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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

Abwärtsspirale

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Der Roman beschreibt den Alltag von vier Freunden, unterschiedlicher Herkunft, mit ihren Problemen, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Abstieg bis ganz nach unten. Der Schreibstil ist zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig, ...

Der Roman beschreibt den Alltag von vier Freunden, unterschiedlicher Herkunft, mit ihren Problemen, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Abstieg bis ganz nach unten. Der Schreibstil ist zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig, alles in abgehackter Jugendsprache, mit vielen Szenebegriffen und klein geschrieben. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an den Stil und den Jargon und ich konnte inhaltlich gut folgen. Positiv gefallen hat mir, dass es trotz aller Probleme und negativer Grundstimmung, im Leben der Jugendlichen Personen gibt, die ihnen wichtig sind, auch außerhalb der Clique. So war die Beziehung zu den Großmüttern immer sehr innig und die Erinnerungen an sie durchwegs liebevoll. Die Abwärtsspirale ist ebenfalls gut erkennbar, so war zu Beginn noch Hoffnung auf einen Schulabschluss und eine Ausbildung, sogar der Traum von einer Anwaltskarriere, so zählt zum Schluss nur noch den Alltag irgendwie zu überstehen, Drogennachschub zu besorgen und die Hoffnung haben sie schon aufgegeben. Auch dramatische Verluste, können nicht mehr zum Umdenken des eigenen Verhaltens führen, dafür sind sie schon zu lange in der Abhängigkeit gefangen. Leider gibt es auch am Ende keinen positiven Lichtblick, sodass es insgesamt sehr düster und aussichtslos bleibt.

Veröffentlicht am 17.03.2025

stellt brisante Themen in den Raum

Halbe Leben
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Der Roman startet ungewöhnlich, indem schon zu Beginn verraten wird, dass Klara am Ende tot ist, abgestürzt während einer Wanderung mit der ausländischen Pflegekraft ihrer Mutter. Danach werden die Lebensgeschichten ...

Der Roman startet ungewöhnlich, indem schon zu Beginn verraten wird, dass Klara am Ende tot ist, abgestürzt während einer Wanderung mit der ausländischen Pflegekraft ihrer Mutter. Danach werden die Lebensgeschichten von Klara, von Paulina und ihrer beiden Familien erzählt, nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern erzählend, teilweise aus ähnlichen, meistens jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Spannend finde ich es, wenn gleich Situationen von Klara als Chefin und Paulina als Angestellte für ihre Mutter von den beiden Frauen komplett anders wahrgenommen werden. Zuerst sind alle bemüht, ein gutes Verhältnis und die Fassaden aufzubauen, mit der Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen den Arbeitsbereichen und zusätzlichen Agenden und auch die Beziehung verändert sich, von bemüht, neugierig, über fast schon freundschaftlich, ausbeutend, bestimmend, bis zur Frustration ist alles dabei. Auch die Familienkonstellation befindet sich im Wandel, sodass sich immer wieder auf neue Personen, Haustiere oder neue Situationen eingestellt werden muss.
Gut beschrieben finde ich auch die Diskrepanz im Leben von Paulina, die in zwei Welten lebt und sich damit immer schwerer tut. Wenn sie sich um die ältere Dame in Österreich kümmert, leiden ihre Söhne zuhause und wenn sie zuhause ist, bemerkt sie, dass sie sich immer weiter von ihrer Familie entfremdet und auch das Geld dies nicht ausgleichen kann. Wie lange kann man den Spagat schaffen? Wie sieht die Wertschätzung dafür aus? Wie entscheidet man sich in Notsituationen, wenn man an beiden Orten gleichzeitig gebraucht wird? Es werden viele brisante Themen zu den Arbeitsbedingungen und den damit verbundenen Problemen aufgeworfen und zur Diskussion gestellt.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Stimmungslagen sehr gut eingefangen

Alles, was du wolltest
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Die Geschichte einer toxischen Beziehung zwischen Alex und Viktoria wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Interessant finde ich, dass der Erzählstrang nicht zeitlich chronologisch erfolgt, sondern zwischendurch ...

Die Geschichte einer toxischen Beziehung zwischen Alex und Viktoria wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Interessant finde ich, dass der Erzählstrang nicht zeitlich chronologisch erfolgt, sondern zwischendurch immer wieder Rückblenden eingebaut sind. Die unterschiedlichen Stimmungen und Gefühlslagen werden sehr gut eingefangen und ungeschönt geschildert. Am Ende gibt es ein Highlight, indem der Ausgang der Beziehung nicht vorgegeben wird, sondern drei mögliche Szenarien vorgeschlagen werden, wie es in etwa passiert sein könnte. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Varianten, doch die Idee, dass ein vielfältiges Angebot vorgeschlagen wird, finde ich spannend und originell.

Veröffentlicht am 14.03.2025

Veränderung zulassen

Vier Wochen
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Die Novelle bietet ein ungewöhnliches Leseerlebnis, indem es bildhafte Beschreibungen von Alltagssituationen einer Familie mit zwei Teenagern schildert. Dier Erzählperspektive ist aus Sicht der Mutter ...

Die Novelle bietet ein ungewöhnliches Leseerlebnis, indem es bildhafte Beschreibungen von Alltagssituationen einer Familie mit zwei Teenagern schildert. Dier Erzählperspektive ist aus Sicht der Mutter und so authentisch, dass man sich als Leser*in fast wie ein Teil der Familie fühlt und mit ihr die gemeinsamen vier Wochen in Italien hautnah miterleben kann. Die Gefühlslagen wechseln, Vorstellungen vom Leben der Jugendlichen und der Erwachsenen driften auseinander, Konflikte werden von allen Beteiligten anders wahrgenommen. Konsequenzen durchzusetzen, fällt schwer, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Handeln ebenfalls und Loslassen und Vertrauen sind ebenfalls wichtige Themen. Und am Ende ist es an der Zeit, etwas zu verändern. Ein Wandel beginnt, der Aufbruch in eine neue Lebensspanne. Vielleicht hat alles so kommen müssen?

Veröffentlicht am 14.03.2025

Dialoge könnten noch dynamischer sein

In einem Zug
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Der Roman beschreibt die Gespräche und Gedanken zwischen einem Autor und seiner Sitznachbarin während einer Zugfahrt von Wien nach München, die auf diese oder ähnliche Weise tatsächlich stattgefunden haben ...

Der Roman beschreibt die Gespräche und Gedanken zwischen einem Autor und seiner Sitznachbarin während einer Zugfahrt von Wien nach München, die auf diese oder ähnliche Weise tatsächlich stattgefunden haben könnte. Zu Beginn gestaltet sich das Gespräch wie zufällig ergeben, noch recht oberflächlich und zurückhaltend, aber Catrin bleibt hartnäckig und fragt ihren Sitznachbarn schon fast unverschämt über sein Privatleben und vor allem über die langjährige, glückliche Liebesbeziehung zu seiner Frau Gina aus. Mit der Zeit wird das Gespräch inhaltlich spannender und lockerer, obwohl ich auf der Seite von Eduard nie eine ehrliche Offenheit gespürt habe. Er gibt nicht gerne etwas von sich preis, in wunden Punkten herumzubohren mag er schon gar nicht und somit bleibt es an manchen Stellen holprig. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Schwung und Dynamik gewünscht, vor allem da ich aus vorigen Romanen weiß, dass der Autor sehr gute Dialoge schreiben kann. Spannender als die Dialoge sind die Überlegungen dahinter, warum etwas wie ausgedrückt wird, was gesagt wird oder was besser ungesagt bleibt. Es werden auch unangenehmere Themen angesprochen, wie der Konsum von Alkohol oder die Schreibblockade sowie finanzielle Probleme. An diesen Stellen wirkt das Gespräch für mich authentisch und ehrlich. Am Ende der Zugfahrt gibt es ein Überraschungsmoment, mit dem ich so nicht gerechnet hatte.