Sehr spannend, aber die Auflösung enttäuscht
Fünf FremdeFünf Fremde reisen im Oktober mit der Fähre nach Neuwerk, vier von ihnen kennen die Insel in der Nordsee und sie haben das dramatische Verschwinden eines Jugendlichen vor 30 Jahren mit erlebt. Es ist immer ...
Fünf Fremde reisen im Oktober mit der Fähre nach Neuwerk, vier von ihnen kennen die Insel in der Nordsee und sie haben das dramatische Verschwinden eines Jugendlichen vor 30 Jahren mit erlebt. Es ist immer noch ungeklärt, was genau damals passiert ist, als Isa erst nach Tagen wieder auftauchte und Janosch verschwunden blieb.
Erzählt wird in der Gegenwart aus den wechselnden Perspektiven der fünf Protagonisten, zusätzlich schildert Isa die Woche im Schullandheim im Sommer 1995.
Wieso treffen die Charaktere gerade jetzt aufeinander, ist das Zufall? Die Geschichte entwickelt sich spannend, Informationen bekomme ich in kleinen Häppchen durch Erinnerungen und Gedanken der Hauptfiguren, doch ich habe immer mehr Fragen. Bis zu etwa Zweidritteln des Buchs ist der Spannungsaufbau sehr gelungen.
Romy Fölck Schreibstil ist gut zu lesen und ihr gelingt es, die Nordsee-Insel, ihre Natur und das im Herbst auch mal bedrohlich wirkende Wetter atmosphärisch zu beschreiben. Auch interessante geschichtliche Details und regionale Gegebenheiten erwähnt die Autorin. Weniger gut hat mir ihre Figurenzeichnung gefallen. Zu Beginn werden die Hintergründe der einzelnen Charaktere sehr ausführlich geschildert und existierende Beziehungen offen gelegt, aber empfundene oder ausgedrückte Emotionen habe ich bei den Protagonisten vermisst, Nähe hat sich in keinem Fall entwickelt. Mehr als einmal dachte ich 'show, don't tell' in Richtung der Autorin, die ich für ihre Elbmarsch-Krimis um Frida Paulsen sehr schätze.
'Fünf Fremde' ist lange spannend und temporeich und die Auflösung hat mich überrascht, aber Logikfehler, vielleicht um des dramatischen Effekts willen eingebaute, im Verlauf nicht aufgeklärte Details und am Ende offene Fragen haben mein Lesevergnügen doch beeinträchtigt.