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Veröffentlicht am 04.11.2025

Verschwinden heißt manchmal Verleugnen, dass etwas da ist

Protokoll eines Verschwindens
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"Protokoll eines Verschwindens" von Alexander Rupflin ist ein True-Crime-Roman, der 2025 bei Harper Collins erschienen ist.

Gabriel, ein junger Mann, verlässt zusammen mit seiner Schwester Rio, um in ...

"Protokoll eines Verschwindens" von Alexander Rupflin ist ein True-Crime-Roman, der 2025 bei Harper Collins erschienen ist.

Gabriel, ein junger Mann, verlässt zusammen mit seiner Schwester Rio, um in Deutschland ein neues Leben anzufangen, fernab von seiner dominanten Mutter. In seiner neues Heimatstadt Hamburg läuft zunächst alles gut, er findet Arbeit, er verliebt sich und dann ist er plötzlich verschwunden.
Zur gleichen Zeit lebt der als Pfleger arbeitende Fabio sein unauffällliges Leben in Hamburg und vermietet ein Zimmer seiner Wohung unter, um sich Geld dazu zu verdienen. Doch seit einiger Zeit ist dieses Zimmer, sein Gästezimmer, belegt von einem unangenehmen Zeitgenossen - einer langsam verwesenden Leiche.
Alexander Rupflin hat durch liebevolle Recherche versucht, die einzelnen Stationen des Verschwindens von Gabriel nach zu zeichen - was hat seine Familie gefühlt? Wie kam es dazu, dass er verschwand und hat die Polizei richtig gehandetlt? Gabriel ist gerade frisch verliebt, hat aber nicht viele Freunde und nur so ist es zu erklären, dass er mit ihm fremden Leuten herumzieht und feiert. Fabio versucht sein Leben so unauffällig wie möglich zu leben, hofft auf eine Beziehung mit seinem Freund, der darin allerdings mehr als zurückhaltend ist. Da Fabio kein Kind von Traurigkeit ist, hat er keine Hemmungen mit anderen zu schlafen, denn er ist ja nicht in einer festen Beziehung oder doch? Zumindest scheint er nicht immer darauf zu warten, dass die Männer freiwillig mit ihm das Bett teilen. Alles das ist seinem Freund unbekannt und auch Gabriel weiß nicht, auf was er sich einlässt, als er mit eben diesem Fabio feierngeht.
Rupfin zeigt, wie sehr die Familie unter dem Verschwinden und der Unsicherheit leidet und auch darunter, dass die Polizei keine Ergebnisse erzielt. Die Nachbarn riechen zwar den Gestank, doch keine beschwert sich. Nicht einmal sein Freund bemerkt etwas. Fabion verdrängt seine Tat, und zwar so sehr, dass er bis zum Schluss immer noch der Meinung ist, er habe nichts getan. Ich persönlich nehme ihm das nicht ab und es ist mir schwergefallen, zu glauben, dass niemand etwas gemerkt hat,
Man merkt auf jeden Fall wieviel Mühe Rupflin in die Recherche gesteckt und auch seine Zweifel an den Aussagen des Mörders kommen sehr gut rüber, obwoh er immer versucht, so neutral wie möglich zu bleiben. Es ist ihm gelungen, dass einem die Familie von Gabriel näher kommt und auch der Mörder selbst beibt kein unbekannter, doch das Opfer Gabriel ist mir bis zum Ende fremd geblieben. Mir hat das Buch gefallen, doch ich fand es etwas zu emotionslos, auch wenn es mehr ein Sachbuch ist. Trotzdem kann ich es empfehlen, wenn man True Crime mag.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Rache eiskalt serviert

Die Sättigung
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"Die Sättigung" von Elias Haller ist ein Arne-Stiller-Thriller mit Tiefgang und Spannung, der 2025 bei Edition M erschienen ist.
Es ist Karnevalszeit und Dresden ist im Karnevalsfieber, aber nicht für ...

"Die Sättigung" von Elias Haller ist ein Arne-Stiller-Thriller mit Tiefgang und Spannung, der 2025 bei Edition M erschienen ist.
Es ist Karnevalszeit und Dresden ist im Karnevalsfieber, aber nicht für lange, denn ein maskierter Mörder treibt sein Unwesen und sorgt für blankes Entsetzen. Er foltert seine Opfer auf furchtbare Art und Weise. Schon der Anblick am ersten Tatort macht Arne Stiller fassungslos. Der Tote, ein Imbissbesitzer, ist entsetzlich verstümmelt. Am Tatort blieb als einzige Botschaft des Mörders ein harmloses Foto zurück. Arne Stiller weiß, der Mörder wird weitermachen. Ihm bleibt nicht viel Zeit vor dem nächsten Opfer oder gehört der vermisste Karnevalsprinz bereits dazu?
Das gelungene Cover mit dem blutverschmierten Teller passt hervorragend zum dem Buch, auch wenn es nur entfernt ums Essen geht. Arne Stiller, der ja ein Anhänger von Armakuni ist, schlägt sich gerade mit seinem Kollegen Horst Plattner herum, der eigentlich für den Fall eines verschwundenen Karnevalsprinzen zuständig ist. Da wird er zum Tatort eines grauenvollen Mordes gerufen und ab da, ist es nicht mehr möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Die Szenen zwischen Mörder und Opfer sind absolut gelungen und die Inszenierung der Tatorte hat mir eiskalte Schauer über den Rücken gejagt. Dank der Weisheiten von Armakuni ist es aber alles gut zu ertragen. Aus Rückblenden erfährt man, worum es dem Mörder geht - Rache, eiskalte Rache und man erfährt auch das Warum, denkt man zumindest. Und was man vorher nur vermutet hat, wird Gewissheit, Horst Plattner ist ein A... Elias Haller hat hier einen rundum gelungen Thriller vorgelegt, der allerdings nichts für zartbeseitete ist.
Das Ende passt und ist stimmig und es hat mich überrascht. Ich muss zugeben, ich habe das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugeklappt, aber auch mit einem Gefühl von Zufriedenheit. Für Thrillerfans ist dieses Buch ein absolutes Muss.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Manchmal ist alles anders als es scheint

Gerächt sein sollst du
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„Gerächt sein sollst du“ von Kaisu Tuokko ist ein aufwühlender Kriminalroman, der 2025 bei atb erschienen ist.
Im Küstenort Kristinestad wird die Leiche eines jungen Mannes angespült. Es handelt sich ...

„Gerächt sein sollst du“ von Kaisu Tuokko ist ein aufwühlender Kriminalroman, der 2025 bei atb erschienen ist.
Im Küstenort Kristinestad wird die Leiche eines jungen Mannes angespült. Es handelt sich um den siebzehjährigen Jonas Snellman. Sein Tod erschüttert die kleine Gemeinde und schnell gerät ein gleichaltriger Junge unter Verdacht. Offenbar waren sie Klassenkameraden und besuchten das örtliche Gymnasium. Kriminalkommissar Mats Bergholm, der zufällig in seinem Ferienhaus in der kleinen Gemeinde weilt, wird mit den Ermittlungen beauftragt, da anfangs nicht klar ist, ob es sich um ein Verbrechen handelt oder nicht. Er trifft hier auf die Journalistin Eevi Manner, seine Jugendliebe, die ebenfalls in dem Fall recherchiert. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit über Jonas ´Tod.
Der wunderbare Erzählstil von Kaisu Tuokko lässt einem die Geschichte fast bildlich miterleben – vom Auffinden des Jungen bis hin zur Aufklärung. Kriminalkommissar Mats Bergström wirkt mit seiner gelassenen ruhigen Art absolut authentisch und kompetent und seine Jungendliebe Eevi Manner ergänzt ihn perfekt mit ihrem Engagement für einen guten Artikel. Eevi Manner macht zuerst den Eindruck als würde sie für einen guten Artikel über Leichen gehen, doch das täuscht. Sie kennt ihre Rechte als Journalistin und verfügt auch über entsprechendes Taktgefühl. Ihre erfolglosen Versuche Mutter zu werden, lassen sie noch menschlicher Erscheinen. Sie kommt an Informationen, an die die Polizei nicht so schnell käme und sie nutzt das, um der Polizei zu helfen, aber natürlich auch, um einen guten Artikel schreiben zu können. Was sie gemeinsam herausfinden, lässt den Leser mehr als einmal in menschliche Abgründe blicken.
Besonders gefallen hat mir die einfühlsame Art, in der die Ermittlungen geführt wurden. Natürlich gibt es auch einen sehr eifrigen Polizisten, der aber in die Ermittlungstruppe aufgenommen wird und so sich doch bessert und dazu lernt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich die wunderschöne liebevolle Covergestaltung, die ich bisher so bei einem Taschenbuch noch nicht gesehen habe.
Die Auflösung des Falles ist eine Überraschung und auch irgendwie nicht. Eines wird auf jeden Fall klar, das Internet kann täuschen und es vergisst nie. Was zum Tod des Jungen geführt hat, ist mehr als tragisch und es wird einfühlsam und glaubwürdig aufgeklärt. Am Ende wird der Sinn des Buchtitels mehr als deutlich.
Für jeden der Krimis liebt, ist das Buch ein absolutes Muss. Ich bin sicher, es wird ihn ebenso begeistern wie mich.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Zug um Zug kommt der Tod

Blindspiel
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"Blindspiel" von Max Seeck ist ein intelligenter Thriller, der den Leser auf eine fordernde Weise in die Welt des Schachspiels mitnimmt und bei Lübbe erschienen ist.

Ein junger Mann versucht durch den ...

"Blindspiel" von Max Seeck ist ein intelligenter Thriller, der den Leser auf eine fordernde Weise in die Welt des Schachspiels mitnimmt und bei Lübbe erschienen ist.

Ein junger Mann versucht durch den Diebstahl einer Aktentasche zu Geld zu kommen, aber das misslingt und kurze Zeit später ist er tot. Wenig später wird die Leiche einer komplett weiß bemalten Frau gefunden. Die Kripo Helsinki vermutet einen Serientäter und schaltet den Profiler Milo ein. Als eine bei der Leiche gefundene Notiz darauf hinweist, dass es um Schachspielen gehen könnte, weiß Milo, dass er die Hilfe des Expartners seiner Mutter benötigt, denn dieser ist ein versierter Schachspieler und noch mehr. Er hatte ihn eigentlich nie wieder sehen wollen.

Obwohl die Inhaltsangabe und auch das Cover auf einen Thriller hinweisen, hatte ich bei den ersten Kapiteln nicht das Gefühl und habe mich durch das Geschehen durchgekämpft. Über die langen Passagen über das Privatleben von Milo Perho übersieht man fast das Auffinden der ersten Leiche. Erst ab Kapitel 32 kam Schwung in das Geschehen Die Figuren sind gut und authentisch beschrieben und auch wenn sie sich nicht immer verstehen, arbeiten sie wunderbar zusammen. Es wird schnell klar, dass das Verbrechen mit einem Vorfall aus der Vergangenheit zu tun hat. Doch die Lösung ist dennoch überraschend und doch plausibel.
Mir hat die Geschichte zwar gefallen,, doch ich habe sie nicht wirklich als Thriller empfunden. Auch wenn die Vergangenheit zum Fall gehörte, waren die Schilderungen einfach zu langatmig und einiges hätte weggelassen werden können wie z.. B. die privaten Probleme von Milo und seiner Frau. Es endet sozusagen wie es anfing bei Milo.
Wer einen unterhaltsamen Krimi sucht, für den ist das Buch auf jeden Fall richtig und auch Schachspieler kommen auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Cold Case an der Ostsee - Mord verjährt nie

Dunkle Asche
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"Dunkle Asche" von Jona Thomsen, ein mehr als unterhaltsamer Ostsee-Krimi, ist 2025 bei Harper Collins erschienen.
1992 wird nach einer Partynacht im Badeort Kalifornien die Leiche einer brutal ermordeten ...

"Dunkle Asche" von Jona Thomsen, ein mehr als unterhaltsamer Ostsee-Krimi, ist 2025 bei Harper Collins erschienen.
1992 wird nach einer Partynacht im Badeort Kalifornien die Leiche einer brutal ermordeten jungen Frau gefunden. Der Tatort war in Brand gesetzt worden, um die Spuren zu verwischen, Mit Erfolg - der Täter wird nicht gefunden. Aber 30 Jahre später wird Kommissarin Gudrun Möller von der Cold Case Unit zusammen mit ihrer neuen Kollegin Judith Engster zu einem Sterbenden ins Kieler Hospiz gerufen. Dieser war damals Zeuge des Brandes und aufgrund seiner verstörenden Aussage werden die Ermittlungen erneut aufgenommen. Doch auch der Täter hat mitbekommen, dass erneut ermittelt wird und beobachtet jeden Schritt genau. Werden sie ihm dieses Mal auf die Spur kommen?
Das düstere Cover passt hervorragend zu der Geschichte, die einen hier erwartet. Von Anfang - dem Rückblick auf das Verbrachen - bis zum Ende wird der Leser von der Geschichte gefesselt, zumindest ging es mir so. Das Ermittlerinnenteam kennt sich noch nicht gut, denn sie sind sozusagen frisch zusammengewürfelt, aber dennoch gelingt es ihnen, gut zusammen zu arbeiten - so unterschiedlich sie auch sind. Für Gudrun bedeuten die Ermittlungen, dass sie sich nicht nur auf den Täter konzentrieren muss, sie muss sich auch ihrer Vergangenheit stellen, die sie doch am liebsten hätte ruhen lassen. Sie war damals auf der Party dabei und hat sich sinnlos betrunken. Der Erzählstil ist fesselnd und durch die Verbindung von Vergangenheit und Jetztzeit bleibt die Spannung bis zum Ende konstant. Das Mitraten ist ein Vergnügen, denn die vielen in den Fall verstrickten Personen sind zum Teil sehr undurchschaubar, doch am Ende gibt es eine wirklich gute Lösung des Falles. Dass die Ermittlerinnen gemeinsam einen drauf machen gehen, ist nur das letzte Zeichen, dass sie als Team zusammen gefunden haben und ich freue mich auf weitere Fälle mit diesen beiden Frauen.
Mit hat das Buch sehr gefallen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich in der Gegend aufgewachsen bin und jede der Örtlichekeiten kenne, Es war auch für mich eine Reise in die Vergangenheit und es hat Spaß gemacht Als spannene Urlaubslektüre kann ich das Buch absolut empfehlen.

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