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Veröffentlicht am 14.09.2020

Einzelgänger trifft Tollpatsch

Herzgeflüster in Sandcastle Bay
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Während Jamie nett und hilfsbereit, aber eher ein Einzelgänger ist, hadert Melody mit ihrer Ungeschicklichkeit, die sie immer wieder dem Gespött anderer aussetzt. Obwohl die beiden ineinander verliebt ...

Während Jamie nett und hilfsbereit, aber eher ein Einzelgänger ist, hadert Melody mit ihrer Ungeschicklichkeit, die sie immer wieder dem Gespött anderer aussetzt. Obwohl die beiden ineinander verliebt sind, können sie nicht über ihre Schatten springen, haben Angst vor Zurückweisung. So kreisen sie ein Jahr lang umeinander herum, bevor sie ein Date vereinbaren.

Durch Rückschläge aus der Vergangenheit vorsichtig geworden, träumen Jamie und Melody zwar von der großen Liebe, wagen jedoch nicht den ersten entscheidenden Schritt. So entwirft Holly Martin ein langwieriges Hin und Her; eine Reihe von Missverständnissen und übertriebene Rücksichtnahme führen zu peinlichen Szenen, die weder spannend noch besonders unterhaltsam sind. Durch die übertrieben dargestellten und sich stets wiederholenden Charakterschwächen, die wohl witzig sein sollen, driftet die Geschichte in eine fade dahindümpelnde Abfolge von Kapiteln ab. Spaß, Witz und Ironie bleiben über große Teile auf der Strecke, ob vom Autor so verfasst oder durch eine unzureichende Übersetzung ungewollt so passiert, ist die Frage.

Die unterschiedlichen Charaktere sind grundsätzlich gut gewählt und passend zueinander in Kontrast gesetzt, auch die wuselige Schar an niedlichen Welpen ist in einer romantischen Liebesgeschichte kaum fehl am Platz. Aber die hölzernen und unglaubwürdigen Dialoge zerstören leider viel an möglicher Spannung und aufkommender Romantik.

Leider kann mich dieses Buch auf verschiedenen Eben nicht überzeugen und gibt den anderen Bänden aus dieser Serie keine Chance.

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Veröffentlicht am 10.09.2020

Voller Energie

Madame Curie und die Kraft zu träumen (Ikonen ihrer Zeit 1)
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Schon als Kind hat Maria „Mania“ Skłodowska einen unbändigen Ehrgeiz, will immer die Beste sein und erfreut sich an polnischen Geschichten in der von Russland besetzten Heimat. Früh muss sie schwere Schicksalsschläge ...

Schon als Kind hat Maria „Mania“ Skłodowska einen unbändigen Ehrgeiz, will immer die Beste sein und erfreut sich an polnischen Geschichten in der von Russland besetzten Heimat. Früh muss sie schwere Schicksalsschläge hinnehmen und oft erst im Nachhinein über deren Hintergründe erfahren. Zeitlebens aber träumt sie vom Lernen, vom Studieren, vom Forschen – und obwohl die Zeichen mehr als schlecht dafür stehen, legt sie all ihre Kraft in eine positive Zukunft. [Geld hin oder her – wir dürfen unsere Träume nicht aufgeben. S.113]

Oktober 1926, auf dem Friedhof in Sceaux bei Paris spricht eine schwarz gekleidete Gestalt von einer Hochzeit. Zwischen Zypressen und Rhododendron, weißen Alpenveilchen und gelben Rosen teilt Marie Skłodowska Curie ihre Gedanken mit ihrem schon vor etlichen Jahren verstorbenen Mann Pierre. Wie der Zufall es will, trifft sie hier auf Menschen, die an ihrer Geschichte interessiert sind, und so verliert sich die erfolgreiche Wissenschaftlerin in Erinnerungen, erzählt in dieser und anderen Szenen aus ihrem Leben und lässt Lebenserfahrung mit früheren Träumen verschmelzen.

Auf diese wunderbare Art und Weise verwebt Susanna Leonard einzelne Lebensabschnitte aus Kindheit, Jugend und Studienzeit mit dem der erwachsenen Marie, beschreibt nicht nur Tatsachen, sondern verknüpft Wehmut und Freude aus dem Jetzt mit längst vergangenen Bildern. Immer schon wollte sie Rätsel lösen, erfahren, welche Krankheit die Mutter langsam hinwegraffte, wissen, wie genau der Strom aussieht. Vom Positivismus beeinflusst, möchte sie nicht nur für sich selbst forschen, sondern auch andere daran teilhaben lassen, das polnische Volk stärken gegen die russische Kontrolle. Und so kämpft sich Marie zeitlebens von einer Aufgabe zur nächsten, welche Stationen sie durchläuft, wird in dieser Romanbiografie wunderbar geschildert.

Einfühlsam und detailliert beschrieben, erlebt man als Leser hautnah mit, welch schwierige Zeiten Marie durchlebt, wie sie Rückschläge auf dem Land bei Verwandten meistert und immer ihrem Motto treu bleibt, dass man niemals aufgeben dürfe. So sieht man in Marie Curie nicht mehr alleine die herausragende Physikerin und Mathematikerin, sondern auch die starke Frau, die hinter dieser Figur steht, die sich kaum Schwächen zugesteht, obwohl sie sehr oft Grund dazu hätte. Als Rebellin, Forscherin, Ehefrau und Mutter füllt Curie verschiedenste Rollen aus, ihre Ziele verliert sie dabei niemals aus dem Blick.

Ein schönes und interessantes Buch über eine einzigartige Frau, das ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

"Sommern" am Balaton

Sterben im Sommer
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Der heiße Sommer 2018, der Vater verbringt ihn in der alten Heimat, in Ungarn, am Balaton, sitzt unter der knorrigen Akazie, schwimmt, liest, versucht, seine Schmerzen vor der Familie zu verbergen. Aber ...

Der heiße Sommer 2018, der Vater verbringt ihn in der alten Heimat, in Ungarn, am Balaton, sitzt unter der knorrigen Akazie, schwimmt, liest, versucht, seine Schmerzen vor der Familie zu verbergen. Aber das Leben trickst ihn aus – oder ist es der Krebs, der nach fünf Jahren wieder zuschlägt, der Tod, der sich unbarmherzig nähert, gegen den auch die angesehene Klinik in Frankfurt am Main nichts mehr unternehmen kann? Die Tochter versucht Mögliches von Unmöglichem zu unterscheiden, wird mit Fragen konfrontiert, die bisher nur „die anderen“ betroffen haben, versucht, die letzte verbleibende Zeit zu nutzen mit dem Vater, der Familie, das Vergangene ins Jetzt zu holen, das Künftige zu meistern.

Der Tod ist Teil unseres Lebens, mit Wehmut, Dankbarkeit und viel Melancholie erzählt Autorin Zsuzsa Bánk vom Jahr des Sterbens der Väter und von der Zeit danach. Deutliche und klare Erinnerungen und Erzählungen von früher bis zurück ins schicksalhafte Jahr 1956 ziehen durch ihre Gedanken, die sie der Reihe nach zu Papier bringt, bunte Bilder vom Paradiesgarten, von der Familie, die zerstreut über die ganze Welt immer wieder zusammentrifft, vom Vater zusammengehalten wird, den Sommer im Dorf verbringt. Kleine Details halten die Zeit von damals lebendig, sorgen dafür, dass auch die Enkel noch teilhaben an Liedern, Spielen und spannenden Begebenheiten. Der Duft nach Gulyás und Sauerkraut hält Traditionen aufrecht.

Mit viel Gefühl und Liebe füllt Bánk dieses wunderbare Buch vom Leben und Sterben, zeigt auf, wie verwundbar wir sind und wie unvorbereitet wir mit dem Tod von nahen Angehörigen konfrontiert werden, auch wenn das der unaufhörliche Fluss unserer Existenz ist. Krankheit und Tod stellen uns vor völlig neue Aufgaben – warum ist nicht alles wie bisher, welche Entscheidung ist die richtige, wie soll es weitergehen, wann trocknen die Tränen? Auch wenn der Anlass ein unendlich trauriger ist, so zeigt die Autorin aber auch auf, wie man Kraft schöpfen kann aus der gemeinsamen Vergangenheit, aus Erinnerungen, Bildern im Kopf, aus gelebten Gewohnheiten und Ritualen, die mit Nichten, Neffen und Enkeln fortgeführt werden, die dem Toten immer einen Platz in ihrer Mitte gewähren.

Sterben im Sommer ist eine berührende Familiengeschichte, die Gänsehaut beschert, die uns vor Augen hält, dass der Tod allgegenwärtig ist und zu unserem Leben dazugehört, dass das Sterben zwar einen Schlussakkord spielt, aber gleichzeitig ermutigt, in die Zukunft zu sehen und der kommenden Generation Kraft und Stütze zu sein, wie es der Vater und zuvor der Großvater schon waren. Lesenswert.

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Veröffentlicht am 08.09.2020

Original oder Kopie?

Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers
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Ein Sommermorgen in Süd-London: an mehreren Orten werden Leichenteile gefunden, das SCU, die Spezialeinheit für Serienmorde, ermittelt. Das Problem bei der Sache: es gab vor einigen Jahren bereits ähnliche ...

Ein Sommermorgen in Süd-London: an mehreren Orten werden Leichenteile gefunden, das SCU, die Spezialeinheit für Serienmorde, ermittelt. Das Problem bei der Sache: es gab vor einigen Jahren bereits ähnliche Fälle, der Mörder sitzt allerdings hinter Schloss und Riegel. Handelt es sich um einen Nachahmungstäter? Oder gibt es einen Komplizen? Wer könnte hinter den neuen Anschlägen stecken und vor allem, warum?

DI Anjelica Henley und der ihr zur Ausbildung zugeteilte Salim Ramouter stellen die Hauptpersonen dar bei den Ermittlungen, unterstützt werden sie aber noch von etlichen anderen Personen (Kriminalisten, Tatortermittlern, Pathologen, Schreibkräften,…) deren Fülle an Namen zugleich mit der Vorstellung von Zeugen und privaten Familienmitgliedern anfangs fast ein wenig für Verwirrung sorgen.

Alle wichtigen Figuren werden gut beschrieben, wobei allerdings Details zu früheren Ereignissen immer wieder angedeutet, jedoch lange nicht konkret beleuchtet werden. Auch persönliche und familiäre Einzelheiten fließen ins Geschehen mit ein, sollen die Figuren lebendig und authentisch gestalten. Leider handelt es sich dabei um mehrfache Wiederholungen ähnlicher Szenen, die eher vom echten Fall ablenken und die Handlung unnötig in die Länge ziehen. Die Spannung, die – für einen Thriller – ohnehin nicht allzu hoch ist, wird dadurch immer wieder unterbrochen.

Die Idee zum Jigsaw Man und den neuen Mordfällen ist grundsätzlich eine interessante und der Aufbau, beginnend mitten im Geschehen, mit langsamem Herantasten an Motive und Verdächtige, ist gut gewählt. Nadine Mathesons Thriller liest sich vom Schreibstil her angenehm und flüssig, logische Erkenntnisse führen die Fäden zusammen und zu einem fulminanten Schluss. Dennoch ist einiges an unnötigen und abschweifenden Elementen mit hineingepackt, sodass der durchgehende Spannungsbogen leider fehlt.

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Veröffentlicht am 08.09.2020

Sehnsucht

Nachbarn
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„Wenn du dich nicht gut fühlst, ist das ein Grund mehr, zu tanzen.“ (Kap. 18)

Im Jahr 2320: Bren arbeitet auf einem Marsfeld, um Geld zu verdienen, während ihre jüngere Schwester Cay auf der Erde eine ...

„Wenn du dich nicht gut fühlst, ist das ein Grund mehr, zu tanzen.“ (Kap. 18)

Im Jahr 2320: Bren arbeitet auf einem Marsfeld, um Geld zu verdienen, während ihre jüngere Schwester Cay auf der Erde eine kostspielige Ausbildung absolviert. Beider Ziel ist ein künftiges Leben auf dem Mars. Aufgrund eines Unfalles wird Bren vorzeitig auf die Erde zurückgeschickt, wo sie entsetzt feststellt, dass Cay verschwunden ist. Aber Cay ist nicht die Einzige, und so tut sich Bren mit dem hilfsbereiten Sioh zusammen, der ebenfalls auf der Suche ist und bereits ein paar Informationen zusammengetragen hat. Was davon ist Spinnerei, was Wahrheit? Bren versucht, alles zu tun, um Cay wieder zu bekommen. Aber wie weit wird sie tatsächlich gehen?

Mit mächtigen Kuppeln ist nicht nur der Mars ausgestattet, wo Erdenbürger auf Feldern arbeiten, nein, auch die Städte auf der Erde sind überdacht und geschützt. Die Bewohner kennen das Gefühl von lauem Wind und frischer Luft, von natürlichem Tag- und Nachtrhythmus kaum mehr. Aber wir befinden uns ja auch bereits 300 Jahre weiter und so wundert es nicht, dass vieles anders ist. Verschwundene Menschen jedoch sind auch in dieser Zeit nichts Gewöhnliches und so ist es nur verständlich, dass Bren sich sorgt um ihre Schwester.

Ohne jegliches Vorgeplänkel steigt Nele Sickel in die Geschichte ein, stellt uns Bren auf dem Mars vor, bevor diese sich auf den Weg zur Erde begibt und beschreibt da wie dort Verhältnisse, die doch ziemlich anders sind, als es heute noch üblich ist. Nach und nach lernen wir Bren näher kennen und auch ein paar wenige Nachbarn und Arbeitskollegen. Familie hat sie leider – außer ihrer Schwester und einer Pflegemutter – nicht.

In angenehm zu lesenden Kapiteln werden künftige Lebensräume gezeichnet, fremdartige Gewohnheiten dargestellt und märchenähnlich bezaubernde Details eingeflochten. Was Bren in Bann zieht, hat auch Wirkung auf den Leser, lässt einen frei und unbeschwert fühlen.

Allerdings finde ich Brens Handeln und Tun von Seite zu Seite immer weniger nachvollziehbar und komme zu einem (wie Nele Sickel es selbst formuliert) prägnanten Ende, das durchaus unterschiedlich gedeutet werden kann. Egal wie, es passt.

Ich weiß nicht genau, was ich mir von diesem Roman erwartet habe, jedenfalls nicht diese Geschichte. Trotz allem sorgt das Buch für einige Überraschungen und stellt Fragen, die man sich selbst von Zeit zu Zeit beantworten sollte. Zum Schmunzeln, zum Gruseln, zum Nachdenken, es ist da einiges dabei.

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