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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2025

Unterhaltsam, humorvoll und tiefgründig zugleich

Staying Alive
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In ihrem Debüt Staying Alive erzählt Eva Mirasol von der Assistenzärztin Nicki und deren Arbeit in der Notaufnahme einer großen Berliner Klinik sowie deren Privatleben.
Eva Mirasol schreibt stets angenehm ...

In ihrem Debüt Staying Alive erzählt Eva Mirasol von der Assistenzärztin Nicki und deren Arbeit in der Notaufnahme einer großen Berliner Klinik sowie deren Privatleben.
Eva Mirasol schreibt stets angenehm und flüssig lesbar. Staying Alive bietet viele und tiefe Einblicke in den Klinikalltag und wartet mit viel schwarzem Humor auf. Der Roman unterhält gut, bringt den Leser durch seinen Humor durchgehend zum Schmunzeln und Lachen, vermittelt ganz nebenbei noch viel medizinisches Fachwissen - und macht doch auch sehr nachdenklich und betroffen, da er auch die ungeschönte Wahrheit des Klinikalltags und alle Missstände und Probleme dieses Systems und die Belastungen des Personals zeigt.
Auch Familienplanung, die Schwierigkeit einer Frau, sich noch immer irgendwie zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen etc., sind Thema.
Auch in der Darstellung von Nickis Privatleben findet man ernste und traurige Themen, die berühren.
Ein absolutes Highlight war es leider nicht, zumal es ab und an ein paar kleine Längen gab - dennoch habe ich Staying Alive sehr gerne gelesen!
Es ist das richtige Buch für alle, die Lust auf einen sehr unterhaltsamen und humorvollen Roman haben, in diesen Mittelpunkt der Klinikalltag, speziell die Notaufnahme, steht, der jedoch auch viele ernste, traurige und dramatische Situationen und Themen bietet; der das System und seine Menschen beleuchtet, Missstände aufzeigt und nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Der Zauber handgeschriebener Briefe und des Lebens

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Im Mittelpunkt des Romans steht die fünfundzwanzigjährige Hatoko, die in Kamakura einen Schreibwarenladen führt und als öffentliche Schreiberin arbeitet.
Hatoko verfasst Briefe verschiedenster Art für ...

Im Mittelpunkt des Romans steht die fünfundzwanzigjährige Hatoko, die in Kamakura einen Schreibwarenladen führt und als öffentliche Schreiberin arbeitet.
Hatoko verfasst Briefe verschiedenster Art für andere Menschen.
Wir erleben Hatokos Arbeit und Leben im Wandel der Jahreszeiten. Ito Ogawa beleuchtet Vergangenheit und Gegenwart.
In schöner Sprache, oft schon fast poetisch, erzählt sie Hatokos Geschichte.
Es ist ein Roman, der wunderschön und traurig zugleich ist, der schon durch seine wundervolle Atmosphäre und Grundstimmung und durch seine Figuren besticht.
Nachdenkliche, leise sowie lebendige, fröhliche Momente und Passagen wechseln einander ab.
Ito Ogawa gibt dem Leser auch zahlreiche Einblicke in die japanische Kultur.
Es ist für mich eine willkommene Abwechslung, ein erfrischend anderer japanischer Roman, da hier nicht wie sonst überall Katzen im Mittelpunkt stehen, sondern es hier um diesen Schreibwarenladen, das Amt der öffentlichen Schreiberin, die Magie und den Zauber handgeschriebener Briefe geht. Das habe ich so in noch keinem anderen japanischen Roman gelesen.
Es ist zudem ein Roman, der voller schöner Zitate und kleiner und großer Weisheiten steckt. Auch das habe ich an diesem Buch so geliebt.
Einzig die letzten Seiten dieser Geschichte haben mich etwas enttäuscht, da hier ein paar Dinge zu schnell abgehandelt wurden und daher etwas unglaubwürdig wirkten und/oder einfach etwas too much waren und/oder nicht zum ganzen Rest passten und daher seltsam und wie Fremdkörper wirkten.
Auch blieben Dinge offen - was aber andererseits Stoff für Fortsetzung(en) bietet.
Insgesamt habe ich "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" sehr gerne gelesen und freue mich sehr auf die Fortsetzung(en).
Es ist der richtige Roman für alle, die japanische Literatur mögen; die vielleicht einen etwas anderen Roman suchen, bei dem mal keine Katzen im Mittelpunkt stehen; die Lust auf einen poetischen, leisen Roman mit schönen Botschaften haben, in dem es um japanische Kultur, Briefe, Trauer und Glück, Freundschaft und Liebe, Familie, Gemeinschaft, Vergangenheit und Gegenwart, Vergebung und Versöhnung ... das Leben geht.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Mein Leben war ein ruhiger, stiller Fluss ...

Verheiratete Frauen
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Drei Frauen in ihren Vierzigern in Barcelona: Gabriela, Silvia und Cósima sind gute Freundinnen. Jede von ihnen ist verheiratet - und keine von ihnen ist wirklich glücklich:
Gabriela ist schon lange verheiratet, ...

Drei Frauen in ihren Vierzigern in Barcelona: Gabriela, Silvia und Cósima sind gute Freundinnen. Jede von ihnen ist verheiratet - und keine von ihnen ist wirklich glücklich:
Gabriela ist schon lange verheiratet, hat eine leidenschaftliche Affäre mit einem anderen Mann. Silvia hat zwei kleine Kinder, liebt und begehrt aber nicht ihren Mann, sondern Frauen. Cósima ist frisch verheiratet - und schon begehrt ihr Mann sie nicht mehr ...
Von diesen drei Frauen erzählt Cristina Campos in ihrem Roman "Verheiratete Frauen". Im Mittelpunkt steht Gabriela, doch wir bekommen auch tiefe Einblicke in das Leben ihrer Freundinnen.
In Rückblenden erfahren wir, wie ihr Leben früher aussah und sich entwickelte, wie sie zu den Frauen wurden, die sie heute sind.
Gerade bezüglich Gabriela sind Licht und Schatten, ihre innere Zerrissenheit, der Reiz und Genuss der Verbotenen, dieser Affäre, des Begehrtwerdens, der Verliebtheit einerseits sowie das Problem, zwischen zwei Männern zu stehen, ein Doppelleben zu führen, das Problem, Sex und Liebe zu trennen, der Wunsch danach, die einzige Frau zu sein, hervorragend herausgearbeitet.
Cristina Campos schafft gerade bezüglich Gabriela den Spagat zwischen Atmosphäre, Leichtigkeit und Tiefe, dem Moment und der langfristigen Perspektive.
Gabriela war dann auch die Figur, die mich als Leserin am meisten gefesselt hat, die für die größte Sogwirkung und Spannung gesorgt hat; ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie das alles für sie und ihren Mann bzw. ihre Männer weitergeht und endet.
Es ist ein gut geschriebener, stets sehr angenehm zu lesender Roman über Frauen in ihren Vierzigern, Freundschaft, Ehe, Liebe, Lust und Leidenschaft, Affären, Frauen und Männer ... das Ganze vor der Kulisse Barcelonas.
Liebe in all ihren Facetten nimmt einen ebenso großen Raum ein wie die Freundschaft dieser Frauen. Sie stehen einander bei, sind immer füreinander da, begleiten einander durch die Höhen und Tiefen des Lebens - auch in Sachen Liebe. Auch in Zeiten des Wachstums und der Veränderung.
Es sind drei gewöhnliche Frauen, und ich glaube, dass jede Leserin sich zumindest mit einer dieser drei Frauen, mit ihren Situationen, Gedanken, Sorgen und Nöten, Wünschen und Träumen sehr gut identifizieren können wird.
Sie sind sehr nahbar. Cristina Campos hat es geschafft, dass man zu jeder dieser Frauen eine Verbindung aufbauen kann, gerade dann, wenn man im selben Alter ist. Keine von ihnen bleibt distanziert, ganz im Gegenteil.
Diese drei Frauen sind nicht nur Freundinnen füreinander, sondern sie werden auch schnell zu Freundinnen für die Leserin. Schnell hat man das Gefühl, über Freundinnen zu lesen, lebt und fühlt mit ihnen.
Fazit: Ein intensiver, offener, ehrlicher, ebenso leichter wie tiefgründiger Roman über Frauen in der Mitte ihres Lebens mit all ihren Gedanken, Gefühlen, Ängsten, Wünschen und Träumen, auch über ihre Männer, auch über ihre Kinder, der in Barcelona spielt.
Für mich ist es in erster Linie ein Roman für Frauen.
Ich bin noch unschlüssig, ob es ein absolutes Jahreshighlight sein könnte ... doch selbst wenn nicht - es ist ein unglaublich wichtiger und fesselnder Roman, und ich habe "Verheiratete Frauen" sehr gerne gelesen.
Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Nichts ist so wie es scheint

Wo wir uns treffen
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Philip Brooke ist tot. Die Familie kommt auf ihrem Anwesen in Sussex zusammen, um ihn zu beerdigen.
Jedes seiner Kinder hat ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was mit dem Erbe geschehen, wie alles ...

Philip Brooke ist tot. Die Familie kommt auf ihrem Anwesen in Sussex zusammen, um ihn zu beerdigen.
Jedes seiner Kinder hat ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was mit dem Erbe geschehen, wie alles weitergeführt werden soll. Die Stimmung ist angespannt - und sie wird noch angespannter, als Clara, die Tochter von Philips ehemaliger Geliebter, erscheint. Clara weiß, wie die Familie wirklich zu ihrem Geld und ihrem Anwesen kam - und kann und will nicht länger schweigen.
Man versucht, die Fassade zu wahren, Dinge zu unterdrücken; doch die Wahrheit gelangt ans Licht ...
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Es ist ein Roman, der überaus gut, interessant und vor allem auch spannend klang.
Anna Hopes Schreibstil gefiel mir sehr.
Doch was die Spannung betrifft, auch und vor allem auch dadurch, dass die Tochter der ehemaligen Geliebten und somit eine (vermeintliche) uneheliche Tochter erwartet wird, bleibt "Wo wir uns treffen" hinter den Erwartungen zurück.
Clara kommt erst auf S. 187 auf dem Anwesen an. Zwar plätschert der Roman bis dahin glücklicherweise nicht vor sich hin, man lernt das Anwesen und die Familie genaustens kennen, es wird mehr als deutlich, dass hier nichts so war, wie es schien, es wird Atmosphäre aufgebaut ... und doch geschieht dies leider etwas zu Lasten der Spannung und der Sogwirkung der Geschichte.
Im weiteren Verlauf lernt man die Mitglieder der Familie noch näher kennen, wird in Pläne für das Anwesen eingeweiht ... und doch passiert nach wie vor wenig.
Erst auf S. 318 beginnt Clara zu reden, erst ab S. 318 spricht Clara endlich die Wahrheit aus und sorgt so für mehr Spannung, Tempo, Sogwirkung.
Die Geschichte des Ahnen Oliver Brooke, die Quelle des Reichtums der Familie, die Wahrheit ... reicht zurück bis ins British Empire.
Und: Anna Hope schafft es zwar, einigen Figuren viel Leben einzuhauchen; doch andere bleiben für den Leser leider allzu blass und diszanziert.
Fazit: Ein sehr gut geschriebener, durchaus auch aktueller Roman über Familie, Geheimnisse, Leben und Tod, Vergangenheit und Geschichte, Erbe und Verantwortung, Schuld, Reue und Wiedergutmachung, Vergebung und Versöhnung ... dem es leider etwas an Spannung fehlt.
Vermutlich ist es für mich leider auch kein Roman, der lange nachklingen wird. Hier hatte ich nach dem Klappentext noch mehr erwartet.
Für Leser, die wie ich Familienromane, Geheimnisse und den Schauplatz England mögen, ist "Wo wir uns treffen" aber dennoch durchaus empfehlens- und lesenswert.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Die zerstörerische und heilende Kraft der Liebe ...

Wie Risse in der Erde
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Im England des Jahres 1955 verlieben sich die Teenager Beth und Gabriel ineinander. Die Liebe hält nur einen Sommer lang, bleibt jedoch nicht ohne Folgen.
Jahre später lebt Beth mit ihrem Mann Frank auf ...

Im England des Jahres 1955 verlieben sich die Teenager Beth und Gabriel ineinander. Die Liebe hält nur einen Sommer lang, bleibt jedoch nicht ohne Folgen.
Jahre später lebt Beth mit ihrem Mann Frank auf einer Farm. Das Glück scheint perfekt - bis Gabriel plötzlich wieder zurück ist im Dorf. Die Vergangenheit holt Beth wieder ein. Erneut bleibt die Begegnung nicht ohne Folgen, und diesmal sind sie noch größer als damals: eine Person wird sterben, eine andere die Schuld dafür auf sich nehmen.
Doch was geschah damals wirklich, wer ist der wahre Täter?
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Ein großartiger Roman, der mich sehr beeindruckt hat und sicher noch eine ganze Weile nachklingen wird.
"Wie Risse in der Erde" beginnt als Liebesgeschichte, entwickelt sich dann aber auch zu einer Familiengeschichte und stellenweise fast auch schon zu einem Kriminalroman.
Schnell entfaltet dieser Roman seine Sogwirkung, ist ebenso poetisch und atmosphärisch wie spannend und dramatisch.
Clare Leslie Hall erzählt diese Geschichte auf mehreren Zeitebenen.
Sowohl die Figuren als auch die Handlung überzeugen vollends; bis zum Schluss bleibt unklar, was wirklich geschah. Clare Leslie Hall steigert die Spannung kontinuierlich, sodass der Leser diesen Roman kaum noch aus der Hand legen kann.
Es ist ein Roman, der das Leben in seiner ganzen Bandbreite zeigt - und ein unfassbar guter Roman. Unbedingt lesen!

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