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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Freigeist

Das unehrenhafte Mädchen
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Josefa ist gerade frisch mit Berthold vermählt, als sie erkennt, dass diese Ehe nur dem beiderseitigen Geschäftsvorteil ihres Stiefvaters und Bertholds dient, während sie selbst das brave Hausmütterchen ...

Josefa ist gerade frisch mit Berthold vermählt, als sie erkennt, dass diese Ehe nur dem beiderseitigen Geschäftsvorteil ihres Stiefvaters und Bertholds dient, während sie selbst das brave Hausmütterchen neben einem alkoholsüchtigen Ehemann spielen soll. Im Jahre 1897 ist guter Rat teuer, will sie sich den gängigen Konventionen widersetzen.

Der dritte, spannende Teil aus der Reihe „Die Töchter aus Innsbruck“ handelt von Josefa, der jüngsten Tochter aus angesehenem Kaufmannshause. Nach Fannerl und Elsa steht nun sie im Mittelpunkt einer ergreifenden Geschichte, welche uns noch einmal nach Innsbruck und seine schöne Umgebung führt. Josefa ist ein Freigeist, interessiert sich für Geschichte und Kunst und möchte gerne studieren. Allerdings ist das für Frauen im ausklingenden 19. Jahrhundert nicht vorgesehen, schon gar nicht, wenn der Herr Gemahl seine Zustimmung verweigert.

Bildreich und lebendig baut Lotte Römer die einzelnen Szenen auf, erweckt ihre Figuren mit munteren Dialogen zum Leben. Wie nebenbei streut sie gut recherchierte Details ins Geschehen ein, sodass das Flair der Zeit wie von selbst überspringt auf den Leser und ihn komplett eintauchen lässt in diese wunderbare Geschichte. Der Mut der Frauen, der Zusammenhalt unter den drei Schwestern und viel Liebe werden spürbar, weshalb auch dieser Roman wieder ganz besondere Lesestunden bereithält.

Ein gelungener Abschluss der überaus lesenswerten Trilogie, die ich als Ganzes sehr gerne weiterempfehle.


Veröffentlicht am 26.04.2026

Freundin des besten Freundes

The Night We Met
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Larissa trifft bei einem Konzert eine spontane Entscheidung, lässt sich von Mike heimbringen und ist kurze Zeit später mit ihm liiert. Dabei ist es Mikes bester Freund Chris, mit dem sie sich ohne Worte ...

Larissa trifft bei einem Konzert eine spontane Entscheidung, lässt sich von Mike heimbringen und ist kurze Zeit später mit ihm liiert. Dabei ist es Mikes bester Freund Chris, mit dem sie sich ohne Worte versteht. Probleme vorprogrammiert …

Ein Roman aus unterschiedlichen Perspektiven, der vielfältige Einblicke bietet. Abby Jiminez‘ Schreibstil ist locker und flüssig, sodass man rasch ins Geschehen findet und auf dieser Ebene gut unterhalten wird. Allerdings teile ich den Humor der Autorin nicht und kann daher mit etlichen bizarren Momenten, welche witzig gemeint sind, wenig anfangen. Insbesondere die Szenen mit einem Hund namens Wufferine finde ich persönlich nicht besonders spaßig. Die Handlung ist solide, nicht nur die Tatsache, dass Larissa besser mit Chris zusammenpassen würde als mit ihrem Freund Mike, sondern auch etliche andere Stolpersteine und Schwierigkeiten, beinhalten ernsthafte Themenkomplexe, welche hier angesprochen werden. Trotz allem hat mich die Geschichte nicht so berührt, wie ich es mir vom Klappentext her erwartet habe. Es sind leider nur einzelne Kapitel, welche ich als wirklich nahegehend empfunden habe beim Lesen. Das Ende hingegen wirkt stimmig als Abschluss des gemeinsam erlebten Jahres.

Ein ungewöhnliches Buch mit einem teils deprimierenden Unterton aufgrund der vielschichtigen Problemfelder. Der sehr spezielle Humor lockert das Ganze gut auf, sofern einem dieser gefällt.

Veröffentlicht am 25.04.2026

Rot

Nebelbeute
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Rot wie Blut ist das Kleid, in dem Mila Weiss um ihr Leben kämpft, denn im dritten, überaus spannenden Fall der Gruppe 4 gerät sie in die Fänge ihrer Widersacher. Diesmal bangen wir inmitten verschneiter ...

Rot wie Blut ist das Kleid, in dem Mila Weiss um ihr Leben kämpft, denn im dritten, überaus spannenden Fall der Gruppe 4 gerät sie in die Fänge ihrer Widersacher. Diesmal bangen wir inmitten verschneiter Berge um die gewitzte Kollegin von Jakob Krogh.

Benjamin Cors, wie wir ihn kennen – vom ersten Moment weg kreiert er mitreißende Szenen und aufregende Momente, welche seine Leser auch diesmal wieder ans Geschehen fesseln, bis die Stunde der Wahrheit kommt. Basierend auf früheren Ereignissen reist Mila in die Berge, um vordergründig Ruhe und Erholung zu suchen, in Wahrheit allerdings einem Phantom aus ihrer Vergangenheit nachzujagen. Die Atmosphäre des abgeschiedenen Dorfes untermalt perfekt die Stimmung, der frische Schnee deckt immer wieder neue Spuren zu. Aber das ebenso ungewöhnliche wie großartige Team der Gruppe 4 bleibt hartnäckig dran, zieht aus den Hinweisen des Profilers die richtigen Schlüsse. Und dann kommt doch noch einmal alles ganz anders …

Raffinierte Schachzüge verleihen auch dem dritten Band dieser großartigen Serie das gewisse Etwas, das Lesevergnügen ist durchwegs auf höchstem Niveau! Ich empfehle die gesamte Serie sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Wo das Leben einfach schmeckt

Sommerwind in der Toskana
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Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im ...

Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im schönen Süden.

Lebendig und voller bunter Bilder erzählt Karin Seemayer aus den Blickwinkeln von Laura und Luca, schildert die beeindruckende Landschaft der Toskana in leuchtenden Farben und bringt in Nonna Marias Küche die köstlichsten Speisen auf den Tisch. Wer bekommt kein Fernweh, wenn nussiges Olivenöl auf frisches Brot trifft, wenn saftige Marillen und satter Wein um die Wette strahlen? Wo das Leben einfach schmeckt, da findet Laura spannende Aufgaben, denen sie sich gerne widmet und wie von selbst ihre Werteskala neu ordnet. Der verschmitzt lächelnde Luca, den sie schon aus Sommerurlauben in Kindertagen kennt, lässt die junge Deutsche ebenfalls nicht kalt.

Ruhig und einfühlsam kommen die übersichtlich kurz gehaltenen Kapitel daher, bringen ohne großes Aufhebens Änderungen und Neuerungen mit und üben genau dadurch einen ungeahnten Sog beim Lesen aus. Naturverbundenheit und Familiensinn sind spürbar echt, die Figuren realistisch und glaubwürdig. Egal, ob man die Toskana bereits kennt oder nicht, spätestens nach dieser virtuellen Reise möchte man tatsächlich in die Ferne schweifen.

Ein stimmungsvoller Roman, der durch Ruhe und Geradlinigkeit überzeugt. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Zwischen Gletscher und Fortschritt

Tal der Schwalben
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Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind ...

Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden. Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.

In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.

Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.