Flucht aus der Zukunft, die viel zu echt wirkt
Man denkt ja bei dystopischen Jugendthrillern immer kurz: kenn ich schon, läuft bestimmt wieder auf Rebellion, Freundschaft und großes Finale hinaus. Und dann sitzt man da auf dem Sofa, liest „nur noch ...
Man denkt ja bei dystopischen Jugendthrillern immer kurz: kenn ich schon, läuft bestimmt wieder auf Rebellion, Freundschaft und großes Finale hinaus. Und dann sitzt man da auf dem Sofa, liest „nur noch ein Kapitel“ – und plötzlich ist Mitternacht. Genau so ein Buch ist The Factory.
Schon nach den ersten Seiten hing Spannung in der Luft wie ein Gewitter, das einfach nicht losbricht. Diese sterile Anlage, die Versprechen von Bildung und Zukunft, und gleichzeitig Stacheldraht, Wachen und dieses unangenehme Gefühl im Bauch, dass hier gar nichts stimmt. Beim Lesen kam nur ein leises „Papa… das ist gruselig“ von rechts neben mir, gefolgt von hektischem Umblättern, weil Aufhören keine Option war. Buddyread-Level: komplett verloren.
Besonders stark ist, wie nah man Asher kommt. Kein Superheld, kein allwissender Rebell – sondern ein Junge, der einfach versucht zu verstehen, was hier passiert. Genau darüber haben wir ständig diskutiert. Vertrauen? Weglaufen? Kämpfen? Die Meinung auf der Couch wechselte schneller als die Kapitel. Und ja, ein paar Szenen waren so intensiv, dass kurz das Buch zuging… nur um fünf Sekunden später wieder aufzuklappen. Man muss ja wissen, wie’s weitergeht.
Die Themen fühlen sich erschreckend echt an: Überwachung, KI, Klimawelt, Machtmissbrauch. Nichts davon wirkt belehrend, sondern eher wie ein Blick in eine Zukunft, die unangenehm nah ist. Das sorgt für ordentlich Gänsehaut – und für Gespräche, die viel länger dauern als die eigentliche Lesepause.
Am Ende bleibt dieses seltene Gefühl: richtig mitgefiebert, gemeinsam gezittert, zusammen Theorien gesponnen. Und jetzt dieses leise Stöhnen neben mir: „Wir brauchen sofort Band zwei.“ Mehr Empfehlung geht eigentlich nicht.