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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2026

Charakterstudie

Minnesota
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Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als ...

Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als nur ein Kriminalfall, der aufgeklärt wird. Als Hauptcharakter steht Bob Oz im Mittelpunkt, für den man zu Beginn nicht viel Sympathie aufbringen kann, aber mit der Zeit lässt er hinter seine harte Schale blicken und man erkennt die tiefgreifenden Verletzungen, die Trauer und auch den Scharfsinn bei den Ermittlungen. Diese innere Zerrissenheit und die Dunkelheit, die ihn umgibt, fördern psychologische Tiefe. Vor allem der Tierpräparator hat sich als guter Zuhörer herausgestellt, ich finde ihn vielschichtig und interessant dargestellt, nicht nur in Bezug auf seinen Beruf. Der Schreibstil ist weniger actiongeladen oder bildhaft beschreibend in Form von Gewaltdaten, sondern häufig werden Andeutungen gemacht, dennoch ist die Atmosphäre frostig kalt und geprägt von Einsamkeit und latenter Gewalt. Die amerikanische Waffenlobby mit ihren Befürwortern und Gegnern findet ebenfalls einen bedeutenden Platz und wird mit persönlichen Erfahrungsgeschichten untermauert. Der Autor hat sich auf das Wesentliche reduziert und bietet so, dass sich die Charaktere entwickeln können und eine tiefere Bindung zu ihnen entstehen kann, wenn auch manchmal mit ambivalenten Gefühlen. Spürbar ist teilweise auch die Ausweglosigkeit einzelner Charaktere, deren Enttäuschungen, die Frage nach der Schuld und Vergebung und fehlende Alternativen aus der eingefahrenen Situation. Wer düster Kriminalromane mit psychologischen Elementen mag und auch die drückende, düstere, teilweise pessimistische Atmosphäre aushalten kann, wird mit einer intelligenten Hintergrundgeschichte und interessanten Gesprächen belohnt.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Remake

Verbrenn das Negativ
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Das Cover finde ich wenig ansprechend, sowohl die optische Gestaltung als auch die Farbe sind Fehlgriffe, das Buch hätte ich so nie gekauft. Inhaltlich ist der Thriller eine Mischung aus Hommage an den ...

Das Cover finde ich wenig ansprechend, sowohl die optische Gestaltung als auch die Farbe sind Fehlgriffe, das Buch hätte ich so nie gekauft. Inhaltlich ist der Thriller eine Mischung aus Hommage an den Horrorfilm Klassikern aus den 70er bis 90er Jahren und aktuell ein mystischer Horror-Grusel-Thriller mit Fantasy-Effekten. Die Grundstimmung ist durchwegs gruselig, mysteriös und man wartet als Leser*in schon auf die nächste Tragödie. Das gesamte Setting erinnert an eine Atmosphäre, die man in Horrorfilmen häufig findet, abgelegene Gruselhäuser, Filmkulissen und viele unglückliche Todesfälle. Laura selbst konnte mich nicht so richtig fesseln als erwachsener Charakter. Ich kann nachvollziehen, dass ihre Kindheit schwierig war und dadurch, dass sie von ihrer Mutter in die Filmschiene gedrängt wurde, obwohl sie nicht wollte, hatte sie keine schöne Kindheit. Außerdem macht es auch etwas mit einem Kind, wenn es in einem Horrorfilm mitspielen muss. Die Auswirkungen auf Amys Leben kann ich auch sehr gut nachvollziehen, aber für die erwachsenen Charakteren kann ich nicht so viel Verständnis aufbringen. Laura bleibt distanziert, auch in ihren Beziehungen und in ihrem gesamten Verhalten und sie strahlt etwas Düsteres aus, das ist auch dem Medium sofort aufgefallen. Generell erfährt man wenig aus dem Privatleben der Charaktere, über ihre Gedanken, was in den Jahren dazwischen passiert ist, sie bleiben oberflächlich und unnahbar. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, gerade, wenn es um die Aufarbeitung eines psychologischen Kindheitstraumas geht. Beim Remake von The Guesthouse passieren wieder ein tödlicher Unfall nach dem nächsten, wie auch schon bei der Originalversion. Konnte hier niemand schon früher Zusammenhänge feststellen? Die Zeitungsausschnitte und Textpassagen aus dem Skript am Ende jedes Kapitels finde ich interessant, sie stellen einen authentischen Bezug her. Die gesamte Inszenierung wirkt auf mich etwas nostalgisch und hat einen Vibe der 70er/80er Jahre, nicht so modern, wie man es für die Gegenwart erwarten würde und auch die Wendungen und die Auflösung bieten kaum Überraschungseffekte, sondern sind recht vorhersehbar.

Veröffentlicht am 08.01.2026

the Frame

Der Blutmacher
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„Der Blutmacher“ ist der dritte Band einer Trilogie rund um das Dezernat 47 unter Leitung von Tara Kronberg. Ich empfehle, die vorigen Teile zuerst zu lesen, da man nur so die Zusammenhänge, vor allem ...

„Der Blutmacher“ ist der dritte Band einer Trilogie rund um das Dezernat 47 unter Leitung von Tara Kronberg. Ich empfehle, die vorigen Teile zuerst zu lesen, da man nur so die Zusammenhänge, vor allem die Konstellation der Personen zueinander und ihre Vorgeschichten, gut nachvollziehen kann und somit mehr Lesespaß und Verständnis haben wird. Der Fall ist diesmal äußerst brutal und die Szenen werden auch bildhaft und detailliert beschrieben, als Warnung für Leserinnen, die dies nicht so gerne mögen. Es werden Tötungen im Livestream mitverfolgt und geschildert und aus dem Blut der Opfer erstellt der Täter seine Kunstwerke und verkauft diese gewinnbringend. Die Geschichte wird schnell eingeleitet, sodass die Spannung hoch ist, danach erfolgt die Aufklärung des Falles gründlich und systematisch. Man bekommt als Leserin häppchenweise Informationen und kann sich schon zusammenreimen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Spannend finde ich die Tagebucheinträge, die einen interessanten zusätzlichen Blickwinkel aus Tätersicht bieten. Tara tut mir in diesem Fall sehr leid, sie muss einen persönlichen Schicksalsschlag verkraften, wird überhaupt nicht geschont. Mir gefällt es, wie Gabriel sich vor sie stellt und sie schützt, die Arbeitsbeziehung zwischen ihnen hat sich sehr zum Positiven entwickelt. Ich hoffe, dass Tara sich durch diesen Fall nicht von ihrem beruflichen Weg abbringen lässt und nach einer verdienten Auszeit wieder durchstartet.

Veröffentlicht am 06.01.2026

persönlicher Cold Case

Stumme Knochen
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Der Thriller ist ein Cold Case über einen fast 50 Jahre alten Vermisstenfall, nachdem bei Bauarbeiten in den tiefsten Bergen Kanadas ein menschliches Skelett gefunden wird. Die Ermittlerin Jane ist selbst ...

Der Thriller ist ein Cold Case über einen fast 50 Jahre alten Vermisstenfall, nachdem bei Bauarbeiten in den tiefsten Bergen Kanadas ein menschliches Skelett gefunden wird. Die Ermittlerin Jane ist selbst gerade mit einem persönlichen Verlust beschäftigt und somit betrifft sie dieser Fall persönlich und sie gibt alles, um den Fall aufzuklären. Handelt es sich hier um die vermisste Jugendliche? Die Geschichte beginnt sofort spannend und der Spannungsbogen bleibt aufrecht hoch, da es im Laufe der Ermittlungen zu zahlreichen Wendungen kommt, die wiederum eine neue Perspektive aufzeigen. Es bleibt spannend bis zum Schluss, auch die Aufklärung ist logisch erklärt und schlüssig. Die Charaktere, vor allem Jane, haben mir gut gefallen, sie sind gut ausgearbeitet und vielschichtig, wirken authentisch und lebendig. Mir gefällt es, dass man sie auch außerhalb ihres Arbeitsbereiches kennenlernt und Dinge aus ihrem Privatleben erfährt. Als Leser*in fühlt man sich involviert und mit den Geschehnissen vertraut, obwohl es zu Beginn etwas komplex wirkt und nicht ganz einfach ist, den Überblick zu behalten. Ein paar Szenen waren mir zu „zufällig“ und hätte es auch gar nicht benötigt, aber ansonsten hat mir der Thriller sehr gut gefallen und mir aufregende Lesestunden beschert.

Veröffentlicht am 02.01.2026

wirkt in jeder Hinsicht authentisch

Was ich von ihr weiß
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Der Roman beeindruckt durch eine stilvolle, poetische Erzählweise, die trotzdem nicht abgehoben oder überzogen wirkt, sondern dadurch, dass sie sehr bildhaft ist, nahbar und verständlich bleibt. Die Emotionen ...

Der Roman beeindruckt durch eine stilvolle, poetische Erzählweise, die trotzdem nicht abgehoben oder überzogen wirkt, sondern dadurch, dass sie sehr bildhaft ist, nahbar und verständlich bleibt. Die Emotionen werden sehr gut vermittelt, die Erzählungen sind nie oberflächlich, sondern immer detailliert und mit Tiefgang. Mir gefällt außerdem, dass es in Italien im 20. Jahrhundert spielt und dies wird recht authentisch vermittelt. Inhaltlich geht es um große Themen, wie Liebe und Freundschaft, aber auch soziale und politische Umbrüche, Weltkriege und gesellschaftliche Normen wirken mit ein. Die Charaktere sind gegensätzlich und laden zu Diskussion ein, sie sind so unterschiedlich, dass man als Leserin seine/n Favoriten finden kann, egal welche Vorlieben man hat. Mir persönlich hat Viola sehr gut gefallen, da sie sich in der damaligen Zeit nicht den Normen und Konventionen gebeugt hat, sondern eine emanzipierte Frau war, die zu ihren Gedanken und Taten steht.
Der Roman passt sehr gut für Leser
innen, die gerne poetische Sprache mögen, auch Kunst und Kultur und das Historische lieben und natürlich fehlen auch bewegende Liebes- und Freundschaftsgeschichten nicht.