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Veröffentlicht am 25.09.2025

Zwischen den Welten – Eine berührende Familiengeschichte

Onigiri
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MEINE MEINUNG
Yuko Kuhns beeindruckender Debütroman „Onigiri“ erzählt die bewegende Geschichte einer deutsch-japanischen Familie.
Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Aki, die nach dem Tod der in Japan ...

MEINE MEINUNG
Yuko Kuhns beeindruckender Debütroman „Onigiri“ erzählt die bewegende Geschichte einer deutsch-japanischen Familie.
Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Aki, die nach dem Tod der in Japan lebenden Großmutter mit ihrer an fortschreitender Demenz erkrankten Mutter Keiko eine letzte Reise in deren Heimatstadt nach Kobe unternimmt. Diese Reise bildet den erzählerischen Rahmen für eine emotionale Spurensuche, die uns behutsam in eine zerrissene Familiengeschichte eintauchen lässt und die kulturellen Unterschiede eindrucksvoll sichtbar macht. Gekonnt lässt Kuhn gegenwärtige Geschehnisse und die Vergangenheit in fragmentarischen Rückblenden und persönlichen Erinnerungen ineinanderfließen.
Kuhns Erzählstil zeichnet sich durch eine bewusst zurückhaltende und offene Gestaltung aus, bei dem wichtige Momente oft nur angedeutet werden und dem nicht Ausgesprochenen viel Raum gelassen wird. Trotz prägnanter, minimalistischer Sprache gelingt es ihr hervorragend, die feinen Facetten und leisen Gesten ihrer Figuren einzufangen. Es entfaltet sich eine atmosphärisch dichte, bisweilen melancholische Stimmung, die uns allmählich tief in die Welt ihrer Protagonisten zieht.
Frei von Klischees und mit großem Einfühlungsvermögen gelingt Kuhn eine differenzierte Darstellung der deutschen und japanischen Mentalitäten, eine komplexe Melange zwischen deutscher Strenge und japanischer Zurückhaltung. Die Handlung kreist um das Aufwachsen und Leben zwischen zwei Kulturen und legt ein besonderes Augenmerk auf die inneren Konflikte, kulturellen Spannungen in der Familie und das Gefühl des Andersseins. Feinfühlig zeigt Kuhn auf, wie Aki sich trotz kultureller und persönlicher Brüche um Verständigung bemüht und zugleich auf einer kontinuierlichen Suche nach eigener Identität ist.
Ein besonderes Highlight ist die einfühlsame und zugleich realistische Darstellung von Keikos Demenz, die mit all ihren Herausforderungen, Veränderungen und kleinen Hoffnungsschimmern den Alltag prägt. Kuhn zeichnet ein authentisches Bild der komplexen Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die rasch zwischen Zuneigung, Fürsorge, Überforderung und Unverständnis schwankt. Besonders die kleinen Beobachtungen wie etwa beim Essen, im alltäglichen Umgang miteinander oder beim Suchen nach passenden Worten, machen den Roman lebendig und glaubwürdig. Trotz des fortschreitenden Verfalls des Gedächtnisses erleben wir Keiko stets als eine vielschichtige, eigenständige Persönlichkeit, deren schwankende Erinnerungsfähigkeit auch für neue Formen von Nähe und Verbundenheit eröffnen.
Besonders eindrucksvoll ist auch das wiederkehrende Motiv des „Onigiri“, ein kunstvoll geformtes japanisches Reisbällchens, das nicht nur die tiefe Verbindung zwischen Mutter und Tochter symbolisiert sondern auch Geborgenheit, familiäre Wärme und kulturelle Identität. Inmitten beständigen Wechsels von Verlust und Nähe erhält das einfache, alltägliche Ritual des Kochens und Essens für sie eine stille, kraftvolle Bedeutung, die auch ohne Worte wirkt.
Die raschen Perspektivwechsel, die detailreichen Schilderungen sowie der fragmentarische Erzählstil erfordern jedoch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und aktivem Mitdenken. Diese Erzählweise bildet gekonnt das zentrale Thema von Erinnerung, Vergessen und Widersprüchlichkeiten des Erinnerns ab, wobei die Bruchstücke und das Unausgesprochene ureigener Bestandteil jeder Familiengeschichte sind. Gekonnt zeigt sie auf, dass Fragmente, Leerstellen und stille Momente mehr als jedes ausgesprochene Wort die Komplexität familiärer Beziehungen erfahrbar machen. Obwohl ein klassischer Spannungsbogen fehlt, ist der Autorin eine feinfühlige, bewegende Annäherung an eine Familie gelungen, deren Geschichte von Verlusten, Entwurzelung und generationsübergreifender Verletzlichkeit geprägt ist.
FAZIT
Ein sehr einfühlsamer, tiefgründiger Roman, der eine berührende deutsch-japanische Familiengeschichte und über das Leben zwischen zwei Kulturen erzählt. Eine durch den fragmentarischen Erzählstil recht anspruchsvolle, aber tief bewegende Lektüre, die uns über Krankheit, Verlust, Nähe und das leise Band familiärer Verbundenheit sowie die Fragilität von Erinnerung und Identität nachdenken lässt.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Eine berührende Spurensuche

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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MEINE MEINUNG
Mit seinem biografischen Essay „Anna oder: was von einem Leben bleibt“ begibt sich der Journalist Henning Sußebach auf eine faszinierende Spurensuche nach dem Leben seiner Urgroßmutter Anna, ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem biografischen Essay „Anna oder: was von einem Leben bleibt“ begibt sich der Journalist Henning Sußebach auf eine faszinierende Spurensuche nach dem Leben seiner Urgroßmutter Anna, das für ihn lange nur aus spärlichen anekdotischen Überlieferungen fast vollständig im Dunkeln lag, deren Lebensgeschichte für die damalige Zeit aber alles andere als gewöhnlich war.
Anhand nur weniger persönlicher Erinnerungsstücke, wie Fotos, Briefen, einem Poesiealbum, Verlobungsring und einigen Alltagsgegenständen, bemüht sich Sußebach ihre Biografie zu rekonstruieren und bedeutsame Episoden ihres Lebens nachzuzeichnen.
Mit großem Feingefühl und viel Empathie entwirft er das berührende und lebendige Portrait einer außergewöhnlich resilienten, eigenwilligen und selbstbestimmten Frau, die in ihrem Leben neben einigen Höhen auch tragische Verluste gemeistert hat.
Geschickt verwebt Sußebach die persönlichen Spuren von Annas Lebensweg mit dem zeitgeschichtlichen Kontext, den er sorgsam recherchiert und umfangreich zusammengetragen hat. So entsteht allmählich ein facettenreiches Bild, das nicht nur Annas individuelle Biografie zeigt, sondern auch den gesellschaftlichen Wandel im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert eindrucksvoll greifbar macht.
Anna Kalthoff (1866 – 1932) lebte in einer bewegten Epoche voller einschneidender Krisen und Entwicklungen, die ihren Lebensalltag stark prägten und in der Frauen strengen gesellschaftlichen Regeln und Einschränkungen unterworfen waren. So erlebte sie politische Umwälzungen, Kriege, Inflation, Industrialisierung, den beginnenden technischen Fortschritt, aber auch vielfältige soziale Umbrüche und sich wandelnde Rollenbilder.
Im Jahr 1887 trat Anna eine Stelle als 20jährige Lehrerin im kleinen Dorf Cobbenrode im Sauerland an. Als junge Frau musste sie sich in einer von Männern dominierten Welt zurechtfinden, die ihr viele enge Grenzen setzte, kaum Rechte und wenig Selbstbestimmung zubilligte. Sußebach zeigt eindrücklich, wie Anna diese widersprüchlichen Welten erlebte und sich darin behauptete. Nach dem tragischen Unfalltod ihres Ehemanns baute sie sich eine neue Existenz auf, wurde Gastwirtin, Unternehmerin und leitete das Postamt ihres Dorfs. Mutig und selbstbestimmt gelang es ihr als junge Mutter und Witwe, die Herausforderungen ihrer Zeit zu meistern und ihren eigenen Lebensweg zu verfolgen. Sie scheint sich vielen gängigen Konventionen widersetzt zu haben, nicht zuletzt indem sie Eigenständigkeit, Liebe und beruflichen Ehrgeiz selbstbewusst vertrat.
Sußebach präsentiert uns jedoch keine klassische, chronologisch erzählte Biografie, sondern vielmehr eine facettenreiche Mischung aus akribischer historischer Recherche, biografischer Spurensuche, Spekulationen und imaginierten Lebensmomenten, die uns eindrucksvoll ein authentisches Bild jener Zeit vermittelt. Äußerst nuanciert und glaubhaft zeichnet er ihren Charakter mit all ihren Widersprüchen und Schwächen und verzichtet bewusst auf eine Idealisierung ihrer Stärken.
Immer wieder pausiert er seine Erzählung zum Reflektieren und legt uns offen die Unwägbarkeiten und Leerstellen seiner Recherche dar, die stets nur eine vage Annäherung an die Persönlichkeit von seiner Urgroßmutter sein kann. Mit viel Feingefühl fügt er Annas Lebensgeschichte auch plausible fiktive Elemente hinzu, um ein möglichst lebendiges Bild entstehen zu lassen, wobei er stets eine respektvolle Haltung zu wahren versteht.
Gekonnt entführt er uns so auch in die längst vergangene Welt unserer Vorfahren, deren Lebenswirklichkeit aus heutiger Sicht bisweilen fremd und ungewohnt erscheint. So regt er uns dazu an, über das fragile Gleichgewicht von Erinnerung und Vergessen nachzudenken sowie über die Bedeutung persönlicher Geschichten vor dem Hintergrund großer historischer Geschehnisse. So verdeutlicht er uns, dass in jeder Familie vielleicht eine unsichtbare Heldin wie Anna zu finden ist, eine widerstandsfähige und selbstbestimmte Frau, die sich von den Herausforderungen ihrer Zeit nicht hat brechen lassen und deren beeindruckende Lebensgeschichte inzwischen in Vergessenheit geraten ist.
Über die individuelle Erinnerung hinaus regt Sußebach zur Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte an. Dieses Buch ist somit nicht nur eine liebevolle Hommage an eine außergewöhnliche Vorfahrin, sondern auch eine Einladung, den vergessenen Lebenswegen unserer Vorfahren nachzuspüren. Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche eingefügte Schwarz-Weiß-Fotografien, die vor allem aus dem Familienbesitz stammen, sowie einer kurzen Danksagung und einem Nachwort des Autor.
FAZIT
Eine einfühlsame Hommage an eine zu Unrecht vergessene Urgroßmutter und zugleich ein bewegendes Plädoyer für die Bedeutung von Erinnerungskultur! Es erinnert daran, wie wichtig es ist, persönliche Geschichten zu bewahren und dadurch das kollektive Gedächtnis lebendig zu halten.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Humorvolle Abenteuer mit unserem Freund und Helfer Aspro

Man sieht nur mit der Schnauze gut
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MEINE MEINUNG

Mit seinem höchst unterhaltsamen Werk „Man sieht nur mit der Schnauze gut“ zeigt sich der bekannte Thrillerautor Bernhard Aichner von einer gänzlich neuen, humorvollen Seite und überrascht ...

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Mit seinem höchst unterhaltsamen Werk „Man sieht nur mit der Schnauze gut“ zeigt sich der bekannte Thrillerautor Bernhard Aichner von einer gänzlich neuen, humorvollen Seite und überrascht mit einem originellen Perspektivwechsel. Erzählt wird aus Sicht seines Protagonisten Aspro, einem liebenswerten Mischlingshund mit einem untrüglichen Gespür für Recht und Ordnung. In insgesamt 26 kurzen, amüsanten Episoden begleiten wir den aufgeweckten Vierbeiner auf seinen kriminalistischen Streifzügen. Mit lockerem Ton, feiner Ironie und einer ordentlichen Portion Sprachwitz lässt uns Aichner in Aspros aufregende Welt eintauchen. Nach einem missglückten Apportier-Manöver, bei dem Aspro sein Herrchen verliert, findet er  bei einer couragierten Polizistin ein neues Zuhause und wird liebevoll in ihre wachsende Familie aufgenommen. Schon bald darf er seine Chefin dank seiner untrüglichen Spürnase und seinen beeindruckenden Talenten als „Undercover-Profi“ im Streifendienst begleiten. Ob Aspro nun bei seinen Einsätzen Diebe entlarvt, dubiose Charaktere durchschaut, Drogen aufspürt , Menschen aus brenzligen Situationen rettet oder mit seinem großen mitfühlenden Hundeherz bisweilen sogar als Seelentröster einspringt – Aspro meistert fast jede Herausforderung mit Spürsinn, Witz und echtem Hundeverstand. Mit gewohntem Charme und einem kräftigen Schuss Augenzwinkern lässt Aichner seinen tierischen Erzähler die Menschenwelt mal erstaunt und  mal entlarvend betrachten. Dabei macht er sich nicht selten erstaunlich tiefgründige Gedanken über ihre kuriosen Eigenheiten, Widersprüche und allzu menschlichen Marotten. Natürlich schlagen zwischendurch immer mal wieder Aspros Instinkte und seine Hundeseele durch. Sein unersättlicher Magen und seine feine Spürnase bringen ihn zuverlässig in die eine oder andere missliche Lage bringen. Aspro ist und bleibt ein verschlafener Genießer mit großem Appetit, beeindruckendem Selbstbewusstsein und einer erstaunlich sensiblen Seite – ein rundum liebenswerter Vierbeiner, den man nur ins Herz schließen kann.

Aichner versteht es hervorragend, Aspros Gedankenwelt glaubhaft und berührend zu vermitteln. Seine Begeisterung, Zuneigung und unerschütterliche Loyalität kommen ebenso lebendig zum Ausdruck wie Momente der Enttäuschung und des Schmerzes, die durchaus zum Nachdenken über die sensible Hundeseele anregen.

Die unterhaltsamen Abenteuer aus der Hundeperspektive werden so authentisch geschildert, dass man als Hundefreund viele vertraute Eigenschaften wiedererkennt und mit einem Schmunzeln und einer gewissen Nachsicht an die kleinen Eskapaden der eigenen Vierbeiner erinnert wird.

FAZIT
Eine gelungene Zusammenstellung von kurzweiliger Krimimalgeschichten aus Hundeperspektive- warmherzig, mit viel Humor und tollem österreichischem Charme erzählt!
Nicht nur Hundeliebhaber werden an Aspros Abenteuern und seiner liebenswerten Sicht auf die Welt viel Freude haben.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Die Stimme der Natur — Ein faszinierendes Porträt einer mutigen Frau

In uns der Ozean
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In ihrer fesselnden Romanbiografie „In uns der Ozean“ erzählt Theresia Graw die beeindruckende Lebensgeschichte der US-amerikanischen Zoologin, Meeresbiologin und Schriftstellerin Rachel ...

MEINE MEINUNG
In ihrer fesselnden Romanbiografie „In uns der Ozean“ erzählt Theresia Graw die beeindruckende Lebensgeschichte der US-amerikanischen Zoologin, Meeresbiologin und Schriftstellerin Rachel Louise Carson (1907–1964), deren Name untrennbar mit dem Beginn der modernen Umweltbewegung verbunden ist.
Eindrucksvoll zeichnet Graw das Bild einer mutigen Frau, die als Wissenschaftlerin und Naturliebhaberin das enge Korsett gesellschaftlicher Erwartungen ihrer Zeit sprengte und sowohl beruflich als auch in ihren persönlichen Beziehungen ganz eigene Wege ging.
Früh sah sie sich gezwungen, aus finanziellen Gründen ihre akademischen Ambitionen und den Traum einer Promotion aufzugeben und stattdessen Verantwortung für ihre Mutter und Schwestern sowie weitere Familienmitglieder zu übernehmen. Dennoch gelang es ihr trotz aller Widrigkeiten, ihr umfangreiches Wissen sowie ihre tiefe Liebe und Achtung für die Natur einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Die Romanbiografie begleiten Carson auf ihrem faszinierenden Lebensweg von der engagierten, zurückgezogenen Forscherin über ihre bedeutende Rolle als kreative Wissenschaftsautorin bis hin zur unerschrockenen Aktivistin, die mit großer Leidenschaft für den Naturschutz zur Ikone wurde und eine ganze Bewegung prägte.
Mit wohlüberlegter fiktiver Episoden und geschickt eingeflochtenen historischen Fakten zeichnet die Autorin ein vielschichtiges, authentisches und tiefgründiges Porträt dieser beeindruckenden Persönlichkeit. Im angehängten Nachwort gibt Graw zudem aufschlussreiche Einblicke in die belegten historischen Fakten und spekulativen Aspekte von Carsons Leben.
Graws Erzählweise ist lebhaft und abwechslungsreich, sodass man bald von der mitreißend erzählten Geschichte gefesselt wird und tief in die faszinierende Welt von Rachel Carson eintauchen kann.
Dabei werden nicht nur ihr Werdegang und der wissenschaftliche Kontext kompetent und zugleich gut verständlich vermittelt, sondern auch die gesellschaftlichen Umbrüche der späten 1920er und 1930er Jahre sowie die politischen Debatten um Fortschritt, Chemie und Landwirtschaft sind äußerst anschaulich und lebendig eingefangen.
Besonders beeindruckend sind die detailreichen, eindrucksvollen Beschreibungen der Pflanzen- und Tierwelt sowie die poetischen Naturbetrachtungen aus Rachels Perspektive, durch die ihr besonderes Verhältnis zur Umwelt und ihre Faszination für die Schönheit der Natur sehr greifbar und nachvollziehbar werden.
Von ihren Anfängen als Meeresforscherin über ihre journalistischen Radiobeiträge, die Laien für die Wunder der Natur begeisterte bis hin zu bahnbrechenden wissenschaftlichen Sachbüchern wie „The Sea Around Us“ erfährt der Leser eindrücklich, mit wie viel Enthusiasmus und sprachlichem Talent Carson komplexe ökologische Zusammenhänge zu vermitteln wusste. Dabei bleiben auch die Widerstände und Spannungen nicht unerwähnt, denen sie als Frau ohne Doktortitel trotz finanziellem Erfolg und wachsender Anerkennung in ihrem Umfeld und in der Wissenschaft begegnete – sei es durch Neid, Intrigen oder eine Gesellschaft, die unverheirateten Frauen nur begrenzte berufliche Erfolge einräumte.
Der Roman macht die Erfolge, privaten Schwierigkeiten und Rückschläge dieser ehrgeizigen, bewundernswerten Persönlichkeit ebenso greifbar wie auch ihre innere Haltung, ihre menschlichen Seiten und kleinen Schwächen.
Besonders spannend ist die Schilderung, wie sie schließlich in ihrem legendären Buch „Silent Spring“ die fatalen Folgen des ungezügelten Einsatzes von DDT, einem als harmloses Wundermittel propagierten Insektizids, offenlegte und sich als entschiedene Kämpferin für Umweltfragen mutig mit den Chemiekonzernen anlegte.
Diese Romanbiografie ist ein beeindruckendes Plädoyer dafür, sich für den Schutz unserer Umwelt einzusetzen und Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen.
Graw gelingt ein eindrucksvolles und inspirierendes Porträt einer mutigen Frau, deren Engagement für den Naturschutz bis in unsere Gegenwart nachwirkt.
ZUM HÖRBUCH
Der Schauspielerin und Sprecherin Elke Schützhold gelingt es mit ihrer warmen, sensiblen Stimme hervorragend, Rachel Carson lebendig werden zu lassen. Sie fängt sowohl ihre innere Zerrissenheit als auch die tiefe Leidenschaft und ihr Engagement für die Natur mit einer überzeugenden Authentizität ein. Durch ihre nuancierte Betonung und ein fein abgestimmtes Sprechtempo gelingt es ihr, die verschiedenen Stimmungen und emotionalen Wendungen des Romans facettenreich und mit einer natürlichen Lebendigkeit zu vermitteln.
Auf diese Weise gelingt sie es ihr nicht nur, eine fesselnde Spannung aufzubauen, sondern auch mit stimmungsvollen Nuancen in den eindrucksvollen Naturbeschreibungen und poetischen Passagen einen Raum zum Nachdenken und Verweilen zu schaffen. Die Hörfassung wird so zu einem unterhaltsamen und berührenden Hörerlebnis für alle, die Rachel Carsons Biografie und ihr Wirken neu entdecken wollen.
FAZIT
Eine fesselnde und einfühlsame Romanbiografie, die Rachel Carsons Leben und Werk in all ihrer Vielschichtigkeit lebendig werden lässt.
Für alle, die sich für Frauen in der Wissenschaft und Geschichte interessieren, sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein berührender Roman voller Musik

Strandgut
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MEINE MEINUNG
In seinem neusten Roman „Strandgut“ erzählt der mehrfach ausgezeichnete britische Autor Benjamin Myers eine herzerwärmende, humorvolle und zugleich tiefgründige Geschichte über ungewöhnliche ...

MEINE MEINUNG
In seinem neusten Roman „Strandgut“ erzählt der mehrfach ausgezeichnete britische Autor Benjamin Myers eine herzerwärmende, humorvolle und zugleich tiefgründige Geschichte über ungewöhnliche Freundschaften, Schicksalsschläge, das Älterwerden und zweite Chancen selbst in späten Lebensjahren.
Zugleich hat der Autor mit seinem feinfühlig erzählten Roman eine beeindruckende Hommage an die Magie und heilende Kraft von Musik verfasst.
Im Mittelpunkt der berührenden Geschichte steht Earlon „Bucky“ Bronco, ein über siebzigjähriger, vom Leben gezeichneter Soulsänger aus Chicago, der als Teenager zwei Soul-Hits für eine lächerlich geringe Einmalzahlung aufgenommen hat und dem durch tragische Umstände eine Musikkarriere verwehrt blieb. Nach dem kürzlichen Tod seiner geliebten Frau Maybellene ist er in Apathie versunken und hält seine Schmerzen mit Opioiden in Schach. Völlig unerwartet erhält Bucky eine Einladung zu einem Soul-Festival im nordenglischen Badeort Scarborough, wo er ein Comeback-Konzert geben soll.
Was er nicht ahnt, ist, dass seine alten Songs unter Großbritanniens Soul-Fangemeinde inzwischen Kultstatus genießen.

Gleich zu Beginn haben mich die faszinierende, beinahe nostalgisch angehauchte Atmosphäre dieser Erzählung und ihre subtile Melancholie in ihren Bann gezogen. Mit seinem entschleunigten, sehr poetischen Schreibstil ist Myers ein Meister der leisen Töne und feinen Nuancen. Mit detailreichen Schilderungen fängt er nicht nur gekonnt die raue Schönheit der nordenglischen Küstenlandschaft und Natur ein, sondern auch das komplexe Innenleben seiner Charaktere.
Myers versteht es hervorragend, seine Figuren und ihre Lebenswege mit wenigen Strichen lebendig und glaubwürdig zu zeichnen. Ihm gelingt es, die Gefühle und Stimmungen seiner Figuren und ihre innere Entwicklung authentisch und einfühlsam zu vermitteln. Ob nun Bucky in seiner beklemmenden Verlorenheit und Drogenmissbrauch, dessen tragische Vergangenheit erst nach und nach enthüllt wird, oder Dinah, einer vom Leben ebenfalls völlig desillusionierten Supermarktkassiererin und großem Fan von Buckys Songs, - sie alle sind vielschichtige Persönlichkeiten, die mit ihrer Herzlichkeit, ihrem feinsinnigen Humor und ihren Dämonen gleichermaßen berühren und dem Roman eine besondere emotionale Tiefe verleihen.

Beeindruckend ist es mitzuerleben, wie Buckys Begegnung mit Dinah sich allmählich zu einem Wendepunkt für beide entwickelt: Sie schenken einander Halt und schöpfen neue Hoffnung. Myers gelingt es dabei, ihre bedrückende Einsamkeit eindrucksvoll zu vermitteln und das Gefühl, am Rand der Gesellschaft gestrandet zu sein, für uns sehr greifbar zu machen.
Besonders gefallen hat mir, wie einfühlsam und detailreich Myers die faszinierende Welt des Northern Soul und ihre leidenschaftliche Fangemeinde porträtiert – eine Subkultur, die mir zuvor völlig fremd war. Seine Verbundenheit und Begeisterung für die Musik sind auf jeder Seite spürbar.

Mit großer Sensibilität zeigt Myers in seiner bewegenden und nachdenklich stimmenden Geschichte, wie Musik, Freundschaft und wertvolle Erinnerungen dabei helfen können, die dunklen Seiten des Lebens und den grauen Alltag zu überwinden. Er schließt den Roman mit der ermutigenden Botschaft, dass es niemals zu spät ist, einen Neuanfang zu wagen.

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