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Veröffentlicht am 22.01.2026

Generationenroman über Herkunft, Familie und Wahlmöglichkeiten: 3,5⭐️

Real Americans
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„Real Americans“ von Rachel Khong ist ein Familienroman, der sich über mehrere Generationen erstreckt.

Im ersten Teil im Jahr 1999 geht es um Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA. Sie lern ...

„Real Americans“ von Rachel Khong ist ein Familienroman, der sich über mehrere Generationen erstreckt.

Im ersten Teil im Jahr 1999 geht es um Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA. Sie lern Matthew kennen, der aus privilegiert Verhältnissen stammt und Erbe eines Pharmaimperiums ist. Wider Erwarten verlieben sich die beiden, heiraten und bekommen ein Kind. Lilys Mutter ist wenig angetan von der Beziehung.

Im zweiten Teil, 21 Jahre später, lebt Lily allein mit ihrem Sohn Nick recht zurückgezogen auf einer Insel. Nick steht kurz vorm Wechsel aufs College. Über seinen Vater hatte ihm Lily nie etwas verraten, aber dank eines Gentests findet Nick seinen Vater Matthew und trifft sich heimlich mit ihm.

Der dritte Teil spielt in der Zukunft, im Jahr 2030 trifft Nick zufällig seine Großmutter Majy. Sie erzählt ihm von ihrem Leben damals unter dem Regime von Mao Zedong und von ihrer Flucht in die USA.

„Ich wollte sagen, dass es mir leidtat. Ich wollte all meine Gründe darlegen, warum ich dich enttäuscht habe. Ich wollte darauf bestehen, dass ich die besten Absichten verfolgt hatte: Ich glaubte, ich würde tun, was das Beste für dich war.
Lily, wollte ich sagen. Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden. In Amerika behielten Eltern ihre Enttäuschung über ihre Kinder für sich. Doch ich war eine schlechte Schauspielerin. Das hat dein Vater einmal zu mir gesagt. Ich versteckte meine Enttäuschung ohne Erfolg. Mir war nicht klar gewesen, dass unsere Kommunikationsschwierigkeiten, als amerikanisches Kind und chinesische Mutter, unüberwindbar bleiben würden. Doch ich hätte mich mehr anstrengen können. Das bereue ich jeden Tag.“

Der Roman liest sich flüssig und trotz des Umfangs recht schnell. Die Themen Herkunft und Auswanderung sind gut gewählt, manches hätte für meinen Geschmack noch etwas vertieft werden können. Meiner Meinung nach ist der dritte Teil der beste Teil; er hat mich emotional am stärksten berührt. Besonders die Passagen aus Mays damaligem Leben in China fand ich sehr stark und bewegend.

„Ein amerikanischer Ausdruck, der mir immer schon komisch vorgekommen war, war #sich ein Leben aufbauen‘. Mein Leben war nicht aufgebaut worden. Es war nicht Stück für Stück entstanden, nach irgendeinem Bauplan. Nichts passte zusammen. Es war keine Konstruktion, sondern ein bloßer Haufen.
Das war unser Traum gewesen, Ottos und meiner: unseren Kindern die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen. Doch es war ein Fehler zu glauben, dass man für jemand anderen entscheiden konnte, ganz gleich, wie gut man es meinte. Und was hatten wir wirklich entschieden? Man hatte uns gesagt, was wir wollten: Propaganda war überall. Vor allem in diesem Land, wo die Propaganda lautete, dass es keine gab – dass wir frei waren. Aber stimmte das? Wenn wir doch bestimmte Leben mehr schätzten als andere; wenn wir dazu gebracht wurden, unnachgiebig immer mehr zu wollen? Was, wenn ich das alles durchschaut hatte? Was, wenn ich verstanden hatte, dass ich schon genug besaß?“

Insgesamt ein unterhaltsamer, vielschichtiger Roman, dem es stellenweise jedoch etwas an Tiefe fehlte. Durch die drei Abschnitte konnte man sich zwar gut in die Innenleben der drei Protagonist*innen versetzen, aber manches war noch nicht ganz auserzählt.

Der Roman hat mir gut gefallen, hat meine hohen Erwartungen aber nicht komplett erfüllt. Daher vergebe ich final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Herzerwärmendes, witziges Buch über Freundschaft und Mut

Einfach Sunny
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„Einfach Sunny“ von Maren Graf ist ein wirklich großartiges Buch für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren.

Sunny ist blind - doch das hindert sie nicht daran, sich voller Überzeugung als „Sachen-Sucherin“ ...

„Einfach Sunny“ von Maren Graf ist ein wirklich großartiges Buch für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren.

Sunny ist blind - doch das hindert sie nicht daran, sich voller Überzeugung als „Sachen-Sucherin“ zu bezeichnen. Eines Nachmittags stolpert sie am Straßenrand über Ben, der gerade selbst etwas sucht. Er hat etwas verloren, möchte jedoch nicht sagen, was das ist. Dennoch macht Sunny sich mit ihm auf die Suche nach seinem „Dings“. Wurde es gestohlen? Oder was steckt dahinter?
Ohne dass Sunny weiß, was sie eigentlich suchen, gehen die beiden auf die Suche - dicht gefolgt von dem fiesen Felix und seiner Bande. Und da ist auch Bens eigentlich bester Freund Max, mit dem es aber Streit gab.
Ben und Sunny müssen einige Hindernisse überwinden, und bei der spannenden und wendungsreichen Verfolgungsjagd werden die beiden zu Freunden. Finden sie am Ende auch Bens „Dings“ und können seine Freundschaft mit Max retten?

Sunny ist einfach klasse – ich finde es wunderbar, dass hier eine blinde Protagonistin so mutig und herzerwärmend dargestellt ist.

„Er hat keine Ahnung, wie sie das gemacht hat – die Sache mit der Schaufel zu kapieren und den entscheidenden Hinweis von den Kindern zu bekommen. Er hat immer mehr das Gefühl, dass sie Dinge sieht, die er selber gar nicht mitkriegt. Ob Sunny einen Extra-Sinn hat? Der ihre Augen ersetzt? Kann ja eigentlich nicht sein. Aber trotzdem. Sunny kann irgendwie unter die Haut gucken. Ja, genau so fühlt sich das an. Wahrscheinlich hört sie gerade sogar sein Herz klopfen.“

Maren Graf schreibt wunderbar witzig und unterhaltsam, aber auch mit Tiefgang.
Die tollen Illustrationen von Olivia Vieweg unterstreichen das Lesevergnügen perfekt.

„Eine Wahrheit rauszubekommen ist manchmal schwieriger, als einen Schlüssel zu fnden oder eine verlorene Kette. Um eine Wahrheit rauszubekommen, muss man ganz genau hinhören und die richtigen Fragen stellen.“

Sunny hat uns mit Herz, Mut und Humor begeistert.

Wir vergeben 5 Sterne für dieses Buch und eine unbedingte Leseempfehlung!
Wir hoffen, dass es vielleicht noch weitere Bücher mit Sunny geben wird!

Vielen Dank an den Thienemann Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Sorgen vorm Morgen: Sensibler Jugendroman

Hundertsiebenundachtzig Tage
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Der 16jährige Ich-Erzähler im Jugendroman „Hundertsiebenundachtzig Tage“ von Ludovic Lecomte war bisher ein ganz normaler Teenager. Doch eines Tages kann er das Haus nicht mehr verlassen. Er schafft es ...

Der 16jährige Ich-Erzähler im Jugendroman „Hundertsiebenundachtzig Tage“ von Ludovic Lecomte war bisher ein ganz normaler Teenager. Doch eines Tages kann er das Haus nicht mehr verlassen. Er schafft es einfach nicht. Allein der Gedanke daran verursacht Angst und Panik.

„Höhlensyndrom.
So wird meine Krankheit manchmal genannt.
Es kommt mir immer komisch vor, ‚Krankheit‘ zu sagen. Ich habe kein Fieber, keine Schmerzen, keinen Husten, kein Kopfweh.
Und keine Medikamente dagegen.
Trotzdem bin ich krank.
Leide am Höhlensyndrom.
Ich bin unfähig, das Haus zu verlassen, unfähig, durch die Tür zu gehen, unfähig, einen Fuß in den Garten zu setzen.
Beim ersten Mal dachten meine Eltern, ich hätte eine Pubertätskrise, würde ihnen was vorspielen, um nicht mehr in die Schule zu müssen, Angstattacken simulieren. Sie wurden sauer, wollten mir nicht zuhören, versuchten mich fast schon mit Gewalt aus der Tür zu schieben.
Aber ich konnte nicht.
körperlich
ein druck
auf meiner brust
die tür
meine atmung
Beschleunigt Abgehackt Stoßweise Stockend
meine beine
Zitternd Schlotternd Schwankend
schweiß
auf meinen schläfen
Irgendwann ließen sie mich allein, mit tausend Ratschlägen, sie mussten ja beide zur Arbeit.
Mein erster Tag ohne rauszugehen.
Der erste von hundertsiebenundachtzig Tagen.“

Seine Eltern und seine Freunde wünschen sich, dass er sein altes Leben wieder aufnimmt; wieder funkt Kann eine Therapeutin helfen? Woher kommt denn die Angst eigentlich?
Erst nach und nach, mithilfe seiner Therapeutin, kommt er den Ursachen seiner Angst auf die Spur.

„Ich kann nichts dafür
Ich kann nicht anders
Ich mache meinen Eltern Sorgen
Genau genommen nicht ich,
eher mein Zustand
Meiner Mutter macht es sogar regelrecht Angst. Ich weiß, am Anfang hat sie oft geweint, hat sich gefragt, ob es an ihr liegt, ob sie in meiner Erziehung versagt hat
Als hätte es irgendwas mit ihr zu tun.
Ich sage ihr vergeblich immer wieder, dass es nicht ihre Schuld ist dass ich es nicht erklären kann dass es wie aus dem Nichts passiert ist dass sie nicht für alles einen Grund suchen soll
Die Vorwürfe macht sie sich trotzdem.
Und was ist mit mir? Fragt sich jemand, was mir Sorgen macht?
Ich bin ungerecht, ich weiß.
Denn klar, alle um mich rum würden gern verstehen wissen eine Lösung finden.“

Mir hat der Schreibstil des Autors sehr gut gefallen.
Ich konnte mich direkt in den Kopf des Teenagers hineinversetzen, seine Ängste spüren.

„Hundertsiebenundachtzig Tage“ ist ein zwar sehr kurzer, aber intensiver und sensibler Jugendroman zum Thema Angst und Zukunftsängste, für den ich gerne eine Leseempfehlung gebe!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Fröhlich-buntes Bilderbuch mit Henri und Jette

Henri-Jette-Sausebahn
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„Henri-Jette-Sausebahn“ von ist ein wunderschön gestaltetes Bilder-/Vorlesebuch von Cornelia Boese und Pina Gertenbach, das genau passend zum 100-jährigen Krüss-Jubiläum erscheint.

Die Lok Henriette hat ...

„Henri-Jette-Sausebahn“ von ist ein wunderschön gestaltetes Bilder-/Vorlesebuch von Cornelia Boese und Pina Gertenbach, das genau passend zum 100-jährigen Krüss-Jubiläum erscheint.

Die Lok Henriette hat zwei kleine Enkelchen namens Henri und Jette, die zusammen in der Welt umhersausen. Die lustigen Reime begleiten die beiden Züge auf ihrer Reise im Bahnverkehr.
Die Reime sind wirklich gut gelungen, sie sind gut verständlich für Kinder und einfach lustig anzuhören.

Dank des extra-großen Formats können die Bilder ausgiebig bestaunt werden, während man den Kleinen vorliest. Die Illustrationen von Pina Gertenbach sind wirklich super schön bunt und fröhlich.

Mein Fazit: Das ist eine wirklich gelungene Fortsetzung des Kinderbuchklassiker „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss, der mit seinen bunten Bildern und den tollen Reimen ganz sicher Klein und Groß gleichermaßen begeistern wird!

Vielen Dank an den Baumhaus-Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Verdrängte Erinnerungen und Schuldgefühle

Hirschtier
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"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen ...

"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen an diesen Tag. Immerhin behauptete ihre Mutter allen gegenüber, sie sei am Unglückstag gar nicht aus dem Haus gegangen. Doch was ist die Wahrheit?

„.... noch bevor Hirschtier die Chance hat, mir zu sagen, was ich diesmal falsch gemacht habe – kommen mir Zweifel. Ich habe so lange erfundene Geschichten erzählt, dass die ungeschminkte Wahrheit sich hässlich und holperig anfühlt und die Fakten mir vorkommen wie geborgte Bruchstücke, aufs Geratewohl aus einem Wust von Hörensagen und altem Tratsch herausgepickt. Einmal versuchte ich, meiner Mutter die Wahrheit über den Tag der Flut auf dem Schulhof zu erzählen, und sie schlug mich und sagte: »MARGARETMURPHY, DUWIRSTDIESEABSCHEULICHELÜGENIEMEHRWIEDERHOLEN!«, und ich tat es nie mehr.
Und jetzt sprechen die altvertrauten Stimmen in meinem Kopf wieder auf mich ein, so wie immer. Sie versuchen, mir auszureden, was ich vom Tag der Schulhofüberschwemmung noch weiß. Du warst erst vier. Du warst zu klein, um dich dran erinnern zu können. So war es nicht. Deine Mutter sagt, du warst den ganzen Tag bei ihr und hast das Haus nicht verlassen. Sie sagt, du hast nie einen Fuß in diesen alten Schuppen gesetzt. Deine Erinnerung ist falsch. Was du Wahrheit nennst, ist nichts weiter als die Geschichte, die Ruby Bickford erfunden hat, ihre verleumderische Geschichte, die Lüge, zu der sie sich genötigt sah, weil sie nicht zugeben konnte, dass sie ihr Kind durch egoistische Vernachlässigung getötet hatte und dann ihr eigenes sträfliches Verhalten dem Nachbarskind in die Schuhe schieben wollte.
Ich bin unschuldig.
Vielleicht bin ich unschuldig.“

Jahre später erschein Margaret ein Fantasiewesen, ein Hirschtier, das sie zwingt, sich die Wahrheit über ihre Rolle bei Agnes’ Tod einzugestehen. Doch trotz ihrer Schuldgefühle scheitert Margaret daran, die Wahrheit auszusprechen.

„Bald wird sie erkennen, dass sie nicht zu retten ist. Bald wird sie wissen, dass das, was sie getan hat, unverzeihlich ist. Für den Rest ihres Lebens wird dieses Wissen immer da sein, wird sie in ein Geflecht von Schmerz und Schuldgefühl wickeln. O ja. Das Schuldgefühl ist das Schlimmste. Das Schuldgefühl ist das hohle Herz des Ganzen. Das Schuldgefühl hält die Schändlichkeit am Leben. Das Schuldgefühl folgt ihr überallhin, zwei Schritte hinter ihr.“

Margaret stiehlt ein Auto und geht weg; sie trifft auf Penny und Glo, die ebenfalls auf der Flucht sind.

„‘Ich fühle eine unheilvolle Wendung dieser Geschichte nahen. Sie dräut über meiner Zukunft. Mir geht die Zeit aus, mein Happy End zu finden. Hirschtier lenkt mich nicht. Es unterbricht mich nicht mit ätzenden Zwischenrufen oder höhnischen Bemerkungen.‘“

Anfangs fand ich die Erzählweise der Autorin sehr interessant; Margarets wiederholte Versuche, sich an die Wahrheit zu erinnern, immer wieder in Fantasien zu flüchten. Doch mit der Zeit wurde das Buch irgenwie sehr zäh und verstrickte sich in Wiederholungen und sehr vielen Fantasien.

Mir war das Buch, das zwar seine guten Momente hatte; insgesamt doch zu wirr und ausschweifend.
Wirklich überzeugen konnte es mich leider nicht.

Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar

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