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Veröffentlicht am 02.06.2026

Überzeugender Mix von spannendem Krimi und fesselnder Phantastik

A Drop of Corruption
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Dinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem ...

Dinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem verschlossenen Zimmer in Yarrow verschwunden und seine Überreste fünf Tage später gefunden worden.
Dolabra arbeitet am liebsten in ihrem Zimmer und trägt meistens eine Augenbinde, um sich vor Reizüberflutung ihres Verstandes zu schützen. Kol ist ein biologisch manipulierter und organisch verbesserter Gravierer, er erinnert alles, was er sieht und hört und führt für die Ermittlerin Befragungen und Begehungen durch, aus denen sie ihre Schlüsse zieht.

Das Verbrechen hat sich in Yarrow ereignet, einem Königreich, dessen baldiger Beitritt zum Imperium vor fast 100 Jahren vereinbart wurde. Durch Vergleiche zwischen Yarrow und dem Imperium kann ich mir ein immer besseres Bild vom imperialen Reich machen, das hatte mir im Vorgängerband 'The Tainted Cup' etwas gefehlt. In 'A Drop of Corruption' wird der Weltenbau für mich vollständiger. Über gesellschaftspolitische Themen habe ich genau so gern gelesen wie über die Khanum, aus denen das militärisch strukturierte Imperium hervorgegangen ist und dessen Grundlage die alljährliche Abwehr von Leviathanen aus der See bleibt, die Forschung an den getöteten Ungeheuern und die Gewinnung all der wichtigen Reagenzien, die unverzichtbar sind für das Imperium.

Genau so fesselnd wie die phantastische Geschichte ist der komplexe Krimifall. Der Täter ist den Ermittlern stets mehr als nur einen Schritt voraus und die Untersuchung bringt Dolabra an ihre Grenzen. Ihre Schlussfolgerungen sind genial und haben mich wiederholt überrascht. Die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte steigert sich sogar noch bis zum Ende und das Buch bleibt spannend bis zum Schluss.

Robert Jackson Bennett schreibt flüssig und angenehm zu lesen, er beweist Kreativität und Humor, etwa beim Auftreten der Figur Malo oder bei der Benennung von schnell wachsenden Pflanzen (Hastranken) oder leistungssteigernden Plantaten (Schnelltrieb). An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzer Karla und Jakob Schmidt.
Erzählt wird aus Kols Ich-Perspektive, so dass ich seine Gedanken und Gefühle teile, diesmal erfahre ich auch mehr über seine Vergangenheit. Der Protagonist entwickelt sich im Lauf der Geschichte und auch das Verhältnis zwischen Kol und Dolabra verändert sich. Ebenso glaubhaft werden Nebencharaktere beschrieben, die Figurenzeichnung gefällt mir gut, nur Dolabras häufiges derbes Fluchen stört mich etwas.
'A Drop of Corruption' hat mich mit seiner Kombination aus spannendem Krimi und faszinierender Phantastik überzeugt und mir ein packendes Lesevergnügen bereitet. Ich freue mich auf einen weiteren Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Sehr spannend und für mich der beste Band der Art-Mayer-Serie

Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4)
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Bundeskanzler Henrik Westphal ist seit 8 Tagen spurlos verschwunden und Art Mayer gehört nicht zu den 150 BKA-Ermittlern, die mit dem Fall befasst sind, trotzdem macht er sich Sorgen um Juli Westphal, ...

Bundeskanzler Henrik Westphal ist seit 8 Tagen spurlos verschwunden und Art Mayer gehört nicht zu den 150 BKA-Ermittlern, die mit dem Fall befasst sind, trotzdem macht er sich Sorgen um Juli Westphal, seine Jugendliebe. Im Kanzleramt ringt man um den richtigen Umgang mit der Krise, denn vor einigen Wochen tauchten in den Social Media Videos einer jungen Frau auf, die von ihrem Verhältnis mit dem Kanzler erzählt.
Als in einem Berliner U-Bahntunnel eine kopflose Leiche gefunden wird, die das gleiche auffällige Tattoo wie die Vloggerin Kessy auf dem Unterarm hat, ermitteln Art Mayer und seine Partnerin Nele Tschaikowski, die nach ihrer Elternzeit seit kurzem wieder arbeitet.

Obwohl der eigenwillige Art niemanden an sich heran lässt, führen der Alltag mit quasi-Pflegetochter Milla und der Kontakt zur jungen Leo dazu, dass Art sich zumindest Gedanken über soziale Beziehungen macht, während Neles Vertrauen in ihren Lebensgefährten erschüttert wird. Mit Nele und auch durch Arts Gespräche mit Milla und Leo bekomme ich eine Ahnung davon, wie es in Mayer aussieht. Die Charaktere entwickeln sich und gewinnen noch mehr Tiefe, auch Hendrik Westphal wird durch Kessys Aufzeichnungen greifbarer. Ebenfalls glaubhaft ist die Figurenzeichnung der Nebendarsteller.

Immer wieder nimmt die Geschichte Bezug auf Ereignisse der Vorgängerbände, so dass ich dringend empfehle, die Reihe von Band Eins an zu lesen. Ohne Vorkenntnisse halte ich es auch für schwierig, die Beziehungen der Figuren zueinander zu verstehen.

Marc Raabe schreibt lebendig und bildhaft, fast filmisch, Kapitel enden meist mit Cliffhangern, die es schwierig machen, eine Pause einzulegen. Der Schreibstil ist schnell und leicht zu lesen, die Handlung ist fesselnd, gesellschaftspolitisch aktuell und von Beginn an durchgehend spannend. Der Autor erzählt aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen, beide gleichermaßen mitreißend und mit unerwarteten Wendungen. Die Auflösung war für mich überraschend und das Ende ein runder Abschluss.

Das Cover finde ich passend zur Geschichte unheilverkündend, vom Motiv und der Farbwahl her reiht es sich perfekt in die Serie ein. Ich kann 'Im Morgengrauen' unbedingt empfehlen, Marc Raabe ist mit dem vierten Art-Mayer-Band ein Thriller-Highlight gelungen.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Düster und hart

The Puppet Master
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Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die ...

Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die Opfer und treibt sie zum Selbstmord.
Caras kleines Ermittlerteam steht mit der steigenden Zahl von Suiziden zunehmend unter Zeitdruck. Die Abteilung tut sich sehr schwer, Anhaltspunkte zum Wie und Warum und überhaupt eine Verbindung zwischen den Toten zu finden und es gibt zu wenig Kollegen, die in dieser gefährlichen Einheit arbeiten wollen. Immer wieder werden die verlustreichen Ereignisse der Vergangenheit erwähnt, von denen die Vorgängerbände handeln. Wobei der erste Band der Reihe, The Echo-Man, erst im Herbst 2026 auf deutsch erscheinen wird. Und auch zu The Twenty, bei uns erschienen im Dezember 2024, gibt es mehrere Spoiler, was ich sehr schade finde.

Der psychische Zustand der Selbstmörder wird glaubhaft geschildert und auch die Emotionen der in der Vergangenheit traumatisierten Ermittler machen die Charaktere nahbar und menschlich. Ich habe sehr gern die Entwicklung der Protagonisten verfolgt, die mir aus The Twenty bereits bekannt waren und interessante neue Charaktere kennengelernt. Auch Nebenfiguren überzeugen, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben. Die Figurenzeichnung profitiert offensichtlich vom Psychologiestudium der Autorin. Mir war allerdings die Einbindung des familiären Hintergrunds Caras und Griffins zu viel, mir hätten die berufsbedingten schmerzhaften Erfahrungen gereicht.

Sam Holland schreibt klar, bildhaft und fesselnd, schockt gelegentlich auch mit grausamen Szenen. Erzählt wird der spannende Thriller aus verschiedenen, auch überraschenden, Perspektiven.
The Puppet Master hat mich mit einer makabren Geschichte und unerwarteten Wendungen gut unterhalten und ich freue mich auf das Finale der Reihe, das Sam Holland im Nachwort ankündigt.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Humorvoll und spannend, mit überraschenden Wendungen und einer tollen Protagonistin

Full Speed to a Crash Landing (Deutsche Ausgabe)
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Ada Lamarr, Besitzerin eines kleinen Schleppers, plündert verunglückte und aufgegebene Raumschiffe und lebt vom Verkauf ihrer Beute. Doch diesmal ist etwas schief gegangen und buchstäblich in letzter Minute ...

Ada Lamarr, Besitzerin eines kleinen Schleppers, plündert verunglückte und aufgegebene Raumschiffe und lebt vom Verkauf ihrer Beute. Doch diesmal ist etwas schief gegangen und buchstäblich in letzter Minute wird sie von einem Regierungsschiff vor dem sicheren Tod durch Sauerstoffmangel gerettet. An Bord der Halifax ist Ada nicht nur vom Essensangebot begeistert, sondern interessiert sich von Beginn an für den selbstsicheren Regierungsagenten Rian White, der seinerseits auch zunehmend von Ada fasziniert zu sein scheint.

Beth Revis schreibt lebendig und bildhaft, ihr Wortwitz kommt gut zur Geltung, indem sie die Geschichte aus Adas Ich-Perspektive erzählt. Ada ist selbstironisch, humorvoll und schlagfertig, äußerst zielstrebig, mutig und ein Improvisationstalent. Sie ist impulsiv, hält aber ihr Wissen nicht nur Rian, sondern auch dem Leser gegenüber oft zurück, um im geeigneten Moment zu überraschen und der Handlung eine unerwartete Wendung zu geben und die bisherigen Ereignisse in anderem Licht erscheinen lassen. Die rasante Geschichte ist auch spannend durch die gut verständliche Beschreibung der Technologie und die gelegentliche Erwähnung der Klimakatastrophe auf der Erde, deren Entwicklung und aktueller Stand, der im dritten Teil des Buchs am deutlichsten wird. Hier zeigt Ada auch ihre Gefühle und ihre vorherige sarkastische Betrachtung der besiedelter Pseudo-'Erden' in anderen Sonnensystemen bekommt jetzt noch mal eine ganz andere Bedeutung.

Mir gefällt sehr, dass die im Original drei Bände der 'Chaotic Orbits'-Reihe in der deutschen Version zu einem Buch zusammengefasst wurden, dadurch bleibt die Kontinuität erhalten und die Komplexität der Geschichte kann sich ohne Zwangspause und ohne Gelegenheit, Einzelheiten inzwischen zu vergessen, entfalten. Die Romanze zwischen Ada und Rian ist charmant und macht Spaß.
Ich habe 'Full Speed to a Crash Landing' sehr gern gelesen, Beth Revis ist ein spannendes, witziges, gleichzeitig sozialkritisches und kluges Buch gelungen.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Absurd und witzig, mit sympathischer Protagonistin und skurrilen Figuren

Hope Joanna
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Hope Joanna Marlow ist damals zur Polizei gekommen, um sich durch deren Sportförderung auf die Olympiade vorbereiten zu können, inzwischen ist die frühere Taekwondo-Vizeeuropameisterin gern Kriminalkommissarin. ...

Hope Joanna Marlow ist damals zur Polizei gekommen, um sich durch deren Sportförderung auf die Olympiade vorbereiten zu können, inzwischen ist die frühere Taekwondo-Vizeeuropameisterin gern Kriminalkommissarin. Sie ist klug, mutig, wird von den Kollegen geschätzt und einem Kampf weicht sie immer noch nicht aus, wie ein aktuelles Video im Netz beweist, in dem sie sich vor einem Späti gegen vier übergriffige Männer erfolgreich zur Wehr setzt.
Am folgenden Tag wird Hope Joanna zu einem Tatort gerufen, an dem der bekannte Archäologe und Händler obskurer Objekte, Dr. 'Indiana' Jens durch einen Schlangenbiss zu Tode kam. Kurze Zeit später gibt es einen weiteren Toten.

Horst Evers schreibt locker, lebendig und bildhaft, besonders zu Beginn der Geschichte gibt es viel Situationskomik, schlagfertige Dialoge und (Berliner) Sprachwitz, die mich haben lachen oder schmunzeln lassen. Trotz seines oft ironischen Blicks auf Berlin merkt man dem Autor die Liebe zur Stadt und vor allem ihren Bewohnern an. Seitenhiebe gibt es auf die Politiker und die Bürokratie, und auch Social Media und der Rechtsradikalismus spielen eine Rolle.

Die Geschichte ist sowohl charakter- als auch handlungsgetrieben. Alle auftretenden Figuren sind mal mehr, mal weniger überzogen gezeichnet und bei aller Skurrilität gut ausgearbeitet. Die Handlung entwickelt sich von einer wahnwitzigen Situation zur nächsten, wobei Kommissarin Marlow sich selber treu bleibt. 'Hope Joanna' überzeugt mich mehr durch den wirklich einfallsreichen, schrägen Plot denn als Krimi. Mir hat Horst Evers' neues, sehr eigenes Buch mit der skeptischen Joanna in der Berliner Nacht auf dem Cover im Retro-Stil viel Vergnügen bereitet.

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