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Veröffentlicht am 16.03.2026

Tiefe und Dunkelheit

Ultramarin
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Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als ...

Zuerst fallen das wunderschöne, ästhetische Cover und der ausdrucksstarke Titel auf, danach besonders die Atmosphäre des Romanes. Obwohl der Einstieg mit Alltagssituationen gewählt ist, verspürt man als Leserin keine Wohlfühl-Atmosphäre, im Gegenteil, das Buch hat eine düstere, angespannte Grundstimmung, mit der Angst, dass jederzeit etwas passieren könnte. Der Schreibstil ist einfach gehalten und beschreibt hauptsächlich die Situationen, lässt bewusst das Unausgesprochene zwischen den Zeilen mitwirken, sodass es beklemmend wirkt.
Ultramarin ist als Titel sehr treffend ausgewählt, ein Farbton, der nicht nur Tiefe, sondern auch Dunkelheit bedeutet und genau darum geht es in der Beziehung zwischen Raf und Lou. Raf gibt immer den Ton an, ist dominant und herrschsüchtig, er akzeptiert es nicht, eine weitere starke Persönlichkeit neben sich zu haben. Lou ist ihm gehörig und bettelt um Rafs Aufmerksamkeit, er kann sich selbst und seine Gefühle kaum wahrnehmen und einschätzen, sondern definiert sich ausschließlich über Raf. Diese ungesunde Symbiose schafft es über viele Jahre zu funktionieren, doch in dem einen Sommer, in dem Nora mit ihnen den Urlaub verbringt, gerät sie aus dem Takt.
Die Kapitel wechseln sich ab, mit Situationen aus dem derzeitigen Urlaub und Rückblenden in die Jugendzeit von Raf, Lou und teilweise auch Rafs Schwester Sophie, die in den aktuellen Situationen leider nicht vorkommt. Sie hat schon immer ein feines Gespür für Spannungen und für Situationen und eine gute Intuition bewiesen. Die Situationen, die einst harmlos wirkten, entwickeln im Nachhinein perfekte Machtspiele und lassen Aggressionen in verschiedenen Formen und Ausprägungen erkennen. Ist man als Leser
in erst mal in diesem Sog gefangen, kann man das Buch kaum weglegen und muss erfahren, wie der Sommerurlaub sein Ende findet. Obwohl ich zugeben muss, dass mich der Schluss nicht komplett überzeugen konnte. Er war mir zu schnell, im Vergleich zu den unendlich langen Tagen, in denen wenig passierte, zu offen, zu verstörend, aber es beschäftigt weiterhin.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Veränderungen

Der Gesang der See
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Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, ...

Der historische Roman beschreibt einerseits die norwegische Westküste und deren Natur sowie das raue Überleben auf den Fischerinseln und er erzählt auf der anderen Seite auch die Geschichte einer selbstbewussten, starken Frau, die für das Recht der Frauen nach Selbstbestimmung und persönlicher Entfaltung kämpft. Kristiane ist nach dem Tod ihres Mannes auf sich selbst gestellt und zusätzlich verantwortlich für ein Baby, ihre alleinstehende Schwester und kranke Mutter. Mit ihren unkonventionellen Ideen und mit ihrem Geschäftssinn entspricht sie nicht der damaligen Norm und wird von der Gesellschaft kritisch betrachtet.
Besonders gelungen finde ich das Zusammenspiel der Beschreibung der rauen Küstenlandschaft und das harte Leben, dies wird bildhaft beschrieben, sodass man sich als Leser*in gut hineinversetzen kann. Gleichzeitig spiegelt dies auch die inneren Konflikte von Kristiane wider, sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen, dem Erhalt ihres Hofes und der Fischereikarte und gleichzeitig kämpft sie mit ihren Gefühlen, indem sie sich für ihr Herz oder für die Vernunft entscheiden muss. Die Lebensgeschichte voll Leid und auch voll Freude und Veränderung wirkt authentisch beschrieben, sodass man nach einem ruhigen Einstieg, danach sofort in einen Sog hineingezogen wird und den Roman nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit der Zeit merkt man, dass es auch anderen Frauen ähnlich ging oder geht wie Kristiane, starke und schlaue Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten müssen und dadurch wenig Anerkennung für ihren Erfolg erfahren, sondern eher Verachtung und Neid. Manchmal ist Kristiane hart zu sich selbst und auch hart und ungerecht gegenüber ihren Mitmenschen. Was man im Laufe der Jahre erkennt, dass Veränderungen nur sehr langsam und mühevoll erkämpft stattfinden, in kleinen Schritten, von einer Generation zur nächsten.

Veröffentlicht am 12.03.2026

spannender Cold Case - aber schon wieder unverantwortlicher Umgang mit dem Baby

Das letzte Experiment
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Im dritten Teil ermittelt Hedi in einem Cold Case Fall, bei dem vor fünf Jahren eine Schülerin ermordet wurde und die vermeintliche Täterin seitdem ebenfalls spurlos verschwunden blieb.
Hedi Voss ermittelt ...

Im dritten Teil ermittelt Hedi in einem Cold Case Fall, bei dem vor fünf Jahren eine Schülerin ermordet wurde und die vermeintliche Täterin seitdem ebenfalls spurlos verschwunden blieb.
Hedi Voss ermittelt inoffiziell, während ihrer Karenzzeit und mit Baby Riko im Schlepptau und zusätzlich gibt es einen True-Crime Podcast, der auch Einblicke in die Sichtweisen der beiden Podcast-Erzählerinnen gibt sowie die öffentliche Meinung widerspiegelt. Dadurch ist die Erzählweise sehr aufgelockert und authentisch.
Die damaligen Ermittlungen sind nicht optimal verlaufen, die Hauptverdächtige ist verschwunden, Zeug*innen gab es keine und die Handys blieben verschwunden, sodass der Fall bald zum Cold Case wurde und Hedi vertreibt sich ihre Langeweile, indem sie nun versucht, den Fall neu aufzurollen, mit ihren begrenzten Möglichkeiten.
Gut gefallen hat mir, dass Hedi gewisse Dinge des Lebens nicht so ernst nimmt und auch Ideen aus ihrem Umfeld gut annehmen kann. Was mir gar nicht gefallen hat ist ihr Umgang mit dem Baby im Krabbelalter, der grob fahrlässig ist. Ich weiß, dass gewisse Situationen oder Herangehensweisen von unterschiedlichen Elterntypen unterschiedlich betrachtet werden, aber wenn es um Sicherheit geht, darf man nicht diskutieren oder nachlässig sein. Mehrmals fährt Hedi mit ihrem Baby ungesichert, vergisst die Babyschale anzuschnallen, vergisst ihr Baby im Auto, lässt es unbeaufsichtigt im Café oder öffentlichen Räumen herumkrabbeln und hofft, dass andere Personen einschreiten werden, wenn es in eine Gefahrensituation kommt, das geht gar nicht. Ich würde es als Autorin auch gar nicht im Buch schreiben, um andere nicht zum Nachahmen zu animieren, denn das kann schlimm enden. Dies ist mir leider auch schon im vorigen Teil negativ aufgefallen.
Lustig wiederum finde ich ihre Sichtweise auf die breite Palette an Baby-Kursangeboten, von musikalischer Früherziehung über Babyschwimmen, die sie alle mit ihrer Freundin Brit und Baby Maike ausprobiert hat, aber keinen Gefallen daran gefunden hat oder sogar aus der Gruppe verbannt wurde. Super finde ich, dass Hedi in Itzi so eine großartige Babysitterin gefunden hat, so kann sie Baby Riko auch zukünftig in Itzis Obhut geben und sich selbst in einen Ermittlungsfall stürzen oder eine Auszeit nehmen, dann wird sie sich bestimmt auch bald besser in ihrer Mutterrolle einfinden.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Antiaggressionstraining

Gelbe Monster
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Der Roman liest sich trotz des anspruchsvollen und ernsten Themas frisch, locker, jung, fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, sodass ich am Ende auch ein wenig traurig war, dass er zu Ende war. ...

Der Roman liest sich trotz des anspruchsvollen und ernsten Themas frisch, locker, jung, fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, sodass ich am Ende auch ein wenig traurig war, dass er zu Ende war. Erzählt wird aus der Perspektive von Charlie, somit bekommen wir als Leser*innen ihre subjektiven Wahrnehmungen präsentiert, die sich durchaus von anderen unterscheiden könnten. Der Aufbau ist bewusst sprunghaft, man erfährt in den einzelnen Bereichen die aktuelle Lebenssituation von Charlie und dazwischen immer wieder Rückblenden, wie es bis zum Punkt der Eskalation gekommen ist. Charlie befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer toxischen Beziehung mit Valentin, sie beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von Liebe und Zusammenleben und Valentin hing noch sehr an seiner Ex-Freundin. Charlie steigert sich in die Beziehung und macht sich selbst und ihr Glück von ihrem Partner abhängig, es entsteht eine emotionale Abhängigkeit, sie versucht Valentin mit physischer und psychischer Gewalt an sich zu binden. Aus der Spirale aus Wut, Schmerz, Scham, Verletzung, Verzeihung und wieder von vorne, kommt Charlie nicht wieder heraus, bis es zu der einen Situation kommt, die Charlie explodieren lässt. Charlie hat das Glück mit Ella eine sehr gute Freundin zu haben, die sie auch in harten Zeiten bei sich aufnimmt und unterstützt und sie zu einem Antiaggressionstraining für Frauen schickt. In der Gruppe sieht man, wie unterschiedlich Gewalt von den einzelnen Personen wahrgenommen wird und welche Formen sie annehmen kann. Das Training hat Charlie bestimmt gutgetan, noch wichtiger aber finde ich, dass sie selbst für sich reflektiert und weiterhin am Thema dranbleibt und an sich arbeitet. Der körperliche Ausgleich in der harten Freiwilligenarbeit ist schon ein guter Anfang, aber sie braucht auch weiterhin noch viel Unterstützung, Reflexion und Ausgleich in ihrem Leben. Auch wenn Charlie am Ende des Romanes schon viel ausgeglichener wirkt, ist noch immer sehr verletzlich und anfällig für weitere Gewaltsituationen, sich selbst oder ihren Mitmenschen gegenüber.

Veröffentlicht am 10.03.2026

es fehlt die Leichtigkeit

Zorn – Die Akte Heinlein
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Der Thriller ist bereits der 15. Teil der Serie, obwohl ich diesen Teil nicht als Thriller bezeichnen würde, sondern eher als Kriminalroman. Nachdem ich die vorigen Teile auch gelesen habe, war ich mit ...

Der Thriller ist bereits der 15. Teil der Serie, obwohl ich diesen Teil nicht als Thriller bezeichnen würde, sondern eher als Kriminalroman. Nachdem ich die vorigen Teile auch gelesen habe, war ich mit den Hauptakteurinnen wie Zorn, Schröder, Frida schon vertraut, auch Heinlein, der in diesem Teil einen Hauptpart eingenommen hat, ist schon des Öfteren in den Vorgängern vorgekommen. Für Neueinsteigerinnen wird es schwierig die Zusammenhänge und Hintergründe zu durchblicken, vor allem, da dieser Teil auch wirr und sprunghaft wirkt. Als Leser*in ist man zwar schnell mitten im Geschehen drinnen, danach entwickeln sich die Ermittlungsarbeiten und die Kapitel im Delirium etwas unübersichtlich und gewöhnungsbedürftig. Meinen Geschmack hat es diesmal nicht ganz getroffen. Die Wortwitze zwischen Zorn und Schröder waren mir Großteils auch schon bekannt und Frida wirkt diesmal auch verändert und unsympathisch. Die gesamte Grundstimmung ist bedrückend und düster, es fehlt mir im Vergleich zu den vorigen Teilen zumindest an gewissen Stellen die Leichtigkeit, die auch Dackel Dumbo nicht hineinbringen kann, leider. Für den nächsten Teil wünsche ich mir wieder ein paar positive Vibes und etwas Leichtigkeit, neue charmante Wortwitze und Beziehungsarbeit zwischen Frida und Zorn.