„Der Fluss der Zeit“ beinhaltet fünf noch unveröffentlichte Kurzgeschichten aus dem Nachlass von Pascal Mercier. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch nichts von dem Autor gelesen habe, obwohl mich seine ...
„Der Fluss der Zeit“ beinhaltet fünf noch unveröffentlichte Kurzgeschichten aus dem Nachlass von Pascal Mercier. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch nichts von dem Autor gelesen habe, obwohl mich seine Romane schon interessiert hätten; vielleicht schaffe ich es irgendwann, das nachzuholen.
Diese Erzählungen behandeln Themen wie Großzügigkeit und Freiheit, Würd, Identität und den Sinn des Lebens.
Mir haben besonders die Erzählung „Warten auf den Befund“ und „Die Übergabe“ gut gefallen.
Ansonsten fand ich, dass diese philosopisch angehauchten Geschichten ganz nett zum Lesen zwischendurch sind, mir jedoch vermutlich nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden, weshalb ich 3 von 5 Sternen vergebe.
Herzlichen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
„Run Like A Girl“ von Amaka Egbe erzählt die Geschihte der 16jährigen Dera. Als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie zu ihrem Vater ziehen muss, ist das schon schlimm genug, denn ihr Vater hat sie und ihre ...
„Run Like A Girl“ von Amaka Egbe erzählt die Geschihte der 16jährigen Dera. Als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie zu ihrem Vater ziehen muss, ist das schon schlimm genug, denn ihr Vater hat sie und ihre Mutter verlassen, als Dera noch klein war. Doch als sie erfährt, dass es an ihrer neuen High Schook kein Leichtathletik-Team für Mädchen gibt, ist sie am Boden zerstört. Wie soll sie so ihr absolutes Ziel, bei den Olympischen Spielen anzutreten, erreichen?
Doch Dera lässt sich nicht unterkriegen: Sie erkämpft sich einen Platz im Lauf-Team der Jungs. Die sind natürlich nicht gerade begeistert von einem Mädchen im Team – obwohl oder gerade weil dieses Mädchen Bestzeiten läuft.
Deras Schulalltag ist die Hölle, sie wird gemobbt und auch mit ihrem Vater ist der Alltag ein Kampf. Nur der ruhige Gael aus ihrem Team lässt ihr Herz schneller schlagen ...
Wird Dera es schaffen, Gaels Herz zu erobern, sich mit ihrem Vater auszusöhnen und ihrem Traum von Olympia näherzukommen?
Dera hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen; auch die anderen Charaktere waren sehr sympathisch, vor allem Roz, Gael und Liam.
Das eine oder andere Klischee war wohl unvermeidbar, aber insgesamt ist das Buch leicht lesbar und sehr unterhaltsam.
Ein ermutigender Jugendroman über Mobbing, familiäre Probleme und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.
Vielen Dank an den Dragonfly Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!
„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber ist ein unglaublich wichtiges Buch. Vielleicht schreckt der Inhalt manche erstmal ab - ist Nächstenliebe nicht nur etwas für religiöse Menschen?
Doch Daniel Schreiber ...
„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber ist ein unglaublich wichtiges Buch. Vielleicht schreckt der Inhalt manche erstmal ab - ist Nächstenliebe nicht nur etwas für religiöse Menschen?
Doch Daniel Schreiber zeigt auf sehr persönliche und tiefgründige Art auf, um was es hier geht: Um mehr Menschlichkeit, Respekt und Akzeptanz – und gegen Hass und Menschenverachtung.
Viele von uns können wohl mit dem Autor mitfühlen: „Am besten ließ sich diese Einsicht als eine umfassende Desillusionierung beschreiben. Ich fühlte mich in der Gesellschaft, in der ich lebte, immer weniger zuhause. Die Nachrichtenlage ließ mich jeden Tag von Neuem bestürzt zurück, fassungslos und traurig. Mir war die Fähigkeit abhandengekommen, die Welt zu lieben. Und ich wusste nicht, wie ich den damit einhergehenden Gefühlen von Ohnmacht und Lähmung begegnen konnte.“
Die akuelle politische Lage weltweit, die Rhetorik des Hasses, all das prägt unser aller Leben. Doch wie kann es gelingen, dem Hass und dem aktuellen politischen Diskurs etwas entgegenzusetzen?
„Die Philosophin Martha Nussbaum etwa geht davon aus, dass wir Liebe nicht nur in unserem persönlichen, sondern auch in unserem politischen Leben zum Überleben brauchen. Damit meint sie natürlich nicht, dass wir für andere Menschen und erst recht nicht für Menschen, mit denen wir uns politisch nicht einigen können, so etwas wie romantische Liebe empfinden sollten. Wir müssten noch nicht einmal Sympathie für sie empfinden, wie wir es für unsere Freundinnen und Freunde tun, erklärt sie. Die Form der Liebe, die sie meint, besteht »lediglich darin, die andere Person als vollkommen menschlich anzusehen, als ein Wesen, das auf irgendeine Weise zum Guten und zur Veränderung fähig ist«. Was nach wenig klingt, ist bei genauerer Betrachtung genau das, was unserem politischen Miteinander seit einigen Jahren abgeht, das, was ich und viele andere Menschen in den politischen Auseinandersetzungen unserer Zeit so schmerzlich vermissen. Ohne diese Form der Liebe kann es keine Form demokratischer Zusammenarbeit geben, keinen Kompromiss, kein sinnvolles Zusammenleben, keine Hoffnung.
Ohne diese Form der Liebe kann es nur Zynismus geben. Kann es nur Auseinandersetzungen von Menschen geben, die herrschen, die siegen wollen. Ohne sie ist eine dissoziative Distanznahme von der Welt alles, was uns bleibt.“
Daniel Schreibers Art zu Schreiben, seine Wortwahl, hat mir sehr gut gefallen.
Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er auf, dass die Liebe der Schlüssel zur Veränderung sein kann.
„Welche Haltung bleibt uns, um politisch aktiv zu werden? Wie kann es uns gelingen, wieder wirksam gesellschaftlich zu handeln? Immer wenn ich darüber nachdenke, komme ich auf die Liebe zurück, auf die Liebe im Allgemeinen und die Weltliebe im Besonderen. Ich muss an Hannah Arendt denken, die ihre politische Kraft reflektierte, an die Philosophie der Antike und die Theologie des Mittelalters, die ohne Liebeskonzeptionen nicht denkbar gewesen wären, an Philosophinnen und Philosophen wie Martin Buber, Emmanuel Lévinas oder Paul Ricœur, an Albert Schweitzer, Erich Fromm, bell hooks oder Martha Nussbaum, an die politischen Reflexionen von Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela. Schon immer haben Menschen über Liebe nachgedacht, in all ihren Formen. Schon immer beriefen sich soziale, religiöse und politische Bewegungen auf ihre Kraft, oft mit überwältigendem Erfolg. Doch all die Einsichten, zu denen man kam, all die hart errungenen Wahrheiten, scheinen heute oft ungelesen als trivial oder unbedeutend abgetan zu werden.“
„Liebe! Ein Aufruf“ ist ein feines, kluges Buch, das die Hoffnung schürt, dass es anders gehen könnte.
"Letztlich stellt es keine Option dar, die Welt nicht zu lieben, auch wenn diese es einem durch ihre Ungerechtigkeit, durch Krieg, Hass und Gewalt schwer macht."
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
„Ein stilles Mädchen“ von Karin Fossum ist der dritte Fall mit Kommissar Eddie Feber, wobei ich die ersten beiden Fälle bisher nicht kenne. Man kann die Fälle aber problemlos auch so lesen.
Die sechsjährige ...
„Ein stilles Mädchen“ von Karin Fossum ist der dritte Fall mit Kommissar Eddie Feber, wobei ich die ersten beiden Fälle bisher nicht kenne. Man kann die Fälle aber problemlos auch so lesen.
Die sechsjährige Kandis lebt alleine mit ihrem Vater zusammen,seit ihre Mutter an Krebs starb. Nach einem schweren Unfall leidet ihr Vater unter starken Schmerzen, nur dank seiner Schwester Anna kann er den Alltag einigermaßen bewältigen mit seinem Kind. Doch nun ist Kandis weg – ein Mann hat sie mitgenommen in eine einsame Hütte im Wald. Dass draußen ein böser Wolf lauert, hat er ihr gesagt, und Kandis glaubt ihm, hat Angst. Und sie hat gelernt, immer folgsam und still zu sein.
Dass sie ein braves, stilles Mädchen ist, sagt auch ihr Vater Alfie René zu Kommissar Eddie Feber, als er aufgebracht in die Polizeistation stürmt und das Verschwinden von Kandis meldet.
Feber, der selbst eine Tochter im selben Alter hat, tut alles, um Kandis zu finden. Bei seiner Recherche stößt er nach und nach auf jede Menge Schmerz, Schuld und Lügen. Wird er es schaffen, Kandis rechtzeitig zu finden, bevor es zu spät ist?
Der Krimi ist sehr ruhig und langsam, was ich grundsätzlich nicht schlecht finde, hier aber streckenweise etwas langweilig empfand. Auch mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden: Kandis finde ich für eine Sechsjährige überhaupt nicht authentisch dargestellt; das ist mein größter Kritikpunkt. Aber auch Gusse fand ich nicht überzeugen, sein Verhalten war ziemlich widersprüchlich; vermutlich der Spanung wegen, aber für mich war es nicht stimmig.
Und auch wenn die Handlung gegen Ende etwas Fahrt aufnimmt und die Auflösung einigermaßen überraschend war, konnte mich dieser Krimi leider nicht ganz überzeugen. Das offene Ende mit der unbeantworteten Frage finde ich nicht so gut und vergebe final 3 von 5 Sternen.
Die Mutter der 9-jährigen Maja ist tot; ermordet von Majas Vater, der nun im Gefängnis sitzt Seitdem lebt Maja bei ihren Großeltern mütterlicherseits und kämpft mit ihren Schuldgefühlen, denn kurz vor ...
Die Mutter der 9-jährigen Maja ist tot; ermordet von Majas Vater, der nun im Gefängnis sitzt Seitdem lebt Maja bei ihren Großeltern mütterlicherseits und kämpft mit ihren Schuldgefühlen, denn kurz vor dem Tod der Mutter hatte sie noch böse Worte zu ihr gesagt. Und eigentlich hatte sie ihren Vater immer viel lieber, weil er ihr stets alles erlaubte.
Dass er nebenbei ihre Mutter Emma systematisch psychisch fertigmachte und sie auch körperlich misshandelte, wusste Maja genauso wenig wie Emmas Familie. Auch nicht ihre beste Freundin Liv, von der ihr Mann sie immer weiter entfremdet hatte. Von ihrer Tochter Maja und auch von ihren Eltern hatte er Emma immer mehr entfremdet. Niemand ahnte etwas, in welcher Gefahr sich Emma befand - bis es zu spät war: „Männer töten Frauen, weil es eben geht.“
Der Schock sitzt bei allen tief, nicht nur Maja, auch ihre beste Freundin Liv und ihre Eltern kommen mit dem plötzlichen Verlust nicht klar:
„Menschen hinterlassen mehr als Erinnerungen, sie hinterlassen Schwarze Löcher, die dich gnadenlos anziehen und in den Abgrund reißen, wenn du ihnen zu nahe kommst. Wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt.“
Während sich Maja mit Ängsten, Trauer und Schuldgefühlen alleine fühlt, haben ihre Großeltern mit der Bürokratie und dem Sorgerechtsstreit zu kämpfen und übersehen, dass Maja anfängt, sich selbst zu verletzen. Allein ihre Patentante Liv ist ein Lichtblick für Maja. Obwohl Liv selbst nie Kinder wollte, wachsen Maja und sie beim gemeinsamen Interesse am Universum langsam zusammen ...
Jasmin Schreibers Schreibstsil gefällt mir sehr gut; trotz des schweren Themas liest sich alles sehr leicht, jedoch ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Die Charaktere sind allesamt authentisch getroffen, die Umsetzung rundum gelungen.
Der Roman beleuchtet diesen Femizid aus verschiedenen Perspektive, wir lesen im Wechsel aus Emmas, Majas und Livs Sicht sowohl aus der der Großeltern. Außerdem runden die eingefügten Kinderzeichnungen sowie Gespräche mit einer Kinderpsychologin, Obduktionsakten und Gerichtsprotokolle die Geschichte ab. Besonders heftig berührt haben mich dabei die „schwarzen Kapitel“, in denen quasi ein Szenario aus einer erdachten Parallelwelt beschrieben wurde.
Auch die literatisch verarbeitete Kritik der Autorin am System, am strukurellen Versagen beim Schutz von Kindern und Frauen, die häuslicher Gewalt und unsicheren Familienverhältnissen ausgesetzt sind, fand ich sehr passend. Ebenso, dass sie darauf aufmerksam macht, wie normalisiert Gewalt an Frauen in der Unterhaltungsbranche sind, sei es im Film oder in Büchern/Krimis:
„Wie oft ist Liv schon aufgefallen, dass es für die Handlung keinen Unterschied gemacht hat, dass die Misshandlung oft einfach nur als Schocker oder als verdichtendes Hintergrundrauschen dient, dass sie nur vorkommt, weil es dramaturgisch bequem ist, weil man gelernt hat, dass Frauenkörper eben zur Verfügung stehen - für die Entwicklung des männlichen Protagonisten, für seine Katharsis, zum Draufschlagen, zum Vergewaltigen, zum Töten und als Aufhänger für eine Geschichte, die gar nicht wirklich um die Frau geht.“
Deshalb finde ich es besonders hervorzuheben, dass in diesem Roman die Sicht des Täters komplett ausgeschlossen wird, dass er keine Bühne bekommt. Stattdessen gibt die Autorin den Opfern, also der ermordeten Frau und deren Familie eine Stimme.
„Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein sehr intensiver, aufwühlender und sehr berührender Roman mit einem leider sehr aktuellen Thema. Ich hoffe, das Buch findet viele Leser*innen und trägt dazu bei, dass wir alle beim Thema häusliche Gewalt aufmerksamer sein werden, damit Femizide verhindert werden können.