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Veröffentlicht am 19.03.2021

Kopf oder Zahl?

Du kannst kein Zufall sein
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Joshs gutdurchdachter Heiratsantrag in der Silvesternacht im berühmten Riesenrad London Eye endet in einem Desaster. Jade, seine Angebetete lehnt den Antrag ab. Ja, sie ist verliebt… aber nicht in Josh, ...


Joshs gutdurchdachter Heiratsantrag in der Silvesternacht im berühmten Riesenrad London Eye endet in einem Desaster. Jade, seine Angebetete lehnt den Antrag ab. Ja, sie ist verliebt… aber nicht in Josh, sie liebt einen anderen. Josh verliert damit nicht nur die Freundin, auch der Job und die Wohnung sind dahin. So zieht er peinlicherweise wieder bei seinen Eltern ein. Hinzu kommt, Josh zweifelt an sich und glaubt, nicht fähig zu sein, richtige Entscheidungen zu treffen. So kommt er auf die fixe Idee, zumindest ein Jahr lang, jede Entscheidung mit dem Wurf einer Münze dem Zufall zu überlassen. Dann begegnet Josh beim London-Marathon dieser ganz besonderen Frau, leider verliert er sie auch gleich wieder aus den Augen. Klar, macht er sich auf die Suche.

Ich kann mir nicht helfen, von diesem Debütroman hatte ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen. Die Handlung war für meinen Geschmack viel zu schwerfällig um Humor aufkommen zu lassen. Der Erzählstil des Autors konnte mich nicht packen. Die erste Szene im London Eye war weder lustig noch konnte sie mich berühren. Ich konnte nicht mitfühlen, mit dem armen Kerl. Ich empfand mich nur als außenstehenden Beobachter. Auch die umfunktionierte Verlobungsparty plätschert ohne Spuren zu hinterlassen dahin. Es gelang mir nicht, zu Josh, dem Hauptprotagonisten eine gefühlsmäßige Nähe herzustellen. Auch die anderen Protagonisten empfand ich als schwach. Schade!

Unterhaltsame Lektüre liest sich normalerweise flott weg, man möchte wissen, wie geht es weiter und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Und sie entlockt einem zumindest ab und zu ein Schmunzeln. All das habe ich bei diesem Roman vermisst.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Krass, bunt, aber …zu viel

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019
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Ich muss gestehen, mit dem Einstieg in dieses Buch hatte ich Schwierigkeiten. Ich dachte schon: „Auweia, nicht mein Fall.“ Nach ca. 30 Seiten hatte ich mich jedoch festgelesen und fand die Geschichten ...


Ich muss gestehen, mit dem Einstieg in dieses Buch hatte ich Schwierigkeiten. Ich dachte schon: „Auweia, nicht mein Fall.“ Nach ca. 30 Seiten hatte ich mich jedoch festgelesen und fand die Geschichten der Frauen total interessant und packend.

Die Schreibweise, mit den fehlenden Satzzeichen ist tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Aber auch dies empfindet man nach einigen Seiten nicht mehr als störend. Der Inhalt fesselt, ja er ist sogar extrem spannend. Selbstbewusste, starke Frauen erkämpfen sich ihren persönlichen Weg. Es ist faszinierend, aus den einzelnen Perspektiven in eine für mich fremde Welt einzutauchen.

Jede einzelne Frau hat etwas, was mich ungemein anspricht. Da ist Ama, anarchistische, lesbische Feministin, Jazz, ihre Tochter, Carol und ihre Mutter Bummi, Shirley, die Lehrerin und noch viele andere beeindruckende Frauen.

Spannend fand ich Dominiques Geschichte, die in einer toxischen lesbischen Beziehung zu der Voodooqueen Nzinga gefangen ist. Nzinga, ihre angebliche Seelenverwandte, vereinnahmt sie, bewacht sie eifersüchtig, bestimmt ihr Leben und wird am Ende sogar gewalttätig.

Leider erschlägt einem gerade diese Vielfalt an Frauen und Schicksalen im Laufe der Geschichte vollends. Die Autorin hat einfach zu viel in diesen Roman gepackt. So spannend ich die Lebenswege der einzelnen Protagonistinnen auch finde, irgendwann wird es einem einfach zu viel. Es ist wie mit einer leckeren Torte, das erste Stück schmeckt himmlisch, das zweite ist noch immer gut, aber spätestens beim dritten Stück, bekommt man es über. Genauso erging es mir mit diesem Buch.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Geht unter die Haut

Das achte Kind
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Der Autor und Journalist Alem Grabovac verarbeitet in „Das achte Kind“ fiktiv seine Familiengeschichte in einer ehrlichen und zu tiefst berührenden Geschichte, die sich allerdings als harter Tobak herausstellt.

Die ...

Der Autor und Journalist Alem Grabovac verarbeitet in „Das achte Kind“ fiktiv seine Familiengeschichte in einer ehrlichen und zu tiefst berührenden Geschichte, die sich allerdings als harter Tobak herausstellt.

Die Geschichte beginnt in den siebziger Jahren. Die Mutter Smilja wächst in extremst ärmlichen Verhältnissen in Kroatien auf. Sie lernt den Bosnier Emir kennen und lieben. Sie kommen beide mit großen Hoffnungen als Gastarbeiter nach Deutschland und finden auch schnell eine Arbeit. Doch während der Mutter fleißig und zuverlässig ist, ist der Vater ein verantwortungsloser Tunichtgut. Er treibt sich lieber in Kneipen rum. Als Alem 1974 geboren wird, ist es Smilja klar, dass sie nicht zuhause bei ihrem Baby bleiben kann, und auf Emir ist kein Verlass. Sie findet schließlich eine deutsche Pflegefamilie bei der Alem, während der Woche, als achtes Kind aufwachsen kann. Es zerreißt ihr das Herz, aber es ist letztendlich die beste Entscheidung für das Kind. Emir entwickelt sich zum Kleinganoven. Als ihm in Deutschland der Boden zu heiß wird, irgendwelche Typen sind hinter ihm her, setzt er sich in seine Heimat ab und landet später im berüchtigten Gefängnis Goli Otok in Jugoslawien. Smilja findet einen neuen Partner. Doch auch Dusan ist ein gewalttätiger Säufer, bei dem Alem, der die Wochenenden bei seiner Mutter verbringt, nichts zu lachen hat. Alem wächst auf in den Glauben, dass sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben kam.

Mich hat die Geschichte gepackt. Scheinbar emotionslos erzählt der Autor von Alem. Der schlichte und schnörkelloser Schreibstil wirkte umso drastischer. Der Roman ist in drei Bücher unterteilt. Im ersten geht es um die Mutter Smilja, das zweite ist Alem gewidmet und im letzten Buch geht es um Emir.

Von allem Protagonisten hat konnte die Pflegemutter mein Herz erreichen. Sie hat sich für Alem eingesetzt und ihn in ihre Familie aufgenommen wie ein eigenes Kind. Ihr Mann hat leider meine Sympathien verloren, als sich nach und nach herausstellte, dass er ein alter unverbesserlicher Nazi ist, der aus der Geschichte nichts gelernt hat. Alems Mutter tat mir leid. Die mutige junge Frau aus dem ärmlichen Kroatien, schaffte es nicht sich gegen ihre Männer zu behaupten. Mit Alem selber hatte ich großes Mitleid. Ich habe mit dem kleinen Kerl sehr gelitten und fand es erstaunlich, dass er sich trotz dieser schlechten Ausgangsbedingen seinen Weg in ein gutes Leben gefunden hat.

Es geht in diesem Roman um die Problematik der Migration von Gastarbeitern in den 70iger Jahren, um nicht aufgearbeitete Geschichte, um die ewig Gestrigen, um innerfamiliäre Gewalt, nicht zuletzt um Schuld und Vergebung.

Ein Buch das unter die Haut geht. Allerdings keine leichte Lektüre.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Geht unter die Haut

Das achte Kind
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Der Autor und Journalist Alem Grabovac verarbeitet in „Das achte Kind“ fiktiv seine Familiengeschichte in einer ehrlichen und zu tiefst berührenden Geschichte, die sich allerdings als harter Tobak herausstellt.

Die ...

Der Autor und Journalist Alem Grabovac verarbeitet in „Das achte Kind“ fiktiv seine Familiengeschichte in einer ehrlichen und zu tiefst berührenden Geschichte, die sich allerdings als harter Tobak herausstellt.

Die Geschichte beginnt in den siebziger Jahren. Die Mutter Smilja wächst in extremst ärmlichen Verhältnissen in Kroatien auf. Sie lernt den Bosnier Emir kennen und lieben. Sie kommen beide mit großen Hoffnungen als Gastarbeiter nach Deutschland und finden auch schnell eine Arbeit. Doch während der Mutter fleißig und zuverlässig ist, ist der Vater ein verantwortungsloser Tunichtgut. Er treibt sich lieber in Kneipen rum. Als Alem 1974 geboren wird, ist es Smilja klar, dass sie nicht zuhause bei ihrem Baby bleiben kann, und auf Emir ist kein Verlass. Sie findet schließlich eine deutsche Pflegefamilie bei der Alem, während der Woche, als achtes Kind aufwachsen kann. Es zerreißt ihr das Herz, aber es ist letztendlich die beste Entscheidung für das Kind. Emir entwickelt sich zum Kleinganoven. Als ihm in Deutschland der Boden zu heiß wird, irgendwelche Typen sind hinter ihm her, setzt er sich in seine Heimat ab und landet später im berüchtigten Gefängnis Goli Otok in Jugoslawien. Smilja findet einen neuen Partner. Doch auch Dusan ist ein gewalttätiger Säufer, bei dem Alem, der die Wochenenden bei seiner Mutter verbringt, nichts zu lachen hat. Alem wächst auf in den Glauben, dass sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben kam.

Mich hat die Geschichte gepackt. Scheinbar emotionslos erzählt der Autor von Alem. Der schlichte und schnörkelloser Schreibstil wirkte umso drastischer. Der Roman ist in drei Bücher unterteilt. Im ersten geht es um die Mutter Smilja, das zweite ist Alem gewidmet und im letzten Buch geht es um Emir.

Von allem Protagonisten hat konnte die Pflegemutter mein Herz erreichen. Sie hat sich für Alem eingesetzt und ihn in ihre Familie aufgenommen wie ein eigenes Kind. Ihr Mann hat leider meine Sympathien verloren, als sich nach und nach herausstellte, dass er ein alter unverbesserlicher Nazi ist, der aus der Geschichte nichts gelernt hat. Alems Mutter tat mir leid. Die mutige junge Frau aus dem ärmlichen Kroatien, schaffte es nicht sich gegen ihre Männer zu behaupten. Mit Alem selber hatte ich großes Mitleid. Ich habe mit dem kleinen Kerl sehr gelitten und fand es erstaunlich, dass er sich trotz dieser schlechten Ausgangsbedingen seinen Weg in ein gutes Leben gefunden hat.

Es geht in diesem Roman um die Problematik der Migration von Gastarbeitern in den 70iger Jahren, um nicht aufgearbeitete Geschichte, um die ewig Gestrigen, um innerfamiliäre Gewalt, nicht zuletzt um Schuld und Vergebung.

Ein Buch das unter die Haut geht. Allerdings keine leichte Lektüre.

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Veröffentlicht am 26.02.2021

Das fehlende Puzzle

Cold Case – Das gezeichnete Opfer
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Ein Cold Case rückt wieder in das Visier der Ermittler. Am Leuchtturm wird die Leiche der provokanten Künstlerin Mischa Lindberg aufgefunden. Ihr bedeutendstes Kunst- und Lebenswerk, das sie mit ihrem ...

Ein Cold Case rückt wieder in das Visier der Ermittler. Am Leuchtturm wird die Leiche der provokanten Künstlerin Mischa Lindberg aufgefunden. Ihr bedeutendstes Kunst- und Lebenswerk, das sie mit ihrem letzten Menstruationsblut gemalt hatte, wurde in der Ausstellungshalle stört. Am Fundort der Toten wird dieselbe Sorte seltener Lehm wie an einem unaufgeklärten Fall vor 15 Jahren entdeckt. Der junge Pianist Max Lund war mit einer Vielzahl von Messerstichen ermordet worden. Das COLD CASE Team um die leitende Polizeihauptkommissarin Tess Hjalmarsson nimmt die Ermittlungen auf.

Die Autorin Tina Frennstedt ist vom Fach. Sie ist eine der renommiertesten Kriminalreporterinnen Schwedens und gilt als Expertin für Fälle, die nie aufgeklärt wurden. Das macht diese Reihe um das COLD CASE Team so realistisch. „Das gezeichnete Opfer“ ist bereits der 2. Band. Ich kannte den 1. Band noch nicht, bin jedoch problemlos in das Geschehen abgetaucht. Auch die Kollegen wurden mir schnell vertraut. Marie Erling, Raffaela Cruz und Lundberg. Wobei Lundberg mir lange Zeit ein Rätsel war. Er hatte den alten Fall von Max Lund vor 15 Jahren bearbeitet. Was hält er zurück? Den Eindruck hatte ich tatsächlich. Erschwert wird die Ermittlungsarbeit durch die Tatsache, dass der oberste Polizeichef das COLD CASE-Ermittlungsteam im Zuge von Sparmaßnahmen auflösen will. Überbringerin dieser Nachricht ist die neue Chefin Edding. Das macht sie bei den Kollegen nicht gerade beliebt.

Die Schreibstil der Autorin ist eher unaufgeregt und ruhig. Was ich als positiv empfinde. Denn das gibt dem Leser Gelegenheit zum Mitdenken und Mitermitteln. Frau Frennstedt gibt zudem Einblick in das Leben der Ermittlerinnen. Ich mochte Tess, die nach einer unglücklich beendeten Beziehung gerne schwanger werden möchte. Wobei ich das Gefühl hatte, so ganz gelingt es Tess noch nicht, mit ihrer ehemaligen Lebenspartnerin abzuschließen. Mit ihrer Kollegin Marie verbindet sie fast eine Freundschaft. Aber auch Marie hat ein problematisches Privatleben. Und auch der dänische Profiler Morris wird mit ins Boot genommen. Wobei er schon ein echt skurriler Kauz ist.

Die beiden Fälle erweisen sich als äußerst verzwickt. Nur mühsam fällt Puzzlestück zu Puzzlestück. Der Autorin ist es gelungen ein guten Spannungsbogen zu entwickeln. In verschiedenen Kapiteln liest der Leser außerdem von einer Ehefrau, die sich in ihrer Ehe nicht mehr wohl fühlt, denn ihr Mann entgleitet ihr immer mehr. Insgesamt gibt es einige Personen die näher ins Visier genommen werden.

Die Auflösung der Fälle war für mich überraschend

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