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Veröffentlicht am 29.01.2026

Schmerzhaft gut: Mutmachendes Jugendbuch über Fettshaming und Mobbing

Starfish
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„Starfish“ von Lisa Fipps ist schon jetzt eines meiner diesjährigen (Jugenbuch) Highlights!

Die elfjährige Ellie liebt Schwimmen und das Wasser, sie hat eine beste Freundin namens Viv. Doch ihr Alltag ...

„Starfish“ von Lisa Fipps ist schon jetzt eines meiner diesjährigen (Jugenbuch) Highlights!

Die elfjährige Ellie liebt Schwimmen und das Wasser, sie hat eine beste Freundin namens Viv. Doch ihr Alltag ist geprägt von Mobbing und Bodyshaming – durch ihre Klassenkameradinnen, aber auch durch ihre Mutter, die sie zu einer Diät nach der anderen zwingt. Und ihre Geschwister ärgern sie auch ständig wegen ihres Gewichts; seit Jahren nennen sie alle nur bei einem fiesen Spitznamen, der ihr von ihrer Schwester verpasst wurde:

„Ich wünschte, ich könnte jedem sagen,
wie ich mich damals gefühlt habe —
gedemütigt,
wütend,
tieftraurig.
Doch jedes Mal, wenn ich versuche, für mich einzustehen,
bleiben mir die Worte im Hals stecken
wie ein riesiger Klumpen Erdnussbutter.
Und selbst wenn die Leute mir
ausnahmsweise einmal zuhören würden,
würden sie mich bloß anfauchen:
‚Wenn du nicht geärgert werden willst,
nimm halt ab.‘“

Als ihre Freundin Viv weit wegziehen muss, ist das sehr hart für sie, auch wenn sie weiterhin in Kontakt bleiben. Zum Glück findet sie im Nachbarsmädchen Catalina eine weitere echte Freundin.
Doch es ist ein langer und schwerer Weg für Ellie, sich gegen den Hass und das Mobbing zu wehren und für sich selbst einzustehen.

„Der Pool ist immer
mein Zufluchtsort gewesen
in dieser von Fett besessenen Welt.
Deshalb bin ich jeden Morgen geschwommen
und habe versucht, mir das Gefühl
den Tag über zu bewahren.
Doch wenn ich aus der Schule kam,
spürte ich jedes Kilo
plus das zusätzliche Gewicht der Scham,
wegen all der fiesen Kommentare
und gemeinen Aktionen.
Der Pool hat mir geholfen, all das zu vergessen.
Ab heute soll der Pool noch mehr sein,
nämlich ein Ort,
an dem ich mich ausdrücken kann.
Während ich mich treiben lasse,
breite ich meine Arme und Beine aus
und werde zum Seestern,
beanspruche so viel Raum,
wie ich will.“

Wow, was für ein großartiges Buch!

Das Buch tut beim Lesen weh, auf zweifache Weise: Weil ich mit Ellie, diesem mutigen und klugen Mädchen, so sehr mitfühlen konnte bei all den Verletzungen, die sie erleiden musste.

„Ich verrate ihr nicht,
dass meine blauen Flecken
weniger schmerzen
als die Worte,
die sie zu mir gesagt haben.
Und dass es Wunden gibt, die man nicht sehen kann.“

Vor allem das Verhalten von Ellies Mutter hat mir (selbst Mutter) sehr weh getan - daher gebe ich meine Empfehlung auch an Erwachsene, das Buch zu lesen:

„‘Ich habe keinen Spiegel mehr,
seit meine Mom mich gezwungen hat,
mich darin zu betrachten,
während sie auf alles gezeigt hat,
was an meinem Körper falsch ist.‘“

Zum anderen ist das Buch einfach schmerzhaft gut, weil es so unfassbar klug und wichtig ist!

„Mrs Boardman bittet mich, ein Beispiel dafür zu nennen,
was es bedeutet, sein eigenes Lied zu singen.
‚Na ja, viele Leute tun einfach das,
was andere tun, ohne darüber nachzudenken
oder ihre eigene Meinung zu sagen.‘
Ich schaue Kortnee in die Augen.
‚Dabei ist es okay, anders zu sein.
Wir alle sind anders als andere.

Und im Grunde möchten wir einfach nur
so akzeptiert werden, wie wir sind.
Doch leider verstellen sich viele Menschen,
um dazuzugehören.‘“

Ich hoffe, das Buch findet viele Leser
innen aller Altersklassen – mich hat es sehr berührt und bewegt!

Von mir gibt es 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Ein Leben zwischen Irak, Saarbrücken und Frankreich

Unser Haus mit Rutsche
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„Ich muss aufschreiben, was damals alles passiert ist. Vielleicht ändert sich dann etwas. Ganz gleich in welche Richtung. Ausnahmsweise befürworte ich jede Veränderung. Schlimmer kann es sowieso nicht ...

„Ich muss aufschreiben, was damals alles passiert ist. Vielleicht ändert sich dann etwas. Ganz gleich in welche Richtung. Ausnahmsweise befürworte ich jede Veränderung. Schlimmer kann es sowieso nicht werden. Schließlich gibt es hier in meinem Ausguck nur noch mich, über den Dächern von Paris. Bei schlechtem Wetter kann ich bis nach Saarbrücken blicken, in meine nebelverhangene Vergangenheit.“

„Unser Haus mit Rutsche“ von Safia Al Bagdadi ist ein autofiktional anmutender Roman. Die Ich-Erzählerin Layla wächst in Saarbrücken auf. Ihr irakischer Vater hat viel Fantasie und ständig neue Geschäftsideen, er verspricht Umzüge nach Los Angeles, New York oder gar ein „Haus mit Rutsche“ am Tigris; eine großratige Zukunft, die jedoch nie eintritt.
Laylas französische Mutter stammt aus „besseren Verhältnissen“, rebelliert jedoch gegen ihr Elternhaus; etwas Luxus im Alltag mag sie trotzdem. Layla erlebt eine Kindheit im Dazwischen, ständig geht alles schief, aber sie sind glücklich. Als jedoch 1991 der Golfkrieg ausbricht, verändert sich ihr Vater radikal.

„Babe verwandelte sich, während allerdings ich mich ebenfalls verwandelte, und während ich in meinem Eckchen darüber sinnierte, was nur mit ihm los war, dachte er vielleicht in seinem Dachkämmerchen über mich dasselbe.
[...]
Dabei schien auch in seinem Innern die Post abzugehen, mutmaßte ich anhand seiner immer heftigeren Gefühlsausbrüche, die innerhalb weniger Minuten von euphorisch bis cholerisch schwanken konnten. [...]
Für ihn drehte sich alles nur noch um zwei Bücher: das über den Teufel und das über Gott.
‚Das ist ein tolles Buch, Layla!‘, sagte er über Letzteres. ‚Das ist die Antwort auf alles!‘
Hatte der Teufel ihm Angst eingejagt, war Gott ihm zum Lichtblick geworden. Erst diese Erkenntnis wies ihm einen Ausweg aus seinem Dachbodenexil.“

In wechselnden Zeitebenen, damals in der Kindheit in Saarbrücken bzw. heute in Paris, erzählt die Protagonistin in locker-leichtem Ton. Das Buch ist sehr dialogreich, was mit der Zeit etwas anstrengend zu lesen war und sich auch mal in Belanglosigkeiten verlor.

Es gab durchaus einige Stellen, die jenseits des humorvoll-lockeren Tonfalls waren; diese fand ich sehr bewegend: „Diese Freiheit. Ich wünschte sie mir so sehr auch für mich herbei. Bloß wusste ich da noch nicht, wie es sich anfühlt, wenn man seinen Eltern gleichgültig ist. Noch hatte ich keine Ahnung, wie es ist, wenn der eigene Vater sich derart in etwas verrennt, dass die Familie daran zerbricht.“

Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, der mich jedoch nicht ganz überzeugen konnte. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Magisches Fantasy-Abenteuer mit beeindruckenden Illustrationen

Lightfall 1: Das verlorene Licht
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„Lightfall 1: Das verlorene Licht“ von Tim Probert ist ein Graphic Novel Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche ab ca. 10 Jahren.

Das Mädchen Bea lebt gemeinsam mit ihrem Großvater, einem weisen Zauber-Eber, ...

„Lightfall 1: Das verlorene Licht“ von Tim Probert ist ein Graphic Novel Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche ab ca. 10 Jahren.

Das Mädchen Bea lebt gemeinsam mit ihrem Großvater, einem weisen Zauber-Eber, auf dem Planeten Irpa. Im Haus ihres Großvaters gibt es jede Menge Heilkräuter und Zaubertränke, aber auch Geheimnisse. Denn als „Hüter der Ewigen Flamme“ sorgen sie für das Gleichgewicht einer Welt, die von der Dunkelheit bedroht ist.
Als eines Tages Beas Großvater verschwindet und nur die Flamme zurücklässt, zusammen mit einer mysteriösen Nachricht, darf Bea keine Zeit verlieren: Sie muss ihren Großvater finden. Zum Glück trifft sie unterwegs Cad, einen Galdurier. Zwischen den beiden entwickelt sich wider Erwarten eine Freundschaft und sie müssen viele gefährliche Abenteuer überstehen. Cad hofft, mithilfe des Zauber-Ebers sein verschwundenes Volk wiederzufinden. Werden die beiden es schaffen, und Beas Großvater aufspüren?

Ich selbst bin eigentlich kein Fantasy-Fan (mein Kind schon), aber dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Das liegt vor allem an den wirklich eindrucksvollen Illustrationen, die uns sehr begeistert haben! Diese sind so gut, dass auch die Seiten, die komplett ohne Text auskommen, unendlich viel aussagen.

Auch thematisch ist diese Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und Mut sehr schön zu lesen. Da es nicht viel Text ist, kommen sicher auch Kinder gut damit klar, die nicht so gerne viel lesen.

Die Charaktere sind allesamt sehr gut getroffen; besonders mochten wir natürlich Bea und Cad.

Ein sehr schönes Zitat aus dem Buch: „Man braucht nicht immer einen Grund, um zu helfen.
Das gibt's heute nicht mehr so häufig.“

Zwei kleine Kritikpunkte haben wir: Das Buch riecht leider sehr, sehr unangenehm – ich nehme an, das liegt an der Farbe bzw. am Druck. Wir hoffen sehr, dass der Geruch bald noch verfliegt, damit wir das Buch noch mehr genießen können.
Was uns jedoch etwas mehr gestört hat, ist die Tatsache, dass das Buch sehr offen und plötzlich endet – quasi mitten in der Handlung. Damit ist man quasi „gezwungen“, den zweiten Band zu kaufen (was wir ohnehin getan hätten, aber trotzdem). Das hätte man vielleicht anders lösen können, auch wenn klar ist, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist.

Ansonsten bekommt „Lightfall 1: Das verlorene Licht“ auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung von uns für alle, die beeindruckende und stimmungsvolle Illustrationen und eine spannende, magische Geschichte lesen wollen.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein Frauenleben in 6 Tagen erzählt

Tage des Lichts
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„Tage des Lichts“ von Megan Hunter hatte mich thematisch stark angesproche. Besonders interessant fand ich, dass hier das Leben einer Frau zusammengefasst auf 6 Tage ihres Lebens erzählt wird.

Die Geschichte ...

„Tage des Lichts“ von Megan Hunter hatte mich thematisch stark angesproche. Besonders interessant fand ich, dass hier das Leben einer Frau zusammengefasst auf 6 Tage ihres Lebens erzählt wird.

Die Geschichte beginnt 1938 in England, wo die 19jährige Ivy noch nicht erwachsen ist und sich selbst noch nicht wirklich gefunden hat. „ielleicht, so überlegte sie, lag das daran, dass sie keine Frau wie andere war. Schon als Kind hatte Ivy das Gefühl gehabt, ihre Seele sei nicht ganz weiblich.“
Ivy hat große Träume und Pläne für ihr Leben, doch als ihr Bruder Joseph tödlich verunglückt, ändert dies alles.

Nach dem nächsten Zeitsprung ist Ivy inzwischen verheiratet mit Bear und hat Kinder.
„Genau so ist das im Leben, das wurde Ivy bewusst, wie eine Flutwelle von Dingen, Häusern und Menschen, die auf sie zuströmt, über sie hinwegrollt. Das Leben fand statt, und sie war mittendrin, doch es schien keine Kontrolle zu geben, keine Wahl. Sie hatte etwas anderes erwartet, an jenem Tag im Krankenhaus hatte sie beschlossen, dass keine ihrer Entscheidungen eine Rolle spielte. Dennoch hatte sie damit gerechnet, zumindest Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. Dass sie nicht auf die Universität gegangen war, war kaum eine Überraschung. Aber sie malte nicht, sie schrieb nicht, und in diesen Tagen tanzte oder sang sie auch nicht. Sein neues Buch hatte Bear nie veröffentlicht: Sie hatten Kinder, das war alles, ihr Leben war eingeengt; ohne dass sie es gemerkt hatten, hatte es diese konventionelle Form angenommen. Sie waren einfach so geworden wie alle anderen auch.“

Doch sie trifft Frances wieder, die damalige Freundin ihres Bruders Joseph. Und sie kann sich nicht gegen die leidenschaftlichen Gefühle wehren, die sie für Frances hegt ...

Ich möchte hier zum Inhalt nicht spoilern, nur so viel: Ivys Leben wird in weiteren Zeitsprüngen erzählt, bis hin zum Ende, das leider eine Frage noch offen lässt, auf deren Beantwortung ich eigentlich gehofft hatte.

„Und doch hatte sie damals nichts Wichtiges erfahren, war zu keiner Erkenntnis gekommen, hatte keine einzige Antwort auf ihre Fragen erhalten. Alles war wie vom Wind verweht, es wucherte, bedeutungslos.“

Ich hatte nach der vorherigen Leseprobe andere/höhere Erwartungen an diesen Roman. Obwohl der Schreibstil ansich gut war, konnte dieser eher ruhige Roman mich nicht ganz überzeugen. Ivy blieb leider ein wenig blass für mich. Auch wenn ich die Idee, die Lebensgeschichte auf 6 Tage zusammenzufassen, sehr interessant fand, war mir die Geschichte insgesamt etwas zu langweilig. Insgesamt ein Buch, das ganz okay war, mich aber nicht wirklich berühren konnte.

Vielen Dank an den C. H. Beck Verlag, an Vorablesen.de und an NetGalley für die Rezensionsexemplare!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

... in jedem Moment eine Frau, die einmal Kinder haben würde

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Das Setting mit zwei befreundeten Paaren in einem Ferienhaus ist grundsätzlich nicht neu - aber „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von Dita Zipfel ist wirklich ein außergewöhlicher Roman, der ...

Das Setting mit zwei befreundeten Paaren in einem Ferienhaus ist grundsätzlich nicht neu - aber „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von Dita Zipfel ist wirklich ein außergewöhlicher Roman, der mich schon von Beginn an (ab dem Anfangszitat "Frauen müssen mit der Möglichkeit einer Schwangerschaft leben." - Rachel Cusk) begeistert hat.

Der wohlhabende Felix (mit Ehefrau Eva, Sohn Otto und dem Baby) hat seinen Jugendfreund Matze und dessen Frau Linn ins Luxus-Ferienhaus an der Côte d’Azur eingeladen. Linn und Matze versuchen schon lange erfolglos, ein Kind zu bekommen. Nach dem Urlaub soll Linn ein „perfekt gereifter Embryo“ eingesetzt werden. Linn ist zerrissen zwischen dem absoluten Wunsch, Mutter zu werden und ihren Selbstzweifeln, ob sie der Mutterschaft überhaupt gewachsen ist. Umso faszinierter ist sie von Eva, der scheinbar alles so leicht und perfekt gelingt; Eva sieht toll aus und hat endlose Geduld mit ihrem (leicht verwöhnten) Sohn Otto; nebenbei ist da noch das Baby. Dass Eva schon wieder schwanger ist und nicht weiß, ob sie noch ein drittes Kind aushalten kann, ahnt noch niemand.

"Jetzt steht sie im Bad und vor ihr liegt eine unscheinbare Tablette. Im Spiegel starrt eine Frau eine unscheinbare Tablette an. Alle warten auf ihre Entscheidung, so wie immer. Ihr ganzes Leben eine Abfolge von Entscheidungen, seit die Kinder da sind, eine Multiplikation von Entscheidungen. Was gibt es zu essen, braucht Otto eine Jacke, meinst du, wir müssen zum Arzt? Jetzt noch diese hier und die Frage, wie viele Entscheidungen sie noch treffen kann. Nimmt sie die Tablette, hält sie eine Lawine von weiteren Entscheidungen auf. Kein Name, kein Sportverein, kein Instrument. Kein Motto für den Kindergeburtstag, kein Einschulungsfest, kein Abstillen. Mit einer einzigen Entscheidung."

Während die Männer damit beschäftigt sind, Crémant zu trinken, angeln zu gehen und Matze sich fragt, ob ihre Jungdfreundschaft wirklich noch von Bestand ist, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen langsam eine Verbündung, mit der sie nicht gerechnet hatten.

Wow, was für ein Roman!
Die Charaktere sind allesamt wunderbar getroffen; ganz besonders Linn und Eva; aber auch die Männer Matze und Felix sowie der kleine Otto.
Erwähnenswert finde ich auch, dass die Autorin auch die Reinigungskraft Latifa zu Wort kommen lässt; ihre Kapitel bereichern das Buch nochmals um eine interessante Perspektive.

Ich konnte mich sehr gut in beide Frauen-Charaktere hineinversetzen, was eindeutig an der feinen Beobachtungsgabe und Schreibkunst der Autorin liegt.

Eva, die von außen so perfekt und gelassen wirkt, kommt als Mutter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit; und auch sie hat Selbstzweifel und Probleme mit ihrem Körper: "Sie weiß, was das Problem ist: Wenn sie in den Spiegel guckt, misst sie sich an einer Version ihrer selbst, die ist schon lange nicht mehr gibt. Es ist, als würde sich das Gehirn irgendwann festlegen: das ist dein Körper. So sieht er aus, so fühlt er sich an. Ab dem Zeitpunkt ist jede Veränderung eine Abweichung, eine Irritation. In ihrem Kopf lebt ein längst überholtes Bild ihres Körpers."

Linns Selbstzweifel und ihr Schmerz haben mich sehr berührt:
„Als wäre etwas gestorben. Ein ungelebtes Leben ist tot. Und es gibt keinen Ort, an den sie gehen kann, um darum zu trauern. Was nie da war, kann man nur in sich selbst begraben. Dabei würde sie gerne auf etwas zeigen und sagen: Guck, das hatte ich mal.
Sechs Embryos sind zu klein für ein Grab."

"Sie wird noch ein paar Jahre von Bekannten mit kleinen Kindern um ihre Freiheit beneidet werden, bis es nur noch Bekannte mit großen Kindern gibt. Wird ihrem Körper beim Zerfall zusehen. Ein zu weicher Bauch ist zu ertragen, wenn es dafür einen besseren Grund gibt als bloß vergangene Zeit. Einsamkeit ist schöner, wenn es Kinder gibt, die nicht mehr anrufen. Ihre Beziehung wird noch ein paar Jahre halten. Genau so lange, dass es für Matze noch nicht zu spät ist, mit einer jüngeren Frau Kinder zu bekommen. Sie wird nie wirklich lieben. Nicht auf diese reine, tiefe, unerschütterliche Art, die Art, die alles überlebt. Sie ist selbst erstaunt darüber, wie sehr ihr Leben, alles, was Sie bisher getan oder nicht getan hat, auf der Gewissheit aufbaute, dass sie einmal Kinder haben würde. Wie diese Gewissheit alles legitimierte, allem einen Sinn verlieh, der jetzt verpufft. Sie war, ohne es zu wissen, in jedem Moment eine Frau, die einmal Kinder haben würde.
Und jetzt?"

Das Ende lässt Fragen offen, ja – aber ich fand das genau passend. Wie sonst hätte man diesen Roman enden lassen sollen? Das Buch wird sicher noch lange in mir nachhallen.

„Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ist ein starker und abgründiger Roman über weibliche Selbstbestimmung, Mutterschaft und Kinderlosigkeit - schon jetzt eines meiner bisherigen Jahres-Highlights!

Vielen Dank an den Insel-Verlag und Vorablesen für das Rezensionsexemplar!

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