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Veröffentlicht am 17.08.2025

an zwei Strandnachmittagen verschlungen!

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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In „Wedding People“ von Alison Espach begleiten wir fast eine komplette Woche Phoebe, eine Professorin aus St Louis, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich für eine Nacht im Nobelhotel „Cornwall Inn“ ...

In „Wedding People“ von Alison Espach begleiten wir fast eine komplette Woche Phoebe, eine Professorin aus St Louis, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich für eine Nacht im Nobelhotel „Cornwall Inn“ in Newport eingemietet hat, um sich von ihrem alten Leben zu verabschieden. Für immer.
Sie plant, sich in dieser Nacht umzubringen.

Womit sie nicht gerechnet hat: Das komplette Hotel ist von einer Hochzeitsgesellschaft belegt. Als sie die Braut Lila kennenlernt, entwickelt sich eine Art Freundschaft und Phoebe wird auf unverhoffte Weise Teil der Hochzeitsfeier. Welche Rolle der bereits verwitwete Bräutigam (Gary) und seine Tochter in dieser Geschichte spielen, warum alle Jim heißen, was es mit den Reden der Trauzeugen auf sich hat und was eine Winterwartin macht, liest du am besten selbst.

Erst war ich mir nicht sicher, ob die Not, in der Phoebe sich befindet und in der sie einen Selbstmord (mit den Schmerzmitteln ihrer Katze!) plant, zu sehr auf die leichte Schulter genommen wird. Aber so locker der das Buch auf vielen Seiten vom Ton daherzukommen scheint, so ernst und nachdenklich ist es in anderen Passagen.

Phoebe trifft im richtigen Moment auf die richtige Konstellation von Menschen und es wird deutlich, dass sich damit nicht schlagartig ihr Leben verbessert und sie alles wieder im Griff hat, aber dass sie das Leben langsam und in kleinen Schritten wieder bejaht und sich selbst immer besser kennenlernt.

Ich mochte den oft flapsigen Ton (Hoher Dutt und Nackenkissen!) und ja klar, es war ein bisschen romantisch-kitschig im Abgang (obwohl die Wendung im Detail eine andere ist, als ich vermutet hatte), aber eben nie zu viel und in den Dialogen sehr authentisch.

Unterhaltsam im besten Sinne, auch wenn es die ersten Seiten nicht vermuten lassen. Eine lebensbejahende Geschichte!

„Zwei Gras, bitte.“

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Veröffentlicht am 13.08.2025

schöne Geschichte mit witzigen Passagen

Ja, nein, vielleicht
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Die Lesung von @knecht_doris im Literaturhaus war witzig, die Autorin megasympathisch und die gelesenen Passagen sehr lebensnah und authentisch. So wurde „Ja, nein, vielleicht“ zu meinem ersten Hörbuch ...

Die Lesung von @knecht_doris im Literaturhaus war witzig, die Autorin megasympathisch und die gelesenen Passagen sehr lebensnah und authentisch. So wurde „Ja, nein, vielleicht“ zu meinem ersten Hörbuch der Saison (in Anbetracht des schönen Covers eigentlich sehr schade).

Die Erzählerin wohnt nach einer Trennung allein mit ihrem Hund auf dem Land, verbringt hin und wieder auch Zeit in der Stadt und scheint insgesamt zufrieden mit ihrem Leben. Dann begegnet sie im Supermarkt dem Mann, mit dem sie das Millennium in New York verbracht hat. Und schon scheint sie wieder in alte Muster zu verfallen- wartet auf ein Zeichen von ihm, feilt an WhatsApp-Nachrichten und überlegt, ob sie überhaupt noch einmal mit einem Mann zusammenleben möchte. Ein Zahnarztbesuch führt der Erzählerin sehr deutlich vor Augen, dass auch ihr Körper mit dem Alter und seinen Begleiterscheinungen kämpft.

Dann gibt es da noch ein Hochwasser, einen stinknormalen Freund (Johnny), eine bevorstehende Hochzeit der besten Freundin und die Trennung einer Schwester.

Ich mag, wie Doris Knecht schreibt. Ihr Stil ist witzig, ehrlich und einfach rund zu lesen. Die Gedanken, die sie sich über das Älterwerden macht (und die damit verbundenen Veränderungen und Enttäuschungen) sind für mich absolut nachvollziehbar.

Obwohl ich die Frage, ob ein eventueller Mann überhaupt zur eigenen Einrichtung passen würde, sehr witzig finde, ist sie zugleich auch ein bisschen traurig. Für mich entstand ein bisschen der Eindruck, als würden Männer (außer Johnny) per se eher ein Störfaktor sein.

Ich mag Doris Knechts Geschichten sehr gerne und auch dieses Mal konnte ich bei vielen Passagen relaten (und das fand ich gut), aber letztendlich habe ich eben diese Themen, die wahrscheinlich alle „mittelalten“ (schreckliches Wort!) Frauen beschäftigt, einfach noch einmal gelesen, formuliert von einer echt tollen Schriftstellerin, aber ohne wirklich neue Perspektiven.

Ich mochte die Lesung im Literaturhaus München, ich mag Doris Knecht, ich habe „Die Liste…“ geliebt und „Ja, nein, vielleicht“ auch gerne gelesen, aber ich glaube nicht, dass es mich noch lange beschäftigen wird.

„Es ist alles da. Ich sehe es.“

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Veröffentlicht am 12.08.2025

vielschichtige Geschichte über einen Neuanfang

Zwischen zwei Leben
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Jenni Mäki, Mitte 50, fängt nach ihrem Eheende und dem Auszug ihrer Kinder als Jenny Hill ein neues Leben an – mutig, frei, voller Aufbruch.
Ein Chor aus Märchenfiguren kommentiert dabei nicht ...

Jenni Mäki, Mitte 50, fängt nach ihrem Eheende und dem Auszug ihrer Kinder als Jenny Hill ein neues Leben an – mutig, frei, voller Aufbruch.
Ein Chor aus Märchenfiguren kommentiert dabei nicht nur ihre Biografie, sondern auch das Frauenleben von heute. In einem von ihrer Psychologin empfohlenen Briefwechsel setzt sie sich (anfangs widerwillig, später immer offener) mit ihren Gefühlen auseinander.
Am liebsten habe ich die Passagen gelesen, in denen Jenny Hills Leben „klassisch“ erzählt wird. Ich fand die Idee mit den Briefen gut, sie gaben auch zusätzliche Einblicke in Jennys Gedanken, aber irgendwie hat es sich mir nicht so richtig erschlossen, warum es gerade Brigitte Macron sein muss, an die sie ihre Gedanken adressiert.
Viele Gedanken finde ich sehr schlau und es gibt einige Aussagen, über die ich gerne noch länger nachdenke (Sicherheit vs. Freiheit, tektonische Platten der Gefühle, fehlende Empathie für die Mutter von Aava).
Die „zugeschalteten“ Märchenfiguren und ihre charmanten, teils aber auch sehr bissigen Kommentare, haben für mich, in sich geschlossen gelesen, durchaus Sinn gemacht, aber irgendwie haben sie mich im Großen und Ganzen eher ein bisschen aus dem Tritt gebracht und waren mir zusammen mit den Briefen too much.
Ein eher stiller feministischer Roman über Wandel, Alter und den Mut, sich selbst neu zu erfinden, der meinen Geschmack leider nicht durchgehend getroffen hat.
Ich hatte davor „Ja, nein, vielleicht“ von @knecht_doris gelesen. Vielleicht lag es auch daran, dass dieses Buch eher ruhige Buch für mich fast ein wenig blass wirkte.

„Große Veränderungen führen dazu, dass sich ein Mensch klein fühlt […].“


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Veröffentlicht am 08.08.2025

ruhige, warme Geschichte über Liebe und Leben in zwei Jahrhunderten

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga 1)
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Eine ruhige, warme Geschichte über Liebe und Leben in zwei Jahrhunderten

Die Autorin erzählt in ihrem Roman „Wo die Moltebeeren leuchten“ (im Original „multebær mosen“) die Geschichte zweier Frauen in ...

Eine ruhige, warme Geschichte über Liebe und Leben in zwei Jahrhunderten

Die Autorin erzählt in ihrem Roman „Wo die Moltebeeren leuchten“ (im Original „multebær mosen“) die Geschichte zweier Frauen in Nordschweden, die familiär verbunden sind. Siv arbeitet als 17jährige junge Frau in den späten 1930er Jahren als Köchin der Holzfäller im Wald. Eva (ihre Enkelin) lebt in der Stadt und arbeitet bei einem Forstunternehmen, das für die Abholzung von Wäldern mitverantwortlich ist. Als sie nun für ihre Firma nach Djupsele kommt, merkt sie schnell, dass sie mit diesem Ort ihrer Kindheit doch viel mehr verbindet, als sie dachte.

Ich mochte den fließenden, unaufgeregten Stil der Geschichte und auch den Wechsel zwischen den beiden Erzählebenen sehr gerne.

Zu erfahren, wie Siv in einer für sie prekären Lage einen Ausweg findet und sich mit ihrem Leben arrangiert, hat mich überrascht. Ich hätte mit Verbitterung gerechnet, stattdessen scheint sie zu ihrer Entscheidung zu stehen, ohne der Vergangenheit zu sehr nachzutrauern. Kann man mit dieser Lüge wirklich gut leben?

Aber auch Eva war mir- trotz ihres Jobs – ziemlich sympathisch und es hat mich gefreut, dass auch ihr Herz am rechten Fleck sitzt.

Gefallen hat mir die Tatsache, dass es hier keine plumpe „Schwarz-Weiß“-Malerei gibt und dass die Geschichte nicht ins Kitschige abdriftet. Eva bleibt sie selbst und auch realistisch, als sich ihre Sicht auf die Dinge ändert.

Sehr gelungen finde ich auch die Brücke, die Ulrike Lagerlöf zwischen den Erzählzeiten schlägt: Die Folgen von Waldrodung, territorialer Enteignung der Sami und staatlicher Landnahme finden sich im Schweden der Gegenwart wieder. Ich fand es spannend, mehr darüber zu erfahren.

Ich habe diesen ersten Band der Famliensaga sehr gerne gelesen und freue mich schon auf Mai 2026, wenn die Fortsetzung „Wo das Feuerkraut blüht“ erscheint.

„Das alles liegt in der Vergangenheit, und die Vergangenheit ist abgeschlossen. Es hat keinen Sinn, immer wieder darüber nachzugrübeln […]“

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Veröffentlicht am 08.08.2025

keine leichte Kost, aber sehr lesenswert!

Wie schwer wiegt ein Schatten
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Wie viel Geschichte steckt in unserer Traurigkeit?

In „Wie schwer wiegt ein Schatten“ von @christianeannamariawirtz begibt sich die Erzählerin Mia auf eine sehr persönliche Spurensuche durch ihre Familiengeschichte, ...

Wie viel Geschichte steckt in unserer Traurigkeit?

In „Wie schwer wiegt ein Schatten“ von @christianeannamariawirtz begibt sich die Erzählerin Mia auf eine sehr persönliche Spurensuche durch ihre Familiengeschichte, in der Depressionen und Suizide eine erschreckend große Rolle spielen.
Als Mia für einige Zeit in Tel Aviv arbeitet, nimmt sie Kontakt zu Ruth, der besten Freundin ihrer Mutter, auf, die ihr alte Briefe aushändigt. Durch deren Lektüre taucht Mia in die Vergangenheit ein und stellt nun Fragen, auf die sie schon lange Antworten sucht.
Außerdem begegnet sie David (gutaussehend, im Filmbusiness). Die beiden verlieben sich schnell und passen unbeschreiblich gut zu einander (obwohl David bereits verheiratet ist und auch eine Tochter hat).
Christiane Wirtz schreibt direkt, klar, durchdacht und ohne literarische Schnörkel –
ihr Stil ist journalistisch, der Ton oft eher sachlich. Trotzdem finde ich die Geschichte wunderbar erzählt.
Zwischen den Zeilen habe ich sowohl Zerbrechlichkeit, als auch eine enorme Stärke gespürt. Besonders stark finde ich ihre reflektierte und trotzdem irgendwie unaufgeregte Art, mit schwierigen Themen umzugehen. Christiane Wirtz hat es in ihrem Buch geschafft, nichts zu verharmlosen, aber dennoch eine Geschichte zu schreiben, die sehr selbstbestimmt und hoffnungsvoll daherkommt.
Offen und reflektiert fragt sie, wie seelische Belastungen über Generationen weitergegeben werden – und was das für die eigene Identität bedeutet.

Wie schwer der Schatten wiegt?
Vielleicht lässt sich die Frage ähnlich beantworten wie die ihrer Eselsmetapher.

Ein kluges, eindringliches Buch. Es ist kein leichter Stoff, aber genau deshalb wichtig. Auch über die Kultur und die Politik des Landes hab ich immer wieder etwas erfahren, nie aufdringlich, aber immer authentisch.
Auf jeden Fall eine Lektüre, über die ich noch länger nachdenken werde.

„Was wünschst du dir denn?“ […] „Dass die Zukunft offen ist“, sagte ich, „dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.“

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