Wir lieben die Kinderbücher von Paul Maar und waren daher sehr neugierig auf sein neuestes Buch „Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“.
Hier beschäftigt sich der Autor auf kindgerechte Weise mit dem ...
Wir lieben die Kinderbücher von Paul Maar und waren daher sehr neugierig auf sein neuestes Buch „Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“.
Hier beschäftigt sich der Autor auf kindgerechte Weise mit dem Thema Demenz.
Kein einfaches Thema für kleine Leser*innen, aber hier ist es auf so unterhaltsame und leicht (vor)lesbare Art geschrieben, dass man keine Angst vor dem Thema haben muss.
Der Bär Benny besucht seinen Opa regelmäßig, doch neuerdings ist der ein bisschen merkwürdig: Er verwechselt Wochentage, scheint neue (unsinnige) Wörter zu verwenden; er vergisst viele Dinge und nun stellt er sogar seine Schuhe in den Kühlschrank! Was ist da nur los?
Wenn Benny ihn darauf anspricht, wird Opa wütend oder traurig. Doch Benny versteht bald, was los ist: Sein Opa hat eine Krankheit, die ihn so vergesslich macht.
Und auch, wenn es nicht ganz einfach ist, schaffen es die Beiden, ihre gemeinsame Zeit dennoch zu genießen.
Das kurze Buch ist reichlich und liebevoll bebildert, sodass diese liebenswerte Geschichte beim Vorlesen gut mitverfolgt werden kann.
Ich würde dieses empathische Buch für Kinder ab ca. 5 Jahren empfehlen, um ihnen das Thema Demenz näherzubringen. Besonders, wenn es in der Familie vielleicht so einen Fall gibt, ist das Buch hier sicher hilfreich für Kinder und Eltern.
Vielen Dank an den Oetinger Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Seit ich Natascha Wodins berührendes Buch „Sie kam aus Mariupol“ gelesen hatte, bin ich ein großer Fan dieser Autorin und habe mich daher sehr über diese Neuveröffentlichung gefreut.
In „Die späten Tage“ ...
Seit ich Natascha Wodins berührendes Buch „Sie kam aus Mariupol“ gelesen hatte, bin ich ein großer Fan dieser Autorin und habe mich daher sehr über diese Neuveröffentlichung gefreut.
In „Die späten Tage“ schrebit sie sehr ehrlich, poetisch und unbeschönigt über das Älterwerden und das unausweichliche Sterben.
„Ich glaube, dass niemand weiß, wie man alt wird. Niemand hat uns das gesagt, niemand hat uns darauf vorbereitet. Alle werden vom Alter überrumpelt und sind ratlos, auf einem fremden, unergründlichen Gelände, von dem man nicht weiß, ob es Wirklichkeit ist oder ein Traum. Man weiß nur, dass man aus diesem Alptraum nie mehr erwachen wird.“
Aber es geht auch um ihre späte Liebe zu einem Mann namens Friedrich, über ihre nicht immer einfache Beziehung und um widersprüchliche Gefühle.
„Ich weiß nicht, wie es möglich ist, dass Friedrich sich einst in dieses Haus verlaufen hat. Und ich weiß auch nicht, wie es möglich ist, dass ich mich hierher verlaufen habe. Weil ich nicht wusste, wohin ich sonst gehen sollte? Weil Friedrich meine einzige Möglichkeit war? Im Grunde ist es nichts Neues für mich, was ich jetzt erlebe. Es war immer schon so bei mir. Ich war immer in der Fremde, ich konnte nie bleiben und nie gehen so sehr ich es auch wollte.“
Natascha Wodin blickt auf ihr bisheriges Leben zurück; die Texte sind eine gelungene Mischung aus Erinnerungen, Rückblicken sowie aktuellen Beobachtungen.
Und auch, wenn ich noch längst nicht im Alter der Autorin (sie ist gerade 80 geworden) bin, haben mich viele ihrer Worte zum Nachdenken gebracht.
„Die gegenständliche Welt ist nicht für alte Menschen gemacht, der Alltag in dieser Welt wird zu einer ständigen Überforderung, zum Dauerstress, zu einer Leistung, die man nicht mehr erbringen kann. Und damit verbunden ist die Scham darüber, dass man es nicht mehr kann, dass man es immer weniger kann, weil man immer schwächer, hilfloser und konfuser wird. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich alte Menschen in meinen jungen Jahren wahrgenommen habe. Ich fühlte etwas zwischen Grauen, Mitleid, Verständnislosigkeit und Aversion bei ihrem Anblick, und ich hielt es für ausgeschlossen, dass ich irgendwann genauso werden würde wie sie. Jetzt fühlen und denken junge Menschen genau dasselbe von mir, wenn sie mich sehen.“
Niemand denkt gerne über den eigenen Tod nach, wie auch die Autorin klug erkannt hat:
„Bisher sind alle Menschen, die geboren wurden, gestorben. Zum jetzigen Zeitpunkt sollen über acht Milliarden Menschen auf der Erde leben. Sie werden ebenfalls alle sterben. Ich auch? Manchmal denke ich immer noch, nein, das wird mir nicht passieren, irgendwie werde ich davonkommen, das ist mir doch bis jetzt immer gelungen. Warum können wir alle nicht glauben, dass wir sterben müssen? Weil der Gedanke unerträglich ist oder weil uns ein natürlicher Instinkt sagt, dass es den Tod nicht gibt?“
Natascha Wodins Worte haben mich oft tief berührt:
„Ich kann kein neues Leben mehr anfangen, dazu ist es zu spät, ich kann nur noch bleiben, wo ich bin und mich in der Beständigkeit der Liebe üben.“
Das Buch mag keine „leichte Kost“ sein, aber ich habe jede Seite genossen. So klug und vielschichtig - und hoffentlich noch nicht das letzte Werk dieser großartigen Schriftstellerin!
Vielen Dank an den argon Hörbuch-Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Martina Gedeck liest wirklich grandios; fast könnte man vergessen, dass sie nicht über ihr eigenes Leben spricht. - Nur leider sind Hörbücher einfach nichts für mich; ich brauche das geschriebene Wort von meinen Augen.
Daher habe ich mir gleich darauf das Buch noch selbst gekauft. So gefiel mir „Die späten Tage“ noch viel besser und ich vergebe 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung für dieses kluge Buch!
„Der Fluss der Zeit“ beinhaltet fünf noch unveröffentlichte Kurzgeschichten aus dem Nachlass von Pascal Mercier. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch nichts von dem Autor gelesen habe, obwohl mich seine ...
„Der Fluss der Zeit“ beinhaltet fünf noch unveröffentlichte Kurzgeschichten aus dem Nachlass von Pascal Mercier. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch nichts von dem Autor gelesen habe, obwohl mich seine Romane schon interessiert hätten; vielleicht schaffe ich es irgendwann, das nachzuholen.
Diese Erzählungen behandeln Themen wie Großzügigkeit und Freiheit, Würd, Identität und den Sinn des Lebens.
Mir haben besonders die Erzählung „Warten auf den Befund“ und „Die Übergabe“ gut gefallen.
Ansonsten fand ich, dass diese philosopisch angehauchten Geschichten ganz nett zum Lesen zwischendurch sind, mir jedoch vermutlich nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden, weshalb ich 3 von 5 Sternen vergebe.
Herzlichen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
„Run Like A Girl“ von Amaka Egbe erzählt die Geschihte der 16jährigen Dera. Als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie zu ihrem Vater ziehen muss, ist das schon schlimm genug, denn ihr Vater hat sie und ihre ...
„Run Like A Girl“ von Amaka Egbe erzählt die Geschihte der 16jährigen Dera. Als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie zu ihrem Vater ziehen muss, ist das schon schlimm genug, denn ihr Vater hat sie und ihre Mutter verlassen, als Dera noch klein war. Doch als sie erfährt, dass es an ihrer neuen High Schook kein Leichtathletik-Team für Mädchen gibt, ist sie am Boden zerstört. Wie soll sie so ihr absolutes Ziel, bei den Olympischen Spielen anzutreten, erreichen?
Doch Dera lässt sich nicht unterkriegen: Sie erkämpft sich einen Platz im Lauf-Team der Jungs. Die sind natürlich nicht gerade begeistert von einem Mädchen im Team – obwohl oder gerade weil dieses Mädchen Bestzeiten läuft.
Deras Schulalltag ist die Hölle, sie wird gemobbt und auch mit ihrem Vater ist der Alltag ein Kampf. Nur der ruhige Gael aus ihrem Team lässt ihr Herz schneller schlagen ...
Wird Dera es schaffen, Gaels Herz zu erobern, sich mit ihrem Vater auszusöhnen und ihrem Traum von Olympia näherzukommen?
Dera hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen; auch die anderen Charaktere waren sehr sympathisch, vor allem Roz, Gael und Liam.
Das eine oder andere Klischee war wohl unvermeidbar, aber insgesamt ist das Buch leicht lesbar und sehr unterhaltsam.
Ein ermutigender Jugendroman über Mobbing, familiäre Probleme und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.
Vielen Dank an den Dragonfly Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!
„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber ist ein unglaublich wichtiges Buch. Vielleicht schreckt der Inhalt manche erstmal ab - ist Nächstenliebe nicht nur etwas für religiöse Menschen?
Doch Daniel Schreiber ...
„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber ist ein unglaublich wichtiges Buch. Vielleicht schreckt der Inhalt manche erstmal ab - ist Nächstenliebe nicht nur etwas für religiöse Menschen?
Doch Daniel Schreiber zeigt auf sehr persönliche und tiefgründige Art auf, um was es hier geht: Um mehr Menschlichkeit, Respekt und Akzeptanz – und gegen Hass und Menschenverachtung.
Viele von uns können wohl mit dem Autor mitfühlen: „Am besten ließ sich diese Einsicht als eine umfassende Desillusionierung beschreiben. Ich fühlte mich in der Gesellschaft, in der ich lebte, immer weniger zuhause. Die Nachrichtenlage ließ mich jeden Tag von Neuem bestürzt zurück, fassungslos und traurig. Mir war die Fähigkeit abhandengekommen, die Welt zu lieben. Und ich wusste nicht, wie ich den damit einhergehenden Gefühlen von Ohnmacht und Lähmung begegnen konnte.“
Die akuelle politische Lage weltweit, die Rhetorik des Hasses, all das prägt unser aller Leben. Doch wie kann es gelingen, dem Hass und dem aktuellen politischen Diskurs etwas entgegenzusetzen?
„Die Philosophin Martha Nussbaum etwa geht davon aus, dass wir Liebe nicht nur in unserem persönlichen, sondern auch in unserem politischen Leben zum Überleben brauchen. Damit meint sie natürlich nicht, dass wir für andere Menschen und erst recht nicht für Menschen, mit denen wir uns politisch nicht einigen können, so etwas wie romantische Liebe empfinden sollten. Wir müssten noch nicht einmal Sympathie für sie empfinden, wie wir es für unsere Freundinnen und Freunde tun, erklärt sie. Die Form der Liebe, die sie meint, besteht »lediglich darin, die andere Person als vollkommen menschlich anzusehen, als ein Wesen, das auf irgendeine Weise zum Guten und zur Veränderung fähig ist«. Was nach wenig klingt, ist bei genauerer Betrachtung genau das, was unserem politischen Miteinander seit einigen Jahren abgeht, das, was ich und viele andere Menschen in den politischen Auseinandersetzungen unserer Zeit so schmerzlich vermissen. Ohne diese Form der Liebe kann es keine Form demokratischer Zusammenarbeit geben, keinen Kompromiss, kein sinnvolles Zusammenleben, keine Hoffnung.
Ohne diese Form der Liebe kann es nur Zynismus geben. Kann es nur Auseinandersetzungen von Menschen geben, die herrschen, die siegen wollen. Ohne sie ist eine dissoziative Distanznahme von der Welt alles, was uns bleibt.“
Daniel Schreibers Art zu Schreiben, seine Wortwahl, hat mir sehr gut gefallen.
Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er auf, dass die Liebe der Schlüssel zur Veränderung sein kann.
„Welche Haltung bleibt uns, um politisch aktiv zu werden? Wie kann es uns gelingen, wieder wirksam gesellschaftlich zu handeln? Immer wenn ich darüber nachdenke, komme ich auf die Liebe zurück, auf die Liebe im Allgemeinen und die Weltliebe im Besonderen. Ich muss an Hannah Arendt denken, die ihre politische Kraft reflektierte, an die Philosophie der Antike und die Theologie des Mittelalters, die ohne Liebeskonzeptionen nicht denkbar gewesen wären, an Philosophinnen und Philosophen wie Martin Buber, Emmanuel Lévinas oder Paul Ricœur, an Albert Schweitzer, Erich Fromm, bell hooks oder Martha Nussbaum, an die politischen Reflexionen von Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela. Schon immer haben Menschen über Liebe nachgedacht, in all ihren Formen. Schon immer beriefen sich soziale, religiöse und politische Bewegungen auf ihre Kraft, oft mit überwältigendem Erfolg. Doch all die Einsichten, zu denen man kam, all die hart errungenen Wahrheiten, scheinen heute oft ungelesen als trivial oder unbedeutend abgetan zu werden.“
„Liebe! Ein Aufruf“ ist ein feines, kluges Buch, das die Hoffnung schürt, dass es anders gehen könnte.
"Letztlich stellt es keine Option dar, die Welt nicht zu lieben, auch wenn diese es einem durch ihre Ungerechtigkeit, durch Krieg, Hass und Gewalt schwer macht."
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!