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Veröffentlicht am 17.02.2026

Sehr spannend, aber die Auflösung enttäuscht

Fünf Fremde
1

Fünf Fremde reisen im Oktober mit der Fähre nach Neuwerk, vier von ihnen kennen die Insel in der Nordsee und sie haben das dramatische Verschwinden eines Jugendlichen vor 30 Jahren mit erlebt. Es ist immer ...

Fünf Fremde reisen im Oktober mit der Fähre nach Neuwerk, vier von ihnen kennen die Insel in der Nordsee und sie haben das dramatische Verschwinden eines Jugendlichen vor 30 Jahren mit erlebt. Es ist immer noch ungeklärt, was genau damals passiert ist, als Isa erst nach Tagen wieder auftauchte und Janosch verschwunden blieb.

Erzählt wird in der Gegenwart aus den wechselnden Perspektiven der fünf Protagonisten, zusätzlich schildert Isa die Woche im Schullandheim im Sommer 1995.
Wieso treffen die Charaktere gerade jetzt aufeinander, ist das Zufall? Die Geschichte entwickelt sich spannend, Informationen bekomme ich in kleinen Häppchen durch Erinnerungen und Gedanken der Hauptfiguren, doch ich habe immer mehr Fragen. Bis zu etwa Zweidritteln des Buchs ist der Spannungsaufbau sehr gelungen.

Romy Fölck Schreibstil ist gut zu lesen und ihr gelingt es, die Nordsee-Insel, ihre Natur und das im Herbst auch mal bedrohlich wirkende Wetter atmosphärisch zu beschreiben. Auch interessante geschichtliche Details und regionale Gegebenheiten erwähnt die Autorin. Weniger gut hat mir ihre Figurenzeichnung gefallen. Zu Beginn werden die Hintergründe der einzelnen Charaktere sehr ausführlich geschildert und existierende Beziehungen offen gelegt, aber empfundene oder ausgedrückte Emotionen habe ich bei den Protagonisten vermisst, Nähe hat sich in keinem Fall entwickelt. Mehr als einmal dachte ich 'show, don't tell' in Richtung der Autorin, die ich für ihre Elbmarsch-Krimis um Frida Paulsen sehr schätze.

'Fünf Fremde' ist lange spannend und temporeich und die Auflösung hat mich überrascht, aber Logikfehler, vielleicht um des dramatischen Effekts willen eingebaute, im Verlauf nicht aufgeklärte Details und am Ende offene Fragen haben mein Lesevergnügen doch beeinträchtigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 15.02.2026

Fesselnder Mix aus Krimi und Phantastik

The Tainted Cup
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Der junge Dinios Kol ist erst seit kurzem Praktikant bei der exzentrischen wie brillanten Ermittlerin Ana Dolabra, als er einen ungewöhnlichen Todesfall untersuchen muss. Ein hoher Offizier wurde durch ...

Der junge Dinios Kol ist erst seit kurzem Praktikant bei der exzentrischen wie brillanten Ermittlerin Ana Dolabra, als er einen ungewöhnlichen Todesfall untersuchen muss. Ein hoher Offizier wurde durch einen aus seinem Körper wachsenden Baum getötet.
Dinios ist ein durch Magie organisch angepasster und verbesserter Gravierer: was er am Tatort sieht, bemerkt und bei Zeugenbefragungen erfährt, wird in sein Gedächtnis graviert, so kann er seine Ermittlerin umfassend informieren, die am liebsten von zu Hause aus arbeitet. Anas Schlussfolgerungen veranlassen die beiden jedoch, nach Talagray aufzubrechen, Hauptstadt des Nachbarkantons und nah der Seemauer gelegen.

Die Geschichte wird aus Dins Ich-Perspektive erzählt, so teile ich seine Gedanken und Überlegungen und kann mir langsam ein Bild des Imperiums von Khanum machen. Die Gesellschaft ist militärisch strukturiert aufgrund der alljährlichen Bedrohung durch Leviathane, die in der Regenzeit aus der östlichen See kommen. Schutz bieten drei hohe Ringwälle, an denen unermüdlich gearbeitet wird. Hilfreich finde ich die Karte des Imperiums vorne im Buch, auch die Militärränge werden hier übersichtlich aufgelistet.

Bennetts lebendiger Schreibstil ist angenehm zu lesen, trockener Humor lockert die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte auf, die Figurenzeichnung ist gelungen. Es macht Spaß, Ana und Din bei ihren Ermittlungen zu begleiten, sie ergänzen einander und bilden ein ungewöhnliches Team, und ich lerne beide Charaktere immer besser kennen. Die Handlung ist komplex und überrascht mit unerwarteten Entwicklungen. The Tainted Cup ist sowohl ein durchgehend fesselnder, spannender Krimi als auch einfallsreiche, düstere Phantastik. Im Lauf der Geschichte erfahre ich mehr über das Imperium von Khanum, aber ich hätte mir einen detaillierter beschriebenen Weltenbau gewünscht. So hoffe ich auf mehr Informationen im Folgeband, der im Mai 2026 auf deutsch erscheinen wird.
Robert Jackson Bennetts Genremix aus Krimi und Fantasy hat mir mit den vielen Wendungen und dem unvorhersehbaren Ende sehr gut gefallen und ich freue mich auf 'A Drop of Corruption'.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Packend, spannend, überraschend und sehr unterhaltsam

Die Witwe
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DS Washington Poe will die Gerichtsverhandlung um den verlangten Rückbau seiner Schäferhütte im Lake District National Park genießen, diesmal als Beschuldigter, nicht als Zeuge, und mit der brillanten ...

DS Washington Poe will die Gerichtsverhandlung um den verlangten Rückbau seiner Schäferhütte im Lake District National Park genießen, diesmal als Beschuldigter, nicht als Zeuge, und mit der brillanten Analytikerin Tilly Bradshaw an seiner Seite als Verteidigerin, doch unvermittelt werden beide abgerufen, um den Tod eines Hubschrauberpiloten in einem verlassenen Bordell in Carlisle aufzuklären. Da in Carlisle ein Wirtschaftsgipfel mit hochrangigen Teilnehmern bevorsteht, sind auch der MI5 und das FBI, vertreten durch Agent Melody Lee, beteiligt. Lee hat Poe als Ermittler angefordert, weiß sie doch vom vorhergehenden Fall um den Kurator, dass Poe keine Angst hat, jemandem auf die Füße zu treten, Politik ihn nicht kümmert und er sich von niemandem aufhalten lässt, wenn er sich in eine Ermittlung verbissen hat.

M. W. Craven schreibt aus Poes Perspektive lebendig, bildhaft und mit trockenem Humor, Poes Dialoge, besonders seine Gespräche mit der bei Aufregung immer noch sozial unbeholfenen Tilly, sind oft witzig und sehr unterhaltsam. Alle Charaktere werden authentisch und vielschichtig dargestellt, ihre Motive sind psychologisch glaubhaft.

Poes Hintergrund und Tillys Entwicklung, sein abgelegenes Heim in Cumbria, seine befreundete, noch krankgeschriebene Vorgesetzte DI Flynn werden angesprochen, das rekapituliert den Stand der Dinge für Leser, die bereits Bücher der Reihe kennen und macht Neueinsteiger neugierig auf die Vorgängerbände.

Die unerschütterliche Freundschaft und grandiose Zusammenarbeit von Poe und Bradshaw hat mir viel Spaß gemacht, Tilly gleicht Poes fehlendes technisches Wissen aus und beschafft Informationen schnell und fraglos, er kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Und Poe stärkt Tillys soziale Kompetenz und ihr Selbstvertrauen.
Ich habe die spannenden Ermittlungen und ihre oft überraschenden Ergebnisse fasziniert verfolgt, Poes unerschrockene Hartnäckigkeit und Akribie bewundert, mit der er jeder noch so kleinen Spur nachgeht, obsessiv alle Fragen beantwortet haben will. Craven hat einen clever konzipierten und gut recherchierten Thriller geschrieben, der mich mit seiner Komplexität und vielen unerwarteten Wendungen gefesselt und bis zum Schluss bestens unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Eine Frau weiß sich zu helfen

Das Signal
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Viola Decker verliert bei einem Unfall ein Bein. Ihr Ehemann Adam kümmert sich um alles notwendige, bereitet das Erdgeschoss ihres Hauses für Violas Rückkehr aus dem Krankenhaus vor und engagiert eine ...

Viola Decker verliert bei einem Unfall ein Bein. Ihr Ehemann Adam kümmert sich um alles notwendige, bereitet das Erdgeschoss ihres Hauses für Violas Rückkehr aus dem Krankenhaus vor und engagiert eine Pflegerin. Viola steht Adams Aktivität in nichts nach, gewissenhaft macht sie ihre Übungen und kann es kaum erwarten, ihre Selbstständigkeit zurück zu gewinnen. Denn von der Pflegerin und auch Adam fühlt sie sich nicht nur ständig beobachtet, sondern auch bevormundet und eingeschränkt. Um Hilfsmittel außerhalb ihres Blickfelds schnell finden zu können, stattet sie sie mit Trackern aus und erweitert diese Überwachung bald auch auf Adam, da sie seinen Tagesablauf nachverfolgen können will. Er scheint ihr nicht immer die Wahrheit zu erzählen.
Eine schöne Idee ist der Wiener Stadtplan mit Positionsmarkierungen vorne und hinten im Einband.

Viola erzählt aus ihrer Ich-Perspektive, sie hat Humor und macht sich nichts vor, weckt meine Neugier mit Andeutungen zu ihrer Vergangenheit und hat eine vage, nicht ausgesprochene Ahnung in Bezug auf den Unfall, sie bleibt dem Leser gegenüber eher auf Distanz. Unterschwellige Spannung entsteht durch die Frage, wie genau es zu dem Unfall kam und wie sich die Beziehung zu Adam weiter entwickeln wird. Viola ist eine Protagonistin, die mit ihrer Beharrlichkeit überzeugt und mich überraschen konnte. Wie sie mit ihrer körperlichen Einschränkung zurecht kommt, finde ich glaubwürdig beschrieben.

Ursula Poznanskis eingängiger Schreibstil ist wie gewohnt sehr angenehm zu lesen und sie hat mehrere in der Geschichte angesprochene Themen meiner Meinung nach gut recherchiert und sich eine ungewöhnliche Ausgangssituation für 'Das Signal' einfallen lassen. Mich hat das Buch mit dem schönen, auffälligen Cover und einigen unerwarteten Wendungen gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Spannend und geschickt aufgebaut

This Story Might Save Your Life
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Joy Moore und Benny Abbott sind beste Freunde und betreiben einen sehr erfolgreichen Comedy-Podcast, in dem es um Ideen rund um das Überleben skurriler Abenteuer geht, die auf wahren Begebenheiten beruhen. ...

Joy Moore und Benny Abbott sind beste Freunde und betreiben einen sehr erfolgreichen Comedy-Podcast, in dem es um Ideen rund um das Überleben skurriler Abenteuer geht, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Eines Tages ist Joy spurlos verschwunden, genau wie ihr Ehemann. Benny sucht Joy verzweifelt und gerät bald in den Fokus der Polizei.

Erzählt wird abwechselnd aus Joys und Bennys Perspektive, so dass ich ihren Gedanken und Gefühlen ganz nah bin, auch Hintergrund und Vergangenheit der Hauptfiguren kommen zur Sprache. Beide machen in ihren Erzählsträngen Andeutungen, die ich zunächst nicht interpretieren kann, so dass die Geschichte nicht nur in chronologischer Hinsicht spannend bleibt. Aber auch Emotionen wie Freundschaft und Liebe spielen eine große Rolle und erweitern den Thriller um einen berührenden Aspekt.

Tiffany Crums Schreibstil ist angenehm zu lesen, sie schreibt lebendig und schafft glaubwürdige Charaktere. Joys und Bennys Umgang miteinander ist von Humor geprägt und vertrauensvoll, es wird deutlich, dass ihr enges Verhältnis etwas besonderes ist. Der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten und es gibt Wendungen, die mich überrascht haben. Am Ende bleiben keine Fragen offen. 'This story might save your life' mit dem auffälligen Cover und einem interessanten Setting im Umfeld von Podcastern ist mit Bennys chronologischer Erzählperspektive und Joys Manuskript, das mit den Anfängen beginnt, geschickt aufgebaut und hat mich gut unterhalten. Der Autorin ist ein fesselndes Roman-Debüt gelungen, Respekt!

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