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Veröffentlicht am 21.06.2026

Konnte mich nicht überzeugen

Home Story
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Anwältin Eva wird von ihrer Ziehschwester Blossom um Hilfe gebeten, als neben dem Steingruberhof eine Tote gefunden wird. Zum ersten Mal seit 13 Jahren und mit gemischten Gefühlen kehrt Eva auf den Hof ...

Anwältin Eva wird von ihrer Ziehschwester Blossom um Hilfe gebeten, als neben dem Steingruberhof eine Tote gefunden wird. Zum ersten Mal seit 13 Jahren und mit gemischten Gefühlen kehrt Eva auf den Hof zurück, auf dem auch sie aufgewachsen ist. Die Bewohner des Hofs bilden eine eingeschworene Gemeinschaft, sind Aussteiger oder haben wegen Problemen mit der Welt hier Zuflucht gefunden und sind Eva und ihren Fragen gegenüber zurückhaltend.

Aus verschiedenen, abwechselnden Perspektiven lerne ich das arbeitsreiche Leben auf dem Hof kennen, auch gemeinschaftliche Gewohnheiten werden beschrieben, Sorgen und Erinnerungen verleihen den Figuren Tiefe. Wobei Wilma, Evas Mutter, gleichzeitig Gründerin und Leiterin der Hofgemeinschaft, durch ihre nicht eingestandene Demenz zur unzuverlässigen Erzählerin wird.

Sehr hilfreich ist der Plan des Hofgeländes vorne im Buch und auch das Personenregister zu Beginn, zu dem ich anfangs oft zurückblättern musste. Durch die detaillierte Beschreibung der Wege, die die Charaktere bei ihrer jeweiligen Arbeit und im Laufe des Tages zurücklegen, wird die Geschichte jedoch auch sehr verlangsamt und mein Lesefluss durch die häufigen Perspektivwechsel oft unterbrochen. Die prekäre Situation der Hofbewohner, ihre Unsicherheit, nicht bereinigte Konflikte und die Bedrohung der Ernte durch die schon lang anhaltende Dürre tragen zur beklemmenden Atmosphäre auf dem Hof bei.

Schon im Prolog und immer wieder gibt es kurze Passagen einer Person in Not, die für Spannung sorgen, anders als die teilweise verwirrenden gefühlsbestimmten Überlegungen einiger Protagonisten.

Cleo Konrads Schreibstil ist angenehm zu lesen, dennoch fand ich 'Home Story' langatmig bis zur Auflösung, die dann einige Überraschungen bereit hält. Für mein Empfinden kamen Enthüllungen und Wendungen leider zu spät, um mich für die Geschichte zu begeistern, so dass 'Home Story' von mir drei Sterne bekommt.

Was nicht in meine Bewertung einfließt, aber dennoch erwähnt werden soll: die verwendete Schriftart finde ich zu klein und zu blass, das Lesen wird dadurch unnötig erschwert.

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Veröffentlicht am 09.06.2026

Erschreckende Aussichten

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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Aktueller kann ein Buch über die Bedrohung durch Cyberterrorismus nicht sein, wenn ich mir die derzeitige Berichterstattung über Anthropics Claude Mythos anschaue.

In 'Code Null' wird die EU von einer ...

Aktueller kann ein Buch über die Bedrohung durch Cyberterrorismus nicht sein, wenn ich mir die derzeitige Berichterstattung über Anthropics Claude Mythos anschaue.

In 'Code Null' wird die EU von einer Gruppe namens Timeout erpresst, Cyberterroristen, die sich Zugang zum Galileo-Satellitensystem verschafft haben und zur Demonstration Navigationssysteme in Berlin an einem Sonntagnachmittag sekundenlang ausfallen lassen. Auf Galileo verlassen sich viele Teile der Infrastruktur, darunter das Transportwesen, die Energieversorgung, die Finanzmärkte. Die Gefahr durch Timeout wird schnell erkannt und Ermittlungen aufgenommen, in die der Autor reale und auch fiktive Institutionen einbindet.

Die sozial zurückhaltende aber geniale Hackerin Charlie versteht als Erste Vorgehen und Plan der Terroristen und wird mit ihrer selbstlernenden Künstlichen Intelligenz KIM Teil der Ermittlungsgruppe.
Florian Schwiecker versieht die wichtigsten Charaktere mit einem Hintergrund, dennoch bleiben für mich die Figuren auf Distanz, ich finde sie wenig greifbar. Zu viel läuft bei ihnen im Kopf ab statt in der Interaktion mit anderen.
Sehr klar wird jedoch, wie schwierig die Entscheidung ist, jemandem zu vertrauen, um so mehr, wenn es um Macht und Geld geht. Und auch auf technologischer Basis: wie sehr kann man einer selbstlernenden KI vertrauen, die möglicherweise irgendwann den ihr gesteckten Rahmen ignoriert?

Der Autor hat bereits erfolgreiche Justiz-Krimis zusammen mit Michael Tsokos geschrieben und beginnt mit 'Code Null' eine eigene, neue KI-Thriller-Reihe. Schwiecker hat beruflich mit IT zu tun und kennt sich aus, was zur sehr ausführlichen Beschreibung des technischen Hintergrunds von 'Code Null' führt und mir gelegentlich etwas zu viel war.
Aus verschiedenen Erzählperspektiven wird die Gefahr von Cyberterrorismus gut verständlich beschrieben, wohl noch erschreckender ist die mögliche Entwicklung eines Selbst-Bewusstseins von KI und daraufhin entstehender Gefühle.

Ich habe den beängstigenden Tech-Thriller mit seinen unerwarteten Wendungen gern gelesen. Ein Glossar hätte ich mir noch gewünscht. Ich vergebe 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Überzeugender Mix von spannendem Krimi und fesselnder Phantastik

A Drop of Corruption
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Dinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem ...

Dinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem verschlossenen Zimmer in Yarrow verschwunden und seine Überreste fünf Tage später gefunden worden.
Dolabra arbeitet am liebsten in ihrem Zimmer und trägt meistens eine Augenbinde, um sich vor Reizüberflutung ihres Verstandes zu schützen. Kol ist ein biologisch manipulierter und organisch verbesserter Gravierer, er erinnert alles, was er sieht und hört und führt für die Ermittlerin Befragungen und Begehungen durch, aus denen sie ihre Schlüsse zieht.

Das Verbrechen hat sich in Yarrow ereignet, einem Königreich, dessen baldiger Beitritt zum Imperium vor fast 100 Jahren vereinbart wurde. Durch Vergleiche zwischen Yarrow und dem Imperium kann ich mir ein immer besseres Bild vom imperialen Reich machen, das hatte mir im Vorgängerband 'The Tainted Cup' etwas gefehlt. In 'A Drop of Corruption' wird der Weltenbau für mich vollständiger. Über gesellschaftspolitische Themen habe ich genau so gern gelesen wie über die Khanum, aus denen das militärisch strukturierte Imperium hervorgegangen ist und dessen Grundlage die alljährliche Abwehr von Leviathanen aus der See bleibt, die Forschung an den getöteten Ungeheuern und die Gewinnung all der wichtigen Reagenzien, die unverzichtbar sind für das Imperium.

Genau so fesselnd wie die phantastische Geschichte ist der komplexe Krimifall. Der Täter ist den Ermittlern stets mehr als nur einen Schritt voraus und die Untersuchung bringt Dolabra an ihre Grenzen. Ihre Schlussfolgerungen sind genial und haben mich wiederholt überrascht. Die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte steigert sich sogar noch bis zum Ende und das Buch bleibt spannend bis zum Schluss.

Robert Jackson Bennett schreibt flüssig und angenehm zu lesen, er beweist Kreativität und Humor, etwa beim Auftreten der Figur Malo oder bei der Benennung von schnell wachsenden Pflanzen (Hastranken) oder leistungssteigernden Plantaten (Schnelltrieb). An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzer Karla und Jakob Schmidt.
Erzählt wird aus Kols Ich-Perspektive, so dass ich seine Gedanken und Gefühle teile, diesmal erfahre ich auch mehr über seine Vergangenheit. Der Protagonist entwickelt sich im Lauf der Geschichte und auch das Verhältnis zwischen Kol und Dolabra verändert sich. Ebenso glaubhaft werden Nebencharaktere beschrieben, die Figurenzeichnung gefällt mir gut, nur Dolabras häufiges derbes Fluchen stört mich etwas.
'A Drop of Corruption' hat mich mit seiner Kombination aus spannendem Krimi und faszinierender Phantastik überzeugt und mir ein packendes Lesevergnügen bereitet. Ich freue mich auf einen weiteren Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Sehr spannend und für mich der beste Band der Art-Mayer-Serie

Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4)
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Bundeskanzler Henrik Westphal ist seit 8 Tagen spurlos verschwunden und Art Mayer gehört nicht zu den 150 BKA-Ermittlern, die mit dem Fall befasst sind, trotzdem macht er sich Sorgen um Juli Westphal, ...

Bundeskanzler Henrik Westphal ist seit 8 Tagen spurlos verschwunden und Art Mayer gehört nicht zu den 150 BKA-Ermittlern, die mit dem Fall befasst sind, trotzdem macht er sich Sorgen um Juli Westphal, seine Jugendliebe. Im Kanzleramt ringt man um den richtigen Umgang mit der Krise, denn vor einigen Wochen tauchten in den Social Media Videos einer jungen Frau auf, die von ihrem Verhältnis mit dem Kanzler erzählt.
Als in einem Berliner U-Bahntunnel eine kopflose Leiche gefunden wird, die das gleiche auffällige Tattoo wie die Vloggerin Kessy auf dem Unterarm hat, ermitteln Art Mayer und seine Partnerin Nele Tschaikowski, die nach ihrer Elternzeit seit kurzem wieder arbeitet.

Obwohl der eigenwillige Art niemanden an sich heran lässt, führen der Alltag mit quasi-Pflegetochter Milla und der Kontakt zur jungen Leo dazu, dass Art sich zumindest Gedanken über soziale Beziehungen macht, während Neles Vertrauen in ihren Lebensgefährten erschüttert wird. Mit Nele und auch durch Arts Gespräche mit Milla und Leo bekomme ich eine Ahnung davon, wie es in Mayer aussieht. Die Charaktere entwickeln sich und gewinnen noch mehr Tiefe, auch Hendrik Westphal wird durch Kessys Aufzeichnungen greifbarer. Ebenfalls glaubhaft ist die Figurenzeichnung der Nebendarsteller.

Immer wieder nimmt die Geschichte Bezug auf Ereignisse der Vorgängerbände, so dass ich dringend empfehle, die Reihe von Band Eins an zu lesen. Ohne Vorkenntnisse halte ich es auch für schwierig, die Beziehungen der Figuren zueinander zu verstehen.

Marc Raabe schreibt lebendig und bildhaft, fast filmisch, Kapitel enden meist mit Cliffhangern, die es schwierig machen, eine Pause einzulegen. Der Schreibstil ist schnell und leicht zu lesen, die Handlung ist fesselnd, gesellschaftspolitisch aktuell und von Beginn an durchgehend spannend. Der Autor erzählt aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen, beide gleichermaßen mitreißend und mit unerwarteten Wendungen. Die Auflösung war für mich überraschend und das Ende ein runder Abschluss.

Das Cover finde ich passend zur Geschichte unheilverkündend, vom Motiv und der Farbwahl her reiht es sich perfekt in die Serie ein. Ich kann 'Im Morgengrauen' unbedingt empfehlen, Marc Raabe ist mit dem vierten Art-Mayer-Band ein Thriller-Highlight gelungen.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Düster und hart

The Puppet Master
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Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die ...

Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die Opfer und treibt sie zum Selbstmord.
Caras kleines Ermittlerteam steht mit der steigenden Zahl von Suiziden zunehmend unter Zeitdruck. Die Abteilung tut sich sehr schwer, Anhaltspunkte zum Wie und Warum und überhaupt eine Verbindung zwischen den Toten zu finden und es gibt zu wenig Kollegen, die in dieser gefährlichen Einheit arbeiten wollen. Immer wieder werden die verlustreichen Ereignisse der Vergangenheit erwähnt, von denen die Vorgängerbände handeln. Wobei der erste Band der Reihe, The Echo-Man, erst im Herbst 2026 auf deutsch erscheinen wird. Und auch zu The Twenty, bei uns erschienen im Dezember 2024, gibt es mehrere Spoiler, was ich sehr schade finde.

Der psychische Zustand der Selbstmörder wird glaubhaft geschildert und auch die Emotionen der in der Vergangenheit traumatisierten Ermittler machen die Charaktere nahbar und menschlich. Ich habe sehr gern die Entwicklung der Protagonisten verfolgt, die mir aus The Twenty bereits bekannt waren und interessante neue Charaktere kennengelernt. Auch Nebenfiguren überzeugen, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben. Die Figurenzeichnung profitiert offensichtlich vom Psychologiestudium der Autorin. Mir war allerdings die Einbindung des familiären Hintergrunds Caras und Griffins zu viel, mir hätten die berufsbedingten schmerzhaften Erfahrungen gereicht.

Sam Holland schreibt klar, bildhaft und fesselnd, schockt gelegentlich auch mit grausamen Szenen. Erzählt wird der spannende Thriller aus verschiedenen, auch überraschenden, Perspektiven.
The Puppet Master hat mich mit einer makabren Geschichte und unerwarteten Wendungen gut unterhalten und ich freue mich auf das Finale der Reihe, das Sam Holland im Nachwort ankündigt.

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