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Veröffentlicht am 29.12.2020

Rache kann verzehrend sein..

Als die Nacht begann
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Der 7. Fall für Kriminalhauptkommissar Jan Tommen und sein eigenwilliges Ermittlerteam.
Während Jan gerade bei der Anprobe seines Hochzeitsanzugs gelangweilt herumzappelt, wird er zu einem Einsatz in ...

Der 7. Fall für Kriminalhauptkommissar Jan Tommen und sein eigenwilliges Ermittlerteam.
Während Jan gerade bei der Anprobe seines Hochzeitsanzugs gelangweilt herumzappelt, wird er zu einem Einsatz in der Nähe gerufen. Mitten auf der Friedrichstraße ist eine junge, schöne Studentin auf offener Straße aus dem Hinterhalt erschossen worden. Macht ein Heckenschütze nun Berlin unsicher? Auch das Handyvideo eines ausländischen Touristen lässt keine eindeutig anderen Schlüsse zu. Als sie in das Privatleben des Opfers eintauchen wird der Fall immer unwirklicher, da unerklärlicher. Es scheint jegliches Mordmotiv zu fehlen. Mitten in die Verwirrung der Ermittler platzt die Nachricht eines zweiten Opfers. Ein junger Computernerd wurde in seiner Mittagspause auf einer Bank am See sitzend aus der Entfernung erschossen. Bis auf die Tatsache, dass auch seine Wohnung Rätsel aufgibt, scheint es keinerlei Verbindung zwischen den Opfern zu geben und alles auf Zufallstaten hinzudeuten. Das macht die Aufklärung der Mordserie nahezu aussichtslos.

Jan Tommens Ermittlerteam ist schon sehr speziell und arbeitet meistens jenseits der Legalität. Deswegen hält Jan seinen jungen, stets tadellos gekleideten Kollegen Patrick auch oft absichtlich im Dunklen über ihren Erkenntnisgewinn. Gerichtsverwertbar sind ihre Methoden zumeist nicht, dafür aber ausgesprochen effektiv. Da wäre Gerichtsmedizinerin Zoe, kettenrauchende, schöne Tochter des inzwischen inhaftierten Oberhauptes eines Verbrechersyndikates, aber ohne die Neigungen ihres Vaters. Chandu, ein Türsteher/Personenschützer von beeindruckender Statur und Fitness mit besten Kontakten in die Unterwelt und die der organisierten Kriminalität, dessen Freundschaft mit Jan daher besser geheim bleiben sollte. Doch wer könnte seinen Kochkünsten widerstehen? Und Hacker Max, mit unstillbarem Durst auf Ovomaltine-Cola und inzwischen offizieller Berater der Kripo Berlin und daher mit eigenem winzigen Büro ausgestattet. Max ist daher auch derjenige, der sich am Besten in das zweite Opfer hineinversetzen kann und dem die Ungereimtheiten von dessen Wohnung keine Ruhe lässt.

Der Fall ist schnell, scheinbar völlig unmotiviert und eiskalt berechnet. Trotz der Gnadenlosigkeit der Vorgehensweise, ist dieser Thriller schnell und spannend, doch nicht blutrünstig. Auch Pathologin Zoe seziert nicht seitenweise Leichen oder erläutert die Besonderheiten des Verwesungsprozesses. Fesselnd ja, aber nicht abstoßend, dafür mit jeder Menge trockenem Humor, der es mir leicht macht, dieses schräge Ermittlerteam zu mögen. Es macht Spaß nach Hinweisen zu fahnden, oder über andere Ermittlungsansätze nachzudenken, wenn Jan und Co. sich mal wieder festgebissen haben. Dieser Fall zieht allerlei zwielichtiges Gesocks an, denn irgendwo muss der Täter sich die Waffe ja besorgt haben. Dabei gibt es auch wieder Bezüge zu nerdigen Typen und Algorithmen, die ich echt interessant finde. So hatte ich keine Ahnung, dass stetig an Computerprogrammen gearbeitet wird, die zukünftige Verbrechen anhand bekannter Daten vorhersagen sollen. Es wird einem auch manchmal ganz anders zumute, wenn man mitbekommt, was den Hackern so alles möglich ist. Bisweilen sind hier die Grenzen etwas fließend. Die Ermittler treffen sich immer wieder bei Chandu zum Essen, um die neuesten Ansätze und Erkenntnisse auszutauschen und später in Telefonkonferenzen, da die Zeit fürs Essen einfach nicht mehr reicht. Gut für Jan, der ja immerhin noch in seinen Hochzeitsanzug, eine Nummer kleiner, passen soll.
Am Ende spannt sich der Bogen zum Prolog, der anfangs den Leser ziemlich ratlos lässt, letztendlich aber absolut schlüssig ist.

Spannend, überraschend, solide und kurzweilig. Was will man von einem Thriller mehr?

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Magisch, spannend, finster

Millenia Magika – Der Schleier von Arken
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Adrian eckt in der Schule immer irgendwie an. Egal wie oft er die Schule wechselt, innerhalb kürzester Zeit ist er der seltsame Außenseiter. Nach einem Streit mit seiner Mutter und seinem Stiefvater haut ...

Adrian eckt in der Schule immer irgendwie an. Egal wie oft er die Schule wechselt, innerhalb kürzester Zeit ist er der seltsame Außenseiter. Nach einem Streit mit seiner Mutter und seinem Stiefvater haut er ab zu seiner Großtante Lia. Die wohnt in Arken, der langweiligsten Stadt der Welt. Dort gibt es kein Internet, kein Handynetz und keine Shopping Mall oder Neubaugebiete. Es ist ein wenig, als wäre die Zeit stehen geblieben. Doch dem ist nicht so: tatsächlich ist es ein Rückzugsort für Magische, geschützt durch einen Schleier, der Unbefugten den Zutritt verwehrt. Ein Schleier, den die mächtige Magista, seine Tante Lia, um die Stadt errichtet hat. Als Adrian unerwartet in eine Teegesellschaft bei Lia platzt, sieht er plötzlich Phänomene, die nicht möglich sein können. Völlig fassungslos rennt er aus dem Haus, wo er die ebenso fassungslose Teegesellschaft zurücklässt. Nun ist offensichtlich, dass auch Adrian magisch ist und durch den Schleier von Arken schauen kann. Als er zurückkehrt, ist seine Tante allerdings verschwunden, offenbar entführt, von einer Organisation, die nichts Gutes mit den Magischen im Sinn hat. Gemeinsam mit Hexenschülerin Jazz und Dorftroll Juri begibt sich Adrian auf die Suche nach seiner Tante, um diese und Arken zu retten – oder eben auf eine Quest, wie Rollenspieler Juri es nennt. Doch hier sind die Ghule, Siechen und andere Gefahren nur allzu real und kein Spiel!

Die Aufmachung des Buches ist betörend magisch, ein echter Hingucker! Dies ist das erste Buch des erfolgreichen Illustrators Zapf, der eigentlich Falk HolZAPFel heißt. Bereits im Einband befindet sich eine dreifarbige Karte von Arken und Umgebung, die den Schleier und die Grenzen um Arken verdeutlicht. Im hinteren Einband entdeckt man dann die Schlagzeilen der örtlichen Zeitungen „Arkenspiegel“ und „Arkenlaterne“ in denen über die ungeheuerlichen Vorkommnisse berichtet wird. Auch im Innenteil geht es nicht weniger aufwendig zu. Jedes Kapitel beginnt mit einer 3 farbigen Illustration einer Figur von zentraler Bedeutung für das folgende Kapitel und man ist richtig gespannt, was es denn mit dieser auf sich haben wird. Diese Illustrationen sind sehr aufwendig und ausdrucksstark, aber auch ein wenig düster. Wir verdächtigen den Autor und Illustrator eine heimliche, innere Verbindung zu Juri zu haben, denn auch diese Figuren könnten durchaus Fantasyspielen entsprungen sein. Im Text sind immer wieder Passagen rot gedruckt und man wundert sich über diese Stimme in Adrians Kopf, die ihn lange an sich selbst zweifeln lassen...

Das Buch beginnt rasant und geht auch rasant weiter, allerdings nicht sprunghaft und oberflächlich. Die jeweiligen Figuren bekommen durchaus auch eine eigene Dimension. Allerdings ist die Informationsdichte so hoch, dass ich mir nicht immer sicher bin, ob wir diese Welt so richtig durchdringen. Eine Welt in der die Zeit für fast 1.000 Jahre ruhte, bis mit dem neuen Millenium ein Zeitalter der Magie zurückkam. Ein Phänomen, dass nur alle 1.000 Jahre auftritt und das auch die mittelalterlichen Hexenverfolgungen erklärt... Wie man sieht, hat Zapf sein Imperium genau durchdacht. Die Gefahren sind zum Greifen nah und absolut tödlich, weshalb es hier auch questmäßig ernst zur Sache geht. Da rollen schon mal Köpfe! Als Altersempfehlung hätte ich auch ganz gut mit 12 Jahren leben können, statt 10. Ich habe dieses Buch mit meiner Jüngsten gelesen, die noch nicht ganz 11,5 Jahre alt ist. Während ich beim Zähneputzen vorlas, überkamen mich bisweilen Zweifel, ob das denn so eine gute Wahl als Gute-Nacht-Geschichte sei, aber diese Zweifel waren unbegründet. Denn obwohl dieses Kind bisweilen recht zart besaitet ist, konnte sie hervorragend schlafen, ohne von Albträumen von Ghulen, Siechen oder Golem geplagt zu werden.

Es ist unglaublich spannend und geheimnisvoll und stets fragt man sich, was es denn mit dem unheimlichen Verschwinden von Tante Lia auf sich haben kann.

Am Ende kommen die Magika aus Arken noch mal mit einem blauen Auge davon, aber Adrian hat noch nicht sein volles Potenzial entfaltet und die Gefahr ist nicht endgültig gebannt, es bleibt daher Raum für mindestens eine Fortsetzung, sollte dieses Buch in den Läden so erfolgreich sein, wie bei uns... Wir würden ja Adrian und Jazz gerne bei ihrer Ausbildung begleiten.

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Veröffentlicht am 25.12.2020

Tödliche Feiertage am Lago d'Orta

Isola Mortale
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Dezember im Piemont am Lago d'Orta, es ist draußen ungemütlich, drinnen im Haus am See von Ex-Kriminalreporter Simon Strasser prasselt ein wärmendes Feuer, während er auf die Ankunft seiner Freundin Louisa ...

Dezember im Piemont am Lago d'Orta, es ist draußen ungemütlich, drinnen im Haus am See von Ex-Kriminalreporter Simon Strasser prasselt ein wärmendes Feuer, während er auf die Ankunft seiner Freundin Louisa aus Frankfurt wartet. Doch kaum ist diese da, ruft morgens Commissaria Carla Moretti an. Aus dem See wurde die Leiche einer jungen, schönen, deutschen Novizin geborgen, die anscheinend mit einem Ruderboot gekentert ist. Was zog die deutsche Novizin in ein Schweigekloster auf der Isola San Giulio? War es wirklich ein Unfall, oder haben ihre Nachforschungen zum Verbleib ihrer vor 8 Jahren verschwunden Mutter jemanden missfallen? Haben etwa die Ordensschwestern etwas damit zu tun, oder doch eher der ehemalige Arbeitgeber der Mutter, der mittlerweile auch ein Feriendomizil am See hat? Die Commissaria scheint sich schnell auf ihn festlegen zu wollen, doch eine mächtige Familie am See, kreuzt immer wieder Simons Weg.

Simon Strasser ist nicht einfach ein gewöhnlicher deutscher Journalist, den la Dolce Vita reizt. Tatsächlich ist er Halbitaliener, dank seiner Mutter. Allerdings hat er keinen wirklichen Kontakt zu seiner italienischen Verwandtschaft, die sein Vater wohl immer ablehnte. Seinen deutschen Akzent wird er daher wohl nicht mehr los, aber dafür ist er inzwischen als Dolmetscher zugelassen. Aus diesem mehr oder weniger sinnigen Grund, wird er von der leitenden Ermittlerin nun auch zum Tatort gerufen, obwohl ihr seine ermittlerischen Alleingänge in der Vergangenheit extrem missfallen haben. Diese halten sich aber wohltuend in Grenzen, so achtet er meistens das Gesetz, trägt nicht stets einen Bund Dietriche mit sich herum und ist schon gar nicht bewaffnet. Eigentlich ein ganz ruhiger Zeitgenosse, den aber so einiges ins Grübeln bringt und den die Neugier antreibt, aber nicht ohne nebenbei das Leben zu genießen.

Sehr gut hat mir das Lokalkolorit des Lago d'Orta gefallen, der touristisch noch nicht so überlaufen ist, aber an dem dennoch viele der Häuser am See im Winter leer stehen, da es sich um Sommerresidenzen handelt. Im Winter kommt die Schönheit der Gegend vielleicht nicht zur optimalen Entfaltung, aber ich finde es besonders reizvoll, mal darüber nachzudenken, wie es in den liebsten Urlaubsorten jenseits der Saison wohl aussieht und was vom Tourismus übrig bleibt.

Tetje Mierendorf kannte ich bislang nur als Sprecher einer Kinderhörbuchreihe und so war ich auf ihn als Krimierzähler gespannt. Er hat eine sehr angenehme Stimme und eine ruhige Erzählweise gewählt, die sehr gut zu diesem atmosphärischen Krimi passt, in dem auch immer die Gegend, das Essen und die Getränke thematisiert werden. Teilweise kritisch, weil Stieftochter Nicola inzwischen Vegetarierin ist, und teilweise ökologisch in Form sich übermäßig ausbreitender Krebseindringlinge im See, teilweise in Verbindung mit lokalen Feiertagstraditionen. Da passt die nachdenklich, zurückgenommene Art des Sprechers sehr gut. Dieser Krimi kommt ohne Spurensuchen-High-Tech aus und konzentriert sich auf Gedanken, Überlegungen und Beobachtungen. Ein Fall, der sich in Ruhe entwickeln kann mit Persönlichkeiten, deren Nuancen durchblitzen, sich aber nicht plump offenbaren und ohne Hektik. Zwischenzeitlich kommt zwar eine Person in Gefahr und das Tempo wird deutlich gesteigert, aber nach der Auflösung fällt das Tempo wieder ab, da die Lösung nicht zum Greifen nahe ist. Anders zum Finale hin, in dem Tetje Mierendorf deutlich drängender wird, bis der Journalist sich ins Gedächtnis ruft, das seine Stärke in der Ruhe liegt. Diese Ruhe strahlt der ganze Fall aus und vermittelt dem Zuhörer stets, dass alles gut werden wird und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende. Tatsächlich wird zum Schluss auch alles aufgelöst, ohne Hektik und mit dem Ausblick auf bevorstehende kommende gute Tage. Anders als Donna Leon prangert Giulia Conti nicht ein korruptes System in Italien per se an, in der Gewissheit, dass auch wenn ein Schlangennest ausgehoben wurde, die nächsten nur auf ihren Aufstieg warten. Es ist ein persönliches Einzelschicksal und so endet der Fall tatsächlich ohne düstere Vorahnung. Das finde ich für einen Feiertagskrimi, der auch Silvester einschließt, gerade aktuell sehr beruhigend.

Eine unterhaltsame und streckenweise sehr spannende Reise in das von Corona besonders erschütterte Piemont, insgesamt aber eher ein Cosy Crime Krimi, die ich durchaus sehr schätze.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Spannender Umweltkrimi!

Die Klima-Checker: Tiere in Not
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Malin, Trixie und Einstein sind die besten Freunde und haben sich dem Klimaschutz verschrieben, denn seit ihrer ersten Klimaschutzdemo ist ihnen klar, dass man nicht zu klein ist, um sich für den Erhalt ...

Malin, Trixie und Einstein sind die besten Freunde und haben sich dem Klimaschutz verschrieben, denn seit ihrer ersten Klimaschutzdemo ist ihnen klar, dass man nicht zu klein ist, um sich für den Erhalt der Natur und Zukunftsperspektiven einzusetzen. Als Malin einen völlig abgemagerten Igel im Januar im Garten sieht, schlägt sie sofort Alarm und Einstein kommt sofort mit Trockenfutter zu Hilfe. Doch um auf Nummer sicher zu gehen, ruft Malin noch schnell bei Umweltschützerin Luise an, der Inhaberin der Baumschule mit Biocafé. Diese pflichtet Einstein bei, doch hat sie schlechte Neuigkeiten für ihre jungen Freunde. Sie hatte ihre Baumschule und Café an die Stadt verkauft, mit dem Versprechen, dass diese weiterbetrieben werden sollen, wie bisher, wenn sie sich zur Ruhe setzt. Doch der größte Bauunternehmer der Stadt will das Gelände nun kaufen und ein Einkaufszentrum dorthin bauen. Die grüne Lunge des Ortes ist damit in Gefahr, die Abkühlung und Sauerstoff an heißen Sommertagen bietet! Außerdem ist sie Zuflucht und Heimat für viele Tierarten.

Die drei Klima Checker werden direkt zu Beginn mit Bild und kurzem Text persönlich vorgestellt. Wie alt sie jeweils sind, wird nicht genannt, wahrscheinlich damit sich auch noch ältere Kinder angesprochen fühlen. Auch Malins Teenager-Schwester Ida, die jeden kennt und mit den Auswüchsen der Pubertät kämpft, wird einfach nur als Teenager, also sehr vage bezeichnet. So ist das Identifikationspotenzial für die Leser allerdings auch größer. Dabei hilft es auch, dass die Klima-Checker trotz ihres Engagements auch ihre Smartphones benutzen, z.B. zum Fakten-Check. Allerdings sind sie auch gerne bereit zuzugeben, dass sie nicht alles alleine können, sondern nehmen bereitwillig Hilfe an. Egal, ob von der älteren Schwester Ida, oder von Erwachsenen. Denn alles bekommen Kinder dann doch nicht alleine hin, manchmal wäre es ansonsten auch einfach zu gefährlich. Sehr schön ist nämlich, dass die drei Freunde zeigen, was Kinder tatsächlich tun können, um sich zu engagieren. Ihre Kriminalfälle sind tatsächlich in diesem Umfang lösbar.
Hinsichtlich der Problematik des Grundstücksverkaufs habe ich hier als Juristin definitiv Einwände, aber wenn man das tatsächliche Zeitmoment im Immobilienkaufrecht und dessen Feinheiten in einen Krimi einbauen würde, wäre das für Kinder viel zu langwierig und langweilig und der Klimawandel nicht mehr zu stoppen. In der Realität laufen solche Kaufverträge niemals ohne Notare ab, die erst einmal Vertragsentwürfe aufstellen und zur Prüfung versenden. In diesen Verträgen werden dann auch entsprechende „Versprechen“ aufgenommen, wie die Auflage, dass sich die Gemeinde verpflichtet Café und Baumschule weiterhin für mindestens XY Jahre weiter zu betreiben oder eine Rücküberlassungsklausel, falls besonders wichtige Vertragsbedingungen nicht eingehalten werden. Menschen wie Luise können sich also auch juristisch absichern und müssen nicht auf schöne Worte vertrauen. Allerdings fallen mir durchaus noch weitere begangene Straftaten ein, derer sich der Bösewicht hier schuldig gemacht hat. Dabei finde ich die Darstellung von Korruption und Klüngel sehr realistisch und ein wenig wurde ich hier bei den Ermittlungen an die skandalträchtige Ibiza-Affäre aus Wien erinnert. Doch Korruption beginnt im Kleinen und somit auch schon in den Kleinstädten und betrifft somit uns alle. Denn leider werden allzu oft kurzfristige finanzielle Interessen den längerfristigen Klimainteressen geopfert, sofern sich ihnen niemand mutig entgegenstellt. Auch wenn dieses Abenteuer realistisch ist, ist es doch nicht langweilig, was auch daran liegt, dass die Autorin nicht nur auf ein Problem fixiert ist, sondern nebenbei noch die alltäglichen Sorgen und Nöten der Zielgruppe ins Spiel bringt, wie Trixies Kummer, wegen der Trennung ihrer Eltern und die Komplikationen in Patchworkfamilien. Das macht die ganze Geschichte gleich viel lebendiger und erhöht den Lesespaß. Die Klima-Checker Helden bekommen so Substanz und Charakter, wie dies auch die immer wieder kurz eingeschobenen Besonderheiten ihrer Herkunft schaffen. Denn diese Truppe ist ganz schön multi-kulti und findet es absolut selbstverständlich.

Super finden wir, dass wir nun beruhigter sind „unseren“ Igel richtig zu füttern, denn er teilt sich das Trockenfutter mit unserer Katze. Übrigens gilt für beide, dass sie auf jeden Fall feinkörnigeres Trockenfutter lieber mögen als Kringelformen oder lustige Katzenformen. Futterperlen können sie einfach besser zermalmen.

Empfohlen wird die Klima Checker Reihe ab 8 Jahren. Das empfinden wir als inhaltlich absolut zutreffend, allerdings nicht das Druckbild. Das ist relativ eng, dünn gedruckt und mit ziemlich kleinen Lettern. Für Kinder, die noch nicht so gut lesen können ist es wirklich anstrengend. Dabei geht dieses Thema alle Kinder an, egal wie gut sie lesen können, daher fänden wir es gut, wenn das Druckbild augenfreundlicher wäre, mit größeren Zeilenabständen, dickeren und größeren Schrifttypen.

Die Illustrationen stammen von minkadu Kommunikationsdesign und lockern die Geschichte auf. Für die Zielgruppe ab 8 Jahren wären aber noch mehr Illustrationen wünschenswert, allerdings kann man dieses Abenteuer auch noch gut mit 11/12 Jahren lesen und dann brauchen Kinder meistens nicht mehr so viele Bilder, auch wenn sie sie noch immer lieben.

Übrigens endet das Buch nicht einfach mit einem Happy End oder einem Ausblick auf mögliche kommende Aktionen. Nein, es gibt zum Schluss noch viele hilfreiche Anregungen, wie Kinder sich selbst einbringen und im Umweltschutz engagieren können und außerdem einen Fakten-Check und ein Interview mit einer Nabu-Mitarbeiterin. Das finde ich als Idee ganz super, allerdings verstehe ich nicht, warum hier das Druckbild noch kleiner wird. Für uns ist das ein ganz erhebliches Manko und führt zum Punkteabzug auf vier von fünf Sternen, für dieses ansonsten absolut empfehlenswerten Buch.

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Veröffentlicht am 19.12.2020

Magisch, Spannend, Befriedend!

Beast Changers. Der Kampf der Tierwandler
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Nachdem die Stadt Holbard, in der Menschen und Eiswölfe lebten, durch ein Feuer zerstört wurde, bricht das Chaos aus. Die Menschen machen die Gestaltwandler für diese Katastrophe verantwortlich, die fast ...

Nachdem die Stadt Holbard, in der Menschen und Eiswölfe lebten, durch ein Feuer zerstört wurde, bricht das Chaos aus. Die Menschen machen die Gestaltwandler für diese Katastrophe verantwortlich, die fast alles zerstört hat, was sie je besaßen. Etliche Bewohner werden vermisst und in ihren Augen haben die Wölfe ihr Versprechen nicht gehalten, sie vor den Feuerdrachen zu schützen. Die Feuerdrachen sind sich sicher, unschuldig zu sein und fühlen sich durch diesen Verrat provoziert. Während die Menschen in Elendsunterkünften hausen, bereiten sich Wölfe und Drachen für einen großen Kampf vor. Doch Anders, Rayna und ihre Freunde möchten einen Krieg verhindern. Im Gegensatz zu ihren Vorfahren setzen sie nicht auf Abschreckung, sondern Verständigung. Das Geheimnis des Friedens liegt in der Diplomatie und vor allem darin einander zu zuhören. Aber da jede Seite der anderen misstraut, liegt die Schwierigkeit darin, die Bereitschaft die Waffen ruhen zu lassen um den Worten der anderen zu lauschen und sie wirken zu lassen, zu wecken. Schaffen sie es einen Krieg zu verhindern?

Das große Finale steht an und somit haben wir ein sehr kämpferisches Hörbuch voller entscheidender Schlachten erwartet. Daher hatte ich etwas gezögert, ob ich das wohl wirklich hören will, aber die Vorgängerbände haben mich hoffen lassen. Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht! Dies ist kein Kriegsband, sondern eine Geschichte über Frieden, Diplomatie und Gemeinsamkeit. Während sich Eiswölfe, Feuerdrachen und Menschen einander gegenseitig die Schuld an der Katastrophe geben und sich für eine letzte große Schlacht rüsten, statt an einem gemeinsamen Wiederaufbau zu arbeiten, kommen die Kinder aller drei Lager einander näher. Die jungen Wölfe und Drachen fühlen sich schuldig, als sie die Armut der verwaisten Straßenkinder in den Flüchtlingslagern sehen. Sie beschließen zu helfen, unsicher, ob die Menschenkinder ihnen überhaupt trauen würden. Doch die Kinder haben nichts zu verlieren und hören daher Anders und Rayna zu, sie beschließen ihnen zu trauen und zu folgen. So leicht werden sie es mit den Erwachsenen nicht haben, das ist ihnen klar. Zu festgefahren sind ihre Vorurteile gegen die jeweils anderen. Während sich Anders und sein Onkel Hein verkleidet in das Zelt des Bürgermeisters schleichen, machen sie eine erstaunliche Entdeckung, die sie einen kühnen Plan für den Frieden schließen lässt!

Neben der Friedensbotschaft gefällt mir sehr gut, dass es hier auch um Gleichberechtigung geht. Es geht nicht um Schuld, sondern darum gemeinsam etwas zu schaffen. Dafür sind alle Talente nötig, egal ob von Menschen, Drachen oder Wölfen, Mädchen oder Jungs. Jeder hat Stärken und Schwächen, aber gemeinsam ist es man immer noch stärker als alleine.

Dieser Band ist voller wahrer und teilweise amüsanter Gedanken wie „es ist schwer zu streiten, wenn man den Mund voll Nachtisch hat!“. Auch Eltern würden von dieser Geschichte profitieren, denn wie der Bürgermeister zu Recht feststellt, ist es wichtiger miteinander zu entscheiden, als über einander. So ist dies nicht nur ein spannendes Fantasyabenteuer sondern auch ein diskretes Lehrstück der Diplomatie, die bisweilen ein wenig Täuschung benötigt. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Kinder zwar herausfinden, wer den Verrat begangen hat, es um des Friedens und der Freundschaft willen nicht öffentlich machen.

Julian Greis gelingt es mit seiner jungen warmen Stimme, die Hoffnung in den Hörerohren aufkeimen zu lassen, auch wenn die Situation noch so verfahren scheint. Seine Wärme lässt die Freundschaft der ungleichen Gruppen fassbarer klingen, dennoch erreicht er über die Variabilität und die vielfachen Stimmnuancen auch die Spannung an den passenden Stellen zu steigern und aufzubauen. Auch wenn es hier um Frieden und Versöhnung geht, ist der Weg bis dahin steinig, voller Gefahren und Herausforderungen. Ohne Anleitung und Erfahrung müssen die Schüler sich in für sie fremden Welten beweisen, mit Artefakten agieren, deren Kraft und Nutzen sich nur erahnen lässt. Oft fehlt auch der Schlüssel zu ihrem Gebrauch. Die Ratlosigkeit der Freunde vermittelt seine Stimme dabei ebenso, wie aufkeimende Hoffnung, wenn einer aus der Gruppe einen Gedankenblitz erhält.

Ich finde es super, dass dieses Finale unblutig und ohne Kampf, sondern mit Versöhnung und gegenseitiger Hilfe endet. Dennoch mangelt es auch dem dritten Beast Changers Abenteuer nicht an Spannung und geheimnisvoller Magie! Für mich eine unerwartete Friedensbotschaft, die perfekt zu Weihnachten passt!

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