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Veröffentlicht am 19.01.2026

Lebensentwürfe

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Marlen aus Güstrow und Hannah in Berlin sind die zwei Hauptfiguren, um die sich dieser Roman auf zwei Zeitebenen dreht. Während Marlen zum Kriegsende, im Mai 1945, in einem verlassenen Forsthaus Zuflucht ...

Marlen aus Güstrow und Hannah in Berlin sind die zwei Hauptfiguren, um die sich dieser Roman auf zwei Zeitebenen dreht. Während Marlen zum Kriegsende, im Mai 1945, in einem verlassenen Forsthaus Zuflucht sucht, grübelt Hannah im Jahre 2023, wie sie damit umgehen soll, dass ihre beste Freundin aufs Land zieht und ihr Vater nach 34 Jahren plötzlich in ihrem Leben auftaucht.

Zwei höchst unterschiedliche Geschichten, beide mit ihrem eigenen Reiz, welche verbunden sind durch ein verbindendes kleines Ölbild, erzählt Alena Schröder in diesem bunten Roman. Viel Leid, schwere Schicksalsschläge und die Gabe, sich fürs Richtige zu entscheiden, scheinen mir wesentliche Elemente zu sein, dazu die Beziehungen innerhalb einer Familie und die Bürde, welche einem mitunter von seinen Vorfahren mitgegeben wird. Der Erzählfluss ist angenehm, viel schwingt zwischen den Zeilen mit, sodass nicht alles ausgesprochen werden muss, da und dort leidet dadurch allerdings auch die besondere Nähe zu den Figuren, welche ich mir beim Lesen immer wünsche. Die namenlose Leinwand zieht sich wie ein roter Faden durchs Geschehen, bleibt aber in seinem Effekt am Ende hinter den Erwartungen zurück. Die Berührung zwischen den beiden Handlungssträngen bleibt zart wie ein Stückchen Seide, was ich sehr schade finde. Möglicherweise könnte ich das Geschehen besser einordnen, hätte ich die anderen beiden Bücher über Hannah, Silvia und Evelin gelesen, dies war mir leider zu Beginn nicht klar. Die Lebensentwürfe von Marlen und Hannah werden jedoch sehr anschaulich skizziert, was daraus wird … lest selbst!

Mein ganzes Leben wird stimmungsvoll erzählt und besticht durch die leicht melancholische Stimmung in beiden Zeitebenen.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Die Schornsteinfegerin

Schwarze Schuld
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Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort ...

Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort tot gewesen sein soll, kann sie kaum glauben. Zudem ist der Besitzer desselben Hauses auf seiner Kellertreppe zu Fall gekommen und ebenfalls nicht mehr zu retten gewesen. Ein bisschen viel Zufall, findet Lena Becker und geht der Sache nach.

Ein idyllisches Städtchen, weitreichende Obstplantagen und überspitzt gezeichnete Charaktere – so der erste Eindruck zu diesem Buch. Polizeiobermeister Timmermann wird immer schon als dümmlich eingeschätzt, sein Name Kevin ist Programm. Zwar gibt es zwei Tote, aber er denkt nicht gleich an Mord, erst Lena, die neue Bezirksschornsteinfegerin, wittert Geheimnisse und Intrigen. So kommt es, dass Becker und Timmermann Ermittlungen anstellen und allerhand Neues ans Tageslicht zerren. Leider stehen Dorftratsch und kuriose Figuren eher im Mittelpunkt als aufregende Krimielemente, die am Titelbild des ebooks angekündigte „Top-Spannung“ will sich zu keiner Zeit recht einstellen. Während die ersten Kapitel eher träge dahinplätschern, tut sich später dann doch ein bisschen mehr, chaotische und unglaubwürdige Szenen mindern das Lesevergnügen aber auch hier so weit, dass die schlüssig zusammenlaufenden Fäden am Ende bei mir kaum Lust auf eine Fortsetzung aufkommen lassen.

Wer eher einen Wohlfühlkrimi mit ungewöhnlichen Hauptdarstellern sucht als klassische Spannung, der wird mit diesem Buch jedoch auf vergnügliche Stunden zählen können.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Irrwege

Harpers Ferry. Lose Me Once
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Fast zwei Jahre nach ihrer überstürzten Abreise aus Harpers Ferry kehrt Emery in ihre Heimat zurück, der Anlass ist traurig, denn ihre geliebte Großmutter ist verstorben. Natürlich trifft sie auch auf ...

Fast zwei Jahre nach ihrer überstürzten Abreise aus Harpers Ferry kehrt Emery in ihre Heimat zurück, der Anlass ist traurig, denn ihre geliebte Großmutter ist verstorben. Natürlich trifft sie auch auf Luke und unterdrückte Gefühle wallen wieder auf, aber wie soll sie vergessen, wessen er sich schuldig gemacht hat? Liebe kämpft gegen Moral, Irrwege sind vorgezeichnet, wenn man schweigt.

Auf unterschiedlichen Zeitebenen, welche sich langsam einander annähern, erzählt Christina Kaspar diesen Roman und schafft es geschickt, gewisse Geheimnisse bis zum Ende zu bewahren. So bleibt sie Spannung durchgehend hoch und das Knistern zwischen Emery und Luke spürbar. Während die ersten Kapitel aufgrund der Zeitwechsel etwas verwirrend sind und man sich erst in die Situation hineinfinden muss, wird die Handlung im Laufe der Zeit immer fesselnder, die Nähe zu den Figuren größer. Liebevolle Details zur Kleinstadt mit ihren einzelnen Handwerken, Grannys Töpferei und der Umgang miteinander ist sehr gut gelungen und plastisch vorstellbar, ebenso ist die Gefühlswelt von Emery und Luke schön nachzuvollziehen. Vielleicht hätte die Anziehung zwischen den beiden da und dort noch deutlicher werden können, dafür überrascht die psychologisch-kriminalistisch angehauchte Ebene umso mehr mit ihren unvorhersehbaren Wendungen. Auch die letztendliche Auflösung finde ich durchaus passend.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bin ich recht gut in Harpers Ferry angekommen und habe die langsame Annäherung an die Wahrheit tatsächlich genießen können. Leseempfehlung eher für jüngeres Publikum.

Veröffentlicht am 15.01.2026

Funkeltage

Winterglück und Inselzauber: Ein Weihnachtsfest auf Borkum
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Oma Thea hat mit ihrem Enkelsohn Leon stets Funkeltage verbracht in der Vorweihnachtszeit, mit ihm gebacken und gebastelt. Nun ist die Großmutter tot, die Freude auf das zauberhafte Fest getrübt und aufgrund ...

Oma Thea hat mit ihrem Enkelsohn Leon stets Funkeltage verbracht in der Vorweihnachtszeit, mit ihm gebacken und gebastelt. Nun ist die Großmutter tot, die Freude auf das zauberhafte Fest getrübt und aufgrund eines Schneesturms auch noch die Reise ins Allgäu zu den Verwandten abgesagt, denn der Fährverkehr ist eingestellt und die Nordseeinsel Borkum vom Festland abgeschnitten. Umgekehrt sind auch die Feriengäste der Pension Meereszauber, welche Leons Mutter Julia führt, auf der Insel gefangen. Notgedrungen richten sich Julia und ihre vier Gäste darauf ein, die Feiertage gemeinsam auf dem eingeschneiten Eiland zu verbringen.

Eine zauberhafte Geschichte mit tiefwinterlichem Flair eröffnet sich hier dem Leser, besonders der sechsjährige Leon wächst einem gleich ans Herz. Aber auch alle anderen Figuren überzeugen durch ihre realitätsnahe Zeichnung, selbst wenn sie auf den ersten Blick unnahbar wirken. Das Schicksal zwingt ein pensioniertes Ehepaar, eine aufstrebende Sängerin und einen gestressten Managertypen dazu, auf Borkum zu bleiben, da will Julia wenigstens das Beste herausholen aus der misslichen Lage. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn der Sohn um die geliebte Oma trauert und zwei von den Pensionsgästen alle naselang nervös die Internetverbindung überprüfen, weil sie daheim wichtigen Plänen nachgehen wollen. Der herzliche Schreibstil, das erzwungene Innehalten im allzu flotten Lebensfluss, die vorweihnachtliche Stimmung und das Blitzeis sorgen für ausreichend Abwechslung, jede einzelne Person muss danach trachten, etwas aus der angespannten Situation für sich mitzunehmen. Dies darzustellen gelingt Claudia Schirdewan auf unterhaltsame Weise, sodass der Roman rasch gelesen ist. Die Länge mit knapp 300 Seiten ist perfekt gewählt, weder kommt Langeweile auf, noch bleiben Fragen offen. Ob zu Weihnachten tatsächlich wieder alles funkelt?

Wie Notlagen das Leben verändern können und wie eine Geschichte mit Romantik und Tiefgang gleichzeitig punkten kann, das erleben wir hier auf Borkum. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Der Pferdeprinz

Kein Schwede ist auch keine Lösung
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Emily Bishop ist seit sechs Monaten in Dubai und startet nun voll durch mit ihrer humorvollen morgendlichen Radiosendung bei Dubai Eye. Dabei nimmt sie durchaus einmal eine bekannte, in der Öffentlichkeit ...

Emily Bishop ist seit sechs Monaten in Dubai und startet nun voll durch mit ihrer humorvollen morgendlichen Radiosendung bei Dubai Eye. Dabei nimmt sie durchaus einmal eine bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Person aufs Korn, aktuell den Schweden Sven Lundström, der zwei stilvolle Luxushotels und ein Pferdegestüt betreibt und daher eher spöttisch als „Pferdeprinz“ abgekanzelt wird. Für sein neuestes Projekt sucht Lundström einen Investor und stimmt der Idee seines PR-Managers zu, eine Reportage direkt aus einem seiner Hotels zu senden. Dass Dubai Eye ausgerechnet Emily schickt, hat er dabei nicht einkalkuliert.
Voller Humor und doch auch mit Tiefgang erzählt Autorin Karin Lindberg diese dritte Geschichte vor der atemberaubenden Kulisse Dubais. Neben Glanz und Glamour gibt es auch typisch nordeuropäisches Flair und exotische Gewürzdüfte in den engen Gassen des alten Souks. Ein paar alte Bekannte, samt Pferdedame Sundancer, trifft man natürlich auch und ist als Kenner der Reihe „Sand & Sweethearts“ schnell wieder mitten im Geschehen, das Buch lässt sich aber ebenso für sich allein bestens lesen. Die Handlung mit der Radiomoderatorin Emily Bishop und dem Hotelmagnaten Sven Lundström ist überaus unterhaltsam und gerade, als man denken möchte, alles bestens, nimmt das Schicksal eine Wende. Lindberg versteht es ausgezeichnet, auch die Gefühlswelt ihrer Figuren darzustellen und romantische Szenen einzuflechten, die sogar in der heißen Wüste Herzen höher schlagen lassen.
Lindbergs Liebe zu Land und Leuten ist in jeder Zeile spürbar, so lebendig und authentisch verfasst sie ihre Romane vor der abwechslungsreichen Kulisse Dubais. Dass ihre Figuren – zumindest die meisten – so sympathisch sind, ergibt sich von selbst. Eine – gedankliche – Reise nach Dubai zu Emily und Sven kann ich also nur empfehlen!