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Veröffentlicht am 21.01.2026

der Schlüssel zum persönlichen Austausch miteinander

Mathilde und Marie
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Der Roman spielt im kleinen Bücherdorf Redu, in dem die Zeit fast stillsteht. Anstelle von Hektik, Stress und Konkurrenzkampf gibt es hier eine sehr gut funktionierende Dorfgemeinschaft, in der die Bewohnerinnen ...

Der Roman spielt im kleinen Bücherdorf Redu, in dem die Zeit fast stillsteht. Anstelle von Hektik, Stress und Konkurrenzkampf gibt es hier eine sehr gut funktionierende Dorfgemeinschaft, in der die Bewohnerinnen gegenseitig füreinander sorgen und noch im Einklang mit der Natur und ihrem inneren Rhythmus leben. Marie hat auch der Zufall hierhin verschlagen, nachdem sie durch zahlreiche Schicksalsschläge und Großstadthektik ihr Leben verändern möchte.
Mir gefällt es sehr gut, dass der Roman weniger von Aktionen und vielen Taten überzeugt, im Gegenteil, diese sind überschaubar und perfekt dosiert. Vielmehr lebt er von der Entschleunigung, vom Miteinander der Menschen im Einklang mit der Natur, von ehrlichen Gesprächen, von der Zeit, die man sich für Heilung und Selbstfindung nimmt und noch vielem mehr. Ich habe schon lange kein Buch gelesen, in dem mir so viele Zitate positiv aufgefallen sind, dass ich sie mir notieren musste, wie es hier der Fall ist. Dadurch wird für mich auch die Leseatmosphäre äußerst angenehm und reflektierend, wie ich es gerne mag. Bücher, die auch noch im Nachhinein beschäftigen und in die Tiefe gehen, wie hier bei „Mathilde und Marie“ geben mir auch persönlich viel zurück. Obwohl die Stimmung teilweise nachdenklich und ruhig oder auch traurig, melancholisch ist, so ist es nicht drückend, sondern als Auszeit zu verstehen, als Anregung zum Innehalten, Nachdenken und sich auch mit dem eigenen Leben und seinen Mitmenschen auseinanderzusetzen. Dadurch, dass nur einzelne wenige Personen vorkommen, haben sie die Möglichkeit ihrem Charakter vielschichtiger darzustellen und eine tiefgreifendere Beziehung zueinander einzugehen. Ich schätze allesamt mit ihren Stärken und Schwächen sehr, von Marie, über Mathilde, Jonina, Thomas, Arthur und dem Gemeinschaftshund Anneliese.
Die Symbolik mit dem Verschenken der alten Schlüssel als Anregung zum persönlichen Austausch miteinander über Wünsche, Träume und Gedanken finde ich sehr gelungen und dieser wird auch von der Gemeinschaft gut aufgenommen. Generell sollte man viel mehr miteinander reden, auch über Probleme, Ängste, Sorgen, damit niemand das Gefühl hat, alleine zu sein oder ausgeschlossen zu sein, wie es zu Beginn bei Mathilde der Fall war. Hinter jedem Schlüssel steckt eine Geschichte und auch jeder Mensch hat eine oder viele Geschichten zu erzählen. Der Schlüssel kann ein schöner Türöffner sein, im symbolischen Sinn, um über Dinge zu reden, die uns schwerfallen oder Dinge zu tun, die wir schon immer machen wollten.
Das Thema Bücher oder Literatur im Allgemeinen nimmt einen großen Stellenwert in Redu ein, das man so nicht mit dem einfachen, ruhigen Leben in Verbindung bringen würde. Bücher werden wertgeschätzt, von der aufwändigen Herstellung von Papier bis hin zur Auswahl der Inhalte und dem anschließenden Austausch darüber. Es werden auch viele Vergleiche von Literatur und Naturphänomenen gezogen, vor allem in der Beobachtung von Vögeln und dem Wachstum von Pflanzen und Früchten. Diese werden bildhaft beschrieben, sodass es auch für Laien gut verständlich und anschaulich zu lesen ist. Das einfache Leben wird nicht als Rückschritt gesehen, sondern als Heimkehr zu einem selbst und die begrenzte Internetzeit war für die Bewohner
innen und auch für Marie nach kurzer Zeit überhaupt kein Thema mehr.
Gelungen finde ich auch die Metapher der Uhr, die zwei Zeiten anzeigt, damit auch diejenigen, die spät dran sind, eine zweite Chance bekommen, dennoch pünktlich zu sein.
Marie hat nach ihren Schicksalsschlägen und Erfahrungen die Erkenntnis gezogen, dass das Leben schnell zu Ende sein kann, viel früher als erwartet und deshalb sollte man es nur mit Inhalten füllen, die Freude bereiten, denn niemand kennt sein eigenes Ablaufdatum. Wir können das Beste aus dem machen, was uns angeboten wird und keine Zeit mit Dingen vergeuden, die uns keine Freude bereiten. Diese Message kann ich vollkommen unterstützen und auch für mich weiterhin mitnehmen und versuchen dies umzusetzen.

Veröffentlicht am 21.01.2026

Möchtegern-Seher und Praktikantin

Der Seher
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Der siebente Teil der Thriller-Serie mit Arne Stiller unterscheidet sich von den vorigen Teilen, indem seine Kollegin Inge in Pension geht, ist er ein Ein-Mann-Team. Ich hatte Bedenken, ob er sich alleine ...

Der siebente Teil der Thriller-Serie mit Arne Stiller unterscheidet sich von den vorigen Teilen, indem seine Kollegin Inge in Pension geht, ist er ein Ein-Mann-Team. Ich hatte Bedenken, ob er sich alleine auch so gut schlägt, da gerade die Diskussionen und der Austausch mit anderen bei Arne das besondere Etwas ausmachen. Zum Glück bekommt er eine Polizeianwärterin an seine Seite, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gar nicht so schlecht schlägt und ihm auch Kontra gibt. Sandy hat mir als junger, frischer Charakter sehr gut gefallen. Die Ermittlungsfälle sind spannend aufgebaut und gerade, wenn es um entführte und/oder getötete Babys geht, sind die Emotionen bei mir hoch, sodass auch der Wettlauf gegen die Zeit ein Nervenkitzel und eine Lesespannung war. Arne konnte sein Fachwissen als Kryptologe auch wieder einsetzen und somit konnten die verschlüsselten Botschaften vom Täter entschlüsselt werden. Der Möchtegern-Seher hat meiner Meinung nach, keine Erkenntnisse für die Ermittlungsfälle rund um die entführten und getöteten Babys beigetragen und auch als Person hätte ich ihn nicht unbedingt benötigt. Die Szenen mit dem Seher haben für mich den Fall eher ins Lächerliche gezogen und waren nicht so authentisch, wie die restlichen Charaktere. Ich bin gespannt, wie sich Inge in ihrer Pension einfinden wird oder ob sie in dem einen oder anderen Fall wieder unterstützend oder als Gesprächs- und Analysepartnerin von Arne auftauchen wird.

Veröffentlicht am 19.01.2026

neu sortieren

Die Liebe, später
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Der Roman beschreibt das Gefühlsleben von Kora und Anselm, die sich beide an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden und sich erst selbst sortieren müssen, wie der nächste Abschnitt aussehen soll. Kora ...

Der Roman beschreibt das Gefühlsleben von Kora und Anselm, die sich beide an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden und sich erst selbst sortieren müssen, wie der nächste Abschnitt aussehen soll. Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet, Anselm tritt seine Pension an und möchte mit Renovierungsarbeiten und der Gartenumgestaltung seinen neuen Alltag füllen, gemeinsam mit Kora. Kora erholt sich noch von einer unerwarteten Herzoperation, fühlt sich plötzlich alt, wird aus ihrem Berufsleben gedrängt und kämpft stark mit ihrer Selbstfindung und was sie noch im Leben möchte. Zum Großteil erzählt Kora die Geschichte aus ihrer Sichtweise, Anselm ist zuerst lange Zeit still und unauffällig, bis auch er einen Ausbruch aus seinem Alltagstrott benötigt und vor allem durch einen Denkanstoß von Kora selbst seinen neuen Lebensabschnitt überdenkt. Der Schreibstil ist melancholisch, nachdenklich, vor allem Kora macht sich nach der OP viele Gedanken und beginnt auch ihr vorheriges Leben aufzuarbeiten. Ich empfinde Kora als ehrlich und authentisch, sie handelt oft unüberlegt, vielleicht auch voreilig, aber sie bleibt sich trotzdem selbst treu. Früher konnte sie dies noch nicht so gut, dadurch belasten sie auch einige Unstimmigkeiten und Negativerlebnisse noch bis heute, aber auch diese nimmt Kora endlich in Angriff, um einen Abschluss zu finden. Das Leben ist und bleibt ein Wandlungsprozess und in neuen Abschnitten muss man sich die Zeit nehmen, um sich selbst und das Zusammenleben mit anderen wieder neu zu überdenken und zu definieren, vor allem auch dies dann zu besprechen. Kora und Anselm haben zu Beginn wenig miteinander gesprochen, sie haben vermutet und angenommen, was der andere meinen wird oder von sich auf den Partner geschlossen, die Gesprächskultur hat sich am Ende deutlich gebessert. Es ist auch eine leichte positive Stimmung, eine Aufbruchsstimmung und eine Vorfreude auf etwas Neues, spürbar.

Veröffentlicht am 15.01.2026

religiöse Zwangsgemeinschaften

Die gehorsame Tochter
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Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer ...

Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer greifbar, sie wirkt für mich distanziert und ich kann mich nicht gut in sie hineinversetzen. Nach einem Brand bleibt Abigail als einzige Überlebende zurück, da stellt sich die Frage: Hatte sie einfach nur Glück? Oder steckt doch mehr dahinter? Auch wer der Mann war, der kurz zuvor noch gesehen wurde, steht im Zentrum des Interesses. Das Thema Religion und religiöse Sekten nimmt einen großen und bedeutenden Raum ein, darauf muss man sich als Leser*in einstellen. Es wird nicht neutral betrachtet, sondern es kommen auch alle gängigen Klischees und Vorurteile vor. Man spürt auch Abigails strenge Erziehung, ihre Isolation und ihre eingeschränkte Sichtweise auf die Welt. Mit der Zeit bemerkt man bei ihr aber die ersten Veränderungen, die sich positiv auf ihren Charakter auswirken. Indem sie von den vorgegebenen Zwängen befreit wurde, kann sie nun selbst kritisch hinterfragen beginnen. Der Erzählstil ist teilweise ausufernd, weicht vom Wesentlichen ab und wechselt in den Zeitebenen vor dem Brand und danach hin und her. Die Geschichte regt auch im Nachhinein noch zum weiteren Nachdenken über strenge Religionsgemeinschaften und Sekten und deren Mitglieder an.

Veröffentlicht am 15.01.2026

Eine zu viel

Spielverderberin
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Was macht Freundschaft aus und wie verändert sich die Dynamik im Laufe der Zeit und bei Veränderungen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman, in dem Sophie, Lotte und Romy eine Dreierfreundschaft ...

Was macht Freundschaft aus und wie verändert sich die Dynamik im Laufe der Zeit und bei Veränderungen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman, in dem Sophie, Lotte und Romy eine Dreierfreundschaft während der Schulzeit haben, die sich aber nicht darüber hinaus weiterentwickeln kann. Die Grundstimmung ist durchwegs melancholisch und düster, sodass man das Gefühl hat, die Jugendlichen haben nur Stress, Probleme und Unsicherheit in ihren Leben, keine Freude oder positive Energien, dies empfinde ich beim Lesen bedrückend. Die Erzählung erfolgt hauptsächlich aus der Perspektive von Sophie als Ich-Erzählerin, somit bekommen wir als Leserinnen ihre Sichtweise zu sehen. Mich hätte auch noch interessiert, ob Romy und Lotte ähnlich empfinden, ob sie die Freundschaft vermissen oder ob sie sie vorher nicht als so prägend und wichtig empfunden haben – das kommt leider nicht so deutlich zum Vorschein. Manche Freundschaften überstehen schwierige Phasen im Leben, auch örtliche Distanzen, andere wiederum nicht. An Freundschaften muss man auch arbeiten, wenn sie einem wichtig sind. Erschwerend kommt hier hinzu, der Stadt- Land – Konflikt, der auch zwischen Milan und Sophie zu größeren Diskussionen führt. Vor allem aber ein dramatisches Ereignis hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die niemals aufgearbeitet wurde und immer zwischen den ehemaligen Freundinnen steht. Bei Sophie kommen auch noch viele weitere Unsicherheiten und innere Konflikte hinzu. Sie befindet sich in einer Phase ihres Lebens, wo sie erstmal für sich selbst herausfinden muss, was sie möchte. An diesem Punkt endet auch der Roman und er verleitet dazu, dass man sich als Leser*in über diese Fragen weiterhin Gedanken macht.