Spannend, komplex, überraschend
Detective Sergeant Washington Poe, spezialisiert auf Seriengewaltverbrecher, und seine Kollegin Tilly Bradshaw, hochintelligente Analytikerin, werden vom MI5 zur Ermittlung eines Mordes in einem geheimen ...
Detective Sergeant Washington Poe, spezialisiert auf Seriengewaltverbrecher, und seine Kollegin Tilly Bradshaw, hochintelligente Analytikerin, werden vom MI5 zur Ermittlung eines Mordes in einem geheimen Bordell abgeordnet. Der Tote war akkreditierter Hubschrauberpilot bei einem anstehenden internationalen Handelsgipfel in der Nähe. Poe und Bradshaw müssen mit einer Mitarbeiterin des MI5 sowie des FBI zusammenarbeiten. Erstere ist für die Organisation und Sicherheit des Gipfels verantwortlich, die Zweite für die Prüfung der Sicherheit für die amerikanischen hochkarätigen Teilnehmer zuständig. Steht der Mord im Zusammenhang mit dem Gipfel oder ist der Grund im Milieu zu finden? Merkwürdigerweise wird eine Keramikratte vom Tatort durch einen Mitarbeiter der Ermittlungsbehörden entwendet. Obendrein ist dies nicht die einzige Keramikratte am Schauplatz eines Mordes. Poe ermittelt zunächst widerstrebend, weil überhaupt nicht sein Spezialgebiet, dennoch akribisch und hartnäckig, zuweilen auch stur, ungeachtet aller Widerstände auch von höherrangigen Behörden.
Gleich vorweg: Für mich war es der erste Krimi von M. W. Craven. Anhand von kleinen Anmerkungen von Poe wird zwar klar, dass es nicht das erste Buch in einer Reihe ist, dies spielt für den Roman aber überhaupt keine Rolle, er ist in sich geschlossen.
Der Autor schreibt flüssig, temporeich und wortgewandt. Die verschiedenen Charaktere werden sehr authentisch und einfühlsam dargestellt. Ihre Dialoge wirken sehr realistisch, mal britisch humorvoll, mal wütend schimpfend … Die Geschichte lebt auch von dem Zusammenspiel konträrer Charaktere, auf menschlicher wie auch auf beruflicher Ebene. Allen vorweg das Ermittlungsteam Poe und Bradshaw: Poe, mit dem Charakter eines Herdenschutzhundes, Einzelgänger, eigenwillig, eigenständig und äußerst ungern gehorsam, aber stets beschützend gegenüber seinen „Liebsten“; Bradshaw, die überintelligente, hochbegabte, junge Analytikerin mit wenig Lebenserfahrung, die Poe jedoch zu händeln weiß. Trotz seiner Komplexität und seines „Spezialwissens“ (Militär, IT) ist der Roman sehr verständlich geschrieben. Vermeintlich fehlendes Fachwissen und Fachkenntnis des Lesers vermittelt der Autor durch die Dialoge zwischen den Kollegen, was dem Ganzen mehr Leichtigkeit verleiht und den Roman nicht überfrachtet.
Sehr überzeugt haben mich die Darstellungen der unterschiedlichen psychischen Abgründe sowie des Militärs einschließlich der militärischen Handlungen. Ich hatte immer das Gefühl, der Autor weiß sehr genau, weit über gute Recherche hinaus, wovon er schreibt. Ein Blick in seine Biografie hat dies auch bestätigt. Er war selbst, wie sein Protagonist Poe, zehn Jahre bei den Black Watch, einem schottischen Infanterieregiment und anschließend nach einem Sozialpädagogikstudium lange Zeit als Bewährungshelfer tätig.
Ich war überrascht, dass die Geschehnisse letztendlich im Bereich des Militärs angesiedelt waren. Dies war der Buchbeschreibung nicht zu entnehmen, entspricht aber dem Verlauf des Buches. Nichts ist wie es anfangs scheint, es gibt immer neue Wendungen. Die Geschichte ist sehr gut konstruiert und wirkt alles andere als realitätsfremd. Mal ist sie temporeich, mal tritt sie etwas auf der Stelle, weil nicht immer die nötigen Hinweise leicht zu ermitteln sind. Der Spannungsbogen bleibt dennoch durchgehend aufrechterhalten.
Das Buch hat mich absolut begeistert. Die ständigen Wendungen wirken überhaupt nicht wie auf dem Reißbrett entworfen, sondern entwickeln sich logischerweise mit jedem neuen Puzzlestück und ergeben zum Schluss ein logisches Ganzes. Der Autor beherrscht die Kunst des Schreibens, weiß er doch, wie man schwerere Kost und komplexes Wissen dem Leser leichter näherbringt.
Ich werde zeitnah auch alle anderen Bände lesen!