Überzeugender Mix von spannendem Krimi und fesselnder Phantastik
A Drop of CorruptionDinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem ...
Dinios Kol, Gehilfe der so brillanten wie exzentrischen Ermittlerin Ana Dolabra, und seine Chefin werden zu einem unerklärlichen Mordfall gerufen. Ein Angehöriger des imperialen Schatzamtes war aus seinem verschlossenen Zimmer in Yarrow verschwunden und seine Überreste fünf Tage später gefunden worden.
Dolabra arbeitet am liebsten in ihrem Zimmer und trägt meistens eine Augenbinde, um sich vor Reizüberflutung ihres Verstandes zu schützen. Kol ist ein biologisch manipulierter und organisch verbesserter Gravierer, er erinnert alles, was er sieht und hört und führt für die Ermittlerin Befragungen und Begehungen durch, aus denen sie ihre Schlüsse zieht.
Das Verbrechen hat sich in Yarrow ereignet, einem Königreich, dessen baldiger Beitritt zum Imperium vor fast 100 Jahren vereinbart wurde. Durch Vergleiche zwischen Yarrow und dem Imperium kann ich mir ein immer besseres Bild vom imperialen Reich machen, das hatte mir im Vorgängerband 'The Tainted Cup' etwas gefehlt. In 'A Drop of Corruption' wird der Weltenbau für mich vollständiger. Über gesellschaftspolitische Themen habe ich genau so gern gelesen wie über die Khanum, aus denen das militärisch strukturierte Imperium hervorgegangen ist und dessen Grundlage die alljährliche Abwehr von Leviathanen aus der See bleibt, die Forschung an den getöteten Ungeheuern und die Gewinnung all der wichtigen Reagenzien, die unverzichtbar sind für das Imperium.
Genau so fesselnd wie die phantastische Geschichte ist der komplexe Krimifall. Der Täter ist den Ermittlern stets mehr als nur einen Schritt voraus und die Untersuchung bringt Dolabra an ihre Grenzen. Ihre Schlussfolgerungen sind genial und haben mich wiederholt überrascht. Die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte steigert sich sogar noch bis zum Ende und das Buch bleibt spannend bis zum Schluss.
Robert Jackson Bennett schreibt flüssig und angenehm zu lesen, er beweist Kreativität und Humor, etwa beim Auftreten der Figur Malo oder bei der Benennung von schnell wachsenden Pflanzen (Hastranken) oder leistungssteigernden Plantaten (Schnelltrieb). An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzer Karla und Jakob Schmidt.
Erzählt wird aus Kols Ich-Perspektive, so dass ich seine Gedanken und Gefühle teile, diesmal erfahre ich auch mehr über seine Vergangenheit. Der Protagonist entwickelt sich im Lauf der Geschichte und auch das Verhältnis zwischen Kol und Dolabra verändert sich. Ebenso glaubhaft werden Nebencharaktere beschrieben, die Figurenzeichnung gefällt mir gut, nur Dolabras häufiges derbes Fluchen stört mich etwas.
'A Drop of Corruption' hat mich mit seiner Kombination aus spannendem Krimi und faszinierender Phantastik überzeugt und mir ein packendes Lesevergnügen bereitet. Ich freue mich auf einen weiteren Band der Reihe.