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Veröffentlicht am 26.10.2021

Politische Scharmützel

Winterland
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Während im dänischen Sandsted ein grausamer Mord passiert und die Frau des Toten verschwindet, explodiert auf dem Kopenhagener Weihnachtsmarkt eine Bombe und fordert etliche Opfer. Hier Juncker, dort seine ...

Während im dänischen Sandsted ein grausamer Mord passiert und die Frau des Toten verschwindet, explodiert auf dem Kopenhagener Weihnachtsmarkt eine Bombe und fordert etliche Opfer. Hier Juncker, dort seine langjährige Kollegin Kristiansen – zwei versierte Kriminalisten ermitteln.

Mit einem dramatischen Prolog steigt das Autorenduo Kim Faber und Janni Pedersen sofort mitten ins Geschehen ein. Detailliert und Gänsehaut erzeugend werden schlimme Szenen geschildert, die man sofort bildlich vor Augen hat. In den folgenden Kapiteln gibt es viele Informationen über die Ermittler und deren Umfeld, die Schauplätze werden sehr anschaulich geschildert, die klirrende Kälte kriecht einem sogar an einem lauschigen Leseplatz direkt unter die Haut. Allerdings verliert sich das Geschehen dann bald in eine Fülle an angerissenen Themen, die das Ganze eher unübersichtlich werden lassen und vom Kern der Sache ablenken. Zum Teil kommt das Gefühl auf, man konnte sich nicht auf einige wenige Schwerpunkte einigen. Dazu gesellen sich noch sehr viele Einzelheiten bezüglich IS-Terror, welche zwar bestimmt genau recherchiert sind und die eine oder andere Figur sehr gut charakterlich untermauern, dennoch erscheinen diese Szenen zu beherrschend und langatmig.

Insgesamt spielen viel zu viele Randthemen hinein, werden private Befindlichkeiten aufgebauscht, sodass die Kriminalhandlung leider oft in den Hintergrund rückt. Daher werde ich die Fortsetzungsbände dieser Reihe nicht mehr lesen.



Titel Winterland

Autor Kim Faber, Janni Pedersen

ISBN 978-3-7645-0724-4

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 624 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 27. September 2021

Verlag Blanvalet

Reihe Juncker & Kristiansen

Originaltitel Vinterland

Übersetzer Franziska Hüther

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2021

In der Schweiz - damals wie heute

Die Magnolienfrauen
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Felicia, meist Fee genannt, ist nach der Ermordung ihrer besten Freundin in eine Lebenskrise geschlittert. Nach dem Überfall auf den Juwelierladen ihres Vaters beendet sie ihre Tätigkeit als Schmuckdesignerin ...

Felicia, meist Fee genannt, ist nach der Ermordung ihrer besten Freundin in eine Lebenskrise geschlittert. Nach dem Überfall auf den Juwelierladen ihres Vaters beendet sie ihre Tätigkeit als Schmuckdesignerin und arbeitet nach einem Studium in der Finanzabteilung der Firma. Auch acht Jahre später geht es noch nicht wirklich gut, da prallen neue Probleme auf sie ein: sie wird zu einem Täter-Opfer-Gespräch eingeladen, ihre geliebte Oma stirbt und ihr Verlobter schaut nur noch auf seine Polit-Karriere.

Fee reist von Zürich nach Brissago, um das Erbe zu regeln und betritt zum ersten Mal die Magnolienvilla, aus der dereinst ihre Großmutter geflohen ist. Nach und nach kommen mit einzelnen Erinnerungsstücken ungeahnte Dinge ans Tageslicht, viel mehr als Oma Violetta angedeutet hat. Während Fee in der Villa eher auf Ablehnung stößt, bietet der freundliche Nachbar jedoch seine Unterstützung an.

Die Geschichte der Magnolienfrauen umspannt die Zeit von 1936 bis 2019 und führt den Leser vor allem in den wunderschönen Schweizer Kanton Tessin, der mit Palmen, Magnolien, wilden Tälern und alten Steinhäuschen liebevoll dargestellt wird. Geschickt verknüpft Christine Jaeggi das Leben von Alice im Zweiten Weltkrieg mit der aktuellen Situation deren Urenkelin Felicia. Viele reale Situationen liegen diesem Roman zugrunde, wenngleich die Handlung selbst erdacht ist. Nichtsdestotrotz spürt man beim Lesen immer wieder die genaue und akribische Recherche, die einzelne Szenen auf ein historisches Fundament stellen, so die Abschnitte rund um die Schmuggler, das Kinderheim, die Macht der Nationalsozialisten und vieles mehr. Nicht nur werden all diese Elemente in eine wunderbare und berührende Erzählung eingeflochten, nein, es sind die Gefühle und Emotionen, welche die Autorin so oft wachruft und einen mitfiebern lässt. Jaeggis Schreibweise ist zwar sehr klar und schnörkellos, dennoch trifft sie genau ins Schwarze und lässt den Leser eintauchen in zwei ganz unterschiedliche Welten, vermittelt Verständnis und Empathie ebenso wie Ablehnung oder gar Grauen den einzelnen Figuren gegenüber. Doch nicht immer ist alles so, wie zu sein scheint und es ist nie verkehrt, auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Zuhören, Vertrauen und gegebenenfalls auch Verzeihen stehen im Mittelpunkt und bilden einen roten Faden in diesem Roman. Aber keineswegs spricht Jaeggi mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr schafft sie mit ihrer warmherzigen Art zu schreiben eine tolle Atmosphäre zwischen Gefühlen, Geheimnissen und Liebe.

Historie, Leidenschaft und Dramatik werden wunderbar vereint und verbinden Damals mit Heute zu einer phantastisch erzählten Familiengeschichte.

Wer Christine Jaeggi kennt, wird wieder einmal begeistert sein, wer noch kein Buch von ihr gelesen hat, sollte zugreifen!



Titel Die Magnolienfrauen

Autor Christine Jaeggi

ISBN 978-3-548-06318-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 432 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 18. Oktober 2021

Verlag Ullstein

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2021

Außenseiter

Der Angst verfallen
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Im bayerischen Lohberg wird ein Junge unter die Eisdecke des Sees geschoben und dem Ertrinken preisgegeben. Noch bevor das Ermittlerteam konkrete Spuren verfolgen kann, verschwindet ein elfjähriges Mädchen ...

Im bayerischen Lohberg wird ein Junge unter die Eisdecke des Sees geschoben und dem Ertrinken preisgegeben. Noch bevor das Ermittlerteam konkrete Spuren verfolgen kann, verschwindet ein elfjähriges Mädchen beim Rodeln. Die Zeit läuft, die Angst steigt.

Ein schauriger Einstieg, dann ein Szenenwechsel zu zwei Außenseitern im Dorf – der neue Fall für Hattinger und Köstner verwirrt zu Beginn, bevor er den Leser in seinen Bann zieht und flott voranschreitet. Nicht allzu viele Figuren stehen für einen guten Überblick, die Dorfgemeinschaft bildet eine eingeschworene Gruppe für sich. Sehr lange tappt der Leser im Dunklen, wer hinter den Kinderentführungen steht und warum. Geschickt gestreute Informationen führen auf verschiedene Fährten, die aber nicht richtig sein müssen. Schlaue Schachzüge, nicht zu viele blutrünstige Details charakterisieren die Handlung. Bis zum Ende bleibt die Geschichte spannend, und auch im Epilog kommt es noch zu einer Überraschung.

Nicht alle Wendungen scheinen mir notwendig, dennoch ist dieser zweite Teil rund um Köstner und Hattinger ein gelungener Thriller mit einem interessanten Motiv. Der Vorgängerband ist jedenfalls schon bestellt.



Titel Der Angst verfallen

Autor Mark Franley

ISBN 978-2-496-70768-7

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 475 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 2. September 2021

Verlag Edition M

Reihe Köstner-Hattinger-Thriller

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 11.10.2021

Liebe geht durch Esel und Oliven

Inselliebe und Meer
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Liz führt ihren mediterranen Feinkostladen in Berlin mehr schlecht als recht, mit Männern hat sie auch kein Glück und ihr Großonkel hat plötzlich eine Finca auf Mallorca, wo Liz den Verwalter kontrollieren ...

Liz führt ihren mediterranen Feinkostladen in Berlin mehr schlecht als recht, mit Männern hat sie auch kein Glück und ihr Großonkel hat plötzlich eine Finca auf Mallorca, wo Liz den Verwalter kontrollieren soll. Ein ereignisreicher Arbeitsurlaub steht der jungen Frau bevor. Welches Geheimnis verbirgt Cristian, der auf der Finca Ferienhäuser nur an ausgewählte Gäste vermietet und dadurch für Ärger und Stornierungen sorgt, der sich aber umsichtig um alle Urlauber kümmert und ihnen unbekannte Seiten der Insel zeigt, eine alte Ölpresse wieder zum Laufen bringt und zur meditativen Olivenernte einlädt?

In gewohnt angenehmem Schreibstil entführt uns die Autorin diesmal auf die sonnige Insel Mallorca, wo Freundschaft groß geschrieben wird, die Ruhe der Olivenhaine und eine Schar friedlicher Tiere augenblicklich für eine behagliche Atmosphäre sorgen. Bildhafte Beschreibungen der malerischen Finca, tausend Jahre alte knorrige Bäume und herzliche Ladenbesitzerinnen versetzen den Leser sofort in eine tolle Urlaubsstimmung, die aber durchaus mit ernsten Themen verknüpft ist. Locker und leicht fließt eine Szene in die andere, liebevoll werden tollpatschige oder weniger selbstbewusste Figuren charakterisiert. Eine jede davon ist realistisch und dadurch so lebendig und glaubwürdig gezeichnet, mit der ein oder anderen kann man sich vielleicht sogar selber identifizieren.

Es wäre nicht Anja Saskia Beyer, würde nicht eine nette Liebesgeschichte hinter Inselliebe und Meer stecken. Auch wenn manche Dialoge und Szenen eher einfach oder vorhersehbar sind, nicht jede Aufregung in der dramatischen Form notwendig ist, so verzaubert die Autorin den Leser doch mit einem wunderbar süßen Ausflug ins Mittelmeer. Den Duft von köstlichen Oliven, würzigem Pa amb oli und frischen Ensaimadas hat man am Ende immer noch in der Nase und mit den Rezepten im Buch bestimmt auch bald daheim, um im feucht-kalten Herbst einen Hauch von Wärme ins Haus zu zaubern.

Wie auch mit Beyers bisherigen Romanen kann man hier für einige Stunden dem Alltag entfliehen, Träumen nachhängen und möglicherweise sogar eine Kleinigkeit für das eigene Leben mitnehmen, innehalten mit einem guten Gläschen Wein oder eine angeregte Unterhaltung suchen mit einer lieben Freundin, die man schon länger nicht gesehen hat.

Auf alle Fälle bin ich im folgenden Band, der sich um Josy dreht, gerne wieder mit dabei.



Titel Inselliebe und Meer

Autor Anja Saskia Beyer

ISBN 978-2-496-70729-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 283 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 21. September 2021

Verlag Tinte und Feder

Reihe Mallorca-Sehnsucht

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Veröffentlicht am 11.10.2021

Was wenn? Warum nicht?

Stell dir vor ...
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Häufige Umweltkatastrophen, drohender Stromausfall und gefährliche Infektionen – unsere Zukunft scheint eine einzige Dystopie zu sein, der Lebenswert immer weiter zu sinken. Was, wenn wir uns einfach eine ...

Häufige Umweltkatastrophen, drohender Stromausfall und gefährliche Infektionen – unsere Zukunft scheint eine einzige Dystopie zu sein, der Lebenswert immer weiter zu sinken. Was, wenn wir uns einfach eine andere Zukunft ausmalen? Wenn wir unsere Fantasie frei laufen lassen und diese negativen Szenarien umschreiben in positive? Kindisch? Unrealistisch? Keineswegs, wie uns Rob Hopkins in diesem Buch mit unzähligen Beispielen darlegt.

Mit einem märchenhaften Weltbild beginnt „Stell dir vor…“, ein Leben, begleitet von morgendlichem Vogelgezwitscher, klarer, frischer Luft, Schulen und Arbeitsplätzen, an denen freies Denken gefördert wird und neue Ideen diskutiert werden, seien sie auch noch so unkonventionell. In bunten Bildern und fröhlichen Farben pinselt Hopkins eine Zukunft auf die Buchseiten, in der alles richtig gut wird und jeder seinen Platz hat. Aber ist denn so etwas tatsächlich möglich? Ja, das ist es.

In übersichtlichen und sehr schön gestalteten Kapiteln trägt der Autor Fallbeispiele zusammen, erzählt von kleineren Aktivitäten und größeren Organisationen, die sich der Wiederentdeckung der Fantasie verschrieben haben, beschreibt eindrücklich, wie bei gemeinschaftlichen Erlebnissen Freude und Hoffnung in den Vordergrund rücken und geringfügige Veränderungen nachhaltige Dominoeffekte nach sich ziehen. Nachdem überlegt worden ist, warum unsere kindliche blühende Fantasie immer mehr verkümmert, werden Ideen aufgezeigt, wie wir unsere Gedanken in eine andere Richtung lenken können. Interessante Betrachtungen werden voll Elan und Begeisterung zu Papier gebracht und nehmen den Leser mit, regen an zum Experimentieren und Ausprobieren.

Auch wenn der Text zuweilen doch etwas lang wird mit all den politischen Musterbeispielen und den holprigen Gendersternchen, so stecken doch etliche Anregungen darin, den Ist-Zustand zu überprüfen mit der Frage: „Was, wenn …?“ Muss tatsächlich alles so sein, wie wir es gewohnt sind? Ist es nicht sinnvoll, Alltägliches einmal zu hinterfragen? Probieren wir es einmal anders – warum nicht? Weg von der Starre, weg von festgefahrenen Strukturen, zumindest als Gedankenexperiment. Mal schauen, was passiert …

Ein Plädoyer für mehr Natur, mehr Freiraum (habe ich jetzt tatsächlich Freuraum geschrieben? ), mehr Handwerkskunst und weniger vorgefertigte Technologie, ein Aufruf zum Träumen und Fantasieren – das liefert „Stell dir vor …“ und sollte von so vielen Menschen, wie nur möglich, gelesen werden. Der Mut zur Veränderung steckt in uns, wir müssen es nur wagen!



Titel Stell dir vor …

Autor Rob Hopkins

ISBN 978-3-7066-2698-9

Sprache Deutsch

Ausgabe Fester Einband, 288 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 7. Oktober 2021

Verlag Löwenzahn Verlag in der Studienverlag Ges.m.b.H.

Originaltitel From what is to what if

Übersetzer Dirk Höfer