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Veröffentlicht am 06.04.2026

Oberdistelmörderbrunn

Gärten, Gift und kalte Rache
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Oberdistelbrunn soll durch eine gemeinschaftliche Pflanzaktion zu einem noch attraktiveren Ort werden, das dabei gefundene Hundeskelett trägt dazu allerdings wenig bei. Als dann außerdem eine menschliche ...

Oberdistelbrunn soll durch eine gemeinschaftliche Pflanzaktion zu einem noch attraktiveren Ort werden, das dabei gefundene Hundeskelett trägt dazu allerdings wenig bei. Als dann außerdem eine menschliche Leiche vor Pauline Klingels Haus liegt und bald darauf eine weitere folgt, berichtet das Dorfblatt nur noch von einen Serienkiller und dessen Unwesen, die Gemeinde wird sozusagen zu Oberdistelmörderbrunn. Die Polizei zeigt sich nicht gerade von ihrer hellsten Seite und so liegt es an Pauline und Berta, Licht ins Dunkel zu bringen.

Höchst amüsant gestalten sich schon die ersten Seiten dieses fulminanten Werkes aus der Feder Klaudia Blasls, der Krimi ist gespickt mit Wortwitz und Ironie, wodurch nicht nur Oberdistelbrunner gemeuchelt werden, sondern auch ein unparierbarer Angriff auf des Lesers Lachmuskeln startet. Die persönlichen, von Missverständnissen geprägten Diskussionen im Hause Klingel erscheinen mir sehr glaubwürdig und möglicherweise realen Vorbildern nachgeahmt, der Schlagabtausch zwischen den wortgewandeten Damen und dem träge denkenden Kommissar unterhält mich immer wieder auf höchst vergnügliche Art und Weise. Ein gefallener Jägermeister hängt an der Stoßstange eines 1990er-Golfs, ob er ermordet worden ist oder nur dem gleichnamigen alkoholischen Getränk zum Opfer gefallen ist, kann zum Glück rasch ermittelt werden. Eine heiße Spur finden aber weder Hauptkommissar Hartmann noch der Dorfpolizist Tarnkappl, ähm Kapplhuber, die beide durch mangelnde Kombinationsgabe glänzen. Irrungen und Wirrungen ziehen sich durchs Geschehen, Motive und Tatverdächtige werden gesucht zwischen bekömmlichen und unter Umständen nur einmal genießbaren Pflanzen. Die illustren und durchaus streitbaren Frauen stehen mehr als ihren Mann, am Ende werden alle Rätsel gelöst und auch der Klingel’sche Hausfrieden wieder gerade gerückt.

Ein hervorragender Band aus der Reihe „Berta und Pauline ermitteln“. Ich empfehle diese humorvolle Krimiserie wärmstens weiter, soferne man eine Schwäche hat für messerscharfe Ausdrücke, gewitzte Ermittlerinnen, hochkalorische Genüsse und pflanzliche Abgründe. 5 Sterne sind da eigentlich noch zu wenig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2026

Spurlos

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Martje Lorenzen verschwindet eines Tages spurlos von Sylt, ihre Schwester Fenja wartet Jahrzehnte, bis sie endlich Näheres erfahren kann. Während die Journalistin Anna März in den Inselarchiven stöbert, ...

Martje Lorenzen verschwindet eines Tages spurlos von Sylt, ihre Schwester Fenja wartet Jahrzehnte, bis sie endlich Näheres erfahren kann. Während die Journalistin Anna März in den Inselarchiven stöbert, entfaltet sich Martjes Geschichte in einer weiteren Zeitebene.

Ein abwechslungsreiches Hin- und Her zwischen Heute und Damals begleitet uns auf dem Weg eines unterhaltsamen Puzzlespiels, dessen Steine sich langsam zu einem kompletten Bild zusammensetzen. Die Atmosphäre auf den Friesischen Inseln ist durchwegs spürbar, die Handlung selbst allerdings diesmal nicht so stimmig wie noch bei Band 1. Der Zwiespalt zwischen Martjes neuem Leben und ihrer Sehnsucht nach der Heimat wirkt auf mich nicht immer glaubwürdig, die zufälligen Begegnungen am Ende kommen eher gewollt als realistisch daher. Positiv fällt der einsame Vogelbeobachter auf, der selbst einen schweren Schicksalsschlag verkraften hat müssen und Martje zu einem väterlichen Freund wird. Auch sonst herrschen liebevolle Beziehungen zwischen etlichen Figuren und spiegeln die Ruhe der Inseln wider. Dazu passt der einfühlsame Schreibstil perfekt und rundet das Geschehen schön ab.

Aufgrund der hohen Erwartungshaltung nach dem ersten Teil der Dilogie scheint Band 2 nun nicht ganz so überzeugend, bildet aber dennoch einen lesenswerten Abschluss der Familiengeschichte.


Veröffentlicht am 02.04.2026

Der Direktor

Hazel sagt Nein
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Der Direktor der Riverburg High hat ein ganz spezielles „Hobby“: jedes Jahr zu Schulbeginn sucht er sich eine Schülerin der Abschlussklasse aus, um mit ihr Sex zu haben. Dieses Jahr wählt er Hazel Greenberg ...

Der Direktor der Riverburg High hat ein ganz spezielles „Hobby“: jedes Jahr zu Schulbeginn sucht er sich eine Schülerin der Abschlussklasse aus, um mit ihr Sex zu haben. Dieses Jahr wählt er Hazel Greenberg Blum, die er schon vom hiesigen Schwimmbad kennt, aber, anders als bisher, erntet Richard White eine Abfuhr. Was Hazel mit ihrem „Nein“ in Bewegung setzt, wird ihr erst viel später klar.

Mit ihrem eingängigen Schreibstil zieht mich Jesica Berger Gross sehr schnell in den Bann ihrer Zeilen und weckt meine Neugierde auf das Geschehen im beschaulichen Riverburg, wohin Hazel mit ihren Eltern und dem jüngeren Bruder Wolf gerade übersiedelt ist. Weg vom nie zur Ruhe kommenden Brooklyn möchte sich die Familie hier eine neue Existenz aufbauen, ein eigenes Häuschen kaufen und die Kinder in ganz gewöhnliche staatliche Schulen schicken. Aber schon am ersten Schultag gerät Sand ins Getriebe mit dem ungebührlichen Verhalten des Highschooldirektors und der – sollte man meinen – ganz selbstverständlichen Antwort der neuen Schülerin. Mit viel Respekt vor den dargelegten schwierigen Themen und dem nötigen Maß an Humor geht die Autorin an die Geschichte heran und erzählt recht eindrucksvoll, welche Auswirkungen ein einziges Wort nach sich ziehen kann. Ihr Nein verändert nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Familie und – was mir besonders gut gefällt – wird der Blick auch auf die Familie des Direktors gerichtet, um zu sehen, was dort alles in Bewegung gerät. So werden unterschiedliche Szenen beleuchtet, auf überaus realistische Weise kann man sich in die Lage verschiedenster Figuren hineinversetzen. Die Entwicklung einzelner Personen ist überzeugend ausgearbeitet und auch eine Änderung einer einmal gefassten Meinung kein Weltuntergang.

Ein Roman für mehr Mut, zu seinen Überzeugungen zu stehen und dadurch die Welt – oder zumindest ein kleines Eck davon – ein wenig menschlicher zu gestalten. „Retten Sie die Welt! Wenigstens die Ecke, in der Sie leben!“ [kindle, Pos. 2679]

Veröffentlicht am 31.03.2026

Liebe ohne Worte

Das Lavendelkloster
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Mitten in den Lavendelfeldern der Provence treffen ganz unterschiedliche Menschen im Schweigekloster aufeinander. Sie suchen einen Weg zu sich selbst, Lösungen für innere Konflikte und Abstand zum Alltag. ...

Mitten in den Lavendelfeldern der Provence treffen ganz unterschiedliche Menschen im Schweigekloster aufeinander. Sie suchen einen Weg zu sich selbst, Lösungen für innere Konflikte und Abstand zum Alltag. Julien und Emma finden überdies noch einander, in der Stille der Woche entsteht eine besondere Zuneigung. Aber wird so eine Liebe ohne Worte auch fortan existieren können?

Überwiegend aus dem Blickwinkel der beiden Hauptfiguren, Julien und Emma, erzählt Autor Alexander Oetker diese einzigartige Geschichte. Er ist ein Meister der Beobachtung und schildert wunderbare Details, sodass man auch als Leser vollkommen eintauchen kann ins Geschehen. Die Menschen sitzen nicht einfach irgendwie in der Leseecke, nein, man erfährt genau, wer wie sitzt, die Beine beispielsweise fest am Boden abgestellt oder locker übereinandergeschlagen, der Blick ins Buch vertieft oder durch den Raum schweifend. Im Speisesaal werden einfache Gerichte angeboten, dennoch läuft einem schnell das Wasser im Munde zusammen, wenn man Oetkers Beschreibungen folgt, die saftigen tiefroten Tomaten vor Augen hat und der dunkle Thunfisch sein Meeresaroma am Gaumen entfaltet. Ähnlich verhält es sich mit den Beziehungen unter den einzelnen Teilnehmern der Schweigewoche. Perfekt bringt Oetker die Veränderungen auf den Punkt, welche durch die Kommunikation ohne Sprache zutage tritt. Verblüffende Erkenntnisse offenbaren sich hier, besonders die Intensität, welche die Verbindung zwischen dem Geschäftsmann und der geheimnisvollen Frau kennzeichnet. Auf ungeahnte Weise wird der Leser in den Bann der Zeilen gezogen, darf er miterleben, wie sich die Stille auf das Erleben und die Selbstwahrnehmung der zehn Gäste auswirkt.

Ein großartiges Erlebnis bietet dieser tiefgründige Roman, die Ruhe aus der Geschichte legt sich über die Zeit des Lesens und lässt einen ein wenig der Veränderung auch selbst spüren. Liebe ohne Worte, Sprechen mit den Augen – das sollte man durchaus einmal probieren. Wer das Ungewöhnliche sucht, gepaart mit einem phantastischen Schreibstil, der muss ins Lavendelkloster kommen. Absolute Empfehlung meinerseits!


Veröffentlicht am 31.03.2026

Drei Männer um Linda

Ein Sommer auf Malta
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Linda will eigentlich nach einer herben Enttäuschung einen Sommer ohne Mann verbringen, sich nur auf ihren neuen Job als Sprachlehrerin auf Malta konzentrieren. Aber drei Männer machen der jungen Frau ...

Linda will eigentlich nach einer herben Enttäuschung einen Sommer ohne Mann verbringen, sich nur auf ihren neuen Job als Sprachlehrerin auf Malta konzentrieren. Aber drei Männer machen der jungen Frau einen Strich durch die Rechnung, eine Flugzeugbekanntschaft, ein Sprachschüler und ihr Ex stolpern immer wieder in ihren Alltag. Ob sich Linda für einen entscheiden wird oder ihr Vorhaben umsetzt, die Zeit auf Malta allein zu verbringen?

Mit diesem humorvollen Roman bringt Marlies Ferber locker-leichte Unterhaltung in den Alltag der Leser und lässt uns miträtseln darüber, ob einer der Männer das Rennen um Lindas Gunst gewinnt oder ob sich jeder selbst aufgrund seines Auftretens ins Aus katapultiert. Vor Maltas malerischer Kulisse spielt die kurzweilige Handlung, welche bis zum Ende verschiedenste Varianten realistisch erscheinen lässt und dabei nicht nur Linda mitunter in die Irre führt. Dabei erleben wir einen turbulenten Flug Richtung Malta, chaotische Hochzeitsvorbereitungen und sympathische Kollegen in der notorisch unterbesetzten Sprachschule. Durch die Dialoge lernen wir die Figuren näher kennen, aber sind sie tatsächlich so, wie es auf den ersten Blick scheint? Wahrheit, Lüge und Ungesagtes liegen näher beieinander als man glaubt, sodass Missverständnisse fast vorprogrammiert sind. Wie es ausgeht? Ja, das will man bald unbedingt wissen und verliert sich gerne im Sog des Geschehens.

Auf Malta kann man die Seele baumeln lassen, flirten, sich verlieben. Wer nicht selbst in die Ferne schweift, sollte Linda zumindest in diesem Roman nach Malta folgen und dabei eine kurze Auszeit genießen, mir hat die Zeit auf der Insel jedenfalls sehr gut gefallen.