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Veröffentlicht am 12.04.2025

genial

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Was für ein genialer Roman! Middletide hat mich auf allen Ebenen abgeholt – sprachlich, atmosphärisch und emotional. Die Geschichte rund um Elijah Leith, der nach gescheiterten Träumen und einer tiefen ...

Was für ein genialer Roman! Middletide hat mich auf allen Ebenen abgeholt – sprachlich, atmosphärisch und emotional. Die Geschichte rund um Elijah Leith, der nach gescheiterten Träumen und einer tiefen Lebenskrise in seine kleine Heimatstadt Point Orchards zurückkehrt, ist voller Melancholie, aber auch Hoffnung.

Schon die Kulisse ist etwas ganz Besonderes: das verfallene Elternhaus mitten im moosgrünen, nebligen Küstenwald von Washington – man hört beim Lesen fast das Meer rauschen und riecht die salzige Luft. Dieses Setting gibt der Geschichte eine einzigartige Stimmung zwischen Nostalgie und Bedrohung.

Besonders gelungen fand ich den inneren Konflikt von Elijah, der zwischen Schuld, Sehnsucht und Neuanfang pendelt. Seine Annäherung an Nakita, die Jugendliebe, die nie ganz vergangen ist, geht unter die Haut. Es ist keine kitschige Lovestory, sondern eine tiefgründige, fast schmerzhafte Verbindung zweier Menschen, die beide viel verloren haben.

Und dann nimmt die Geschichte eine Wendung, die ich so nicht erwartet hatte – spannend, düster, fast schon thrillerartig. Plötzlich steht nicht nur Elijahs Liebe, sondern auch seine Freiheit auf dem Spiel.

Der Schreibstil ist dabei ein absoluter Genuss: atmosphärisch dicht, mit tollen Bildern und einem feinen Gespür für Zwischentöne. Middletide ist kein Roman, den man einfach so wegliest – man versinkt darin.

Für mich ganz klar ein Fünf-Sterne-Buch. Eine Geschichte über verpasste Chancen, zweite Anläufe und die dunklen Geheimnisse, die in der Tiefe schlummern – absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 08.04.2025

wird in Erinnerung bleiben

Wackelkontakt
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Was für ein faszinierender Roman! Wackelkontakt ist eines dieser Bücher, die man nach der letzten Seite nicht einfach zuklappen und vergessen kann – sie bleiben. Und zwar nicht nur wegen der ungewöhnlichen ...

Was für ein faszinierender Roman! Wackelkontakt ist eines dieser Bücher, die man nach der letzten Seite nicht einfach zuklappen und vergessen kann – sie bleiben. Und zwar nicht nur wegen der ungewöhnlichen Geschichte, sondern vor allem wegen der Art, wie Wolf Haas sie erzählt.

Im Zentrum stehen eigentlich zwei Männer: Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet, weil seine Steckdose einen Wackelkontakt hat. Und Elio Russo, ein ehemaliger Mafia-Kronzeuge, der im Gefängnis sitzt, auf seine Entlassung wartet – und sich davor fürchtet. Beide vertreiben sich die Zeit mit einem Buch. Das Überraschende: Franz liest über Elio. Und Elio liest über Franz. Klingt verwirrend? Ist es auch. Und genau das macht diesen Roman so genial.

Haas verwebt Realität und Fiktion so kunstvoll miteinander, dass man irgendwann nicht mehr weiß, wer wen erfindet – und ob es überhaupt noch einen Unterschied gibt. Es fühlt sich an wie ein literarisches Vexierbild, bei dem sich die Perspektiven ständig verschieben. Und das Ganze ist nicht nur raffiniert konstruiert, sondern auch mit diesem typisch lakonischen Haas-Humor gewürzt, der zwischen den Zeilen blitzt.

Mit einem toten Handwerker, düsteren Familiengeheimnissen und einem herrlich verschachtelten Aufbau zündet Wackelkontakt ein erzählerisches Feuerwerk, das einen schwindeln lässt – aber auf die beste Weise. Ein kluges, verspieltes und tiefgründiges Buch, das einem noch lange im Kopf herumspukt. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.04.2025

etwas langatmig

Der Sternenstaubdieb
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Optisch ist Der Sternenstaubdieb ein echtes Highlight. Das Cover und der Farbschnitt sind atemberaubend schön und erinnern sofort an die märchenhafte Welt von 1001 Nacht – orientalisch, geheimnisvoll und ...

Optisch ist Der Sternenstaubdieb ein echtes Highlight. Das Cover und der Farbschnitt sind atemberaubend schön und erinnern sofort an die märchenhafte Welt von 1001 Nacht – orientalisch, geheimnisvoll und magisch. Auch die Grundidee hat mich direkt angesprochen: Loulie al-Nazari, besser bekannt als die Mitternachtshändlerin, verdient ihr Geld damit, magische Artefakte der Dschinn zu jagen und auf dem Nachtmarkt zu verkaufen – ein gefährliches Unterfangen, seit Dschinn im Land erbittert gejagt werden. Als sie vom Sultan verhaftet wird, bleibt ihr nur eine Wahl: Eine verschollene magische Lampe finden oder sterben. Gemeinsam mit ihrem geheimnisvollen Dschinnfreund Qadir, dem rätselhaften Prinz Omar und der Diebin Aisha begibt sie sich auf eine gefährliche Reise durch die Wüste – doch nicht alle Gefahren lauern außerhalb der Karawane...

So spannend das alles klingt – leider hat mich die Geschichte beim Lesen nicht ganz mitreißen können. Bereits der Einstieg zog sich für mich ein wenig und ich habe lange gebraucht, um richtig in die Handlung zu finden. Auch die Figuren, allen voran Loulie, konnten mich emotional nicht ganz erreichen. Es fehlte mir etwas an Tiefe und Verbindung, um wirklich mitzufiebern.

Insgesamt ist Der Sternenstaubdieb ein atmosphärisches Fantasyabenteuer mit viel Potenzial, das mich aber leider nicht so fesseln konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Für Fans orientalischer Settings auf jeden Fall einen Blick wert – nur sollte man keine allzu rasante Handlung erwarten.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

genial

Geht so
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Was für ein genialer Roman! Beatriz Sorrano schafft es in Geht so, mit scharfem Witz und gnadenloser Ehrlichkeit die Absurdität der modernen Arbeitswelt bloßzustellen. Der Schreibstil ist bissig, humorvoll ...

Was für ein genialer Roman! Beatriz Sorrano schafft es in Geht so, mit scharfem Witz und gnadenloser Ehrlichkeit die Absurdität der modernen Arbeitswelt bloßzustellen. Der Schreibstil ist bissig, humorvoll und stellenweise so treffsicher, dass ich laut lachen musste – und dann wieder innehalten musste, weil hinter all dem Sarkasmus eine tiefere, gesellschaftskritische Ebene steckt.

Marisa steckt in einem klassischen Bullshit-Job, den sie nur mit einer Mischung aus Beruhigungsmitteln und absurden YouTube-Videos erträgt. Ihr innerer Monolog ist herrlich sarkastisch, gleichzeitig aber auch ein Spiegel der Überforderung und Sinnsuche einer ganzen Generation. Als das Teambuilding-Wochenende ansteht, eskaliert alles – und ihre Entscheidung, diverse Drogen mitzunehmen, führt zu einer Achterbahnfahrt zwischen Selbstzerstörung und Selbsterkenntnis.

An manchen Stellen ging mir Marisa mit ihren Handlungen zu weit – sie ist definitiv kein einfacher Charakter, und ihr Verhalten ist oft grenzwertig. Aber genau das macht sie so authentisch und faszinierend. Man schwankt ständig zwischen Mitgefühl, Verständnis und Fassungslosigkeit.

Ein großartiger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch nachdenklich macht. Beatriz Sorrano ist eine echte Entdeckung!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

lässt mich geschockt zurück

Fatal Secrets
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"Fatal Secrets" ist mit viel Liebe selbst von der Autorin gestaltet. Das Cover und der Farbschnitt sehen wirklich toll aus und das Buch wurde sogar von der Autorin signiert. Die schwarzen Seiten zu Beginn ...

"Fatal Secrets" ist mit viel Liebe selbst von der Autorin gestaltet. Das Cover und der Farbschnitt sehen wirklich toll aus und das Buch wurde sogar von der Autorin signiert. Die schwarzen Seiten zu Beginn jedes Kapitels sind auch ein echter Hingucker. Allerdings hört hier für mich das Positive leider auch schon fast auf.

Es geht um Solène, deren Verlobter Domaine schwere Verbrechen begangen hat, sodass sie vor ihm fliehen muss. Dabei begegnet sie Jaxon, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Schwester Caroline ist.

"Fatal Secrets" sollte definitiv nicht ohne Altersfreigabe verkauft werden. Und auch wenn ich die Warnung der Autorin am Anfang eher mit einem Lächeln gelesen habe, weiß ich jetzt, dass ich die Triggerwarnung besser gelesen hätte. Das war mein erster und letzter Dark Romance Roman. Ich kann einfach nicht einen Roman zur Unterhaltung lesen, in dem es um brutalste Vergewaltigungen und Menschenhandel geht und diese dann irgendwie auch noch romantisiert werden, als sei es gar nicht so schlimm. Achtung Spoiler: Der Protagonistin werden die grausamsten sexuellen Dinge angetan und sie verharmlost das alles dann noch und wird auch noch angeregt dabei. Ich weiß ja nicht...

Auch dachte ich, dass bei Dark Romance trotzdem in irgendeiner Form ein Prickeln entstehen muss, dass man mit den Charakteren sympathisiert, obwohl sie verwerfliche Dinge tun. Dieser romantische Aspekt hat mir irgendwie komplett gefehlt. Auch hier war es für mein Empfinden eine rein sexuelle Sache zwischen den Protagonisten.

Ich werde den zweiten Teil wohl nicht mehr lesen und auch keine weiteren Bücher in diesem Genre ausprobieren. Ich kann absolut nicht verstehen, wieso man so etwas mit Freude liest, selbst wenn eine Form von Spannung vorhanden ist. Für die Spannung gibt es noch einen Stern von mir. Immerhin habe ich den Roman ja beendet...

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