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Veröffentlicht am 27.01.2025

Dräuende Gewitterwolken

Die Bergwacht: Gipfelstürme
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Lena ist seit Kurzem Leiterin der Bergwacht, aber irgendwie stimmen der Zusammenhalt und das Vertrauen in der Gruppe nicht mehr richtig. Weitere Herausforderungen bringt ein Extrem-Berglauf am Teufelskopf, ...

Lena ist seit Kurzem Leiterin der Bergwacht, aber irgendwie stimmen der Zusammenhalt und das Vertrauen in der Gruppe nicht mehr richtig. Weitere Herausforderungen bringt ein Extrem-Berglauf am Teufelskopf, der als Werbeveranstaltung für ein künftiges Sportlerhotel im Lawinenschutzgebiet angekündigt ist. Dräuende Gewitterwolken aller Art verdunkeln die Stimmung in Bichlbrunn.

Bildreich, farbenfroh, naturnah, so schildert Sophie Zach die nach außen hin idyllische Welt des Bergdorfes. Aber wer genauer hinsieht, merkt, dass dem nicht immer so ist. Spannungen in der Gruppe der Bergwachtler, kontroverse Meinungen zu den Plänen rund um das neue Hotel, Schmetterlinge im Bauch, die da gar nicht flattern dürften, herausfordernde Einsätze für die Bergretter sorgen für Turbulenzen und Aufregung. Die übersichtlich und liebevoll gestalteten Kapitel bieten abwechslungsreiche Handlungsstränge und kurzweilige Szenen. Als Leser darf man Lena in die gefährliche Bergwelt begleiten und anderntags mit ihr im Eissalon sitzen, wo abenteuerliche „creazione“ wie „Weißwursteis“ angeboten werden. Ernsthaftigkeit bei jedem Einsatz, Humor bei einem Glas Bier, in allen Facetten begegnen wir Lena und ihren Kameraden, zu denen am Rande auch der Ranger Ben zählt. Ist es nur Freundschaft, welche die beiden nach jahrelanger Feindseligkeit im Kindesalter verbindet? Lest einfach selbst, wie kunterbunt und gar nicht altmodisch es zugeht in Bichlbrunn in den Bayerischen Alpen!

Mir hat‘s wieder sehr gut gefallen, weshalb ich gleich im dritten Band weiterlese, was da noch alles kommen mag. Empfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Forscherinsel

Eisiges Glas
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Kriminalinspektorin Leonore Asker, genannt Leo, ist gar nicht so unglücklich als Leiterin der „Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen“ im ersten Untergeschoss, in die man sie kürzlich verbannt ...

Kriminalinspektorin Leonore Asker, genannt Leo, ist gar nicht so unglücklich als Leiterin der „Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen“ im ersten Untergeschoss, in die man sie kürzlich verbannt hat. Denn – wie sie bemerkt – bekleckert sich Kollege Jonas Hellman wieder einmal nicht mit (eigenem) Ruhm und noch dazu beginnt er eine Jagd auf Per Asker, Leos Vater, mit dem sie selbst seit fünfzehn Jahren nicht mehr gesprochen hat. Zur selben Zeit erhält Leos Kindheitsfreund, Martin Hill, den Auftrag, auf einer abgeschirmten Insel ein Buch über den dortigen Technologiepark zu schreiben.

Spannende Handlungsstränge, geheimnisvolle Orte, Urban Exploration – die Erkundung von verlassenen und verfallenden Gebäuden, die sonderbare Ermittlungsgruppe rund um die kluge Leo, der ruhige, besonnene Martin – eine gelungene Mischung aus interessanten Bausteinen, welche letztendlich für kurzweilige Unterhaltung und packende Lesestunden sorgen. Die einzelnen Szenen sind durch eingehende Recherche bzw. de la Mottes Erfahrung als Polizist und Mitarbeiter im Sicherheitswesen durch Detailtreue und Logik geprägt, auch im medizinischen Bereich, der mit der Insel im Zusammenhang steht, wirkt die Idee rund um die Forschungen authentisch. Die Insel ist also zweierlei: sowohl Ort von wissenschaftlicher Grundlagenanalyse, als auch Ort für aufregende Urban Exploration-Ausflüge, seit man dort ein UFO und Außerirdische gesehen haben will. Geschickt werden diese unterschiedlichen Geschichten miteinander verwoben, mittendrein kommt dann noch Leo Askers persönliche Betroffenheit, sodass das Ganze überaus abwechslungsreich wird. Trotz der hohen Seitenzahl bleibt die Handlung überwiegend dynamisch, weckt die Kürze der einzelnen Kapitel immer wieder Neugierde darauf, wie es gerade an anderer Stelle weitergeht.

Lesevergnügen der besonderen Art mit ungewöhnlichen Themen und noch ungewöhnlicheren Figuren. Stille Falle als Start ist aus meiner Sicht empfehlenswert.

Veröffentlicht am 23.01.2025

Ein Freund

Im Schnee
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Der Schorsch ist tot und Max begibt sich zur Totenwacht, die auch immer seltener so abgehalten wird wie früher, wie es sich gehört, wie man es gewohnt ist. Bis Mitternacht die Männer, danach bis zum Morgengrauen ...

Der Schorsch ist tot und Max begibt sich zur Totenwacht, die auch immer seltener so abgehalten wird wie früher, wie es sich gehört, wie man es gewohnt ist. Bis Mitternacht die Männer, danach bis zum Morgengrauen die Frauen. Max bleibt die ganze Nacht bei seinem Freund, lauscht den alten Schwänken und schildert selbst die ein oder andere Begebenheit.

Ruhig wie das Titelbild erscheint auch die Geschichte vom Leben und vom Sterben. Einen Tag und eine Nacht begleiten wir den alten Max, der schon über achtzig ist und das Totenglöckchen hört, als er stumm am Fenster steht und in die friedliche weiße Schneelandschaft hinausblickt. Wer wird es diesmal sein? Wer wird künftig nicht mehr ins Wirtshaus kommen? Es ist Schorsch, der nur im Pass und beim Pfarrer Georg Wenzel hieß, ansonsten stets der Schorsch war, ein angenehmer Nachbar, Maxens Freund seit Kindertagen.

In einfachen Sätzen und knappen Bildern schildert Tommie Goerz das Dorfleben einst und jetzt. Die Alten werden immer weniger, die gute alte Zeit immer blasser, wahrscheinlich war nicht immer alles so gut, wie es später scheinen mag. Durch einen hervorragenden Schreibstil wird die Atmosphäre der Totenwacht ebenso gut eingefangen wie der Blickwinkel der Zugezogenen und der Durchreisenden, die Dinge sehen, die man gar nicht sehen kann. Wie tief ist denn der Teich und was verbirgt sich wohl auf dessen Grund? Austhal als Stellvertreter für Dörfer, die aussterben, Gedanken bei der Totenwacht über Erlebnisse, die bald keiner mehr teilt, Hofnamen und Gewerke, an die sich niemand von den Neubürgern in der abseits liegenden Siedlung erinnert.

Ein Roman, der nicht nur erzählen, sondern auch schweigen kann, der mehr zwischen als mit den Zeilen sagt und den Leser mit seiner melancholisch-friedvollen Stimmung abholt. Ich bin gerührt ob der Macht von weniger als 200 Seiten. Absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Unruhen

Das verborgene Glück
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Politische Unruhen erreichen im Jahre 1902 die Hafenstadt Triest, das „kleine Österreich am Meer“, wodurch sich die Buchungslage in der familiären Pension Hortis drastisch verschlechtert. Viktoria lässt ...

Politische Unruhen erreichen im Jahre 1902 die Hafenstadt Triest, das „kleine Österreich am Meer“, wodurch sich die Buchungslage in der familiären Pension Hortis drastisch verschlechtert. Viktoria lässt sich abermals einiges einfallen, um Gäste anzulocken, während Fabrizio irgendwo auf seinem Weingut verschwunden zu sein scheint und ihr nicht mehr in gewohnter Weise bei den beliebten Weinverkostungen zur Seite steht. Aber nicht nur das, auch innerhalb der Familie des feurigen Italieners scheint es zu brodeln.

Nahtlos geht es in Band 2 weiter, wo Band 1 geendet hat, aber nein, es ist nur ein Traum. Die eben erst verwitwete Viktoria will sich nicht an einen Mann binden, will sich nicht von der Pension Hortis in Triest trennen, ebenso wenig, wie Fabrizio sein Weingut in Montechiaro d’Aqui aufgeben kann. Wird es den beiden Liebenden gelingen, einen gemeinsamen Weg zu finden? Es scheint aussichtslos, denn sowohl Viktoria als auch Fabrizio sind charakterstarke, ja sture Menschen, die sich schwertun mit Kompromissen und keine Halbherzigkeiten eingehen. Durch perfide Intrigen wird die Kluft immer größer statt kleiner. Auf ruhige, dennoch leidenschaftliche Art und Weise führt Charlotte Lyne ihre Leser durch die Handlung im Völkergemisch von Österreichern, Deutschen, Italienern und Slowenen. Wie nebenbei wird auch politischen Problemen ein Blick zuteil, was die Geschichte belebt und authentisch wirken lässt. Auch wenn es zwischendurch einmal etwas langatmiger wird, so überzeugt das bewegende Ende wieder voll und ganz und weckt Neugierde, ob es nach der letzten Neuigkeit noch eine Fortsetzung geben wird.

Wer eine Familiengeschichte mit durchsetzungsstarken Frauen sucht, wird hier bestimmt fündig.

Veröffentlicht am 21.01.2025

Familienclan

Verlassen
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Der bekannte und schwerreiche Snæberg-Clan verabredet sich für ein gemeinsames Wochenende anlässlich des hundertsten Geburtstages des Familienpatriarchen Ingólfur, der vor einigen Jahren verstorben ist. ...

Der bekannte und schwerreiche Snæberg-Clan verabredet sich für ein gemeinsames Wochenende anlässlich des hundertsten Geburtstages des Familienpatriarchen Ingólfur, der vor einigen Jahren verstorben ist. Treffpunkt ist ein supermodernes, stilistisch sehr nüchtern gehaltenes Hotel im Westen Islands. Es fließt der Alkohol, es wechseln die Stimmungen, bis ein Familienmitglied fehlt und eine Leiche im felsigen Lavafeld gefunden wird.

Die erste Überraschung trifft den Leser bei der Angabe der Jahreszahl, denn dieser Band spielt noch vor dem ersten Teil der interessanten Reihe „Mörderisches Island“ und muss somit ohne die Ermittlerin Elma auskommen. Aber auch Sævar und Hörður haben diesmal nicht allzu viel zu tun, denn hauptsächlich geht es um die Familienfeier der Snæbergs und deren verstrickte persönliche Angelegenheiten. Knappe Kapitel beleuchten das große Familientreffen, für welches das gesamte Hotel gemietet ist, wodurch nur enge Verwandte und ausgewähltes Personal den Ort der Handlung betreten. Die abgeschiedene Lage, das immer schlechter werdende Wetter und Menschen, die einander nicht nur freundschaftliche Gefühle entgegenbringen, sorgen für die angespannte Atmosphäre, die von Eva Björg Ægisdóttir gut vermittelt wird. Dazu kommen bedenkliche Nachrichten für die minderjährige Lea aus dem weltweiten Netz, wo sie eigentlich mit Birgir einen netten Freund gefunden zu haben glaubt.

Ein gewohnt angenehmer, eher ruhiger Schreibstil mit kurzen Abschnitten und wechselnden Sichtweisen führt durch die Handlung, Verborgenes und Geheimes dringen langsam an die Oberfläche. Trotz der unheilschwangeren Stimmung kommt aber keine wirklich bemerkenswerte Spannung auf, auch die persönliche Entwicklung von Sævar und Elma, die man bei den späteren Ermittlungen begleiten darf, findet hier keinen Raum; Elma wird überhaupt erst in den letzten Zeilen als künftige Nachfolgerin von Pétur genannt. Man muss also seine Erwartungen schnell beiseiteschieben, um nicht enttäuscht zu werden. Das Buch, für sich allein gesehen, ist aber durchaus lesenswert.

Fazit: ein unterhaltsames Prequel zu den folgenden Island-Fällen, bei welchen schlussendlich Elma und Hörður gemeinsam ermitteln und sich auch persönlich weiterentwickeln. Ungewohnt, anders, aber dennoch gut zu lesen, wenn man sich des Unterschieds bewusst ist.