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Veröffentlicht am 06.11.2025

Trubel in der Passerstadt

Die Welt in Meran - Walzerblut
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Wir schreiben das Jahr 1872, Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und ebenso unterschiedlichsten Beweggründen tummeln sich in Meran. Sei es, dass sie als Kurgäste im Ort sind, sei es, ...

Wir schreiben das Jahr 1872, Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und ebenso unterschiedlichsten Beweggründen tummeln sich in Meran. Sei es, dass sie als Kurgäste im Ort sind, sei es, dass sie den passenden Ehepartner zu finden hoffen, aber auch Ärzte und Baumwollarbeiter trifft man hier an. Nur hinein ins Vergnügen, wessen Wege wird man kreuzen?

Interessante Zeitungsartikel oder Briefauszüge stehen jedem einzelnen Kapitel voran, so erfährt man gleich zu Beginn, dass zur damaligen Zeit die Liste der ankommenden Gäste veröffentlicht wird, um Einladungen für Antrittsbesuche auszusprechen. Die Sitten und Gepflogenheiten im 19. Jahrhundert sind genauestens recherchiert, die persönliche Vorliebe der Autorin für die Gegend spürt man immer wieder durchblitzen. Die illustre Personenschar ist anfangs etwas herausfordernd, das Personenverzeichnis am Ende des Buches hilft jedoch, den Überblick zu bewahren. So erfahren wir von Adeligen ebenso wie von Kindern in der Fabrik, manch einer hütet ein Geheimnis, am Maskenball verbirgt fast jeder sein wahres Gesicht. Abwechslungsreich und bunt geht das Treiben her, ein wenig vermisse ich allerdings bewegende Gefühle, welche auf den Leser überspringen. Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre von Ort und Zeit gekonnt eingefangen und weckt Lust auf mehr.

Ein unterhaltsamer Start in die beginnende Reihe rund um die Passerstadt, die Neugierde ist geweckt.

Veröffentlicht am 05.11.2025

Widerstand

Sturmtage
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1932 in Berlin: Wohlbehütet wächst die in sich zurückgezogene Johanna von Fehrsburg auf einem Gutshof auf, aus ihrem Schneckenhaus kommt sie erst langsam heraus, als sie ihren Bruder Karl-Georg in Berlin ...

1932 in Berlin: Wohlbehütet wächst die in sich zurückgezogene Johanna von Fehrsburg auf einem Gutshof auf, aus ihrem Schneckenhaus kommt sie erst langsam heraus, als sie ihren Bruder Karl-Georg in Berlin besucht. Der junge SPD-Abgeordnete kämpft entschlossen gegen den aufstrebenden Nationalsozialismus, wodurch sich auch Johanna bald dem Widerstand anschließt und für die Untergrundzeitschrift „Sturmtage“ Karikaturen zeichnet. Auch der Norweger Sven gehört der Gruppe an und hilft seiner Mitstreiterin schließlich bei der Flucht aus Deutschland.

Inspiriert vom Schicksal eines Familienmitglieds und gestützt auf sorgfältige Recherchen schreibt Sibel Daniel von einer Liebe mitten im politischen Umbruch. Während zu Beginn des Romans viel Zeit verstreicht, um die Figuren zu beschreiben und die geschichtlichen Gegebenheiten darzustellen, ändert sich nach der Flucht die Atmosphäre im Buch, lässt endlich mehr Emotionen zu, sodass Johanna mit ihren zwiespältigen Gefühlen ganz in den Mittelpunkt rückt. Ab diesem Moment hat mich das Buch wirklich erreicht, gefesselt und berührt, obwohl auch die ersten Kapitel durchaus interessant, aber eben etwas zu nüchtern sind, was die Nähe zu den einzelnen Personen betrifft. Ein angenehm flüssiger Schreibstil führt durch die Handlung, wie es weitergeht, erfahren wir im Folgeband „Sturmtage - Augenblick der Wahrheit“. Darauf bin ich natürlich schon gespannt.

Detaillierte Recherche kennzeichnet diesen leider sehr realitätsnahen Roman, die Liebesgeschichte kommt eher knapp daher.

Veröffentlicht am 04.11.2025

Tödliche Torte

Kipferl, Killer, Kerzenschein
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In Annemies Café treffen sich regelmäßig junge Mütter, wohl, um zu plaudern, statt zu putzen, wie die Konditorin abschätzig meint. Als eine der Frauen plötzlich auf der Kaffeehausbank zusammensinkt und ...

In Annemies Café treffen sich regelmäßig junge Mütter, wohl, um zu plaudern, statt zu putzen, wie die Konditorin abschätzig meint. Als eine der Frauen plötzlich auf der Kaffeehausbank zusammensinkt und der Notarzt nur noch den Tod feststellen kann, fällt der Verdacht natürlich sofort auf Annemies Torte, die ein Gift enthalten haben muss. Schlagartig bleiben die Besucher aus und Annemie sieht sich gezwungen, dem Sachverhalt selber nachzugehen, denn dass ihre Niedelsinger Weihnachtstorte über jeden Verdacht erhaben ist, versteht sich ja von selbst.

Nicht zum ersten Male ist die rüstige Konditorin im Pensionsalter in Mordermittlungen verwickelt, wie man im Laufe der Geschichte erfährt, aber auch ohne diese zu kennen, eröffnet sich eine unterhaltsame, mit Humor gewürzte Geschichte hinter dem fröhlich bunten Titelbild. Eine Bonusoma, die selbst weder Mutter noch Tante ist, steht jungen Influencern gegenüber, wobei der Unterschied zwischen den Generationen mehr als deutlich zutage tritt. Witzige Dialoge, mit spitzer Feder überzeichnete Szenen und eine Annäherung der konträren Lebenswelten prägen die Handlung, die Auflösung des Todesfalles nimmt eher wenig Raum ein. Dennoch bietet diese bunte Familiengeschichte mit einer gewieften Hauptfigur abwechslungsreiche Unterhaltung.

Der Erfahrungsschatz des Alters und die Neuinterpretation der Jugend treffen hier aufeinander, die Konflikte zwischen den Figuren sind spürbar, so wie der Duft der Kekse zwischen den Zeilen hervorströmt. Am besten, man greift bei diesem Buch schnell zu, denn im Anhang findet sich ein köstlicher Adventkalender voller (süßer) Rezepte für jeden Geschmack. Empfehlenswert.


Veröffentlicht am 03.11.2025

Was wäre, wenn ...

Lebensbande
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Der Brief eines Unbekannten bewegt eine alte, verwitwete Frau dazu, ihre Geschichte niederzuschreiben, und so sitzt sie im Herbst 1993 mit Labradormischling Pepe am Küchentisch, wo sie über ihr kompliziertes ...

Der Brief eines Unbekannten bewegt eine alte, verwitwete Frau dazu, ihre Geschichte niederzuschreiben, und so sitzt sie im Herbst 1993 mit Labradormischling Pepe am Küchentisch, wo sie über ihr kompliziertes Leben nachsinnt und Erinnerungen zu Papier bringt, die sie längst verdrängen und vergessen wollte.

Basierend auf Berichten von Zeitzeuginnen hat Mechtild Borrmann diesen ergreifenden Roman verfasst, wobei sie überwiegend die Zeit zwischen 1931 und 1954 thematisiert. Drei unterschiedliche Frauen aus Deutschland treffen im Laufe der Jahre aufeinander, schließen Freundschaft, bestärken einander in schwierigen Zeiten. Während die alte Dame im Präsens betrachtet wird, verschwimmen deren Aufzeichnungen immer wieder mit Lenes Geschichte ab dem September 1931. Das Wechselspiel zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Schriftstück ist bestens gelungen, sodass man als Leser ab der ersten Zeile von den Geschehnissen gefesselt ist, welche der Zeit entsprechend traurig und dramatisch sind. Da ist Lene, die um ihren Sohn bangt, weil er als schwachsinnig eingestuft wird, sie trifft auf die Krankenschwester Nora, welche in einer Kinderstation arbeitet und diese wiederum begegnet beim Einsatz im Feldlazarett Lotte und teilt mit ihr unvorstellbare Momente.

Mit ruhigen Worten, die wohl gerade deshalb so oft unter die Haut gehen, erzählt die Autorin von Freundschaften und unmöglicher Liebe, von Mut und Dankbarkeit, von Lügen, die lebensrettend sind und von Gedanken, was wäre, wenn man das eine oder andere Mal eine andere Entscheidung getroffen hätte. Erschütternde Szenen erinnern daran, dass all das tatsächlich einmal geschehen ist, wobei immer wieder unterschiedliche Blickwinkel eingenommen werden, nicht in richtig oder falsch eingeteilt wird und keinerlei Wertung erfolgt, denn wie immer gibt es nicht nur schwarz oder weiß, sondern eine Vielfalt, welche dazwischen liegt und die Realität so deutlich widerspiegelt. Berührende Schicksale lassen den Leser den Atem anhalten, nicht allgemeine Kriegsschauplätze, sondern ganz individuelle Herausforderungen für die drei Hauptfiguren stehen im Mittelpunkt.

Eine perfekt passende Rahmenhandlung umspannt diese großartige Geschichte, welche mehrere Jahrzehnte umfasst, beeindruckende Figuren stehen für Personen, die Ähnliches erlebt haben. Wie schon im Roman „Feldpost“ hat Mechtild Borrmann auch diesmal die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg lebendig werden lassen, wobei sie die Realität mit glaubwürdigen fiktiven Ereignissen bestens vereint. Nachdenklich gestimmt spreche ich eine Leseempfehlung aus vollstem Herzen aus.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Todesbiss

Mord auf der Klosterinsel
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Auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee kommt es zu brutalen Mordfällen. Jedes Mal ist der Hals des Opfers so zugerichtet, als hätte ihm ein Werwolf den Todeskuss verpasst. Abt Walahfrid Strabo hat ...

Auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee kommt es zu brutalen Mordfällen. Jedes Mal ist der Hals des Opfers so zugerichtet, als hätte ihm ein Werwolf den Todeskuss verpasst. Abt Walahfrid Strabo hat es nicht leicht, den Täter zu finden, obwohl ihn seine vorwitzige Nichte, die Witwe Lindberga, tatkräftig unterstützt.

Weit zurück in der Zeit führt uns dieser Krimi, nämlich ins Jahre 842, als die Karolinger an der Macht waren. Historisch belegte Details und fiktive Krimielemente werden von Heidrun Hurst zu einem stimmigen Roman verwoben, der noch dazu reale Figuren einbindet ins Geschehen. So erfahren wir von einem schielenden Abt, der mit Ruhe und Besonnenheit das Benediktinerkloster geleitet und sich für die Gärtnerei und Dichtkunst interessiert hat. Auch wenn er im wahren Leben nichts mit den Mord und Totschlag zu tun gehabt hat, wirkt er hier verblüffend glaubwürdig, so, wie er bei der Aufklärung der Verbrechen vorgeht. Das Leben auf der Insel, die einfachen Köhler und Rebleute, sowie der Alltag im Kloster werden bildhaft vorgestellt, die schwierige Aufgabe des Ermittelns vor dem Hintergrund des Aberglaubens und der Furcht vor dem Werwolf gut eingefangen. Der ruhige Schreibstil ohne reißerische Szenen passt gut zum Gesamteindruck.

Wer gerne hinter die Kulissen eines Klosters blickt und gut recherchierte historische Details schätzt, wird mit diesem Krimi interessante Stunden verbringen.