keine leichte Kost, aber sehr lesenswert!
Wie schwer wiegt ein SchattenWie viel Geschichte steckt in unserer Traurigkeit?
In „Wie schwer wiegt ein Schatten“ von @christianeannamariawirtz begibt sich die Erzählerin Mia auf eine sehr persönliche Spurensuche durch ihre Familiengeschichte, ...
Wie viel Geschichte steckt in unserer Traurigkeit?
In „Wie schwer wiegt ein Schatten“ von @christianeannamariawirtz begibt sich die Erzählerin Mia auf eine sehr persönliche Spurensuche durch ihre Familiengeschichte, in der Depressionen und Suizide eine erschreckend große Rolle spielen.
Als Mia für einige Zeit in Tel Aviv arbeitet, nimmt sie Kontakt zu Ruth, der besten Freundin ihrer Mutter, auf, die ihr alte Briefe aushändigt. Durch deren Lektüre taucht Mia in die Vergangenheit ein und stellt nun Fragen, auf die sie schon lange Antworten sucht.
Außerdem begegnet sie David (gutaussehend, im Filmbusiness). Die beiden verlieben sich schnell und passen unbeschreiblich gut zu einander (obwohl David bereits verheiratet ist und auch eine Tochter hat).
Christiane Wirtz schreibt direkt, klar, durchdacht und ohne literarische Schnörkel –
ihr Stil ist journalistisch, der Ton oft eher sachlich. Trotzdem finde ich die Geschichte wunderbar erzählt.
Zwischen den Zeilen habe ich sowohl Zerbrechlichkeit, als auch eine enorme Stärke gespürt. Besonders stark finde ich ihre reflektierte und trotzdem irgendwie unaufgeregte Art, mit schwierigen Themen umzugehen. Christiane Wirtz hat es in ihrem Buch geschafft, nichts zu verharmlosen, aber dennoch eine Geschichte zu schreiben, die sehr selbstbestimmt und hoffnungsvoll daherkommt.
Offen und reflektiert fragt sie, wie seelische Belastungen über Generationen weitergegeben werden – und was das für die eigene Identität bedeutet.
Wie schwer der Schatten wiegt?
Vielleicht lässt sich die Frage ähnlich beantworten wie die ihrer Eselsmetapher.
Ein kluges, eindringliches Buch. Es ist kein leichter Stoff, aber genau deshalb wichtig. Auch über die Kultur und die Politik des Landes hab ich immer wieder etwas erfahren, nie aufdringlich, aber immer authentisch.
Auf jeden Fall eine Lektüre, über die ich noch länger nachdenken werde.
„Was wünschst du dir denn?“ […] „Dass die Zukunft offen ist“, sagte ich, „dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.“