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Veröffentlicht am 09.03.2026

Die Gouvernante

Der Wille der Gräfin
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Für die adelige Hanna bleibt kein Erbe über. Möchte sie nicht bei ihrer Tante Unterschlupf suchen, so muss sie wohl selber als Gouvernante für ihr Auskommen sorgen. Nur knapp schrammt sie in Karlsbad an ...

Für die adelige Hanna bleibt kein Erbe über. Möchte sie nicht bei ihrer Tante Unterschlupf suchen, so muss sie wohl selber als Gouvernante für ihr Auskommen sorgen. Nur knapp schrammt sie in Karlsbad an einem Unglück vorbei und lernt kurz darauf Gräfin Valeria kennen, welche für ihre verwaiste Enkelin eine Erzieherin sucht. Allerdings stellt sie Hanna nicht ohne Hintergedanken ein.

Dieser unterhaltsame Roman, welcher im Jahre 1896 spielt, erzählt die Geschichte einer tatkräftigen jungen Frau, die auf eigenen Füßen stehen möchte und viel mehr mitbringt, als von einer Gouvernante erwartet wird. Keinesfalls möchte sie das Geheimnis um ihre adelige Abstammung preisgeben und muss daher genau darauf achten, wie sie sich gibt und was sie sagt. Das angestammte Personal beäugt die Neue skeptisch und auch die störrische Enkelin Antonia, Hannas Zögling, ist eine Herausforderung.

Aus dem bereits aus früheren Romanen bekannten Karlsbad geht es diesmal Richtung Ungarn. Mit lebendigen Bildern vor Augen und entsprechender Atmosphäre quartieren wir uns auf einem weitläufigen Anwesen ein, sitzen auf der Terrasse und beobachten das bunte Treiben zwischen Gutshof und Pferdestallungen. Natürlich bleiben Eifersucht und Intrigen nicht aus, sodass es nach der etwas lang andauernden Reise doch wieder spannend wird. Wie gewohnt, ist die Geschichte auf der letzten Seite nicht zu Ende, eine Fortsetzung in Heiligendamm mit frischer Ostseeluft wartet hoffentlich bald auf die neugierigen Leser.


Veröffentlicht am 09.03.2026

Esja-Frauen

Moosland
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Ein Aufruf der isländischen Bauernpartei im Jahre 1949 bewegt etwa 300 Frauen aus Deutschland, ihre Heimat hinter sich zu lassen und als Landarbeiter auf die Insel zu kommen. Der Lohn ist hoch und im Verliererland ...

Ein Aufruf der isländischen Bauernpartei im Jahre 1949 bewegt etwa 300 Frauen aus Deutschland, ihre Heimat hinter sich zu lassen und als Landarbeiter auf die Insel zu kommen. Der Lohn ist hoch und im Verliererland scheint ohnehin keine Zukunft zu liegen. So brechen auch Elsa und ihre Freundin Gerda auf in eine fremde Welt, besteigen voller Aufregung den Passagierdampfer Esja (daher die Bezeichnung Esja-Frauen).

Auf großartige Weise fängt Katrin Zirpse die Situation von Elsa ein, beginnt mit der Ankunft am Hof, dem die junge Frau zugeteilt ist. Das Land ist völlig anders, die Menschen arm, die Sprache unvertraut. So schweigt Elsa, verliert sich ihrer Trauer um Familie und Freunde. Auf ihre eigene Art findet sie sich schließlich in den Alltag der Eheleute und der beiden Söhne ein, passt sich zwangsläufig an, weil ihr gar nichts anderes übrigbleibt. Der leicht melancholisch nüchterne Schreibstil der Autorin spiegelt die Atmosphäre auf Island und Elsas Gedanken perfekt wider, es handelt sich um eine bewegende Erzählung, welche ohne wortreiche Dialoge auskommt und dennoch ein klares Bild auf die Geschehnisse wirft. Der wechselseitige Einfluss der Personen wird bald deutlich, die kleine Gruppe an Figuren ist schnell kennengelernt, so unterschiedlich sie auch mit der Fremden am Hof umgehen. Trotz der vielen alltäglichen Situationen bleibt der Spannungsbogen durchgehend hoch, einige unklare Tatsachen suchen sich nur allmählich ihren Weg ans Licht. Das Ende bleibt in gewisser Weise offen und beschreibt dennoch recht deutlich, wie es Elsa, stellvertretend für die realen Esja-Frauen, ergangen ist, als sie ihre Wurzeln und ihre Identität in der Heimat zurückgelassen haben.

Ein wunderbares, wenngleich mitunter trauriges Abbild der historischen Gegebenheiten. Den Neubeginn in Island stellt Katrin Zipse ausgezeichnet dar mit einem gelungenen Mix aus detaillierter Recherchearbeit und entsprechenden fiktiven Elementen. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Die Lotsennummer

Der Gesang der See
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Am Lotsenhof auf einer kleinen norwegischen Fischerinsel lebt Kristiane gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Ehemann Anders. Als dieser auf hoher See den Tod findet, ist Kristiane gezwungen, ...

Am Lotsenhof auf einer kleinen norwegischen Fischerinsel lebt Kristiane gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Ehemann Anders. Als dieser auf hoher See den Tod findet, ist Kristiane gezwungen, die Lotsennummer ihrer Familie abzugeben oder sich einen neuen Ehemann zu suchen, der bereits als Lotse zugelassen ist oder die notwendige Prüfung ablegt. So lauten die klaren Regeln, welche das karge und entbehrungsreiche Leben im rauen Norwegen begleiten, eine Frau selbst hat wenig zu sagen und schon gar nichts zu entscheiden. Die junge Witwe steht vor einer schwierigen Wahl und kämpft für ihre Zukunft.

Eine wunderbare Erzählung, beruhend auf genauer Recherche und inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, erwartet die geneigten Leser bei Trude Teiges erstem Roman, der nun erstmals auch auf Deutsch erscheint. Bewegende Szenen, präzise Charakterstudien und die Kulisse einer wilden Landschaft prägen das Geschehen. Mit ruhigen, dennoch eindringlichen Worten schildert Trude Teige Kristianes Schicksal, stellt deren Zwiespalt zwischen Tradition und Aufbegehren gegen scheinbar unabänderliche Strukturen bildlich dar. Wie auch in ihrer „Großmutter-Trilogie“ steht eine starke, mutige Frau im Mittelpunkt der Handlung. Fischerei und Schifffahrt sind zwar Sache der Männer, aber Kristiane will das nicht unwidersprochen hinnehmen, immer wieder trifft sie eigene Entscheidungen, wodurch sie ihre Nachbarn vor den Kopf stößt und auch gegen kirchliche Bevormundungen weiß sie sich zu wehren. Geht sie kluge oder falsche Wege? Das ist natürlich eine Frage der Sichtweise.

Trotz der Kürze von etwa 250 Seiten hat dieses Buch eine enorme Aussagekraft, kann es mit der knappen Handlung und der großartigen, vorherrschenden Atmosphäre absolut überzeugen. Ich empfehle diese großartige Geschichte uneingeschränkt weiter.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Mutige Sofia

Die Papierschöpferin
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Corrado di Maderno, Besitzer einer Papiermühle am Gardasee, kehrt von seiner Reise nach Venedig nicht mehr zurück. Er sei an der Pest verstorben, heißt die Nachricht an seine Familie, wodurch Tochter Sofia ...

Corrado di Maderno, Besitzer einer Papiermühle am Gardasee, kehrt von seiner Reise nach Venedig nicht mehr zurück. Er sei an der Pest verstorben, heißt die Nachricht an seine Familie, wodurch Tochter Sofia mit ihren jüngeren Geschwistern auf sich allein gestellt ist, denn die Mutter lebt auch nicht mehr. Am liebsten würde Sofia selbst die Geschicke der Papiermühle weiterführen, aber das ist im 15. Jahrhundert natürlich nicht denkbar. Frate Sebastiano als Vormund unterstützt sie daher, um einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden und in der Zwischenzeit für die Kinder zu sorgen. Eine Reise nach Augsburg und ein junger Novize sorgen dabei für Aufregung.

Sehr überzeugend malt Anna Thaler ihr Bild der damaligen Zeit, beschreibt eindrücklich das Handwerk des Papierschöpfens und die Not der zurückbleibenden Geschwister nach dem Tod der Eltern. Aus freundlich gesinnten Nachbarn werden plötzlich Konkurrenten, welche die einst gut gehende Papiermühle als Trophäe vor Augen haben. Und auch Menschen, welche es gut meinen mit Sofia, legen oftmals nur ihre eigenen Weltvorstellungen als Maßstab an, während sie übersehen, was für die talentierte junge Dame das Beste ist. Denn auch wenn ihr keine besondere Bildung zuteil geworden ist, so spürt sie im Herzen, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Umso schöner ist es, mitzuerleben, wie Sofia an den Herausforderungen wächst, sie mit Verstand und Mut nach Augsburg und Venedig reist, wo sie eine gefährliche Information erhält.

Ohne überbordende Emotionen fließt die Geschichte gleichmäßig dahin, bringt viel Interessantes über die Papierherstellung und den Buchdruck, eine leise Romanze ergibt sich wie nebenbei. Das Bild der damaligen Zeit fühlt sich stimmig an und bietet gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Das Buch

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Als Hanna an einer schweren Krankheit stirbt, lässt die ein frisch verfasstes Buch zurück. Nun versteht ihre Tochter Anne, warum sie zuletzt von einer schweren Schuld und von einem fremden Mädchen namens ...

Als Hanna an einer schweren Krankheit stirbt, lässt die ein frisch verfasstes Buch zurück. Nun versteht ihre Tochter Anne, warum sie zuletzt von einer schweren Schuld und von einem fremden Mädchen namens Rosa gesprochen hat. Anne öffnet mit dem Buch eine recht ruhige und dennoch sehr bewegende Geschichte für sich selbst und alle Leser von „Vergiss nicht zu tanzen, Hanna“.

Der Rahmen ist schmal, die Erzählung aus der Sicht von Hanna in der Ich-Form nimmt nahezu den gesamten Raum ein und erfüllt alle Erwartungen an diesen eher schmerzlich anmutenden Roman, der im Raum Westpommern spielt. Trotz aller Beschwerlichkeiten während der Zeit des Nationalsozialismus hegen die Mitglieder der Familie Gehrken immer wieder Mut und Hoffnung, allen voran der Großvater, der selbst schon im Ersten Weltkrieg gedient hat und trotz seiner einfachen Schulbildung viel Lebensweisheit an seine Enkelin weitergeben kann. Das Dasein am Bauernhof ist hart und entbehrungsreich, schon die Kleinsten bekommen ihre Aufgaben zugeteilt, müssen Gänse hüten oder Hühner füttern und im Haushalt fleißig mithelfen. Die Lage wird ernster, als am Schulgebäude Hakenkreuzfahnen gehisst werden und Rassenunterschiede Thema werden, aber auch da findet sich eine Ausnahme in Form des Deutschlehrers, der bunte Fabeln erzählt und zum Träumen einlädt. Die Geschichte von Hanna und ihrer Familie, von treuen Parteigenossen und gläubigen Katholiken, von Freundschaft und Abkehr, von Zweifeln und Hoffnung nimmt ihren Lauf, zeichnet ein realitätsnahes Bild einer schwierigen Zeit und richtet ihren Blick insbesondere auf zwei sehr enge Beziehungen innerhalb der Familie Gehrken, nämlich zwischen Hanna und Ihrem Großvater und zwischen Hanna und ihrer kleinen Schwester Rosa. Durch Buschs präzise Sprache und einfühlsame Szenen erleben wir mit der anfangs achtjährigen Hanna eine prägende Lebensphase und spüren einem wichtigen Stück historischen Geschehens nach.

Ein still daherkommendes Buch, das dennoch so viel zu sagen hat – detailliert recherchiert, persönlich inspiriert. Empfehlung!

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