiß Aki, wie riskant es ist, ihre Mutter aus der vertrauten Umgebung zu reißen – und tatsächlich wirkt Keiko im Hotel zunächst völlig verloren. Doch im Elternhaus, bei einem gemeinsamen Essen, geschieht etwas Unerwartetes: Keiko beginnt wieder klar und fröhlich zu sprechen. Für Aki eröffnet sich so ein ganz neuer Blick auf ihre Mutter – eine Frau, die einst mutig und voller Lebenshunger war, bevor sie in Deutschland nach und nach verstummte.

Yuko Kuhn gelingt es, die Brüche und Verbindungen zwischen zwei Kulturen sehr feinfühlig darzustellen. Besonders die Momente, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen, haben mich berührt. Gleichzeitig zeichnet die Autorin ein sensibles Bild davon, was Demenz für Betroffene und Angehörige bedeutet.

Manchmal empfand ich die Erzählung jedoch als etwas langatmig – einige Szenen hätten für mich kürzer gefasst werden können, ohne dass die Tiefe der Geschichte verloren gegangen wäre.

Trotzdem bleibt Onigiri eine schön geschriebene, ruhige und berührende Familiengeschichte über Verlust, Erinnerung und das Wiederentdecken von Nähe. Von mir gibt es dafür 4 Sterne.

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