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Veröffentlicht am 03.12.2019

Erschütternde, bewegende und wichtige Familiengeschichte aus der unmittelbaren Nachkriegszeit!

Das Barackenmädchen
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"Das Barackenmädchen" von Peter Maika ist ein Buch, das man unbedingt lesen sollte!

Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil, die Geschichte nimmt den Leser voll mit ins Geschehen.

Oma Helene erzählt ...

"Das Barackenmädchen" von Peter Maika ist ein Buch, das man unbedingt lesen sollte!

Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil, die Geschichte nimmt den Leser voll mit ins Geschehen.

Oma Helene erzählt ihrer Enkelin Selina an ihrem 90. Geburtstag die Geschichte ihrer Vertreibung als Deutsche aus Brünn (Tschechei) unmittelbar nach Kriegsende. Das Auseinanderreissen von Familien, die Flucht, der Hunger, der Hass... Die Deutschen erleben hier einen ständigen Spiessrutenlauf, sie sind DER FEIND, und nachdem der Krieg für Deutschland offiziell verloren ist, werden sie zu Freiwild...

Helene schildert hier ausführlich , was ihr und ihrer Familie wiederfahren ist, und lässt nichts aus, obwohl sie auch selbst Dinge tun musste, die sie nicht tun wollte, um ihre Lieben zu schützen und um ihrer aller Leben zu kämpfen.

Wir erfahren hier die Geschichte von der 17-jährigen, selbstbewussten und mutigen Helene, ihren Eltern, dem Bruder Karli und Jan, ihrer grossen Liebe. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf wahren historischen Begebenheiten basiert (der Brünner Todesmarsch).

Es ist absolut heftig, wie die Menschen damals behandelt wurden und mit welch widrigen Umständen sie zu kämpfen hatten, von ihren "normalen Einzelschicksalen" mal ganz abgesehen...Besonders erschreckend fand ich das "Kartoffelschälen"...Und: Es sollte mehr Dvoraks auf dieser Welt geben!

Die erschütternden Details sind pragmatisch und oft nur ganz nebenbei geschildert, so dass der Autor das Gegenteil von dramatisiert...das emfand ich als sehr angenehm, und so hat mich das umso mehr zum Nachdenken angeregt und stark bewegt! Hier ist mir wieder mal bewusst gemacht worden, wie gut es uns hier und heute geht und welch lächerliche Dinge die Menschen als Probleme betrachten - es gibt definitiv nichts Wichtigeres als das Leben und die Gesundheit...

Die Bezeichnung Thriller ist evtl. etwas irreführend, aber auf alle Fälle ist das Buch meiner Meinung nach unbedingt lesenswert und prägnant, man sollte es nicht verpassen!

Veröffentlicht am 20.11.2019

Interessanter Fall mit außergewöhnlichen Ermittlern und überraschendem Ende

Missing Boy
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"Missing Boy" von Candice Fox hat mir relativ gut gefallen, was zu einem Großteil Uve Teschner geschuldet ist - sein Vorlesen hat mich mit in die Handlung genommen und mir das schräge Ermittlerduo Conkaffey ...

"Missing Boy" von Candice Fox hat mir relativ gut gefallen, was zu einem Großteil Uve Teschner geschuldet ist - sein Vorlesen hat mich mit in die Handlung genommen und mir das schräge Ermittlerduo Conkaffey / Pharrell nähergebracht.

Der achtjährige Ritchie Farrow ist aus einem Hotelzimmer verschwunden - und weder seine Freunde, die mit ihm zusammen dort waren, noch irgendwelche Hotelgäste wollen etwas gesehen haben...

Die Mutter des verschwundenen Ritchie engagiert Ted Conkaffey, einen Privatdetekiv, um bei der Suche nach ihrem Sohn zu helfen. Seine Kollegin Amanda Pharrell ist ganz vorne mit dabei, obwohl das dem leitenden Ermittler der Polizei gar nicht gefällt!

Die beiden Privatermittler haben eine belastende Vorgeschichte und eine Menge Probleme, was sie in meinen Augen sehr menschlich und äußerst sympathisch macht. Ted Conkaffey, der seinerzeit aus dem Polizeidienst entlassen wurde, weil man ihn (zu Unrecht) des Kindesmissbrauchs beschuldigt hatte, ist ein super Protagonist. Er will eigentlich nichts als seine Ruhe und ein friedliches Dasein, hat aber jede Menge Ärger und begegnet ständig Vorurteilen. Amanda Pharrell, die in ihrer Jugend "versehentlich" einen Mord begangen hatte, schien mir zwar fast wie eine Kopie von Lisbeth Salander, aber ich mochte sie dennoch. Ihr Zwist mit der Polizistin Joana war mir ein bisschen zu heftig, gerade zum Ende hin fand ich die Geschehnisse etwas übertrieben...

Zur Lösung des Falles tragen die beiden ganz erheblich bei, allerdings war mir recht früh klar, wer Ritchie entführt / ermordet hatte...

"Missing Boy" lässt sich gut hören und ist auch weitestgehend spannend, man braucht die ersten beiden Teile der Reihe nicht zu kennen, aber da ich den Täter früh entlarvte und manches sehr übertrieben fand, reicht es "nur" für vier Sterne.


Veröffentlicht am 18.11.2019

Olofsen ermittelt - Maritimer Krimi mit Spannung und Humor!

Soko Sandbank
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"Soko Sandbank" von Markus Rahaus ist ein Krimi, der die Ermittler der Cuxhavener Polizei sehr fordert!

Es werden 2 Tote auf einem Segelboot gefunden, welches an einer Sandbank aufgelaufen ist. An Deck ...

"Soko Sandbank" von Markus Rahaus ist ein Krimi, der die Ermittler der Cuxhavener Polizei sehr fordert!

Es werden 2 Tote auf einem Segelboot gefunden, welches an einer Sandbank aufgelaufen ist. An Deck wird eine erschossene Frau gefunden, unter Deck eine verbrannte männliche Leiche mit einem verkohlten Balken zwischen den Beinen, gefesselt und gefoltert. Außerdem findet man eine Einstichstelle an seinem Hals und unter seiner Zunge eine Speicherkarte mit einer rätselhaften Videobotschaft...

Olofsen , ein kauziger und recht ungeschickter Kommissar, und sein Team ermitteln. Olofsens Partner Greiner, Pall von der Spurensicherung und die Rechtsmediziner aus Hamburg, Wahlberg und Frau Dr. Osamente, sind die Hauptprotagonisten des Buches. Sie werden ausführlich charakterisiert und haben alle spezielle Eigenschaften.

So wirft Olofsen ständig Kaffeetassen um und ruiniert sich im Verlauf der Ermittlungen bei seinen Einsätzen diverse Paar Schuhe... Am Besten gefallen hat mir der Humor von Frau Dr. Osamente, die hat schon ein paar trockene Sprüche drauf ;)

Der Fall ist wirklich spannend, die Ermittler geraten zunehmend unter Druck und die Beteiligten werden zu allem Überfluss auch noch reihum von einem Magen-Darm-Virus heimgesucht, was die Lage nicht gerade entspannt...

Die maritime Umgebung ist mal was Anderes, und der Autor kennt sich offensichtlich sehr gut aus bzw. hat super recherchiert, denn der Leser erfährt hier auch eine Menge über die Arbeit der Seenotrettung, Boote, Knoten usw.

"Soko Sandbank" lässt sich spannend, flüssig und interessant lesen, ich wurde bestens unterhalten. Mein einziger Kritikpunkt sind die sehr langen Kapitel, da musste ich mehrmals mittendrin unterbrechen, das ist nicht sooo schön...

Veröffentlicht am 13.11.2019

Auf den Spuren des Medusa-Killers - Journalistin Tuva im Einsatz!

Totenstille
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"Totenstille" von Will Dean ist ein schwedischer Krimi, der sich gut und flüssig lesen lässt und sehr detailliert geschrieben wurde.
Die Journalistin Tuva Moodyson zieht aus der Metropole zurück in die ...

"Totenstille" von Will Dean ist ein schwedischer Krimi, der sich gut und flüssig lesen lässt und sehr detailliert geschrieben wurde.
Die Journalistin Tuva Moodyson zieht aus der Metropole zurück in die schwedische Kleinstadt Gavrik, um nahe bei ihrer sehr kranken Mutter zu sein. Sie arbeitet bei der örtlichen Zeitung und wartet auf ihre Chance, sich zu beweisen.

Es geschieht ein grausamer Mord im Utgard-Wald, bei dem die Augen des Opfers herausgeschnitten werden - und alles darauf hindeutet, dass der Medusa-Killer wieder zugeschlagen hat, der vor 20 Jahren bereits dreimal tötete...oder war es ein Nachahmer?!

Nun kann Tuva ihre Story bekommen - allerdings muss sie sich hierbei ihren Ängsten stellen, denn sie hat Panik im Wald, und ausserdem ist sie gehörlos, ein Handicap, das allerdings durch ihre Hörgeräte ausgeglichen werden kann - wenn sie Ruhe braucht, werden die einfach ausgeschaltet und Tuva ist von den Einflüssen der Aussenwelt abgeschottet!

Die Protagonisten, von Tuva über die ermittelnden Dorfpolizisten bis hin zu den Bewohnern von Mossen, dem Ortsteil, in dem die erste Leiche gefunden wird, sind allesamt schrullig und einzigartig.
Dadurch könnten sie alle etwas zu verbergen haben und man hat erst einmal mehrere Personen im Verdacht, der Killer zu sein…
Leider war mir Tuva die ganze Zeit über nicht richtig nah, denn die Beschreibungen des Autors sind zwar sehr detailliert, jedoch häufig an den falschen Stellen: so erfährt der Leser beispielsweise mehrfach die Farbe von Tuvas Lieblingsgummibärchen, aber die wichtigen Details werden hier oft nur in Nebensätzen erwähnt. Das finde ich schade, und es hat auch die Spannung deutlich beeinträchtigt.
Außerdem passt es nicht zusammen, dass Tuva Angst vor dem Wald hat, jedoch mehrfach auf eigene Faust (und teils ohne jemandem Bescheid zu geben) losläuft, um diversen Spuren und Hinweisen nachzugehen.
Zum Ende hin gibt es zudem diverse offene Fragen, allerdings sind die nicht lebenswichtig…

Mein Fazit: eine tolle Grundstory, die in der Ausführung ein bisschen wenig Schwung hat...aber wer auf ruhige Krimis steht, der ist hier richtig!

P.S.: Grandios fand ich den Aufbewahrungsort der Augen der Opfer, Respekt, welch ein Versteck... ;)

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Veröffentlicht am 11.11.2019

Spannend und voller Action - ein abwechslungsreicher Krimi, absolut empfehlenswert!

Harper - Jäger und Gejagter
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Mit "Harper - Jäger und Gejagter" hat Stephan Michels einen actionreichen Krimi abgeliefert, dessen Titel treffender nicht hätte sein können!

Simon Harper, ehemaliger Elitesoldat, hat sich auf "Troubleshooting" ...

Mit "Harper - Jäger und Gejagter" hat Stephan Michels einen actionreichen Krimi abgeliefert, dessen Titel treffender nicht hätte sein können!

Simon Harper, ehemaliger Elitesoldat, hat sich auf "Troubleshooting" spezialisiert, er löst ungewöhnliche Fälle auf seine ganz eigene Art.

Die Art und Weise , wie Harper den ersten Fall kurz und bündig erledigt, hat mich wirklich zum Lachen gebracht...das auffällige Auto "umparken" vor die Tore eines verfeindeten Clubs, genialer Schachzug...;)

Als Nächstes wird er von Emmy Schreiber beauftragt, herauszufinden, was es mit dem Tod ihres Mannes Richard auf sich hat - der arbeitete als Revisor für eine Privatbank und kam auf einer Geschäftsreise in Prag durch einen angeblichen Autounfall ums Leben.

Fast unverzüglich geht die Action los, Harper sticht mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest und tritt diversen Menschen und Organisationen auf die Füße...von da an ist er nicht mehr nur Jäger, sondern auch Gejagter!

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, er ist spannend von Anfang bis Ende, voller Action (aber nicht überzogen), und authentisch geschrieben, so dass die Geschichte glaubhaft herüberkommt.

Die Kapitel sind kurz, es gibt unzählige Wendungen und Harper kann so gut wie niemandem vertrauen...das Ende war dann für mich äußerst überraschend!

Harper hat unkonventionelle Methoden und Fähigkeiten, aber auch persönliche Probleme, die schwer auf ihm lasten, jedoch nicht so detailliert beschrieben werden, dass es langatmig würde - ganz im Gegenteil, die Frage nach seiner Familie und deren Schicksal hat mich permanent beschäftigt...

Ich bin schon sehr gespannt auf Harpers nächste Ermittlungen :)