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Veröffentlicht am 07.03.2026

Kindheit auf dem Bauernhof

Melken
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In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken“ fährt die Protagonistin Ellen, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, kurzentschlossen zurück ins Dorf, auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ...

In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken“ fährt die Protagonistin Ellen, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, kurzentschlossen zurück ins Dorf, auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist.

„Ich blinzelte, wollte die Gefühle verscheuchen, meine Sehnsucht, mein Zaudern, weil ich jetzt an einen bestimmten Punkt gelangt war. In der Stadt zu leben, wirklich weggezogen zu sein. Aber wo befand ich mich hier, was bedeutete dieser Ort, was wollte er von mir, und was wollte ich von ihm?“

In Rückblenden erinnert sie sich an ihr Leben als Bauernkind, an den Alltag auf einem Bauernhof.

„Wer am härtesten schuftet, stirbt zuerst. Belohnung gibt es nicht. Die ist nur ein Mythos.“

Auch die Gefühle von Ellen als kind waren schmerzhaft gut dargestellt:
„Ein Bauernkind sein, das nach Kuhscheiße stinkt. Die Vorortkinder schwebten sauber durch ihre blitzblanken Häuser, ohne die weißen Sofapolster zu ruinieren. Ihre Mütter dufteten himmlisch, und die Hunde gingen an der Leine. Die Kinder kommentierten alles und verborgen nichts. Als sie älter wurden, verstanden sie, dass es unhöflich war, und hörten auf. Aber wir fragten uns weiter: Stinke ich?“

Die heutigen Besitzer des Hofes sind verreist, ihr ehemaliger Kindheitsfreund Max hütet das Haus und entdeckt Ellen. Kurz bevor die Besitzer wieder zurückkommen, muss Ellen wieder abreisen.

Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen.
Der Schreibstil an sich gefällt mir weitgehend gut, es gibt schöne Textpassagen. Auch das harte Leben der Landwirte wird authentisch dargestellt.
„Ein Entlastungsdienst wurde eingerichtet, über den Bauern für einen oder mehrere Tage eine Vertretung anheuern konnten. Den Bauern sollte derselbe Lebensstandard gewährt werden wie Industriearbeitern, sie sollten in den Urlaub fahren dürfen, sich wie Menschen fühlen. Nur bezahlten sie doppelt für die Auszeit, finanziell, seelisch. Die Uhr tickte weiter, und jeder Tag kostete sie teures Geld. Ruhe erwies sich als Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht sollte der Bauer ja doch kein Mensch sein. Ein paar Jahrzehnte später wurde der Entlastungsdienst wieder abgeschafft.“

Insgesamt konnte mich das Buch jedoch leider nicht überzeugen.
In Ellens vergangenes Ich, ihre Erinnerungen an das Aufwachsen auf dem Land, konnte ich mich noch gut hineinfühlen. Zu Ellen in der Gegenwart konnte ich jedoch keinen Bezug herstellen; ihre Figur blieb sehr disanziert und unnahbar.

Für mich ist „Melken“ final leider kein Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird.

Vielen Dank an den Hanser Verlag & Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Wenn ein Poet zum Spion wird ... 3,5⭐️

Die Reise ans Ende der Geschichte
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„Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson spricht mit einem originell gestalteten Cover und einem interessanten Plot an.
Anfang der 90er Jahre, die Welt ist im Umbruch, man strebt nach ...

„Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson spricht mit einem originell gestalteten Cover und einem interessanten Plot an.
Anfang der 90er Jahre, die Welt ist im Umbruch, man strebt nach Frieden und Glück. Der junge, berühmte Dichter Jakob Dreiser lernt auf einer Gartenparty der russischen Botschaft den Doppelagenten Dieter Germeshausen kennen. Der möchte im Kasachstan noch ein letztes großes Ding drehen, bevor er untertaucht. Dafür möchte er Jakob Dreiser einsetzen, der es erst gar nicht glauben kann, dass er als Spion angeheuert wird. Und damit beginnt eine abenteuerliche Reise nach Kasachstan, die voller unerwarteter Wendungen und gefährlicher Herausforderungen ist.

Ich sage ehrlich, dass dieses Buch normalerweise nicht meinem üblichen Lesegeschmack entspricht Aber zwischen all der „schweren Kost“ war der Roman eine wirklich angenehme, unterhaltsame Abwechslung. Gut gefallen haben neben der wirklich fantasievollen (sicher nicht ganz realistischen) Story auch die vielfältigen, skurrilen Charaktere: Der steife Dieter Germeshausen, der locker-sympathische Dichter Jakob Dreiser, die trinkfeste Ex-Diplomatengattin Dominique Fishbowl sowie die undurchsichtige Fremdsprachenlehrerin Francesca Aquatone.

Der Schreibstil und Aufbau des Romans sind gut gelungen; es beginnt gleich mit der Vergiftung des Doppelagenten, bevor es dann von vorne beginnt ...
Auch die in den Roman eingebrachten historischen und kulturellen Fakten sind ein Pluspunkt.

Ich empfehle das Buch allen Leser*innen, die Lust auf einen absurd-unterhaltsamen Abenteuerroman haben.

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Eine zähe Lektüre ...

Das Ende vom Lied
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„Das Ende vom Lied“ hatte mich vom Klappentext her spontan angesprochen; es klang nach einem historisch wie menschlich interessanten Plot.
Westberlin 1969: Der Protagonist, ein 13jähriger Junge am Beginn ...

„Das Ende vom Lied“ hatte mich vom Klappentext her spontan angesprochen; es klang nach einem historisch wie menschlich interessanten Plot.
Westberlin 1969: Der Protagonist, ein 13jähriger Junge am Beginn der Pubertät, muss etliche Veränderungen verkraften. Eine neue Arbeitsstelle seines Vaters zwingt die Familie zum Umzug. Der Vater ist Kriegsversehrter, die Mutter schleppt unverarbeitete Traumata mit sich herum. Zerrissen zwischen den Nachwirkungen des Krieges, familiären Spannungen und der rauen Wirklichkeit der Straße, versucht er seinen Platz zu finden. Die Begegnung mit dem Bandenchef „Körschi“ stellen den Mut des Jungen und seine Selbstbehauptung ziemlich auf die Probe, und dann sind da noch seine ambivalenten Gefühle für Alina ...

Ich lese sehr viel und que(e)rbeet, bin offen für unterschiedlichste Genres und Bücher, aber ich muss leider sagen, dass dieses hier überhaupt nicht mein Fall war. Der Schreibstil des Autors war wahnsinnig anstregend zu lesen, er traf so gar nicht meinen Geschmack.
Von Anfang an hatte ich große Probleme, überhaupt in die Geschichte hineinzufinden. Diese ist meiner Meinung nach einfach zu überladen, die Sprache übertrieben rau und brutal.
Besonders herausfordernd war der mangelnde rote Faden, häufige thematische Sprünge und wechselnde Perspektiven. Es kam einfach kein Lesefluss oder gar -vergnügen auf; das hatte ich vorab so nicht erwartet.

Ich bin ehrlich: wäre ich nicht an einer Leserunde beteiligt gewesen, hätte ich den Roman sicherlich abgebrochen.
So habe ich mich im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Ende durchgequält. Mir hat weder die Geschichte an sich noch der Erzählstil von Michael Wildenhain zugesagt. Vielleicht finden andere Leser*innen eher Zugang zu diesem Roman, für mich war er leider überhaupt nichts. Ich kann daher leider nur 1 Stern und keine Empfehlung geben.

Dennoch vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Perspektivwechsel & Selbstliebe statt Diät

Abnehmen durch Annehmen. Unbewusste Gefühle verstehen – körperlichen Ballast loswerden
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Bücher übers Abnehmen gibt es wie Sand am mehr, aber ich bin sehr froh, dass ich ich bei der Buchverlosung zu „Abnehmen durch Annehmen“ von Andreas Winter Glück hatte, denn damit habe ich ein sehr wertvolles ...

Bücher übers Abnehmen gibt es wie Sand am mehr, aber ich bin sehr froh, dass ich ich bei der Buchverlosung zu „Abnehmen durch Annehmen“ von Andreas Winter Glück hatte, denn damit habe ich ein sehr wertvolles Buch erhalten, das sich deutlich von anderen Ratgebern abhebt.

Hier geht es nicht um eine Diät, nicht um Kalorienzählen, Verzicht oder strenge Regeln.
Andreas Winter zeigt hier die Ursachen unseres Essverhaltens auf: frühkindliche Prägungen, die bis heute nachwirken; fehlende Selbstliebe, Stress und Einsamkeit.
Zu Beginn des Buches erklärt der Autor ausführlich und gut verständlich, wie sich Stress auf das Essverhalten auswirkt und weshalb eine psychisch und körperlich entspannte Einstellung nötig ist, um dem Körper zu zeigen, dass keine Lebensgefahr droht und er deshalb kein Fett (Schutz für schlechte Zeiten) speichern muss.
Es gibt zahlreiche wertvolle Informationen und Checklisten, mit denen man lernen kann, echten Hunger von emotionalem Appetit zu unterscheiden, wie man Heißhungerattacken abwehren kann, wie man seine wahren Bedürfnisse herausfindet.

Die „Zehn-Tage-Abnehm-Offensive“ ist ein herausragender Pluspunkt des Buches; hierfür sollte man sich auch wirklich 10 Tage Zeit nehmen, um die täglichen Aufgaben und Abschlussaffirmationen in Ruhe zu bearbeiten. Nur so ist eine dauerhafte Veränderung im Denken und Handeln möglich.

Mir hat der wertschätzende, warmherzige und teils humorvolle Schreibstil des Autors sehr gut gefallen. Der Aufbau des Buches ist strukturiert und gut verständlich.

Die Praxisbeispiele sind gut geeignet, um sich in verschiedene Lebenssituationen hineinzuversetzen.
Es mag zwar oft so aussehen, dass bei den Patient*innen oft nur „eine einzige Erkenntnis“ reicht, damit sisch alles zum Besseren wendet, aber aus Gründen der Verständlichkeit hat der Autor dies meiner Meinung nach verkürzt dargestellt: Echte Veränderung geschieht nämlich meistens Schritt für Schritt; ein vorhergehendes Aha-Erlebnis ist nur der Anfang, um alte Muster nachhaltig zu verändern. Dies bestätigt der Autor später auch durch die das Kapitel „Die Psychologie des Rückfalls“.

Dass alle mit schwerwiegenden/gefährlichchen Essproblemen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten, muss klar sein – für alle anderen ist dieses kluge, wertschätzende Buch mit seinem psychologischen und emotionalen Ansatz eine wirkliche Chance zu einem neuen Körpergefühl, zum Essen ohne Verzicht und Stress. Und um Frieden mit seinem Körper zu schließen.

Trotz kleiner Abstriche vergebe ich daher definitiv 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Mankau Verlag und an Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Keine Dinge auslassen, sondern sie durchleben: 3,5⭐️

Open Hearts
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Misty, die 31jährige Protagonistin des Romans „Open Hearts“ von Roxy Dunn, wird nach 8 Jahren unerwartet von ihrem Partner verlassen. Sie verkraftet das nur sehr schwer und zieht wieder zu ihrer Mutter ...

Misty, die 31jährige Protagonistin des Romans „Open Hearts“ von Roxy Dunn, wird nach 8 Jahren unerwartet von ihrem Partner verlassen. Sie verkraftet das nur sehr schwer und zieht wieder zu ihrer Mutter nach Brighton. Relativ unwillig meldet sie sich bei einer Dating-App an, wo sie Christopher kennenlernt. Die beiden verstehen sich in ihren Textnachrichten so gut, dass sie sich im realen Leben treffen – allerdings wusste Misty nicht, dass Christopher in einer offenen Beziehung lebt. Eigentlich ist das gar nichts für die ängstlich-anhängliche Misty, aber die Anziehungskraft ist so stark, dass sie sich auf einen Deal einlässt: Sechs Wochen lang werden sie sich ganz unverbindlich treffen. Misty hofft, so selbständiger und unabhängiger zu werden. Doch ihre stärker werdenden Gefühle kommen ihr dabei in die Quere – und die sechs Wochen sind schnell um.

„Es war seltsam, denn obwohl sich aus meiner Erfahrung mit Barney ableiten ließ, dass die Trennung von Christopher mit der Zeit weniger schmerzen würde, glaubte ich das nicht. Es war, als hielte man mir den Beweis vor die Nase und ich sagte trotzdem ‚ja, aber nein‘.
Es war mir peinlich, dass ich nach einer sechswöchigen Liebelei mehr trauerte als nach einer achtjährigen Beziehung, und ich war froh, Barney als Tarngeschichte zu haben, kam mir aber hinterlistig vor, weil ich im Geheimen den Verlust von jemandem betrauerte, den ich kaum kannte. Es war erschreckend und unnatürlich, wie jemand plötzlich für ganze fünf Wochen in mein Leben treten und dann einfach verschwinden konnte: Ich schulde dir nichts, bin nicht an dich gebunden, hab nur ein klein wenig Zeit mit dir verbracht, und dann zack, weg.“

Ich mochte Misty als Protagonistin einerseits sehr, ein wirklich sympathischer und unverfälschter Mensch. Andererseits fand ich sie fast unglaubwürdig naiv in ihrer Art und ihren Handlungen, wenn ich so ihr Alter betrachte (sie wurde im Verlauf der Story immerhin 32).

„Es war erst vier Uhr, und ich hatte noch viele Stunden auszufüllen, bevor ich ins Bett gehen konnte. [...] Ich googelte: wie seine Zeit ausfüllen, aber Google missverstand das und wies mir einen Artikel mit der Überschrift Wie Sie täglich zwanzig Minuten für sich selbst finden. Zwanzig Minuten! Was für ein Witz. Ich hatte so viele Zwanzig-Minuten-Abschnitte für mich selbst, da schien es mir nicht richtig oder fair, dass manche Leute nicht mal einen hatten, und offenbar sehr viele Leute, sonst wäre das nicht das erste Suchergebnis. Da konnte doch etwas nicht stimmen, wenn die Leute mit den anspruchsvollen Jobs auch die anspruchsvollen Kinder und einen anspruchsvollen Partner hatten und sich um einen anspruchsvollen Haushalt kümmern mussten, während von mir niemand irgendetwas verlangte. Ich fühlte mich traurig und glücklich, aber auch zufrieden und unglücklich, als würde ein Pfeil in mir hin und her schwenken, unschlüssig, wo er landen sollte.
An diesem Abend berichtete ich meiner Mutter von meinen Erkenntnissen, und sie sagte: ‚Wenn du die Freiheit satthast, dann bekomm ein Kind. Dann wirst du nie wieder frei sein.‘
Aber selbst mit einem Partner hatte ich gegenüber dem Elterndasein gemischte Gefühle gehabt, und die hatte ich erst recht ohne Partner, und das sagte ich ihr und fügte hinzu: ‚Außerdem hat Barney dir acht Jahre lang die Arbeit abgenommen.‘‘

Mistys Entwicklung zum Ende hin fand ich daher ganz gut, auch ihre Aussprache mit ihrer Mutter; aber ansonsten wäre da noch Luft nach oben gewesen. Auch die Story ist trotz einiger Wendungen insgesamt eher vorhersehbar.

Der Schreibstil gefiel mir weitgehend gut, es gab auch amüsante Stellen und erhellende Passagen:
„Erica kreischte plötzlich vor Lachen auf, sodass ich auf meiner Liege hochfuhr.
‚Was ist denn so lustig?‘
‚Es ist einfach irre komisch, wenn jemand seinem Klischee gerecht wird. Polyamorie ist offenbar kompliziert und führt zu unmöglichen Situationen, aber die Leute stellen sie als superentspannte Option dar, die Kränkungen durch heimliche Liebesaffären ausschließt.‘“

Insgesamt ist „Open Hearts“ ein sehr unterhaltsamer, leicht lesbarer Roman über Trennungen und Neuanfänge, übers Erwachsenwerden und Selbstfindung.

Vielen Dank an den pola Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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