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Veröffentlicht am 08.12.2025

Wahre Wunder

Der Dschinn deines Herzens
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Laura ist ein unscheinbares graues Mäuschen - und unzufrieden mit sich selbst und ihrem Umfeld. In der Arbeit wird sie ausgenutzt, aber ansonsten kaum beachtet, ihr Nachbar lässt seinen Ärger an ihr aus, ...

Laura ist ein unscheinbares graues Mäuschen - und unzufrieden mit sich selbst und ihrem Umfeld. In der Arbeit wird sie ausgenutzt, aber ansonsten kaum beachtet, ihr Nachbar lässt seinen Ärger an ihr aus, selbst wenn sie offensichtlich nicht schuld ist am Lärm oder Mist im Haus. Als sie am Flohmarkt eine besondere Flasche ersteht, ändert sich so einiges in Lauras Leben, allem voran jedoch Laura selbst.

Eine stimmige Geschichte mit einer absolut glaubwürdigen jungen Dame als Hauptfigur stellt Katja Ollech hier vor und trifft mit ihrem Büchlein mitten ins Herz. Ein Geist aus der Wunderlampe vermag Laura drei Wünsche zu erfüllen, vorausgesetzt, sie denkt genau darüber nach, was ihr sehnlichster Begehr ist. Dass dem gar nicht so einfach ist, zeigen die Zweifel und ziellosen Überlegungen Lauras. Ihr Dschinn darf aber keinen Entscheidungen vorgreifen, sondern höchstens ein wenig lenken, um demjenigen Menschen zu helfen, dem er gerade zugeteilt ist. In kurzen, einfühlsamen Lektionen geht es Richtung Selbstliebe, gesunden Egoismus, Abgrenzung und Miteinander und um seinen Platz in der Welt. Was ist wichtig, was braucht man als Einzelperson, was kann man an andere weitergeben? Viele Fragen werden aufgeworfen, die Beantwortung muss jeder für sich treffen, wird aber bestens unterstützt durch den guten Geist, der in allerlei Hinsicht hilfreich zur Seite steht, um wahre Wunder zu bewirken. Warmherzig und ohne jeglichen erhobenen Zeigefinger leitet die Autorin Laura und ihre Leser an zu mehr Zufriedenheit im Leben und vereinfacht die sofortige Umsetzung mit praktischen Tipps.

Ein wertvoller Ratgeber in Form eines bezaubernden Märchens, das bestimmt viele Leser zu berühren vermag und Mut für Veränderungen stiftet. Mir hat es einen wunderschönen Nachmittag beschert, gerne vergebe ich fünf Sterne.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2025

Gefährliche Finger

Der Kurator
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Drei Fingerpaare werden an unterschiedlichen Orten gefunden, drei Personen sind verstümmelt, ja tot, soweit die Analyse der Gliedmaßen in der Pathologie ergibt. Das recht schräge Team, bestehend aus Chefin ...

Drei Fingerpaare werden an unterschiedlichen Orten gefunden, drei Personen sind verstümmelt, ja tot, soweit die Analyse der Gliedmaßen in der Pathologie ergibt. Das recht schräge Team, bestehend aus Chefin Stephanie Flynn, Ermittler Washington Poe, Pathologin Estelle Doyle und Analystin Tilly Bradshaw, ist gefordert, denn bald stellt sich heraus, dass der Täter extrem gefährlich sein muss.

Flott geht es mitten ins Geschehen, grausige Details trüben den weihnachtlichen Glanz, Makabres und Humorvolles wechseln einander ab und sorgen für stete Kurzweil. Eine düstere Atmosphäre passt zu den tollkühn platzierten Fingern, Wortspiele und kollegiales Geplänkel lassen die Handlung und insbesondere die Figuren authentisch und glaubwürdig erscheinen. Details zum Hobby Drachensteigen und viele andere knifflige Erläuterungen zu speziellen Sachverhalten charakterisieren nicht nur das engagierte Team rund um Flynn, sondern verleihen diesem Krimi auch sein ganz besonderes Flair.

Ein weiteres Lesevergnügen aus der Reihe „Washington Poe und Tilly Bradshaw ermitteln“, deren Bände ganz unabhängig voneinander gelesen werden können. Beste Unterhaltung ist hier garantiert.

Veröffentlicht am 02.12.2025

Allein

Der Nachbar
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Monophobie, das Unvermögen allein sein zu können, begleitet Strafverteidigerin Sarah Wolff seit ihrer Kindheit. Nach einer einschneidenden Entscheidung lässt sie sich mit ihrer Tochter Ruby in einer Neubausiedlung ...

Monophobie, das Unvermögen allein sein zu können, begleitet Strafverteidigerin Sarah Wolff seit ihrer Kindheit. Nach einer einschneidenden Entscheidung lässt sie sich mit ihrer Tochter Ruby in einer Neubausiedlung am Rande von Berlin nieder, ohne zu wissen, dass sie bei jedem Schritt beobachtet wird.

Mit Einstein gehen wir anfangs ins Gefängnis, mit Sarah betreten wir gleich darauf das Halbdunkel einer Waldhütte. Rasch wechselnde Orte und Szenen, eine Fülle an Informationen und dennoch nie das gesamte Bild – so sehen wir das, was wir sehen sollen und fragen uns bisweilen, ob Sarah an einer Persönlichkeitsstörung leidet oder wir als Leser einfach nicht alle Details richtig ins Puzzle einordnen können. Flott und beklemmend geht es durch kurzweilige Kapitel, die Bewertung der einzelnen Figuren fällt durchwegs schwer und gibt Rätsel auf. Zwischendurch sorgen brutale Foltermethoden für Gänsehaut und rasches Weiterlesen, denn einerseits will man kaum alle Grausamkeiten wie in Zeitlupe miterleben oder gar auskosten, andererseits steigt die Neugierde auf das Warum von Seite zu Seite. Das fast zu abrupte Ende kann der gesamten Handlung dann auch keinen Abbruch tun, schließlich muss nicht jeder Schritt seziert werden und die wesentlichen Fragen sind geklärt.

Viele Rätsel, Kindheitstraumata und engelsgleiche Stalker sorgen für Nervenkitzel, die Angst, allein zu sein, ist nichtig, denn lieber wäre man dann doch allein, nicht wahr? Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 29.11.2025

Diebe

Winterwunder sind Schnee von gestern
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Am Bayreuther Christkindlmarkt sind wohl Diebe unterwegs, nicht nur Geldbörsen von Kunden werden gestohlen, sondern auch die ständig neu ausgestellten Jesusfiguren in der weihnachtlichen Krippe. Kati Blum ...

Am Bayreuther Christkindlmarkt sind wohl Diebe unterwegs, nicht nur Geldbörsen von Kunden werden gestohlen, sondern auch die ständig neu ausgestellten Jesusfiguren in der weihnachtlichen Krippe. Kati Blum bleibt da gar nichts anderes übrig, als dem Täter nachzustellen.

Humorvoll und präzise werden die Figuren anfangs vorgestellt, sodass man ganz ohne Kenntnisse der Reihe „Kati Blum ermittelt“ ins Geschehen einsteigen kann. Weihnachtliches Flair, duftende Tannenzweige und zarte Schokopralinen erfreuen nicht nur die Besucher des Christkindlmarktes, sondern bringen auch den Leser in Adventstimmung. Während Kati als Aushilfe am Confiseriestand arbeiten soll, verschwinden laufend Gegenstände aus Taschen und von Verkaufsflächen und so legt sich die Hobbyermittlerin natürlich auf die Lauer. Kurzweilige Dialoge, ein Nikolausbewerb und eine rasante Verfolgungsjagd prägen das Geschehen, eine überaus warmherzige Auflösung rundet die Geschichte perfekt ab.

Ein stimmungsvolles Büchlein für die Adventzeit, das die Neugierde für mehr von Kati Blum weckt. Empfehlung!

Veröffentlicht am 29.11.2025

Vor Gericht

Saal 210 - Wenn Menschen morden
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Wahre Verbrechensfälle im Portrait liefert Hariett Drack dem Leser ins Haus, ohne Aufputz und Drumherum schildert sie sachlich eine ganze Reihe an Morddelikten und Gerichtsentscheiden in anderen Streitsachen. ...

Wahre Verbrechensfälle im Portrait liefert Hariett Drack dem Leser ins Haus, ohne Aufputz und Drumherum schildert sie sachlich eine ganze Reihe an Morddelikten und Gerichtsentscheiden in anderen Streitsachen. Von skurrilen Momenten bis hin zum beklemmenden Atemanhalten ist hier alles dabei, was auch Staatsanwälten, Richtern und Zeugen täglich unterkommt.

In kurze übersichtliche Kapitel geordnet sammelt dieses Büchlein allerhand Kurioses und Unfassbares zusammen, da geht es um verheimlichte Schwangerschaften und Tötung des Neugeborenen genauso wie um einen Sack voller Leichenteile oder um extrem unterernährte Kinder und vergiftete Ehefrauen. Die Bandbreite zieht sich hin bis zum Nachbarschaftsstreit aufgrund von lauter Musik oder quietschenden Klodeckeln. Besonders erschütternd sind natürlich jene Fälle, in denen es um Kinder geht, aber auch alle anderen Geschichten sorgen für Erstaunen, wozu der Mensch fähig ist. Immer wieder stellt sich die Frage nach dem Warum, was führt dazu, dass jemand anderen Personen Leid antut oder sie gar tötet? Hätte man eine Tat verhindern können und wenn ja, wodurch? Niemandem wird Schuld zugewiesen, auch wenn da und dort ein Versagen von Behörden oder Institutionen augenscheinlich ist, aber oft sind es auch Bürokratie und Vorschriften, welche zu überwinden wären, denn nach Bauchgefühl alleine kann im Staat nicht gehandelt werden.

Interessante, abscheuliche und schier unglaubliche Szenen wechseln einander in rascher Folge ab, treffende Urteile und solche, die man vielleicht anders gefällt hätte, beenden jede einzelne Geschichte. Ein umfassender Einblick in den Gerichtssaal Kölns, wo sich diese Prozesse tatsächlich abgespielt haben.