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Veröffentlicht am 08.11.2025

Fesselnde Fortsetzung der tollen historischen Wien-Krimi-Reihe

Aurelia und die Jagd nach dem Glück
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MEINE MEINUNG
Mit „Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ setzt Beate Maly ihre unterhaltsame historische Krimireihe um die eigensinnige junge Gräfin und leidenschaftliche Hobbyermittlerin Aurelia von Kolowitz ...

MEINE MEINUNG
Mit „Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ setzt Beate Maly ihre unterhaltsame historische Krimireihe um die eigensinnige junge Gräfin und leidenschaftliche Hobbyermittlerin Aurelia von Kolowitz fort. Gekonnt nimmt sie uns mit auf eine fesselnde Zeitreise in die österreichische Donaumonarchie und entführt uns ins Wien des Jahres 1872 - mitten hinein in die prunkvolle Ballsaison und eine Welt voller sozialer Spannungen, dunkler Geheimnisse und hoffnungsvoller Glücksversprechen.
Auch der dritte Band der Reihe überzeugt mit einer abwechslungsreichen Mischung aus vielschichtigem Gesellschaftsporträt, zarter Liebesgeschichte und spannendem Kriminalfall, gewürzt mit authentischem Zeitkolorit.
Als der zwielichtige Freiherr von Sothen, ein skrupelloser Lotteriemagnat und unsympathischer Emporkömmling, erschossen im Hof seines luxuriösen Schlösschen am Cobenzl gefunden wird, übernimmt der charismatische Oberinspektor Janek Pokorny die Ermittlungen.
Obwohl Aurelia neben zahlreichen Widerständen und gesellschaftlichen Zwängen auch noch die hartnäckigen Verheiratungspläne ihres Vaters abzuwehren hat, lässt sie es sich mit ihrem kriminalistischen Spürsinn nicht nehmen, eigene Nachforschungen anzustellen. Als sich weitere erschütternde Verbrechen ereignen, ermitteln Aurelia und Janek gemeinsam in dem verzwickten Fall, der sie hautnah mit ungeahnten gesellschaftlichen Abgründen ihrer Zeit konfrontiert. Die Geschichte wird wechselweise aus den Perspektiven von Aurelia und Janek erzählt und eröffnet neben der eigentlichen Krimihandlung auch kurzweilige Einblicke in Aurelias privates Leben sowie in gesellschaftliche Missstände.
Unerwartete Verwicklungen und spannende Wendungen bieten viel Raum zum aktiven Miträtseln. Gekonnt lässt Maly die Handlung schließlich in einem überraschenden Finale gipfeln und mit einer stimmigen Auflösung ausklingen.
Mit ihrem pointierten, bildreichen Schreibstil und spritzigen, humorvollen Dialogen versteht sie es, uns ins Wien des 19. Jahrhunderts zu entführen.
Hervorragend gelingt es ihr durch lebendige Milieubeschreibungen, detailreiche Einblicke ins Wiener Alltagsleben sowie anschauliche Schilderungen des gesellschaftlichen Klimas, ein facettenreiches und glaubwürdiges Bild dieser faszinierenden Epoche zu entwerfen.
Ob nun festliche Stimmung der lang ersehnten Wiener Ballsaison der Wohlhabenden  oder das harte Leben der einfachen Bevölkerung, die mit Armut, Hunger und sozialen Ungerechtigkeiten ringt–all diese Facetten werden mit sorgfältig recherchierten historischen Details geschickt zu einem stimmigen Portrait jener Zeit verwoben. Mit großem Einfühlungsvermögen beleuchtet die Autorin zudem die begrenzten Rechte und Chancen von Frauen, die Machtstrukturen des Adels und die starren gesellschaftlichen Konventionen, die das Leben ihrer Figuren prägen.
Besonders gelungen sind auch die vielschichtig gestalteten Charaktere, allen voran die junge Protagonistin Aurelia als facettenreiche und inspirierende Heldin, deren persönliche Entwicklung überzeugend und einfühlsam gezeichnet ist.
Sie überzeugt als clevere, selbstsichere junge Frau, die mit bemerkenswerter Widerstandskraft und einer guten Portion Humor unbeirrt gegen gesellschaftliche Zwänge und patriarchale Erwartungen antritt. Ihr Streben nach persönlicher Freiheit, Selbstbestimmung und letztlich nach mehr Gleichberechtigung macht sie sehr sympathisch. Zugleich ist sie sich der Gefahren und möglichen Folgen ihres Handelns stets bewusst. Einfühlsam und glaubwürdig werden sowohl ihre Stärken als auch ihre Verletzlichkeit und ihr innerer Zwiespalt ausgelotet.
Neben ihr überzeugt auch der sympathische Ermittler Oberinspektor Janek Pokorny mit seiner charismatischen, facettenreichen Persönlichkeit und kleinen Schwächen. Die Figuren wirken durchweg liebevoll und authentisch ausgestaltet, die Schilderung ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist nachvollziehbar und glaubwürdig.
Die Zusammenarbeit von Aurelia und Janek bringt eine spannende Dynamik in die Handlung und ihre komplexe Beziehung sorgt immer wieder charmante und humorvolle Momente. Ihre sich langsam entwickelnde Zuneigung wird dabei aber durch gesellschaftliche Barrieren und Klassenunterschiede herausgefordert, sodass sie sich auf einen rein kameradschaftlichen Umgang beschränken müssen. Auch die Nebenfiguren von der habgierigen Witwe von Sothen über zwielichtige Verdächtige bis hin zu Aurelias überkorrektem Vater Otto sowie ihrem treuen Begleiter Nepomuk, sind facettenreich und authentisch gestaltet. Sie sorgen mit ihren Geheimnissen und Eigenheiten für Abwechslung und eine intensive Atmosphäre.
Die anschaulichen Einblicke in das Alltagsleben im Kaiserreich sowie geschickt eingewobene sozialkritische Anmerkungen verleihen dem historischen Krimi eine besondere Note. So überzeugt die hervorragend recherchierte Geschichte nicht nur als spannender Kriminalfall mit historischem Flair, sondern entwickelt sich zugleich zu einem lebendigen und authentischen Porträt jener Epoche und macht Lust auf weitere Abenteuer mit Aurelia und Janek in der schillernden Donaumonarchie.

FAZIT
Eine rundum gelungene, unterhaltsame Fortsetzung der historischen Krimi-Reihe- mit sympathischen Charakteren, fein dosierter Spannung, detailreichem Zeitkolorit und fesselndem Krimiplot.
Ein vielschichtiges Lesevergnügen, das Lust auf weitere Abenteuer macht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2025

Ein facettenreiches Porträt einer Generation im Umbruch

Adlergestell
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MEINE MEINUNG
Laura Laabs’ Debütroman „Adlergestell“ erschafft mit bemerkenswerter Intensität und sprachlicher Finesse ein lebendiges Panorama der Berliner Nachwendejahre. Die Autorin nimmt uns mit auf ...

MEINE MEINUNG
Laura Laabs’ Debütroman „Adlergestell“ erschafft mit bemerkenswerter Intensität und sprachlicher Finesse ein lebendiges Panorama der Berliner Nachwendejahre. Die Autorin nimmt uns mit auf eine eindrucksvolle Reise in ein Deutschland, dessen historischer Umbruch nach Mauerfall und Wiedervereinigung einen Kosmos zwischen Aufbruchstimmung und Orientierungslosigkeit entstehen lässt.
Die Geschichte folgt drei jungen Protagonistinnen– die Ich-Erzählerin, Lenka und Chaline, die Anfang der 1990er Jahre am südlichen Stadtrand Berlins direkt am berühmten Adlergestell aufwachsen. Die breite Ausfallstraße, die ihre in einer Eigenheimsiedlung säumt, wird dabei zum Symbol für die Unwägbarkeiten und Verheißungen jener bewegten Zeit.
Trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft verbindet die drei Mädchen eine enge und unerschütterliche Freundschaft über ihre Schulzeit hinweg.
Aus ihrer Perspektive tauchen wir allmählich ein in eine Welt des tiefgreifenden Umbruchs und Wandels und erleben hautnah ihren Lebensalltag in einem sich neu formenden Umfeld, in dem sich ein jeder erst zurechtfinden und behaupten lernen muss.
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, von aus der die Erzählerin in aufblitzenden Erinnerungen auf die intensiven Jahre der Freundschaft zurückblickt. Erst allmählich werden die Hintergründe für das Auseinanderdriften ihrer Lebenswege deutlich.
Die Autorin hat bewusst eine nichtlineare, sehr sprunghafte und fragmentarische Erzählweise gewählt, die das zerrissene Lebensgefühl und die Zerklüftungen jener Zeit eindrücklich widerspiegelt. So entstehen eine fesselnde Atmosphäre und zugleich eine gewisse emotionale Distanz, die den Zugang zu den Figuren bisweilen erschwert, aber gerade dadurch zur Authentizität beiträgt.
Bildgewaltig und mit einem untrüglichen Gespür für faszinierende Details beschwört Laabs die besondere Stimmung der Nachwendezeit herauf – eine Ära voller Möglichkeiten, die jedoch für viele unerreichbar bleiben.
Die Autorin versteht es hervorragend, die die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Figuren mit all ihren Widersprüchlichkeiten zu veranschaulichen.
Aus unterschiedlichen Perspektiven werden die Herausforderungen, Unsicherheiten, enttäuschten Hoffnungen und nicht realisierbaren Chancen eindringlich beleuchtet. Während sich die alten Ost-Zwänge in Auflösung befinden, gibt es neue Freiheiten und die verlockenden Möglichkeiten der Demokratie und des kapitalistischen Westens. Doch die Schatten der Vergangenheit und ihre Gespenster lassen sich nicht so leicht abschütteln und hinterlassen auch im neuen verheißungsvollen Leben ihre Spuren.
Gekonnt hat Laabs die persönlichen Geschichten ihrer drei Protagonistinnen mit den ostdeutschen Lebenserfahrungen ihrer Mütter und Familien verknüpft. So entstehen auf eindrucksvolle Weise vielschichtige Lebensgeschichten, die die komplexen historischen Brüche und tiefen gesellschaftlichen Verwerfungen Ostdeutschlands generationenübergreifend erfahrbar machen. Mit Feingespür und feiner Ironie beleuchtet die Autorin dabei die Zerbrechlichkeit familiärer Bindungen und das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen sowie das Ringen um Orientierung und die Suche nach Identität in einer Welt, die radikalen sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.
Besonders eindrücklich und facettenreich fängt sie nicht nur die Wucht des Wandels, sondern auch das Scheitern der gesellschaftlichen Verheißungen ein. Was vom einstigen Freiheits- und Aufbruchsversprechen der Wende bleibt, ist oftmals pure Ernüchterung angesichts der schmerzhaften Realität im vereinten Deutschland. Ihr gelingt es hervorragend, die Vielschichtigkeit des Erwachsenwerdens, die subtilen Brüche und die allmähliche Entfremdung nicht nur greifbar, sondern auch berührend erlebbar zu machen.
Höchst überraschend und bewegend ist schließlich, wie ihre Figuren auf ganz individuelle Weise mit ihrer eigenen Geschichte und den Narben der Vergangenheit umgehen – die Enttäuschungen und zerplatzten Lebensentwürfe haben sie dabei in sehr unterschiedliche Richtungen geleitet und geprägt.

FAZIT
Ein beeindruckender, vielschichtiger Roman über Kindheit, Freundschaft und den schmerzhaften Wandel im Berlin der Nachwendezeit. Ein facettenreiches Panorama tiefgreifender gesellschaftlicher und persönlicher Umbrüche, das lange nachwirkt und sehr nachdenklich stimmt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2025

Dunkle Abgründe und knallharte Ermittlungen – Ein fesselnder Schwedenkrimi

Schwüre, die wir brechen
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MEINE MEINUNG
Mit dem Krimi „Schwüre, die wir brechen“ ist dem Autorenduo Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson eine vielschichtige und äußerst packende Fortsetzung ihrer neuen Schwedenkrimi-Reihe ...

MEINE MEINUNG
Mit dem Krimi „Schwüre, die wir brechen“ ist dem Autorenduo Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson eine vielschichtige und äußerst packende Fortsetzung ihrer neuen Schwedenkrimi-Reihe um das unschlagbare wie ungleiche Ermittlerpaar Jon Nordh und Svea Karhuu gelungen.
Auch im zweiten Band beweisen Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson erneut ihr außergewöhnliches Gespür für fesselnde und psychologisch tiefgründige Geschichten mit großem Page-Turner-Potenzial.
Der Krimi besticht durch einen vielschichtigen, sorgfältig konstruierten Fall, der sowohl mit starken, authentischen Charakteren als auch mit pointierten Dialogen und einer dichten, intensiven Atmosphäre überzeugt, sodass man von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt bleibt.
Auch dieses Mal ist der Fall in Malmö angesiedelt, einem Ort geprägt von sozialen Spannungen und Drogenkonflikten, der nun beklemmender Schauplatz grausamer Serienmorde wird.
Ein bizarrer Leichenfund stellt die Ermittler vor eine große Herausforderung. Die groteske Inszenierung des Opfers mit angenähtem Krokodilkopf als altägyptische Gottheit und kryptischen Botschaften in Form von rätselhaften Hieroglyphen zieht die Ermittler bald immer tiefer in ein Netz aus Brutalität und Geheimnissen. Die polizeilichen Ermittlungen zum brisanten Fall geraten rasch unter enormen öffentlichen und medialen Druck, da eine undurchsichtige True-Crime-Podcasterin mit Insiderwissen Aufmerksamkeit auf sich zieht und zudem ein junges Mädchen auf mysteriöse Weise verschwindet.
Bereits der geheimnisvolle Prolog über einen Brückeneinsturz in den 1980er Jahren, dessen Bedeutung sich erst allmählich offenbart, sorgt dafür, dass die Spannung von der ersten Seite an auf einem konstant hohen Niveau gehalten wird.
Eingestreute, Rückblenden gewähren zudem Einblicke in vergangene Ereignisse und lassen uns über ihre Verbindung zum düsteren aktuellen Fall rätseln. Durch diese zusätzlichen Erzählstränge und historischen Verknüpfungen gewinnt der Krimi an Vielschichtigkeit und Komplexität und liefern zusätzlichen Stoff zum Spekulieren und Miträtseln.-
Der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch und visuell sehr eindrucksvoll, sodass man sich die oftmals düsteren Szenen sehr lebhaft vorstellen kann. Kurze Kapitel sowie rasche Schauplatz- und Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo und eine permanente Steigerung der Spannung.
Die Autoren verweben den brisanten Kriminalfall gekonnt mit intensiven Einblicken in das Privatleben ihrer Ermittler - dem frisch verwitweten Jon Nordh und der zwangsversetzten Svea Karhuu Nordh mit arabischen Wurzeln. Die beiden Hauptfiguren werden mit ihren vielschichtigen Persönlichkeiten und privaten Problemen überzeugend und glaubwürdig gezeichnet. Sie sind keine makellosen Helden, sondern tragen beide schwer an persönlichen Altlasten und traumatischen Erlebnissen in der nahen Vergangenheit. Ihre individuellen Hintergrundgeschichten werden nebenbei weitergeführt, was für zusätzliche Spannungsmomente sorgt und dem Krimi eine weitere fesselnde Dimension verleiht.
Besonders beeindruckend sind ihre Persönlichkeitsentwicklung und die von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit dargestellt. Trotz wunder Punkte und charakterlichen Gegensätzen ergänzen sie sich hervorragend. Während Nordh viel Erfahrung, Intuition und gesunden Pragmatismus in die Ermittlungen einbringt, sorgt Karhuu mit ihrer Entschlusskraft, unkonventionellen Methoden und besonderen Talenten für wichtige Impulse. Ihre dynamische Beziehung und gelegentliche humorvolle Schlagabtausche verleihen der Geschichte trotz der düsteren Grundstimmung viel Lebendigkeit.
Im Hintergrund agieren weitere facettenreich ausgearbeitete Nebenfiguren, die insgesamt das Figurenensemble mit ihren Eigenheiten und individuellen Lebensgeschichten bereichern. Die psychologisch tiefgründige Charakterzeichnung und detailreiche, gesellschaftskritische Milieuschilderungen sind sehr stimmig und schaffen eine realitätsnahe Atmosphäre.
Sehr gelungen sind auch die umfangreichen Einblicke in die Täterbiografie und die gelungene Einbindung der historischen Bezügen in den rückblickenden Erzählsträngen, die uns nach und nach geschickt die Gedankenwelt und Motive des Täters nahebringen.
Das Autorenduo versteht es hervorragend, falsche Fährten zu legen und mit überraschenden Wendungen die Spannung bis zum nervenaufreibenden Showdown hochzuhalten.
Das packende, hochdramatische Finale verlangt Nordh und Karhuu noch einmal alles ab und lässt einen kaum noch zum Durchatmen kommen. Es rundet den hochkomplexen Kriminalfall mit der glaubhaften Auflösung gelungen ab und hinterlässt Vorfreude auf weitere spannungsgeladene Fälle mit diesem tollen Ermittlerduo.
FAZIT
Ein brillanter Schwedenkrimi mit Tiefgang und eine gelungene Fortsetzung mit tiefgründigen Charakteren, einem düsteren, komplex komponierten Plot und tollen Psychothriller-Elementen..
Für Fans moderner Nordic Noir ist dieser Band ein absolutes Muss!

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Uketsus experimentelles Mystery-Debüt

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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MEINE MEINUNG
Nach dem großen Erfolg von "HEN NA E - Seltsame Bilder" erscheint nun mit „Hen na IE – Das seltsame Haus“ ein weiterer Mysteryroman des geheimnisumwitterten japanischen Kultautors und YouTubers ...

MEINE MEINUNG
Nach dem großen Erfolg von "HEN NA E - Seltsame Bilder" erscheint nun mit „Hen na IE – Das seltsame Haus“ ein weiterer Mysteryroman des geheimnisumwitterten japanischen Kultautors und YouTubers Uketsu, der unter Pseudonym auftritt. Bemerkenswert dabei ist, dass es sich hierbei um das eigentliche Debüt des Autors handelt, das ursprünglich während des Pandemie-Lockdowns zunächst als Mystery-Video veröffentlicht wurde. Ebenso entstand zudem eine dreibändige Manga-Adaption unter dem englischen Titel „The Strange House“.

Während Uketsu in "HEN NA E - Seltsame Bilder" seinen originellen Sketch-Mystery-Stil als innovative Erzählform perfektioniert hat, ist im vorliegenden Band die Verwendung der Illustrationen als eigenständige narrative Elemente noch etwas unausgereift. Vieles wirkt experimentell und lässt das Potential der verborgenen Bildbotschaften nur ansatzweise erkennen.

Auch folgt die Geschichte nicht einer Handlung im eigentlichen Sinne, sondern entwickelt sich meist im Rahmen dialogischer Szenen, in denen allmählich gruselige Geheimnisse aufgedeckt und erschütternde menschliche Abgründe enthüllt werden. Trotz dieses eher ungewöhnlichen Erzählform entfaltet sich von Beginn an eine unheilvolle Atmosphäre und latente Spannung, die einen rasch in den Bann zieht.

Im Mittelpunkt der in vier Kapitel untergliederten Geschichte stehen der zunächst namenlose Ich-Erzähler und freier Journalist für okkulte Phänomene sowie der Architekt und Horror- und Mystery-Fan Kurihara, den er zur Analyse des ungewöhnlichen Grundrisses eines zum Verkauf stehenden Hauses hinzuzieht. Gemeinsam stoßen sie neben einem mysteriösen versteckten Raum auf weitere bauliche Auffälligkeiten, die Anlass zu düsteren Spekulationen über frühere Bewohner und deren dunkle Machenschaften geben. Je mehr sie sich mit den Bauplänen beschäftigen, desto mehr verstörende Theorien stellen die beiden zu dem seltsamen Haus und seinen Bewohnern auf und lassen sie Schlimmstes vermuten. Der Einstieg in die Geschichte in einem linearen Erzählstrang präsentiert sich deutlich schlichter und weniger packend als der Vorgängerband, in dem Uketsu mit verschiedenen Handlungssträngen und anfangs unzusammenhängenden Kapiteln rasch Spannung aufbaute. Erst mit dem Fund von Leichenteilen in Nähe des Hauses und dem Auftauchen der geheimnisvollen Informantin Yuzuki, die einen weiteren Hausgrundriss ins Spiel bringt, gewinnt die Geschichte deutlich an Fahrt, denn die zuvor aufgestellten makabren Hypothesen finden scheinbar Bestätigung. Der nüchterne, minimalistisch gehaltene Schreibstil des Autors hat einen nahezu dokumentarischen Charakter und ist geprägt von dialogreichen Passagen und immer wieder eingeschobenen Grundriss-Skizzen als besonderes Stilmerkmal. Deren originelle Einbindung verleiht dem Roman einen sehr mysteriösen Charakter, wobei sich die eigentlichen Bilderrätsel diesmal leider auf die Grundrisse der Häuser sowie Detailausschnitte spezieller Räume und baulicher Strukturen beschränken, deren potentielle Geheimnisse nach und nach enthüllt werden. Das wiederholte Präsentieren ähnlicher visueller Motive bremst allerdings den Lesefluss und erzeugt mitunter unnötige Redundanzen. Die ausführlichen Erklärungen der baulichen Details sind zwar hilfreich, nehmen jedoch oft die eigene Detektivarbeit vorweg, so dass einem die Möglichkeit genommen wird, selbst mitzurätseln und eigenen Schlüssen zu ziehen.

Dennoch versteht es Uketsu sehr gut, durch vage Andeutungen eine düstere Atmosphäre heraufzubeschwören und durch raffinierte Cliffhanger eine beklemmende Spannung aufzubauen.

Mit Offenbarungen zu rätselhaften Bräuchen, okkulten Ritualen, Familientragödien und innerfamiliären Machtkämpfe wird das Geschehen zunehmend verworrener und abstruser. Neben einzelnen, schwer nachvollziehbaren Wendungen nehmen die Verwicklungen und Zufälle in ihrer repetitiven Ausprägung überhand und wirken stellenweise befremdlich und unglaubwürdig. Zudem beeinträchtigen einige logische Schwachstellen sowie überkonstruierte wirkende Elemente den Lesespaß. Gekonnt gewährt uns Uketsu als Meister des Unheimlichen, Rätselhaften und Okkulten erschütternde Einblicke in familiäre Traumata sowie menschliche wie kulturelle Abgründe. Die Hauptfiguren bleiben leider weitgehend eindimensional und leblos, so dass man keinen Zugang zu ihren Motiven und ihrem Innenleben erhält. Sie dienen eher als Spielfiguren in Uketsus rätselhaftem Inszenierungskonzept.

Besonders gelungen zeigt sich der finale Twist im Nachwort, der uns die zuvor als stimmig präsentierte Auflösung noch einmal grundlegend in Frage stellen lässt und zum intensiven Nachdenken über die Geschehnisse herausfordert.

Die vielversprechende Ausgangsidee des Mystery-Romans leidet insgesamt unter einer streckenweise überfrachteten und konstruierten Handlung sowie blassen Figuren. Trotz seiner beklemmenden, atmosphärischen Dichte und des faszinierenden japanischen Settings konnte mich Uketsus Debüt nur teilweise überzeugen sein und lässt mich etwas zwiegespalten zurück.

FAZIT

Ein rätselhafter, aber ambivalenter Sketch-Mystery-Roman, der insbesondere Liebhaber ungewöhnlicher Erzählformen und japanischer Mystery-Kultur eine spannende Entdeckung sein dürfte.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Inspirierender Ratgeber für ein kleines Wildtierparadies im Garten

Tierisch viel los!
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MEINE MEINUNG

Mit „Tierisch viel los“  hat Evelyn Moser-Gattringer ein höchst informatives und motivierendes Sachbuch vorgelegt, das alle Naturbegeisterten dazu einlädt, ihren Garten, Balkon oder jeden ...

MEINE MEINUNG

Mit „Tierisch viel los“  hat Evelyn Moser-Gattringer ein höchst informatives und motivierendes Sachbuch vorgelegt, das alle Naturbegeisterten dazu einlädt, ihren Garten, Balkon oder jeden noch so kleine Fleckchen Grün in ein naturnahes Paradies und eine lebendige Zuflucht für heimische Wildtiere zu verwandeln. Die Autorin hat in ihr wundervoll gestaltetes Werk nicht nur ihr biologisches Fachwissen mit einfließen lassen, sondern auch ihre langjährige Praxiserfahrung und ihre fundierten Kenntnisse über die vielfältigen Bedürfnisse von Wildtieren. Als Gründerin der Wildtierhilfe Wien und Leiterin von Österreichs erstem Wildtierkrankenhaus hat sie sich über ein Jahrzehnt um verletzte Tiere gekümmert, sie gesund gepflegt und wieder ausgewildert. Diese tiefe Verbundenheit mit der Natur durchzieht das ganze Buch und macht ihre Tipps und Projekte äußerst glaubwürdig und alltagstauglich. Beim Lesen spürt man ihre Begeisterung und ihre aufrichtige Liebe zu Flora und Fauna auf jeder Seite.

Sehr eindrucksvoll macht die Autorin in ihrer Einleitung deutlich, wie wichtig Artenschutz, Biodiversität und funktionierende Ökosysteme für Mensch und Natur sind. Sterilen Rasenflächen und öden Steingärten sagt sie den Kampf an und ruft dazu auf, sich dem Artenschutz vor der eigenen Haustür zu widmen. Nach dem Motto „Jeder Quadratmeter zählt“ zeigt sie, dass Naturnähe keiner Perfektion bedarf, sondern vor allem der Bereitschaft einen wildtierfreundlichen Garten zu gestalten und so einen Lebensraum für Vögel, Insekten, Amphibien und kleine Säugetiere zu schaffen. Mit einfachen Veränderungen und leicht umsetzbaren Maßnahmen wie etwa dem Anpflanzen heimischer Pflanzen, Anlegen kleiner Wasserstellen oder Anbringen von Nistmöglichkeiten, lässt sich auch auf kleiner Fläche Großes bewirken.

Im tierischen Gartenjahr der Autorin gibt es tatsächlich immer was zu tun und entsprechend findet sich im Buch eine saisonale Gliederung. Moser-Gattringer führt durch das gesamte Gartenjahr und erklärt, welche kleinen und großen Projekte sich im Frühling, Sommer, Herbst und Winter anbieten. Geschickt verbindet sie dabei viele wissenswerte ökologische Informationen mit praktischen Handlungsvorschlägen, wie beispielsweise dem richtigen Zeitpunkt für den Heckenschnitt, das Belassen verblühter Stauden im Winter oder die ideale Pflege eines Vogelhäuschens. Dabei finden auch Stadtbewohner ohne Garten tolle Ideen, wie sich auf Balkon oder Gemeinschaftsflächen Lebensräume schaffen lassen.

Äußerst hilfreich sind auch die Hinweise zur Pflanzenwahl, denn statt exotischer oder invasiver Arten ist es sinnvoll sich auf heimische Pflanzen zu konzentrieren, die sich optimal in das heimische Ökosystem einfügen und wildtierfreundlich sind. Anschaulich erläutert die Autorin neben ihrem optimalen Standort auch ihre Funktion als Nahrungsquelle, Schutzraum und Bestäubungsmagnet und zeigt nachvollziehbar auf, wie Flora und Fauna voneinander abhängen.

Die Projektideen sind kreativ, klar strukturiert und praxisnah gestaltet, sodass sie auch für Anfänger ohne Vorkenntnisse und mit wenig Aufwand leicht umsetzbar sind. Dank durchdachter Materiallisten, verständlicher Schritt-für-Schritt-Anleitungen und hilfreicher Zusatztipps kann dabei im Grunde nichts schiefgehen. Ob nun Blühwiese für Schmetterlinge, Wildbienenhotel, Igelunterschlupf oder Futterstelle für Wintergäste – die Bandbreite an Ideen ist beeindruckend und macht Lust, gleich loszulegen. Zusätzlich vermitteln Steckbriefe und Infokästen spannendes Wissen über heimische Tierarten, Pflanzen und ökologische Zusammenhänge. Neben vielen hilfreichen Tipps wie diversen Upcycling-Ideen gibt es wichtige Handreichungen wie beispielsweise zur Hilfe für verletzte Wildtieren, der Entschärfung von Gefahrenstellen oder den richtigen Materialien.

Das sehr abwechslungsreich gestaltete Buch ist eine wahre Augenweide und überzeugt durch ein ansprechendes, liebevoll gestaltetes Layout und ein harmonisch abgestimmtes Farbkonzept, das immer wieder zum Blättern und Schmökern einlädt. Ein besonderer Blickfang sind die beeindruckenden Naturfotografien und stimmungsvollen Momentaufnahmen von Zoe Opratko sowie die wundervoll detailreichen Illustrationen von Ruth Veres. Sie veranschaulichen hervorragend die vorgestellten Projekte und fangen die Atmosphäre eines lebendigen Gartens perfekt ein.

Hervorzuheben ist auch der ansprechende, motivierende Schreibstil der Autorin. Mit ihrer ansteckenden Begeisterung gelingt es ihr, uns für komplexe ökologische Themen zu sensibilisieren und uns zu ermutigen, selbst aktiv zu werden und eigene Ideen umzusetzen – mit Freude, Neugier und Gelassenheit statt Perfektionsanspruch.

Abgerundet wird das Buch durch einen informativen  Anhang mit einem umfangreichen Literatur- und Quellenverzeichnis, einer inspirierenden Schmökerliste, Bezugsquellenverzeichnis sowie einem übersichtlichen Register, das das Auffinden von Fachbegriffen und Projekten erleichtert.


FAZIT

Ein wunderschön gestalteter, praxisnaher und inspirierender Ratgeber, der Natur- und Artenschutz greifbar macht - mit Fachwissen, Leidenschaft und vielen kreativen Ideen macht es Mut, im eigenen Umfeld etwas zu verändern, die Natur wieder ein Stück näher an sich heranzulassen und ein Paradies für Wildtiere zu schaffen.

Ein rundum gelungener, sehr empfehlenswerter Gartenratgeber für alle Jahreszeiten!

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