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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2026

Ratten

Die Witwe
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Ein Toter in einem schmuddeligen Bordell – was soll Serienmörderjäger DS Washington Poe da ausrichten? Aber nicht umsonst werden er und die sehr spezielle Analytikerin Tilly Bradshaw hinzugezogen, um diesen ...

Ein Toter in einem schmuddeligen Bordell – was soll Serienmörderjäger DS Washington Poe da ausrichten? Aber nicht umsonst werden er und die sehr spezielle Analytikerin Tilly Bradshaw hinzugezogen, um diesen Fall aufzuklären. Rasante Ermittlungen sorgen wieder für ein großartiges Lesevergnügen.

Ein skurriler Gerichtstag wird zum ungünstigsten Zeitpunkt unterbrochen, um Poe und Bradford zu „entführen“. Der Mord an einem Freudenhausbesucher erweckt Aufmerksamkeit, warum ist der ehemalige Pilot hier „abgestürzt“? Bald sind Ermittler von FBI und MI5 dem Täter auf der Spur und Tilly erkennt Verbindungen zu einem ehemaligen Bankraub, bei dem nichts gestohlen, dafür aber eine Ratte am Tatort hinterlassen worden ist. Und auch nun ist es eine Ratte, welche erste Hinweise liefert. Chaotisch und gerade deshalb so genial, verläuft die Suche nach der Wahrheit, denn Washington und Tilly sind alles andere als normale Kriminalisten. Gewitzt und klug nähert man sich den tatsächlichen Gegebenheiten an, muss nicht nur einmal den Kurs wechseln und sich aus einer Sackgasse manövrieren. Großartige Charakterzeichnungen und ein eloquenter Schreibstil lassen das Ausheben des Rattennestes zum wahren Vergnügen werden.

Eine bestens durchdachte Handlung, welche verstrickt dargestellt wird und schlussendlich lückenlos aufgelöst wird. M. W. Craven ist stets Garant für Spannung auf hohem Niveau, daher auch diesmal eine Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 01.02.2026

Herzen zum Osterfesst

Anbandelt
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Kurz vor dem Osterfest, welches man im Südburgenland noch groß feiert, wandern die Damen vom Klub der Grünen Daumen durch den örtlichen Wüstengarten. Aber anstelle von seltenen Pflanzen sehen sie einen ...

Kurz vor dem Osterfest, welches man im Südburgenland noch groß feiert, wandern die Damen vom Klub der Grünen Daumen durch den örtlichen Wüstengarten. Aber anstelle von seltenen Pflanzen sehen sie einen leblosen Körper zwischen den dornigen Sträuchern. Angestachelt von neuer Abenteuerlust, kommen sie einem möglichen Mord auf die Spur und treffen dabei auf Geschichten über eine Kommune aus den 1970er-Jahren. Zudem eröffnet Hilda kurzerhand eine energische Demo vor dem in der Ortsmitte gelegenen Supermarkt und ahnt nicht, dass ihr Seniorenherz bald höher schlagen wird.

Bunt und abwechslungsreich wie das Titelbild unterhält uns auch dieser Gartenkrimi bestens, erzählt interessante Details von „menschenfressenden“ Pflanzen, österlichen Bräuchen und längst vergangenen Künstlergruppen, welche auf wahren Begebenheiten fußen. Die illustre Damenrunde im Klub hat allerhand zu tun, der Schreck über den Herrn mit kaltem Herzen sitzt tief. Aber Kontrollinspektorin Marlies wird in ihren Ermittlungen rüde eingeschränkt, setzt man ihr doch aus Wien einen interimistischen Chef vor die Nase, der sie mit seinem machohaften Gehabe zum kaffeekochenden Weiberl degradieren möchte.

Das burgenländische Flair wird, wie immer, großartig eingefangen, die mundartlichen Dialoge passen perfekt ins Bild und werden selbstverständlich per Fußnote ins Hochdeutsche übertragen, sodass auch Leser von weiter weg keinen Schmäh versäumen. Der Humor kommt ebenso wenig zu kurz wie der Alkohol, der besonders in der Gastwirtschaft vom Dunkel Tom ohne Ende fließt und besonders schön ist die Erkenntnis, dass auch in fortgeschrittenem Alter noch Herzerl aus den strahlenden Augen lachen können.

Ein rundum gelungener Gartenkrimi, mit allem, was das Leserherz begehrt – originelle Figuren, Lokalkolorit und Weitsicht bis nach Spanien, ein Schreibstil voller Wortwitz und nicht zuletzt ein spannender Kriminalfall. Ein „Muss“ für Freunde des sonnigen und mörderischen Burgenlands!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2026

Wandern im Harz

Flüsternde Erinnerungen
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Jojo arbeitet als Physiotherapeut in einem Hamburger Seniorenheim, nach einem ungewöhnlichen Telefonat mit seinem Vater reist er kurzfristig zurück in seine ursprüngliche Heimat im Harz. Anstatt erholsamer ...

Jojo arbeitet als Physiotherapeut in einem Hamburger Seniorenheim, nach einem ungewöhnlichen Telefonat mit seinem Vater reist er kurzfristig zurück in seine ursprüngliche Heimat im Harz. Anstatt erholsamer Tage erwartet ihn dort aber eine Begegnung mit seiner düsteren Vergangenheit, an die er sich auch sieben Jahre danach nicht erinnern kann.

Spannung und Nervenkitzel verspricht die Kurzinfo zum Buch, da ich beides sehr gerne lese, habe ich zu den Flüsternden Erinnerungen gegriffen. Wir starten mit einem Prolog im Jahre 2017 und unternehmen mit einer Gruppe junger Menschen eine Wanderung. Danach geht die Handlung in einer Altenresidenz im Jahr 2024 weiter, wo wir schließlich Jojo kennenlernen, der ein schwerwiegendes Geheimnis mit sich trägt. Nach endlosen Seiten informationsarmen Hin- und Hergeplänkels mit Kollegen und Pfleglingen geht es weiter in den Harz und auf die mysteriösen Spuren einer retrograden Amnesie. Ein Fünftel des Buches ist gelesen, aber weder die Gegenwart noch die Rückblenden zur Waldwanderung erfüllen die Erwartungen eines „düsteren Psychothrillers“ [Klappentext]. Jetzt geht es los, ist meine persönliche Motivation, Irrtum, auch in den noch folgenden Kapiteln will sich bei mir einfach kein Gänsehautgefühl einstellen, leider wirken weder die örtlichen Gegebenheiten noch die einzelnen Geschehnisse aufregend und beklemmend. Selbst die Ausdrucksweise im Buch vermittelt keinerlei Dramatik, wir verlieren uns in banalen Details und Nebensächlichkeiten, welche vielleicht in eine Romanbeschreibung passen, aber in einem Thriller keinen Platz haben. Irgendwann geht es um Homosexualität mit – für mich – nicht nachvollziehbaren Gedankengängen, immerhin finden die Handlungsstränge am Ende alle ihren in sich logischen Abschluss, glaubwürdig sind sie aber trotzdem nicht unbedingt.

Die Idee zum Buch gefällt mir grundsätzlich schon, die Umsetzung ist allerdings nicht recht geglückt. Während andere Leser durchaus positive Meinungen abgeben, möchte ich Flüsternde Erinnerungen nicht weiterempfehlen, am besten, man verschafft sich selbst ein Bild.

Veröffentlicht am 27.01.2026

In der Wüste

The Factory – Es gibt kein Entkommen
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Aufgrund von Klimawandel, Pandemien und anderen Katastrophen wird mitten in der Wüste ein Forschungslabor eingerichtet. Ausgewählte Jugendliche nehmen ein Jahr lang teil an streng geheimen Experimenten ...

Aufgrund von Klimawandel, Pandemien und anderen Katastrophen wird mitten in der Wüste ein Forschungslabor eingerichtet. Ausgewählte Jugendliche nehmen ein Jahr lang teil an streng geheimen Experimenten für saubere Energie, daneben werden hochwertige Schulbildung und hervorragende medizinische Versorgung garantiert nebst größeren Geldbeträgen für die Familien. Danach soll noch eine Ausbildung nach Wunsch finanziert werden, um die bestmögliche Zukunft für jeden Einzelnen zu gewährleisten. Aber wozu braucht es in der Wüste Wachmänner und Stacheldrahtzäune? Der dreizehnjährige Asher und seine neuen Freunde Vi, Faith und Troy beginnen, Fragen zu stellen und bekommen dafür die rote Karte gezeigt, erwünscht ist lediglich gehorsames Mittun.

Dystopische Szenarien beschwört Catherine Egan mit diesem Jugendbuch herauf und zieht ihre Leser schnell in den Bann der Zukunftsforschung. Die innere Zerrissenheit zwischen Pflichtbewusstsein und Protestbestrebungen wird gut herausgearbeitet, bald kommt Misstrauen auf, ob wirklich alle Informationen über die Wirkungsweise der sogenannten Extraktionscontainer transparent weitergegeben werden, einige Jugendliche zweifeln an deren Unbedenklichkeit und äußern ethische Vorbehalte. Aber jeglicher Einwand wird im Keim erstickt, ja konsequent bestraft, sodass die Probanden andere Maßnahmen ergreifen. Nun werden die bislang gut vorstellbaren Geschehnisse mitunter unglaubwürdig (Stichwort Sabotage), die Spannung jedoch wird hoch gehalten.

Egans Schreibstil führt angenehm flüssig durch die Handlung, kann die (junge) Zielgruppe damit bestimmt gut erreichen. Auch die Themenwahl wie schwierige Familienverhältnisse, Zukunftsängste oder moderne Energiegewinnung ist gut getroffen, Informationen fügen sich unaufdringlich ins Geschehen ein ohne je oberlehrerhaft daherzukommen. Die überschaubare Zahl an Figuren gewährleistet schließlich die sorgfältige Charakterisierung jedes Einzelnen, sodass man sich gut vorstellen kann, wie jeder mit den neuen Herausforderungen umgeht. Leider bleiben am Ende einige Fragen offen, ja bricht die Handlung ziemlich plötzlich ab, sodass man ohne den Folgeband ein wenig im Regen stehen gelassen wird. Wann geht es weiter?

Veröffentlicht am 26.01.2026

Flutkatastrophe

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Im Karwendel wütet ein Sturm, die Regenmassen lassen die Flüsse über ihre Ufer treten, alle Einsatzkräfte sind mobilisiert, um zu helfen. So auch Alexa Jahn, Oberkommissarin der Kripo Weilheim, die am ...

Im Karwendel wütet ein Sturm, die Regenmassen lassen die Flüsse über ihre Ufer treten, alle Einsatzkräfte sind mobilisiert, um zu helfen. So auch Alexa Jahn, Oberkommissarin der Kripo Weilheim, die am Telefon zahllose Meldungen aufnimmt und Einsätze koordiniert. Vermisste werden gesucht, Verletzte geborgen, schließlich stößt Alexa in einer Schlucht auf einen Toten, der ist aber eindeutig kein Unfall-, sondern ein Mordopfer. Und auch auf österreichischer Seite ist es nicht langweilig: eine Gruppe Jugendlicher ist auf eine Berghütte gefahren und pflegt keinen Kontakt mehr zu den Angehörigen. Chefinspektor Krammer wird von einem einflussreichen Elternpaar beauftragt, umgehend Ermittlungen anzustellen.

Kurzweilig wie gewohnt, geht es auch beim nunmehr sechsten Fall für Jahn und Krammer zu, Anna Schneiders bildreicher Schreibstil erweckt die Flutkatastrophe zu erschreckend realem Leben. Auf anschauliche Weise schildert die Autorin die Arbeit sämtlicher Hilfsorganisationen und verquickt Szenen ungezügelter Naturgewalt mit authentischer kriminalpolizeilicher Arbeit. Komplizierte Zusammenhänge müssen entwirrt werden, kursiv gedruckte Abschnitte geben dem Leser immer wieder zusätzliche Informationen, welche Alexa und Krammer (noch) nicht zur Verfügung stehen. Aber es wären nicht die beiden Besten an der deutsch-österreichischen Grenze, würden sie nicht selbst herausfinden, was hinter den Rätseln steckt. Dazu gibt es einige Aufregung um Alexas treuen Hund Oskar, der natürlich ebenfalls nicht fehlen darf. Einige private Einzelheiten kommen wieder zur Sprache, lenken aber in keiner Weise vom Geschehen ab, im Gegenteil dadurch wirken die handelnden Figuren umso menschlicher und glaubwürdiger. Nach spannenden Stunden, in denen kaum geschlafen und gegessen wird, finden sämtliche Handlungsstränge einen erfolgreichen und überzeugenden Abschluss, die Reihe selbst aber hoffentlich noch lange nicht.

Lebendige Bilder von erschreckenden Ereignissen halten Betroffene und Leser gleichermaßen in Atem, auch diesen – in sich abgeschlossenen – Fall kann ich mit gutem Gewissen allen Krimifans empfehlen. Die gesamte Reihe von Anfang an verspricht aber garantiert noch mehr Spaß!