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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2020

Endlich als Comic!

Die Eiskönigin 2
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Ich habe Töchter und kenne daher natürlich auch die Eiskönigin! Im Kino war meine Jüngste allerdings alleine (mit all ihren Freundinnen) und fand es super, davon kann man nicht genug bekommen! Daher brauchten ...

Ich habe Töchter und kenne daher natürlich auch die Eiskönigin! Im Kino war meine Jüngste allerdings alleine (mit all ihren Freundinnen) und fand es super, davon kann man nicht genug bekommen! Daher brauchten wir natürlich auch den Comic zum Film, weil ja Comics sowieso viel cooler sind... Fand ich ja auch mal, aber inzwischen hat meine Lesekompetenz deutliche Fortschritte gemacht ;)

Elsa ist nun zur Königin von Arendelle gekrönt. Kristoff liebt noch immer Anna, wagt aber nicht, ihr einen Heiratsantrag zu machen, obwohl es sein sehnlichster Wunsch ist. Nach der Enttäuschung mit Hans, braucht Anna noch Zeit. Elsa, die anders als ihre geliebte Schwester Anna, über magische Kräfte verfügt, hört in letzter Zeit immer häufiger eine geheimnisvolle Stimme nach ihr rufen. Sie spürt ganz deutlich, dass sie ihr folgen sollte, um eine große Gefahr von ihrem Königreich abzuwenden. Anna will sie aber auf keinen Fall alleine ziehen lassen und lässt Elsa schwören, dass sie auf jeden Fall zusammen bleiben werden. Auch Olaf, Kristoff und Rentier Sven begleiten sie zu ihrem Schutz auf diese Reise ins Ungewisse, die sie zurück zu ihren Wurzeln führen wird und das Geheimnis ihrer Eltern und Großeltern offenbaren wird. Nur gemeinsam und im Vertrauen auf ihre Stärken können sie die Hindernisse überwinden und Arendelle retten.

Sehr positiv finde ich, dass schon die Coverillustration nicht so verkitscht wirkt und somit auch Ältere anspricht. Daher haben auch beide Töchter (12 und 10) sofort zugegriffen und gelesen. Meine Jüngste hat es für ihre Verhältnisse mit einer bewunderswerten Ausdauer gelesen. Ich habe deutlich länger gebraucht, aber mich hat die Geschichte auch nicht wirklich mitgerissen. Auch in diesem Comic wird die Erzählung der Rahmenhandlung von den Illustrationen übernommen, so dass einige Seiten mit relativ wenig Text auskommen, andere dafür aber dialoglastig sind und die Kinder damit auch wirklich einiges zu Lesen haben.

Ich finde die Geschichte etwas an den Haaren herbei gezogen und konfus und ich konnte mich nur schwer auf sie konzentrieren. Das mag aber an der Corona-Krise liegen. Meine Freundin, die unbedingt den Film sehen wollte und ihre Tochter dafür ins Kino schleppte (deren Wunsch war nicht so dringend), versicherte mir, dass er wirklich toll wäre und auch meine Tochter strahlte, als sie aus dem Kino kam und auch beim Anblick dieses Comics. Für all diejenigen, die jetzt wie ich keine Profikenner dieses Kinofilms der Superlative sind, gibt es gleich zum Anfang einen Überblick über die wichtigsten Personen mit Bild. Das fand ich sehr hilfreich, da ich mir die Namen der königlichen Eltern nie hätte merken können und die Zusammenhänge schon gar nicht! Für echte Fans sind diese Portraits einfach wunderschön und werden gerne immer wieder angeschaut.

Es ist ein Märchen um Magie, Vertrauen, Verrat und schwesterliche Treue, um Schwestern, die die Verfehlungen ihrer Ahnen wieder ins Gute wenden. Ein Märchen voller Gefühl und Spannung, das Hindernisse überwindet und den Glauben an das Gute in der Welt bestärkt. Gerade in schwierigen Zeiten ist das doch ein Lichtblick!

Dieser Comic ist übrigens nichts unbedingt für ganz kleine Fans gedacht. Es ist kein Bilderbuch, mehr eine Graphic Novel, mit einer reiferen Bildsprache, nicht so süßlich. Die Schriftgröße entspricht auch dem Standard von Graphic Novels, so dass schon eine gewisse Leseerfahrung nötig ist und es sich nicht an Erstleser, sondern an junge Leser ab 8 Jahren richtet, denn die Eiskönigin ist zeitlos schön, wie mir immer wieder begeistert versichert wird (nicht nur von meinen Töchtern).

Meine Jüngste hat dieses Buch am ersten Tag der Corona-Schulschließung wegen eines Verdachtsfalls verschlungen, was mir das Leben für diesen ungeplanten Tag ohne Kinderbetreuung deutlich erleichtert hat. Meine Tochter fand ihn richtig gut, nur das leider eine wichtige Szene weggelassen worden sei. Beide Lesemuffel fanden es super, dass es Anna und Elsa nun auch als Comic gibt und ich bin mir ganz sicher, dass sie mit dieser Meinung nicht alleine da stehen!

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Veröffentlicht am 21.03.2020

Ein Tag wie ein Schatz!

Auf zur Schatzinsel!
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Mathilda und ihr Papa verstehen sich super, obwohl nicht immer einer Meinung und sie völlig gegensätzlich sind: sie ist schnell, er ist langsam, sie ist ordentlich, er chaotisch, sie ist leise, er ist ...

Mathilda und ihr Papa verstehen sich super, obwohl nicht immer einer Meinung und sie völlig gegensätzlich sind: sie ist schnell, er ist langsam, sie ist ordentlich, er chaotisch, sie ist leise, er ist sehr, sehr laut! Trotzdem haben sie zusammen sehr viel Spaß, zumindest meistens. Heute verbringen sie einen Tag am Strand und Mathilda ist ganz aufgeregt, weil sie eine Schatzkarte dabei hat. Papa möchte auch gerne den Schatz mitsuchen, aber Mathilda ist da richtig streng, denn sie verlangt, dass er sich unbedingt an die Karte halten muss, weil sie sonst nie ans Ziel kommen! Doch Papa versteht ihre Sorge nicht, als ob er sich je ablenken lassen würde! Tja, aber aber wer kann schon aus seiner Haut und so verläuft die Schatzsuche völlig anders als Mathilda es geplant hat, aber einen Schatz finden sie dennoch!

Meine Tochter fand es total witzig, dass der Papa so chaotisch ist und ganz viele typische Kindereigenschaften hat, während Mathilda so ernst und gewissenhaft ist. Super fand sie aber, dass sie sich dennoch bestens verstehen und tolle Dinge zusammen machen. Das geht auch gut, wenn man völlig unterschiedlich ist. Allerdings war für sie der Schatz nicht so sehr VORSICHT SPOILER! die Aussicht von der Insel, sondern die innige Beziehung, die die beiden miteinander verbindet. So viel Spaß zusammen zu haben, ist schon etwas besonderes. Dies ist eine wunderschöne Botschaft an Kinder ab 5 Jahren. Es geht nicht immer um materielle Dinge, menschliche Wärme und schöne Momente oder Orte sind oft noch viel mehr wert, als alles Gold der Welt. Außerdem kommt sehr schön die kölsche Weisheit zum Tragen: jeder Jeck ist anders. Auch wenn Vater und Tochter völlig unterschiedlich sind, ist dies absolut in Ordnung und jeder auf seine Weise liebenswert. Ihre Unterschiede trennen sie nicht, sondern ergänzen sich.

Sprachlich finde ich diese Übersetzung aus dem Englischen sehr gelungen. Gut verständlich und absolut natürlich, ohne zu holpern wird man sprachlich durch diesen aufregenden Tag am Meer begleitet.

Dieses Bilderbuch ist sehr hochwertig und liebevoll gestaltet. Der geprägte Leineneinband mit Reliefprägung fühlt sich richtig gut an und strahlt in fröhlichen Farben. Im gleichen Stil ist auch der Innenteil sehr fröhlich mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Allein die farbliche Gestaltung macht schon gute Laune auf ihre sonnige Art.

Ein schönes Bilderbuch über den Schatz, der schönen Momenten innewohnt.

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Veröffentlicht am 21.03.2020

Nicht nur magisch

Ruby Fairygale. Der Ruf der Fabelwesen [1]
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Als Baby wurde Ruby von ihrer „Großmutter“ aus einer einsamen, verwunschenen Bucht gerettet und als Kind angenommen. Seither wächst die inzwischen Dreizehnjährige auf einer kleinen Insel in der irischen ...

Als Baby wurde Ruby von ihrer „Großmutter“ aus einer einsamen, verwunschenen Bucht gerettet und als Kind angenommen. Seither wächst die inzwischen Dreizehnjährige auf einer kleinen Insel in der irischen See auf. Die Inselschule ist mittlerweile verwaist, sie wird zu Hause unterrichtet und zwar so, dass ihre Großmutter nicht nur mit ihr den Schulstoff durchnimmt, sondern sie bereits als Tierärztin ausbildet, auch für Fabelwesen. Doch das darf keiner wissen, damit die Fabelwesen unentdeckt bleiben und in Ruhe leben können. Manchmal ist es dennoch einsam und sie wünscht sich eine Freundin. Als sie hört, dass zwei Fremde auf der Insel angekommen sind, ist sie aufgeregt, denn ein Teenager soll darunter sein. Allerdings ist dieser Teenager ein Junge namens Noah und anscheinend so schwererziehbar, dass er mit seinem Pädagogen als Aufpasser anreist. Ob der aufmüpfige Junge eine Gefahr für ihr Geheimnis darstellt?

Für das richtige Irland-Feeling startet die CD gleich mit keltischen Klängen, die immer wieder in den Lauf der Geschichte eingestreut werden. Denn Irland ist kein Land wie jedes andere in Europa, es ist wie auch bei anderen einsamen Inseln, das Land der Mythen, Legenden und Fabelwesen. Doch die Insel auf der Ruby und Großmutter Cleo, genannt Nana, leben ist noch grüner und einsamer, als die Hauptinsel. Kein Wunder also, dass hier bedrohte Fabelwesen wie Kobolde, Meerjungfrauen, Banshees, Feenhunde, Selkies... Zuflucht suchen.
Natürlich verbreiten diese ein magisches, mystisches Gefühl des Besonderen. Aber Ruby Fairygale ist nicht einfach eine weitere kitschig-glitzerige Einhorngeschichte, nein, es erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und auch, das Familie nicht immer Blutsbande erfordert. Ja, Ruby ist mit den Fabelwesen befreundet und diese vertrauen ihr, aber das macht diese Geschichte nicht zu so etwas Besonderem. Es sind die menschlichen Beziehungen, die es auszeichnen. Die einem sagen, dass man nicht auf den ersten Blick vertrauen sollte sondern auf sein Herz hören. Es werden wichtige Themen wie Verlust und Schuldgefühle thematisiert. Kindliche Ängste könnten völlig verkannt, Schuldgefühle nicht ernst genommen werden und den Betroffenen mit seiner Unfähigkeit mit diesen klarzukommen, ins Abseits katapultieren. Nein, es ist nun keine reine Problembuchgeschichte oder Betroffenheitsstory... In diese spannende Freundschaftsgeschichte wurde nur noch etwas mehr hineingepackt, was ihm Tiefe verleiht und es von Massenwahre abgrenzt. Dabei sind diese Themen wohldosiert, so dass man das Hörbuch auch als Kind ab 10 Jahren gut verkraften kann, sogar zum Einschlafen. Eine Geschichte, die zum Träumen, Mitfiebern und Nachdenken anregt.

Julia Nachtmann spricht mit ihrer angenehmen Stimme abwechslungsreich und sehr variabel. Sie passt sich mit ihrem Ausdruck und Stimmlage der jeweiligen Situation und Person gekonnt an, so dass sie stets authentisch wirkt und man ihr gerne zuhört. Sehr gut, gefällt mir besonders Ruby, die gerade nicht piepsig klingt, sondern ganz natürlich und die man daher auch als Hörer richtig ernst nimmt. Gerade aufgrund der großen Alterspannbreite von der 13 jährigen Ruby bis hin zu Nana oder dem alten Fergus mit seiner kauzig-krächzigen Stimme, ist das eine echte Leistung, jedem Charakter gerecht zu werden und dabei überzeugend zu klingen. Hut ab! Kann ich da nur sagen, eine wirklich überzeugende Leistung des Stimmschauspiels! Dabei ist sie stets gut verständlich und ausbalanciert, klanglich absolut überzeugend und die Tracks haben eine angenehme Länge für den Wiedereinstieg.

Das Hörbuch ist wieder sehr liebevoll gestaltet, indem die Tonträger dem Design des Covers angepasst sind, das Booklet die Kapitelüberschriften für die Trackliste übernimmt, ein wunderschönes Buchzitat abbildet und Autorin und Sprecherin mit Bild vorstellt. Kira Gembri wurde übrigens 1990 in Wien geboren und hat noch nicht so viele Kinder, wie Geschwister, dafür aber einen Kater, der ganz sicher mal in einem früheren Leben ein Kobold war!


Ein sehr schönes Hörbuch, das absolut altersgerecht ist, wunderbar umgesetzt, nur zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.03.2020

Ein schönes Kinderbuch für Erwachsene, aber nicht für Kinder

Luftpiraten
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Luftpiraten haben eine graue Haut, Flügelfüße, sind schlecht gelaunt und ziemlich aggressiv, ohne Streit und Kämpfe fühlen sie sich nicht wohl. Entsprechend fällt bei ihnen der Schulunterricht aus, bei ...

Luftpiraten haben eine graue Haut, Flügelfüße, sind schlecht gelaunt und ziemlich aggressiv, ohne Streit und Kämpfe fühlen sie sich nicht wohl. Entsprechend fällt bei ihnen der Schulunterricht aus, bei dem sie auch lernen, aus einem Auge mächtige Blitze zu schießen. Alle Luftpiratenkinder werden am gleichen Tag „geliefert“ und sind somit immer gleich alt und werden mit einem Jahr eingeschult. In ganz seltenen Fällen, wird versehentlich ein weißes Luftpiratenkind geliefert, dass unmittelbar nach seinem Erhalt zu ertränken ist! Ein solches Kind wird ausgerechnet dem größten Polterer und Donnerer Luftpiratenlehrer Adiaba geliefert, der sich fürchterlich erschreckt, den kleinen freundlichen und friedfertigen Kerl aber sofort ins Herz schließt. Also gibt er ihm den Namen Zwolle, besorgt ihm den blauen Luftikus Caspar als Gesellschaft und versteckt ihn, ohne ihm zu verraten warum. Doch Zwolle fragt sich, wohin sein Vater morgens immer geht. Als er einen Weg aus dem heimischen Luftloch entdeckt, überschminkt er seine weiße Haut und macht sich auf in die Schule, ausgerechnet zur Einschulungs- und Abschlussfeier, die er gehörig durcheinander wirbelt. Damit nicht genug, als er enttarnt wird, hat er die Gelegenheit allen zu zeigen, was in ihm steckt.

Ich bin durch die zauberhaften Illustrationen und die vielen begeisterten Rezensionen auf diese ab 8 Jahren empfohlene Geschichte aufmerksam geworden. Das Hörbuch ist auch wirklich ausgesprochen liebevoll gestaltet. Das Klappcover lässt sich wie ein Panorama aufklappen und die Illustration wird auf dem jeweiligen Tonträger fortgeführt, so dass diese den optischen Eindruck als Ganzes nicht unterbrechen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Auch finde ich die philosophischen und gesellschaftskritischen Gedanken, sowie den bisweilen etwas sarkastisch-zynischen Humor für Erwachsene reizvoll und wirklich ungewöhnlich, aber für die Zielgruppe ab 8 Jahren unpassend.

Zwolle ist absolut liebenswert und in den meisten Gestalten, denen er begegnet, fördert er ihre besten Eigenschaften zu Tage und macht ihnen bewusst, dass anders zu sein, gar nicht schlimm ist, im Gegenteil ist es eine Bereicherung. Gerade auf seine doch sehr laute und megaagressive Mitschülerin Franka hat er einen sehr positiven Effekt, als er ihr das Konzept der Hilfe, Rettung und Freundschaft nahe bringt und dabei großen Mut und Einfallsreichtum beweißt. Gar nicht hat mir jedoch gefallen, daß die erwachsenen Luftpiraten so gewaltbereit sind, dass eine größere Ansammlung von ihnen an einem Ort und einer Stelle, nur unter Einsatz von Drogen vertretbar ist und sie lediglich berauscht/zugedröhnt (nein, es geht nicht um Beruhigungsmittel und ruhig) es miteinander ohne Katastrophe aushalten. Dies ist nicht nur kurz am Anfang so, dieses Mittel taucht mehrfach im Laufe der Geschichte auf und mag für Erwachsene lustig sein, für Kinder finde ich es so unkritisch, wie es hier präsentiert wird, unverantwortlich. Als Erwachsener mag man Schmunzeln, wenn man bedenkt, dass ja auch bei uns bei Feiern, die Großen meistens alkoholisiert sind, aber selbst das finde ich in einem Kinderbuch als Botschaft untragbar, daß Erwachsene sich untereinander nur im Rausch ertragen.

Als Adiaba der Prozeß gemacht wird, bekommt er einen Pflichtverteidiger beigeordnet, Charley Gottchen. Charley hält sich für den Allmächtigen und ist unsichtbar, er ist lediglich eine Stimme, die sich mal geruht sich zu äußern und bisweilen stumm bleibt. Charley kommt immer wieder vor und hat eine tragende Rolle, dabei ist er ziemlich abgedreht und bisweilen fragt man sich, ob er nicht übergeschnappt oder größenwahnsinnig ist. Es wird die Frage aufgeworfen, was ein Wesen ohne Körper ist. Existiert er überhaupt, wenn man ihn nicht sieht? Für Erwachsene finde ich diesen Pseudoverteidiger eine wirklich tolle Parodie auf einige Unrechtsstaaten, aber ich habe so meine Zweifel, daß Achtjährige über genügend Kenntnisse hinsichtlich des rechtsstaatlichen Prinzips verfügen. Für mein Empfinden wird hier Glaube lächerlich gemacht und durch den Kakao gezogen. Charley hat auch seine Heldenmomente, ist aber sicherlich nicht allmächtig und keine göttliche Macht. Bei den wirklich interessanten Überlegungen über sein Sein, Dasein und Wirken, wird für mich die Substanz des Glaubens als des Nichtbeweisbaren negiert und als absurd dargestellt. Mit so atheistischen Gedanken rechnen Eltern nicht in einem Kinderbuch und gläubigen Eltern wird das auch sicherlich nicht recht sein, während es für Atheisten vielleicht sehr willkommen ist. Ich würde hier eine Kennzeichnung erwarten. Bei Lovelybooks werden christliche Leserunden mit einem entsprechenden „Warnhinweis“ versehen, um Atheisten zu „schonen“ hier fände ich eine entsprechende Warnung ebenfalls notwendig, für alle Glaubensrichtungen.

Ein weiteres Problem sehe ich in der Gewaltbereitschaft, gegen die sich Zwolle sehr positiv abhebt und bei der der stahlend weiße Luftpirat ein wirklich strahlendes Vorbild abgibt. Dennoch empfinde ich die Grundstimmung bisweilen als zu gewaltgeladen. Dies ist gerade in der Hörbuchfassung deutlich. Axel Prahl donnert, faucht und poltert, dass es einem durch Mark und Bein geht! Das ist absolut passend für diese Passagen. Ich wollte das Hörbuch als Gute-Nacht-Geschichte hören und bin richtig zusammengezuckt. Daher habe ich das Hörbuch später in der Küche weitergehört und erntete erstaunte Blicke meines Mannes. Dieser erkannte natürlich sofort die Stimme von Axel Prahl, aber in dem Moment ging es echt zur Sache! Es gibt aber gerade bei den philosophischen Passagen auch ruhige Momente, in denen Axel Prahl gekonnt seine Stimme variiert. Zwolle spricht er viel sanfter, Caspar sehr fröhlich und Charley Gottchen einfach abgedreht. Es ist eine wahre Schauspielkunst der Stimmbänder, die mir allerdings zu starke Lautstärkeschwankungen aufweist. Die Klangqualität ist 1a und unter den einzelnen Tonträgern findet sich die Trackliste mit den Kapitelüberschriften, die den schnellen Wiedereinstieg erleichtern. Die Tracks sind angenehm kurz, was sehr hilfreich ist, wenn der CD-Player nicht über die sogenannte Hörbuchfunktion verfügt.

Nun ist dieses Hörbuch damit nicht schlecht, ich kann es nur nicht guten Gewissens für Kinder empfehlen und habe es daher auch nicht meinen Kindern gegeben.

Die Geschichte zeichnet sich durch wirklich originelle Einfälle, wunderschöne Zitate, einen ungewöhnlichen Plot und eine fabel-märchenartige Erzählweise aus. Es ist absolut kein 08/15 Buch, sondern absolut durchdacht und geistreicht. Die Botschaft ist aktuell und wichtig, dass man nicht so sein muss, wie alle anderen, um liebenswert zu sein und es wichtig ist, andere erst einmal richtig kennen zu leren. Auch zeigt sich, dass Brutalität keine Lösung ist und Althergebrachtes durchaus in Frage gestellt werden sollte. Ein spannendes und abwechselungsreiches Kinderbuch für Erwachsene mit Tiefgang und Niveau. Es stellt aber auch eine Achterbahn der Gefühle dar und ist wirklich gewalttätiger und brutaler als einige Märchen. Wer Hänsel und Gretel für Kinder ablehnt, wird hier entsetzt sein. Aber Erwachsene verkraften Hänsel und Gretel im Allgemeinen unbeschadet und nicht jedes Kind gruselt sich vor Hänsel und Gretel.

Sehr ungewöhnlich und in seiner Originalität, Gedankentiefe und Erzählweise sicherlich für viele Erwachsene empfehlenswert, aber leider meiner Meinung nach nicht für Kinder ab 8 Jahren. Ältere (ab 14 Jahren) werden sich aufgrund der Märchenartigkeit der Erzählweise wahrscheinlich als zu alt empfinden.

Ein Hörbuch, dass sich eigentlich nicht mit Sternen bewerten lässt.


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Veröffentlicht am 09.03.2020

Richtig spannend, witzig, gut erzählt!

Wie ich Einstein das Leben rettete
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Emily ist ein Schaltjahrkind und weil endlich mal wieder eines ansteht, schenkt ihr Vater ihr zu ihrem 12. Geburtstag im Jahre 2020 eine Reise mit der Queen Mary II nach New York. Kurz vor Mitternacht ...

Emily ist ein Schaltjahrkind und weil endlich mal wieder eines ansteht, schenkt ihr Vater ihr zu ihrem 12. Geburtstag im Jahre 2020 eine Reise mit der Queen Mary II nach New York. Kurz vor Mitternacht wird ihr übel und alles beginnt sich zu drehen und sie findet sich plötzlich im August 1913 auf dem Imperator von Hamburg nach New York wieder! Sie ist völlig verwirrt und ziemlich planlos, bis sie auf zwei weitere blinde Passagiere trifft, Lorenzo (16) und Malik (8), die es aus dem Jahre 2016 durch die Zeit dorthin verschlagen hat. Immer wieder erleben sie dieselben Szenen der Überfahrt und das tödliche Feuer, das frühmorgens bei der Ankunft in New York jede Menge Menschenleben kosten wird. Sie wissen nicht wie sie das Unglück verhindern sollen und wie sie es schaffen können diese Endlosschleife zu durchbrechen und in ihre eigene Zeit zurückzukehren. Doch nun mit Emily ist alles anders, mit ihr lernen sie nicht nur mal wieder die Berliner Göre Willi Schumacher kennen, sondern erstmals Erna aus der Luxusklasse, die zwar nicht so ganz glauben kann was sie ihr erzählen, aber bereit ist, ihnen zu helfen.

Ja tatsächlich, Albert Einstein kommt auch in diesem abenteuerlichen Kinderbuch vor, denn immerhin versteht er sich bestens auf das komplizierte Raum-Zeit-Kontinuum. Ach ja, einige wirklich geniale Zitate verdanken wir ihm auch! Weil sie einfach zu gut sind, um vergessen zu werden, werden sie in den Text eingestreut, leiten sie die jeweiligen Teile der Geschichte ein und befinden sich gesammelt im Anhang! Da dieses Buch hauptsächlich im Jahre 1913 spielt, die Leser aber mindestens im Jahre 2020 leben, gibt es für diese sicherlich einiges an Erklärungsbedarf, was dann im Anhang nachgeschlagen werden kann. Dort erfährt man auch, dass Einstein nicht bereits 1913 nach New York reiste, sondern erst ein paar Jahre später.

Dieses Buch richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und auch wenn es recht kurz ist, sollten sie begeisterte Leser sein, denn der Druck ist recht eng und es gibt keine Illustrationen, sondern lediglich Vignetten zu Beginn eines jeden Kapitels. Das finden wir etwas schade, da ich das Buch allerdings während langweiliger Kunstprojekte (Farbenlehre) vorlas, hat es meine Tochter (10) nicht weiter gestört, sie bekam dafür aber die recht langen englischen Sätze auch noch vorgelesen. Diese werden indirekt im Text erklärt, wenn auch nicht komplett übersetzt. Da Lorenzo aber 16 Jahre alt ist, ist dieses Buch aber auch wirklich sehr gut für Zwölf-/Dreizehnjährige geeignet und wirklich nicht langweilig.
Es ist die Geschichte einer Zeitreise, auf Grund eines unerklärlichen Raum-Zeit-Kontinuums, ganz ohne Zeitmaschine, was für die Kinder, diesen Umstand besonders schwer begreiflich macht, ihr aber auch irgendwie mehr Ernsthaftigkeit verleiht.

Während die Kinder im ersten Teil verzweifelt versuchen herauszufinden, wie sie diesem sich ständig wiederholenen Kreislauf durchbrechen können und der Massenpanik entkommen können, lernt man durch ihre neuen Freunde an Bord, auch eine Menge über die damalige Gesellschaft und die damaligen Klassenunterschiede und die heute unvorstellbaren damaligen Erziehungsmethoden. Sehr nachhaltig beeindruckt hat meine Tochter sowohl der Streik der Hotelmitarbeiter im Jahre 1913 für einen Lohn, der zum Leben reicht, als auch für einen freien Tag in der Woche, heute eine Selbstverständlichkeit. Allerdings wurde diese Szene noch übertroffen, von der Reaktion der Einwandererkinder bei Anblick des ersten Afroamerikaners im Hafen und der stolzen Erklärung von Vater Schumacher, dass er schon einmal einen Neger im Zoo gesehen haben. Da verschlägt es auch den jungen Zeitreisenden die Sprache, da für sie nicht nur die Bezeichnung „Neger“ selbstverständlich tabu ist, also auch kaum vorstellbar der Gedanke, Menschen in einem Zoo zur Schau zu stellen, weil sie anders aussehen. Früher war es üblich, heute zum Glück undenkbar. Gerade solche Szenen laden zum Staunen und Wundern und zu Gesprächen mit den Eltern ein, neben der abenteuerlichen Zeitreise und der Begegnung mit Albert Einstein. Auch hierzu gibt es Erläuterungen im Anhang.

Natürlich endet diese Geschichte mit einem Happy End und einem kleinen Augenzwinkern, wobei für uns eine Frage aber leider noch ungeklärt bleibt....

Ein wirklich spannendes und kurzweiliges Buch, das gleichzeitig zum Nachdenken und Bereden einlädt. Es hat uns wirklich sehr gut gefallen!

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