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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2026

Herzliche Stimmung

Schneeflockenfunkeln
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Kurz vor Weihnachten reicht Lynn ihre Kündigung ein und quartiert sich in der Kleinstadt Starwood in Colorado bei ihrer Tante Rebecca ein. Da wird sie herzlich aufgenommen und auch sonst herrscht fernab ...

Kurz vor Weihnachten reicht Lynn ihre Kündigung ein und quartiert sich in der Kleinstadt Starwood in Colorado bei ihrer Tante Rebecca ein. Da wird sie herzlich aufgenommen und auch sonst herrscht fernab von Seattle eine [Zitat] weihnachtige Stimmung. Wenn da nur nicht die hässlichen Erinnerungen an den abgelegten Job wären und der charmante Tannenbaumverkäufer Miles.

Winterlich-weihnachtlich ist die Atmosphäre im Buch, funkelndes Schneeglitzern, würziger Tannenduft und süßer Keksgeschmack legen sich über unsere Sinne, während wir der Geschichte von Lynn und Miles folgen. Die Romanze muss Hürden überwinden, bevor sie richtig aufflammen kann und könnte gerne noch stärker knistern, währenddessen passieren bei Tante Rebecca und Lynns Eltern wahre Weihnachtswunder. Ein wenig überzogen, aber dennoch liebevoll in Szene gesetzt werden die Tage, an denen ein Adventkalender die Wartezeit verkürzt und die Kälte aus den Herzen vertreibt. Momente zum Schmunzeln – wie zum Beispiel der Bürgermeister und seine Dating-App – erheitern den Leser, die heiße Quelle für ein entspanntes Bad nach der Schneeschuhwanderung weckt Sehnsucht auf ein Wohlfühl-Wochenende und zum Schluss bekommt jeder das, was er verdient.

Wie anhand der Playlist unschwer zu erkennen ist, nimmt auch Taylor Swift einen entsprechenden Platz im Geschehen ein, somit ist dieser Roman für deren Fans bestimmt ein besonders willkommenes Geschenk.

Veröffentlicht am 20.01.2026

Unfallfolgen

Unaufhaltsam ehrlich
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Michael ist sieben, als er durch ein entsetzliches Unglück großflächige Brandverletzungen erleidet. Fortan hadert er mit seinem entstellten Körper, verzichtet darauf, sich sommerlich zu kleiden, geschweige ...

Michael ist sieben, als er durch ein entsetzliches Unglück großflächige Brandverletzungen erleidet. Fortan hadert er mit seinem entstellten Körper, verzichtet darauf, sich sommerlich zu kleiden, geschweige denn, schwimmen zu gehen. Zu den körperlichen Narben gesellen sich aber auch seelische, denn seine Eltern geben ihn bald darauf scheinbar leichten Herzens zur Adoption frei. Erst als Erwachsener kann er sich, ermutigt durch seinen Professor an der Filmhochschule, seinem Schicksal stellen.

Warmherzig und gefühlvoll erzählt Catherin Ryan Hyde die Geschichte von Michael, der schon früh viel ertragen muss. Da ist sein älterer Bruder, der ihn oft hänselt, da sind Eltern, welche ihn „wegwerfen“, seine sichtbaren und unsichtbaren Wunden begleiten ihn ständig durch seine Kindheit und Jugend. Mit neunzehn begegnet der junge Mann Professor Dunning, selbst gezeichnet durch Narben im Gesicht, welche er aber nicht zu verbergen versucht. Nach ernsthaften Gesprächen und durch die Seminaraufgabe, eine kurze Filmreportage zu erstellen, beschäftigt sich Michael erstmals mit seiner Vergangenheit und erkennt, dass seine Sicht der Dinge nicht die alleinige Wahrheit widerspiegelt. Vertrauen, Offenheit und die Akzeptanz seiner eigenen Unvollkommenheit sind nur einige der breitgefächerten Themen, welche dieser Roman anspricht. Mit vielerlei Problemen werden nicht nur die Figuren im Buch, sondern auch die Leser konfrontiert, sodass die Aufarbeitung kaum zu bewältigen ist. Weniger wäre da vielleicht mehr gewesen? Der Umgang mit Unfallfolgen und dem Verlust der leiblichen Eltern wird auf einfühlsame Weise betrachtet ohne sensationslüstern zu wirken. Interessante Gedanken der handelnden Personen und ihre Beweggründe für ihr Tun lässt Abwechslung ins Geschehen kommen und Verständnis entwickeln für die unterschiedlichen Seiten. Die unaufgeregte Herangehensweise an die Geschichte ist ein großer Pluspunkt dieses Romans.

Eine Vielzahl an Fragestellungen findet sich in diesem Buch, wichtige Themen werden aufgegriffen – mit dem ein oder anderen wird man sich als Leser noch länger beschäftigen und eigene Antworten suchen.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Lebensentwürfe

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Marlen aus Güstrow und Hannah in Berlin sind die zwei Hauptfiguren, um die sich dieser Roman auf zwei Zeitebenen dreht. Während Marlen zum Kriegsende, im Mai 1945, in einem verlassenen Forsthaus Zuflucht ...

Marlen aus Güstrow und Hannah in Berlin sind die zwei Hauptfiguren, um die sich dieser Roman auf zwei Zeitebenen dreht. Während Marlen zum Kriegsende, im Mai 1945, in einem verlassenen Forsthaus Zuflucht sucht, grübelt Hannah im Jahre 2023, wie sie damit umgehen soll, dass ihre beste Freundin aufs Land zieht und ihr Vater nach 34 Jahren plötzlich in ihrem Leben auftaucht.

Zwei höchst unterschiedliche Geschichten, beide mit ihrem eigenen Reiz, welche verbunden sind durch ein verbindendes kleines Ölbild, erzählt Alena Schröder in diesem bunten Roman. Viel Leid, schwere Schicksalsschläge und die Gabe, sich fürs Richtige zu entscheiden, scheinen mir wesentliche Elemente zu sein, dazu die Beziehungen innerhalb einer Familie und die Bürde, welche einem mitunter von seinen Vorfahren mitgegeben wird. Der Erzählfluss ist angenehm, viel schwingt zwischen den Zeilen mit, sodass nicht alles ausgesprochen werden muss, da und dort leidet dadurch allerdings auch die besondere Nähe zu den Figuren, welche ich mir beim Lesen immer wünsche. Die namenlose Leinwand zieht sich wie ein roter Faden durchs Geschehen, bleibt aber in seinem Effekt am Ende hinter den Erwartungen zurück. Die Berührung zwischen den beiden Handlungssträngen bleibt zart wie ein Stückchen Seide, was ich sehr schade finde. Möglicherweise könnte ich das Geschehen besser einordnen, hätte ich die anderen beiden Bücher über Hannah, Silvia und Evelin gelesen, dies war mir leider zu Beginn nicht klar. Die Lebensentwürfe von Marlen und Hannah werden jedoch sehr anschaulich skizziert, was daraus wird … lest selbst!

Mein ganzes Leben wird stimmungsvoll erzählt und besticht durch die leicht melancholische Stimmung in beiden Zeitebenen.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Die Schornsteinfegerin

Schwarze Schuld
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Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort ...

Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort tot gewesen sein soll, kann sie kaum glauben. Zudem ist der Besitzer desselben Hauses auf seiner Kellertreppe zu Fall gekommen und ebenfalls nicht mehr zu retten gewesen. Ein bisschen viel Zufall, findet Lena Becker und geht der Sache nach.

Ein idyllisches Städtchen, weitreichende Obstplantagen und überspitzt gezeichnete Charaktere – so der erste Eindruck zu diesem Buch. Polizeiobermeister Timmermann wird immer schon als dümmlich eingeschätzt, sein Name Kevin ist Programm. Zwar gibt es zwei Tote, aber er denkt nicht gleich an Mord, erst Lena, die neue Bezirksschornsteinfegerin, wittert Geheimnisse und Intrigen. So kommt es, dass Becker und Timmermann Ermittlungen anstellen und allerhand Neues ans Tageslicht zerren. Leider stehen Dorftratsch und kuriose Figuren eher im Mittelpunkt als aufregende Krimielemente, die am Titelbild des ebooks angekündigte „Top-Spannung“ will sich zu keiner Zeit recht einstellen. Während die ersten Kapitel eher träge dahinplätschern, tut sich später dann doch ein bisschen mehr, chaotische und unglaubwürdige Szenen mindern das Lesevergnügen aber auch hier so weit, dass die schlüssig zusammenlaufenden Fäden am Ende bei mir kaum Lust auf eine Fortsetzung aufkommen lassen.

Wer eher einen Wohlfühlkrimi mit ungewöhnlichen Hauptdarstellern sucht als klassische Spannung, der wird mit diesem Buch jedoch auf vergnügliche Stunden zählen können.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Irrwege

Harpers Ferry. Lose Me Once
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Fast zwei Jahre nach ihrer überstürzten Abreise aus Harpers Ferry kehrt Emery in ihre Heimat zurück, der Anlass ist traurig, denn ihre geliebte Großmutter ist verstorben. Natürlich trifft sie auch auf ...

Fast zwei Jahre nach ihrer überstürzten Abreise aus Harpers Ferry kehrt Emery in ihre Heimat zurück, der Anlass ist traurig, denn ihre geliebte Großmutter ist verstorben. Natürlich trifft sie auch auf Luke und unterdrückte Gefühle wallen wieder auf, aber wie soll sie vergessen, wessen er sich schuldig gemacht hat? Liebe kämpft gegen Moral, Irrwege sind vorgezeichnet, wenn man schweigt.

Auf unterschiedlichen Zeitebenen, welche sich langsam einander annähern, erzählt Christina Kaspar diesen Roman und schafft es geschickt, gewisse Geheimnisse bis zum Ende zu bewahren. So bleibt sie Spannung durchgehend hoch und das Knistern zwischen Emery und Luke spürbar. Während die ersten Kapitel aufgrund der Zeitwechsel etwas verwirrend sind und man sich erst in die Situation hineinfinden muss, wird die Handlung im Laufe der Zeit immer fesselnder, die Nähe zu den Figuren größer. Liebevolle Details zur Kleinstadt mit ihren einzelnen Handwerken, Grannys Töpferei und der Umgang miteinander ist sehr gut gelungen und plastisch vorstellbar, ebenso ist die Gefühlswelt von Emery und Luke schön nachzuvollziehen. Vielleicht hätte die Anziehung zwischen den beiden da und dort noch deutlicher werden können, dafür überrascht die psychologisch-kriminalistisch angehauchte Ebene umso mehr mit ihren unvorhersehbaren Wendungen. Auch die letztendliche Auflösung finde ich durchaus passend.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bin ich recht gut in Harpers Ferry angekommen und habe die langsame Annäherung an die Wahrheit tatsächlich genießen können. Leseempfehlung eher für jüngeres Publikum.