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Veröffentlicht am 23.06.2021

Naturnah und bewusst

Wie du dein eigenes Saatgut gewinnst – und so ein kleines Stück Welt rettest
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Welcher leidenschaftliche Gärtner möchte nicht lieber die Zeit im Garten, als im Gartencenter verbringen und dabei noch Saatgut und alte Sorten schützen? Wie das geht und warum es sinnvoll und wichtig ...

Welcher leidenschaftliche Gärtner möchte nicht lieber die Zeit im Garten, als im Gartencenter verbringen und dabei noch Saatgut und alte Sorten schützen? Wie das geht und warum es sinnvoll und wichtig ist, erklärt dieses Buch.

Ich habe hier einiges gelernt, z.B. warum bei mir Ringelblumen, Kornblumen und Cosemea nie nachkommen, während bei meinen Nachbarn stets eine wunderschöne Ringelblumenpracht den Vorgarten ziert und bei meiner Mutter die Cosmea einfach überall wächst. Das Blütenportrait hat es mir verraten: ich habe einfach nie genug! Es benötigt einen Minimalbestand von ca. 10 Pflanzen, auf die ich nie komme, weshalb es sich einfach nicht von alleine vermehren will... aber nun bin ich ja schlauer! Sehr interessant finde ich bei den Blumenportraits auch, dass diese nicht nur die bevorzugten Standorte, die Art der Aussaat, Erntezeit, Pflegebedürfnisse, Eigenheiten, Verwendung, Verkreuzung und Vermehrung kurz erklären, sondern auch den Samenstand (damit man ihn nicht übersieht), die Samengröße und die Lebensdauer der Samen angeben.

Meine Mutter hat die Angewohnheit aus dem Urlaub immer Pflanzen mitzubringen. Auch wenn sie keine Handtaschen nutzt, scheint sie immer was zum Buddeln zu finden und so vermehrt sie in unserem sehr milden Klima alle möglichen Pflanzensorten fort und schützt sie vor dem Aussterben. Sie ist dabei so erfolgreich, dass nun auch bei mir Schlüsselblumen wachsen und bald auch in Nachbars Garten. Aber dafür muss man ja erst mal wissen, wie man welche Pflanze vermehrt! Pflanzen die meine Mutter irgendwo in der Wildnis ausbuddelt (was sie sicher nicht darf) sind garantiert keine Hybridsorten und somit zur Vermehrung geeignet. Dabei finde ich die unergründlichen Wege der Natur faszinierend, denn ich bin fest davon überzeugt, dass auch Regenwürmer die Samen verschleppen, alleine mit Vögeln kann ich mir einige originelle Orte des Wuchses nicht erklären, aber ich möchte ja, dass die Blumen nicht alle in der Wiese wachsen, sondern auch bitte dort, wo ich sie gut sehe und nicht jeder drüberläuft. Dabei war mir dieses Buch eine große Hilfe, um mein Verständnis der Zusammenhänge zu vergrößern. Klar, wie ich Stiefmütterchen und Löwenzahn vermehre war mir klar, aber wie war das mit den Senkern von Tränenden Herzen, die letztens in meinem Hörbuch vorkamen. Davon hatte ich noch nie gehört. Aber ich habe ein Tränendes Herz, einen festen Willen und nun dieses schlaue Buch! Diese Pflanzensorte ist hier nicht aufgeführt, vielleicht ist sie nicht schützenswert genug, aber das Prinzip war klar und verständlich und so habe ich gleich damit begonnen. Da es länger dauert, als das Keimen von Sonnenblumenkernen, kann ich leider noch keinen Erfolg dokumentieren, wegen der aktuellen Gewitterlage, bin ich aber zuversichtlich, dass es früher oder später Wurzeln schlagen wird. Der Erhalt der Anlagen meiner ermüdenden alten Stachelbeeren durch Vermehrung über Stecklinge hat aber hervorragend funktioniert, ebenso bei der nicht so alten Jostabeere, die ich bei meiner Mutter als Steckling abschnitt und die nun bei meiner Nachbarin und mir wachsen und hoffentlich reiche Frucht tragen wird. Denn das Teilen und Tauschen von Saatgut ist ein wichtiges Prinzip der Autorin. Es geht nicht um Profit und Kommerz, sondern um die Freude an der Natur und deren Erhalt.

Die zahlreichen Fotos lassen Gartenfans das Herz aufgehen, insbesondere da sie mit den Originalakteuren aufgenommen wurden, ohne Filter, ohne Tricks, ganz natürlich. Da bekommt man gleich Lust zu Buddeln und zu Werkeln, ohne über sein Outfit nachzudenken. Dabei sind die Bilder durchaus anregend und ich bewundere die Bilder von den Blumensamen, schön sichtbar sortiert und trocken verwahrt in alten Marmeladengläsern. Bei mir fehlt es leider am Platz, daher nehme ich Teefilter mit Musterklemmen, die ich dann in Eisdosen aufbewahre, wenn ich sie nicht vorher vertausche.
Hier gibt es so viel zu entdecken, dass man immer wieder hineinlesen möchte. Zum Glück hat es gleich zwei farbige Lesebändchen mit denen man seine nächsten Projekte aus dem Buch markieren kann. Lesebändchen kann man in Büchern, die zum Nachschlagen geeignet sind, nie genug haben!

Die Autorin ist mir bereits aus ihrem Werk „Permakultur – Dein Garten, Deine Revolution“ aus dem Löwenzahn Verlag bekannt, weshalb ich mir schon vorab bewusst war, hilfreiche Tipps von einer Gärtnerin zu erhalten, die das was sie schreibt auch selbst praktiziert und mich an ihrer Erfahrung teilhaben lässt.

Leider ist es mir trotz der wundervollen Pflanzenportraits nicht immer möglich zu bestimmen, zu welcher Sorte oder Art eine Pflanze nun gehört und wie ich sie am besten vermehre. Einige Einordnungen haben mich staunen lassen. Da fehlt mir vielleicht das botanische Grundverständnis, oder ich vergesse zu schnell, deswegen muss ich bei Zweifeln an meinen Erkenntnissen bisweilen noch mal schnell nachgoogeln. Das liegt jedoch nicht an dem mangelnden Ausdrucksvermögen der Autorin, deren Schreibweise ich als sehr angenehm, anschaulich und gut verständlich empfinde. Sie erklärt, statt zu dozieren und lässt jedem Gärtner Raum für die eigene Umsetzung, was mir sehr gut gefällt. Die Gliederung mit ihren Verzeichnissen: Saatgut im Portrait (mit Foto), Glossar, Stichwortregister, weiterführende Literatur und Quellen und Bezugsquellen ist übersichtlich und erleichtert die Alltagsnutzung ungemein.

Das Buch ist ökologisch und nachhaltig gedruckt, voll kompostierbar, aber da denke ich nicht mal dran! Einfach wertvoll für alle natürlichen und naturnahen Hobbygärtner!

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Veröffentlicht am 21.06.2021

Wer bin ich und wo komme ich her?

Internat der bösen Tiere
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Noel fühlt sich richtig wohl auf der Insel der Tiere und im Internat, auch wenn er mit einigen Lektionen so seine liebe Not hat, zum Beispiel bei der Jagd! Also muss er quasi bei seinem Begleittier dem ...

Noel fühlt sich richtig wohl auf der Insel der Tiere und im Internat, auch wenn er mit einigen Lektionen so seine liebe Not hat, zum Beispiel bei der Jagd! Also muss er quasi bei seinem Begleittier dem Leoparden Kumo „nachsitzen“ während Taiyo schon chillen kann. Als er erschöpft auf ihr Zimmer zurückkehrt erzählt ihm Taiyo, dass Mrs. Moa für ihn eine Schatulle abgegeben habe, die er unbedingt Noel aushändigen solle. Doch Taiyo hat nicht aufgepasst und nun ist die Schatulle ebenso verschwunden, wie Mrs. Moa, die die Inseln für immer verlassen hat. Seit Noels Entführung plagen sie Schuldgefühle. Noel ist verzweifelt, er findet zwar die Schatulle wieder, aber die darin enthaltenen Briefe seiner Mutter sind zerstört. Mrs. Moa war die einzige Vertraute seiner Mutter, die er kannte. Trotz der Gefahr die jenseits der Insel auf ihn lauert, flieht er heimlich, um zu erfahren, was seine Mutter ihm einst schrieb.

Es beginnt ganz unaufgeregt, indem Noel beim Jagdtraining auf Eidechsen mal wieder unter Beweis stellt, dass er zwar der Sohn einer der Gründerinnen der Schule ist, aber dennoch vieles mühsam lernen muss. Im Laufe dieses Abenteuers verflucht Noel mehrfach seine Faulheit und seinen mangelnden Fleiß, insbesondere im Englischunterricht in der Schule. Hätte er sich dort mehr angestrengt, würde er heute nicht so herumstammeln auf Reisen! Denn Noel lässt es keine Ruhe, nicht zu wissen, was seine Mutter ihm schrieb. Er fühlt sich so unvollständig, es quält ihn nicht zu wissen, woher er kommt und wer seine Eltern sind oder waren. Er hegt Zweifel gegenüber dem, was ihm seine Tante Karin über seine Mutter erzählte. Also begibt er sich auf die Suche nach seinen Wurzeln und nach sich selbst. Dabei findet er so viel mehr und das sind nicht nur Erfahrungen und Abenteuer, sondern auch Erkenntnisse und das Erkennen seiner Identität. Die Suche nach sich selbst und seiner Mutter wird hier nicht abgeschlossen, aber er findet nicht nur mehr über seine Eltern heraus, sondern auch über sich selbst. Er verbringt nämlich auch viel Zeit mit Warten und Nachdenken. Das ist nicht immer nur langweilig, die Ruhe bringt Gewinn durch Besinnung und Reflexion. So ist dieser Band bisweilen ruhiger als die actionreichen Vorgänger, dafür bietet er tiefere Einblicke in die Strukturen der Schule und die Charaktere. Denn egal wie weit verbreitet einiger Irrglaube ist, mit 14 Jahren ist die Suche nach sich selbst und echten Freunden ganz zentraler Bestandteil und die Freunde auch Bestandteil der eigenen Identität. Auch wenn die jungen Hörer nicht mit einer Kopfstimme die Tiere ihrer Umgebung verstehen können und keine Kämpfe mit Wilderern zu befürchten haben, werden sie sicherlich einige Gemeinsamkeiten mit Noel teilen. So verbindet sich Abenteuer mit Fantasie und zentralen Themen des Erwachsenwerdens, wobei dieses Mal die erwachenden Gefühle für Ka. eine ganz untergeordnete Rolle spielen. Erledigt ist das Thema aber nicht, nur die Gewichtungen wechseln von Folge zu Folge, für noch mehr Spannung. Diese wird aber auch hier wieder garantiert durch den flüssigen und mitreißenden Erzählstil von Gina Meyer, der es scheinbar mühelos gelingt, Spannung, Fantasy und Coming-of-Age Themen zu kombinieren. Wieder stellt sie uns überraschende neue Charaktere vor, die Noel zu Beginn unterschätzt, die sich aber als unschlagbar an seiner Seite erweisen.

Jonas Minthe gefällt mir nach wie vor unglaublich gut als Noel, der auf der Suche nach sich und seinen Wurzeln ist, hin und hergerissen, zwischen seiner natürlichen Faulheit, dem Wunsch gut zu sein, der Sehnsucht nach seiner Mutter, der Loyalität zu seinem besten Freund und der Anziehung zu Kat. für die auch Taiyo schwärmt. Das Leben ist echt kompliziert, wenn man14 Jahre alt ist und dieses Wechselbad der Gefühle bringt Jonas Minthe sehr gut rüber, ebenso wie Verzweiflung und Entschlossenheit, die sich in seiner Brust abwechseln. Dabei klingt er richtig jung und authentisch, während seine frische Art, der Erzählung Lebendigkeit verleiht.

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Veröffentlicht am 19.06.2021

Wie die Zeit wieder ins Lot kam....

Ellas federleicht-verhexte Zukunft
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Dies ist die Fortsetzung von „Ellas verrückt verrutschtes Leben“, mit der die Diologie endet. Ella und Dodo sind beste Freundinnen und inzwischen sind Dodos Mutter, Tierärztin Susi und Ellas Vater auch ...

Dies ist die Fortsetzung von „Ellas verrückt verrutschtes Leben“, mit der die Diologie endet. Ella und Dodo sind beste Freundinnen und inzwischen sind Dodos Mutter, Tierärztin Susi und Ellas Vater auch verheiratet und nach Kleinkotzingen auf einen aufgegebenen Hof gezogen, dessen Eigentümer Herr Kamitziki verschwand. Ella hat es dort von Anfang an gehasst, bis sie und Dodo eine Zeitrutsche im Hof entdeckten, mit der sie eine halbe Stunde in die Vergangenheit rutschen konnten, nicht ohne Nebenwirkungen. Inzwischen fühlen sich dort beide wohl, vor allem, nachdem sie alles wieder zurecht gerutscht haben und nun mit den Zwillingen Lizzi und Luka befreundet sind. Sie beschließen, die zwei in ihr Geheimnis einzuweihen und dem Rätsel auf die Spur zu gehen. Dodo brennt darauf die Formel der Zeitreisen zu entschlüsseln. Doch die Zwillinge verschwinden bei der Suche in der Gerümpelscheune und als sie wieder auftauchen, zicken sie sich an und im Hof neben der Zeitreiserutsche wächst eine Kokospalme statt eines Kirschbaums. Sie versichern nicht in die Vergangenheit gerutscht zu sein, aber sie haben eine Luke in die Zukunft gefunden. Also bleiben auch Reisen in die Zukunft nicht ohne Nebenwirkungen, nun müssen sie nur noch klären, wie das alles zusammenhängt. Risiken und Nebenwirkungen sind bei diesen Nachforschungen unberechenbar!

Es ist nicht zwingend erforderlich Band 1 zu kennen, aber absolut sinnvoll. Da die Zeitreisen nie ohne Folgen bleiben und sich nicht nur das Wetter verändert und Tiere verschwinden, sondern sich auch die Persönlichkeiten der Freunde verändern und zwar negativ, hilft es enorm sich an deren ursprünglichen Charakter erinnern zu können. Die Betroffenen können es nämlich nicht mehr und haben jede Erinnerung an ihr eigentliches „Ich“ verloren. Damit wird einem die Krassheit des Eingriffs in die Zeit und ihre Folgen viel deutlicher, als wenn man zu Beginn gelesen hat, dass Dodo immer gut gelaunt ist und Schule liebt und Ella cool ist und clever. Durch eine Panne zu Beginn verlieren sie diese Eigenschaften und die sonst so sympathischen besten Freundinnen werden echt unangenehm anstrengend und auch peinlich! Das hat mich auch etwas gestört. So originell ich die Idee auch fand, so unangenehm fand ich die eigentlich besten Freundinnen, nachdem wieder die Zeit verrückt war. Im Mittelteil fand ich das Lesen daher etwas zäh, auch wenn es nur die extreme Veränderung zeigte, die allerdings so deutlich war, dass seine jungen Heldinnen kaum noch wiederzuerkennen waren. Wie gefährlich Zeitreisen sind, kann man daran schon erkennen. Interessanterweise verändern sich die Zeitreisenden nur, können aber niemals sich selbst begegnen. Die Gefahr lauert nicht darin, dass sie in das Geschehen eingreifen - das Geschehen verändert sich, allein durch den Eingriff in die Zeit als solche!

Einige Ideen sind sehr originell, wie zum Beispiel die krassen Wetterphänomene, die durch den Eingriff in das Zeitgefüge entstehen. Da braucht es gar keinen Klimawandel, damit Wetter und Vegetation verrückt spielen. Doch es ist nicht nur das Wetter, es sind auch die Menschen, die sich verändern. So manches was anfangs wünschenswert erscheint, wird auf Dauer zu viel des Guten. Ständig Hitzefrei ist auch keine Lösung ;) Zum Glück gelingt es den Freunden gemeinsam, woran Herr Kamitzki seit Jahrzehnten verzweifelt und die Zeit ist am Ende wieder im Lot und jeder wieder so wie er sein sollte. Nicht nur das, alle fühlen sich wohl, dort wo sie sind und brauchen keine Veränderungen mehr!

Das Schriftbild ist wieder angenehm entspannt und macht es auch wenig geübten Lesern einfacher zu lesen mit noch komfortabler Schriftgröße und Zeilenabstand. Dank des Lesebändchens findet man auch immer ganz schnell an die Stelle zurück, an der man aufhörte. Plus ein abwischbares Hardcover, meine absolut bevorzugte Kinderbuchausgabe!

Ein originelles Kinderbuch für Kinder ab 10 Jahren.

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Veröffentlicht am 18.06.2021

Die Bedrohung wird immer ernster!

Die Chroniken von Mistle End – Teil 2: Die Jagd beginnt
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Cedrik ist noch etwas erschöpft von der Schlacht auf der Mauer, mit dem Greifen an seiner Seite. Er kann es nicht glauben, dass sein Freund Crutch ein dunkler Druide und damit sein Feind ist. Ihm bleibt ...

Cedrik ist noch etwas erschöpft von der Schlacht auf der Mauer, mit dem Greifen an seiner Seite. Er kann es nicht glauben, dass sein Freund Crutch ein dunkler Druide und damit sein Feind ist. Ihm bleibt eine dunkele Vorahnung. Als Gaukler in den noch deutlich beschädigten Ort kommen, freuen sich alle über die willkommene Abwechslung. Doch einer der magischen Gaukler wird gezwungen ein wertvolles Buch, dass zur Sicherheit aller Bewohner Mistle Ends streng geheim und gut gehütet ist zu stehlen. Cedrik, Emily und Elliot beschließen durch eine geheime Tür nach London zu reisen und das Buch zurück zu holen, um den Frieden zu sichern. Allerdings sind sie noch jung und nicht in alle Geheimnisse der magischen Welt eingeweiht. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie mit ihrem Auftauchen in London gegen einen Friedensvertrag der Hexen mit den Vampiren verstoßen und damit nicht nur sich selbst in höchste Gefahr bringen. Zum Glück treffen der junge Druide, die Gestaltwandlerin und der junge Hexenmeister auf unerwartete Verbündete. Dennoch ist der zerbrechliche Friede gebrochen worden. Misstrauen breitet sich aus und nach einer atemlosen Jagd durch London, auf der Suche nach dem gestohlenen Buch, folgt nun ein Kampf um Leben und Tod.

Mit Cedrik und Crutch stehen sich zwei Jungdruiden gegenüber, die sich eigentlich mögen und gerne Freunde wären, wenn da nicht ihre Überzeugungen wären.... Für ein Hörspiel ist „Mistle End“ ziemlich lang, wodurch die Charaktere Raum zur Entfaltung bekommen und nicht wie reine Abziehbildchen wirken. Man spürt, wie innerlich zerrissen die beiden sind, weil sie gerne Freunde wären. Doch gibt es ja auch noch Emily und Elliot, gegen die Cedrik sich auf keinen Fall wenden will, nicht nach alldem was bisher geschehen ist. Eigentlich unglaublich, dass es noch gar nicht so lange her ist, seit er mit seinem Vater London verlassen hat und sie in diese schottische „Einöde“ zogen. In das Rückzugsgebiet magischer Wesen, die seinen Vater schon dessen ganzes Leben lang faszinierten und an die ausgerechnet Cedrik nie glauben wollte. Nun wird Cedriks Weltbild aber schon wieder auf den Kopf gestellt, als er feststellen muss, dass er bereits in London unter magischen Vampiren lebte und keine Ahnung davon hatte! Nun, da er zurück ist, verstößt er unwissentlich gegen so einige Regeln der magischen, ihr Aufbruch war aber auch recht unbedacht. So erkundet man gemeinsam mit Cedrik, Elliot und Emily eine ganz andere Seite von London, eine die auch mir bislang verborgen blieb und daher um so faszinierender ist.

In diesem Band geht es zur Sache, das ist nichts für zarte Nerven, besonders aufgrund der dramatischen Lautuntermalung. Die Musik steigert die Spannung, die Geräuschkulisse zieht einen unmittelbar an die magischen Orte der Handlung. Die hochkarätigen Sprecher rund um Erzähler Jona Mues klingen stets prägnant und sind daher gut zu unterscheiden. Sie erwecken die Geschichte zum Leben und machen es leicht in diese fremde Welt einzutauchen. Glücklicherweise ist es das selbe Ensemble wie bei Teil 1, allerdings habe ich den Eindruck, als würde Jona Mues diesen Band düsterer, dunkler sprechen, so dass man von Beginn spürt, wie sich das Unheil zusammenbraut. Sonst klingt er immer so nett (was er wohl auch ist) aber hier läuft einem bisweilen eine Gänsehaut über den Rücken, wenn blutrünstige Vampire oder zu alles entschlossene Samariter den drei Freunden den Weg versperren. Na ja, da in diesem Band ja auch ein paar neue Fabelwesen auftreten, ist es nicht ganz die gleiche Besetzung, sie wird jedoch mit Barbara Schöneberger als Königin der Vampire geheimnisvoll und beherzt bereichert. Selbst wenn einige Sprecher mehrere Rollen übernehmen wie z.B. Johannes Steck fällt es beim Hören nicht auf, zu virtuos variieren sie die Stimmen der einzelnen Charaktere. Autor Benedict Mirow hat auch das Drehbuch zum Hörspiel geschrieben und Regie geführt. Die Altersempfehlung ab 10 Jahren sollte man also absolut ernst nehmen.

Am Ende können die Freunde gar einen Blick in die wahrscheinlichste Variante der Zukunft werfen, eine Zukunft deren Eintritt sie um jeden Preis verhindern müssen, egal wie gefährlich es für sie selbst oder ihre Freunde wird! Es wird also ebenso packend wie mutig weitergehen im Kampf gegen die Morrigan, die Göttin des Krieges, Crutch und ihre Anhänger.

Ein stimmgewaltiges Hörkino für alle jungen und junggebliebenen Fantasyfans!

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Veröffentlicht am 16.06.2021

Eine traumatisierte Ermittlerin

Trauma – Kein Entkommen. Katja Sands erster Fall
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Hauptkommissarin Katja Sand sitzt am Wochenende mit ihrer pubertierenden Tochter beim Kaffee und muss gleich wieder weg, weil ein Mann im Baggersee ertrunken aufgefunden wurde. Eigentlich deutet alles ...

Hauptkommissarin Katja Sand sitzt am Wochenende mit ihrer pubertierenden Tochter beim Kaffee und muss gleich wieder weg, weil ein Mann im Baggersee ertrunken aufgefunden wurde. Eigentlich deutet alles auf Selbstmord hin, hätte der Tote nicht so eine seltsame Tätowierung auf dem Schädel, unter den Haaren und die Taucher ein Messer mit Initialien auf dem Grund des Sees gefunden, dessen Klinge zum Schnitt im Boot passt. Durch das Tatoo wird er als schwer traumatisierter Marineoffizier a.D. Identifiziert. Seine von ihm getrennt lebende Ehefrau schließt Selbstmord aus, sein Therapeut findet ihn naheliegend. Alle Spuren führen zur Marine, bei der Katja und ihr Assistent Rudi Dorfmüller auf einige Ungereimtheiten hinsichtlich des Traumas das zur Dienstunfähigkeit führte, stoßen. Der Fall soll als Selbstmord abgelegt werden, aber alles in Katja sträubt sich dagegen. Besonders als noch ein zweiter Unbekannter, erstickt in einem Kühlschrank im Wald gefunden wird. Auch dieser hat ein Trauma nach einer Nahtoderfahrung, trotz bester Ausbildung bei der Marine. Erneut kann die Pathologie kein Fremdverschulden nachweisen und kann Suizid nicht ausschließen. Anders als die, die den Toten kannten. Katja beißt sich fest, während ihr Privatleben völlig aus dem Ruder läuft.

Hm, Autorenlesungen können klappen, müssen es aber nicht. Julia Nachtmann hat mich optimistisch gestimmt und von Christoph Wortberg war ich richtig angetan. Er hat zwar nur einen kleinen Part, indem er immer wieder traumatische Kindheitserlebnisse schildert, dafür aber so eindrücklich und sensibel, dass es mir zu hart war, um es zum Einschlafen zu hören und das Hörbuch ins Auto wandern musste. Den Hauptpart übernimmt Julia Nachtmann, so dass ich es zwischendurch fast vergaß, dass es ja auch noch einen zweiten, männlichen Sprecher gibt, bis sich dieser mit der Bedrohlichkeit seiner Worte und dem Grauen des eindrücklich, aus kindlicher Sicht Geschilderten, zurück in mein Gedächtnis brachte. Das finde ich sehr gut gelöst und ich merkte, wie ich beim Weiterhören weiter grübelte, wer denn in dem Fall das Kind sein könnte, das seine traumatischen Erlebnisse schildert. Julia Nachtmann habe ich zuletzt oft bei Lesungen für Kinder genossen und es imponiert mir, wir mühelos sie umswitched und sie ganz anders, erwachsen und kantig klingt. Sie klingt absolut authentisch als Kommissarin im Kampf mit ihren inneren Dämonen.

Etwas schade finde ich, dass das Hörbuch mit den Worten „Katja Sands erster Fall“ beginnt. Damit ist nämlich klar, dass es auch mindestens noch einen zweiten geben wird (tatsächlich ist es als Triologie angelegt). Dabei ist es am Ende so dramatisch, dass ich ohne diese einleitenden Worte, nicht ausgeschlossen hätte, dass die Ermittlerin nicht überlebt. Das hat für mich die Spannung ein wenig gespoilert. Offiziell ist es ein Thriller, allerdings ist die Hülle nicht mit einem entsprechenden Hinweis versehen. Hier gibt es lediglich einen dramatischen Showdown, die Ermittler folgen immer wieder Spuren, die im Sand verlaufen. Hier wird nicht viel geschossen und mit quietschenden Reifen jegliche Verkehrsregel missachtet, keine Pathologin versucht sich am Y-Schnitt oder kocht den Schädel aus. Das Grauen ist hier stiller, leiser, es liegt in den Traumata, die Katja und Rudi Dorfmüller nach und nach aufdecken. Es ist das stille Entsetzen, was Menschen, die einander schützen sollten, einander antun können. Diese Hilflosigkeit, wenn man um Hilfe bittet und stattdessen zum Schweigen gebracht wird. Die hohe Kunst der Vertuschung, im Kleinen, wie im Großen. Das finde ich ein sehr interessantes Thema und wirklich gut recherchiert! Während des Hörens musste ich immer wieder Nicken und dachte nur, ja, so laufen Ermittlungsverfahren/Verwaltungsverfahren. Da der Autor Schauspieler ist, was seine hervorragende Lesung erklärt, beeindruckt es mich umso mehr, dass diese Verfahrensabläufe absolut stimmig sind. Christoph Wortberg arbeitet nicht nur als Schauspieler und Hörbuchsprecher, sondern verfasst auch regelmäßig Drehbücher u.a. für den Kölner „Tatort“. Ein Name, den ich mir auf jeden Fall merken werde.

Katja Sand, reiht sich ein in die lange Liste der kaputten Ermittler, ganz anders als ihr Assistent Rudi Dorfmüller, der auch recht eigen ist, aber ein Goldstück. Katja ist selbst ganz offensichtlich traumatisiert und nimmt diesen Fall gefährlich persönlich. Sie ist keine einfache Person. Anders als bei Dorfmüller kann ich nicht wirklich sagen, ob ich sie mag oder nicht. Einige ihrer Entscheidungen finde ich sehr gefährlich oder falsch. Als Mutter kann ich sie bisweilen sehr gut verstehen, selbst wenn wir beide wissen, dass die Reaktion ihrer Tochter gegenüber vielleicht nicht die Schlaueste ist. Als Tochter schüttel ich nur den Kopf und wundere mich immer über die erbrechtlichen Seiten dieser Familie. Ich an Katjas Stelle würde meiner Mutter ganz andere Vorwürfe machen ;) Katja Sand ist eine kaputte Ermittlerin, die ganz viel aus dem Bauch heraus entscheidet, was mal goldrichtig ist und sie beruflich die Ermittlungsquote der Abteilung deutlich steigern lässt, privat aber oft in Katastrophen führt. Ja, Katja ist traumatisiert, sie reagiert oft falsch, aber sie ist zum Glück nicht noch eine weitere Ermittlerin, die trinkt, Drogen nimmt oder mit jedem Typen im Bett landet. Das finde ich dann wieder erfrischend normal! Das hat sie auch alles gar nicht nötig, sie verstößt auch so gegen genügend Regeln. Im Laufe des Falles erhält man immer wieder aufblitzende Einblicke in ein Trauma, das Katjas Lebensweg geprägt hat, aber ganz aufgelöst wird ihre persönliche Hölle wohl erst mit dem dritten Band. Ich habe diesen Thriller zufällig, als Fehllieferung erhalten und hatte keine Erwartungen an ihn. Nun will ich aber unbedingt wissen, wie es weitergeht. Was ist Katja damals passiert!

Ein ungewöhnlicher, sehr intensiver Thriller, mit einer Ermittlerin, die nicht wirklich sympathisch ist, aber im Gedächtnis bleibt. Das macht sie interessant.

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