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Veröffentlicht am 01.10.2022

Toll komponierter Thriller mit Spannung und Gruselfaktor

SCHNEE
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Eine kleine Gruppe Hauptstädter wird seit einer Woche vermisst, die zu viert oder zu fünft, und größtenteils unerfahren, zu einer Wanderung in einem unwirtlichen isländischen Naturschutzgebiet aufgebrochen ...

Eine kleine Gruppe Hauptstädter wird seit einer Woche vermisst, die zu viert oder zu fünft, und größtenteils unerfahren, zu einer Wanderung in einem unwirtlichen isländischen Naturschutzgebiet aufgebrochen ist. Die Auffindesituation einer ersten Toten gibt dem Rettungsteam – und dem Leser - Rätsel auf. Die entstehende Spannung bleibt bis zum Ende des Romans erhalten.

Es gibt zwei Zeitebenen und drei Handlungsstränge und damit auch drei Protagonisten, aus deren Perspektive die Geschichte abwechselnd erzählt wird. Erst gegen Ende des Thrillers wird klar, wie der dritte, im wahrsten Sinne geheimnisvolle Handlungsstrang mit den anderen beiden zusammenhängt.

Yrsa Sigurdardóttirs Schreibstil ist fesselnd, wortgewandt und eindrücklich. Bildhaft und Gänsehaut erzeugend beschreibt sie die weiße, eintönige, eiskalte Winterlandschaft genauso wie die wechselnde Gefühlslage der Figuren, von Vorfreude und Erleichterung bis Angst, Erschöpfung und Verzweiflung. Wie verändern sich Menschen und ihre Wahrnehmungen, wenn sie auf sich selbst zurückgeworfen sind und den Kräften der Natur gegenüber stehen? Alle Charaktere sind glaubhaft und authentisch beschrieben, besonders die Protagonisten haben mich berührt.

Von Beginn an ist die Geschichte rätselhaft und entwickelt eine Faszination, die mich bis zum Ende nicht losgelassen hat. Einmal mit dem Buch angefangen, habe ich bis zum frühen Morgen gelesen, weil ich mich nicht losreißen konnte und wollte. Ich habe schon andere Bücher der Autorin sehr gern gelesen, „Schnee“ ist für mich ein neues Highlight, das mich bestens unterhalten hat.

Die eindrucksvolle Beschreibung des schneebedeckten Naturschutzgebiets scheint im Gegensatz zum schwarzen Cover zu stehen, das nur Autorenname und Titel in abgestuftem Weiß zeigt, dennoch passt das dunkle Cover zur atmosphärisch gelungen dargestellten Stimmung der Geschichte und sein Minimalismus zur optischen Eintönigkeit des alles verhüllenden Schnees.

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Veröffentlicht am 24.09.2022

Aktuell, spannend und sehr informativ

Die Welt kippt
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Das rote Cover steht gleichermaßen für Hitze und Warnung, es ist ein Hingucker und passt zum Buch.
Heiko von Tschischwitz hat einen spannenden, in der nahen Zukunft spielenden Roman um die Klimakatastrophe ...

Das rote Cover steht gleichermaßen für Hitze und Warnung, es ist ein Hingucker und passt zum Buch.
Heiko von Tschischwitz hat einen spannenden, in der nahen Zukunft spielenden Roman um die Klimakatastrophe und einen möglichen Lösungsweg geschrieben, der den Leser (fast) um die ganze Welt mitnimmt. Es gibt verschiedene Perspektiven, wobei besonders die chinesische Sicht überrascht, ist sie doch unter mehreren Aspekten ganz anders als wir das im Westen kennen.
Neben vielen gut recherchierten und verständlich beschriebenen technischen Details und Zusammenhängen thematisiert der Autor in den Diskussionen seiner Protagonisten die Unterschiede zwischen Chinas Kultur und langfristig angelegter Politik einerseits und den eher kurzfristigen Planungen westlicher Demokratien und ihrem bremsenden Redebedarf andererseits. Das hat mich beeindruckt und überzeugt, umso mehr, da von Tschischwitz nicht wertet oder verurteilt. Und auch sonst zeigt er auf, wie vielschichtig die Probleme im Kampf gegen die Klimakatastrophe sind.
Die Charaktere des Romans erscheinen im jeweiligen Zusammenhang glaubhaft, wenn auch ohne Tiefe. Berührt hat mich nur die Klimaaktivistin Tessa, die zu einer tragischen Figur wird. Die Liebesbeziehung fand ich überflüssig.
Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten, wobei ich mir gewünscht hätte, dass Chinas Vorhaben etwas eher genauer benannt worden wäre, statt bis kurz vor dem Ende unklar zu bleiben.
Heiko von Tschischwitz ist seit Jahrzehnten erfolgreich im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien tätig und hat sein Wissen gelungen in seinem Roman umgesetzt und sein klarer und lebendiger Schreibstil macht Spaß. Ich habe Neues gelernt, Bedenkenswertes mitgenommen und wurde gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 29.08.2022

Ein außergewöhnlich aufgebauter Roman über das Leben in der Großstadt, der aktuelle Probleme aufgreift und dennoch Spaß macht

Der Hausmann
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Genau so bunt wie das Cover ist auch der neue Roman von Wlada Kolosowa. Tims Ich-Erzählung wechselt sich ab mit Messenger-Chats, einem Blog, einem Deutsch-Lern-Tagebuch und einer Graphic Novel über den ...

Genau so bunt wie das Cover ist auch der neue Roman von Wlada Kolosowa. Tims Ich-Erzählung wechselt sich ab mit Messenger-Chats, einem Blog, einem Deutsch-Lern-Tagebuch und einer Graphic Novel über den Klimawandel, eindrucksvoll illustriert von Raúl Soria. Diese verschiedenen Erzählarten sind klar und gelungen voneinander abgegrenzt, machen Spaß und ergeben zusammen ein rundes Bild der Protagonisten und ihrer nicht einfachen Lebenssituation.

Tim und Thea sind durch Gentrifizierung aus ihrer vorigen Wohnung verdrängt worden und leben nun in einem vernachlässigten Haus in Berlin-Neukölln mit Nachbarn unterschiedlicher Herkunft und Generationen. Thea geht arbeiten und Tim kümmert sich um den Haushalt und seine Graphic Novel. Er freundet sich mit Maxim an, der aus der Ostukraine geflüchtet ist und hilft ihm beim Deutschlernen, und er richtet der alten Nachbarin Dagmar das Internet ein.

Das Leben in der Großstadt wird von Wlada Kolosowa sehr aufmerksam beobachtet und dargestellt, sie schreibt bildhaft und eindrücklich, mit feinem Humor, überrascht mit unerwarteten Details, die sensibilisieren und nachdenklich machen. Die Charaktere sind authentisch und berühren, Thea reibt sich in einem Start-up auf, Dagmar ist einsam, kann von ihrer Rente allein nicht leben und hat Vorurteile Ausländern gegenüber und Maxim ist orientierungslos und nicht nur von den Behörden allein gelassen. Wie im Klappentext treffend beschrieben, werden viele Probleme nicht nur des Großstadtlebens, sondern unserer Gegenwart angesprochen und das auf unterhaltsame, lebendige, auch augenzwinkernde Art und Weise, die das Buch zu einem ganz besonderen Lesevergnügen macht.

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Veröffentlicht am 23.08.2022

Blick in die Vergangenheit

Wer mit den Toten spricht
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Das ungewöhnliche, auch haptisch ansprechende Cover ist ähnlich dem ersten Band gestaltet und gefällt mir wieder gut mit seinen organischen Formen und dem roten Tropfen.

Zu Beginn ist Sektionsassistentin ...

Das ungewöhnliche, auch haptisch ansprechende Cover ist ähnlich dem ersten Band gestaltet und gefällt mir wieder gut mit seinen organischen Formen und dem roten Tropfen.

Zu Beginn ist Sektionsassistentin Cassie, eine junge Frau mit Gothic Look, Piercings und Tattoos, bei der Arbeit und sofort beeindruckt mich wieder ihre besondere Beziehung zu Toten, die Behutsamkeit und Sorgfalt mit den Leichen und Empathie mit den Angehörigen, genau so habe ich sie schon im ersten Band „Tote schweigen nie“ kennengelernt. Doch diesmal muss sich Cassie auch mit ihrer eigenen, unbewältigten Trauer auseinandersetzen, seit sie von ihrer Großmutter erfahren hat, dass ihre Eltern nicht bei einem Verkehrsunfall gestorben sind, sondern ihr Vater ihre Mutter getötet und 17 Jahre im Gefängnis gesessen hat. Cassie versucht, Antworten auf ihre Fragen zu finden, wobei ihr wieder die spröde Polizistin DS Phyllida Flyte zur Seite steht.
Auch Leser:innen, die erst mit diesen Buch in die Reihe einsteigen, werden sich zurecht finden, da immer wieder mal Informationen aus dem ersten Band eingestreut werden.

A. K. Turners Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen, sie schreibt bildhaft und lebendig und ist ihren Protagonisten sehr zugewandt, sie haben Tiefe und berühren. Die Charaktere sind auch psychologisch glaubwürdig gezeichnet und bis hin zu den Nebenfiguren authentisch dargestellt. Die Arbeit in der Leichenhalle und die medizinischen Hintergründe sind gut recherchiert, genau und sachlich beschrieben.

Der Krimi entwickelt sich zu einer spannenden und fesselnden Geschichte mit komplexem Hintergrund, mit Wendungen und Überraschungen. Gefallen hat mir auch das Lokalkolorit der atmosphärische Beschreibung Camdens im nördlichen London.
Erzählt wird wechselnd aus Cassies Perspektive - locker, intelligent, analytisch, intuitiv und achtsam und auch aus DS Flytes Sicht – hier machen nicht nur die polizeilichen Ermittlungen Fortschritte, auch die Figur der Phyllida Flyte wird greifbarer und das Verhältnis der beiden Frauen zueinander wird vertrauensvoller, so dass Phyllida Cassie auch ihr eigenes unverarbeitetes Trauma offenbart.

Mich hat „Wer mit den Toten spricht“ bestens unterhalten und ich kann das Buch uneingeschränkt jedem Krimi-Leser mit einem Interesse für unkonventionelle Figuren und für Rechtsmedizin empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.08.2022

Eine außergewöhnliche Ermittlerin mit Talent und Intuition

Todesspiel. Die Nordseite des Herzens
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Ein Serienmörder tötet ganze Familien, indem er sich das nach Naturkatastrophen herrschende Chaos zunutze macht. Nur durch einen Zufall wird sein Morden entdeckt. Die spanische Polizistin Amaia Salazar, ...

Ein Serienmörder tötet ganze Familien, indem er sich das nach Naturkatastrophen herrschende Chaos zunutze macht. Nur durch einen Zufall wird sein Morden entdeckt. Die spanische Polizistin Amaia Salazar, in den USA aufgewachsen und ausgebildet, besucht gerade ein FBI-Seminar und wird in die Ermittlungen eingebunden.
Das FBI will den Mörder in New Orleans erwarten, dort droht der nächste große Hurrikan.

Es gibt zwei gleichermaßen spannende, eindringlich und bildhaft erzählte Handlungs- und Zeitebenen. Neben den Ermittlungen zum Serienmörder wird auch Amaias furchtbare Kindheit beschrieben, die sie geprägt hat.

Amaia erkennt Verborgenes in Menschen und auch bei Vorgängen, sie ist eine äußerst talentierte Ermittlerin mit Intuition und großer Kombinationsfähigkeit. Sie ist selbstbewusst und kann arrogant erscheinen, dadurch eckt sie leicht an. Als Figur in der Geschichte hat sie mich am meisten fasziniert.
Auch die anderen Protagonisten sind glaubwürdig und selbst Nebenfiguren erscheinen mir als interessante, individuelle Charaktere, die mich berühren.

Die Geschichte ist sehr komplex aufgebaut und auch Voodoo und der Aberglaube der Cajun und des Baskenlandes spielen eine Rolle. Durch die Bedeutung, die allem damit zusammenhängende hier von den Cajun beigemessen wird und durch die Parallelen zur Mythologie ihrer Heimat beginnt Amaia in Louisiana, sich mit ihrem kindheitsbedingten Trauma auseinanderzusetzen.

Todesspiel ist ein Prequel der bereits veröffentlichten Bücher um Amaia Salazar und spielt 2005, zum großen Teil in New Orleans, als die Stadt vom Hurrikan Katrina getroffen wird. Atmosphärisch dicht und zweifellos realitätsnah wird die Naturkatastrophe mitsamt ihren Auswirkungen von Dolores Redondo beschrieben, auch die Stadt und das benachbarte Sumpfgebiet werden durch den anschaulichen und fesselnden Schreibstil für den Leser lebendig.

Das Cover zeigt wohl einen der Bäume im Bajou und ist düster und geheimnisvoll und der Gitter-Effekt, den die langgezogenen Buchstaben des Titels erzeugen, passt dazu, es gefällt mir.

Abgesehen von der spannenden Geschichte bin ich davon beeindruckt, wie Dolores Redondo ihre Recherchen zum Hurrikan Katrina und zum Stand der Verhaltensforschung des FBI in ihrem Buch verarbeitet hat.

Ich empfehle „Todesspiel – Die Nordseite des Herzens“ jedem Leser von Thrillern, der für ungewöhnliche, auch okkulte Aspekte offen ist.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und ich vergebe 4,5 Sterne.

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