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Veröffentlicht am 06.08.2025

Mutterschaft, Frausein und Körperlichkeiten

Die bärtige Frau
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Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt ...

Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt entfliehen wollte. Gemeinsam mit ihrer älteren, kinderlosen Schwester Lena wollen sie das Schlafzimmer der Mutter ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal, dass Alex so lange von ihrem Kind getrennt ist. Obwohl sie sich gefreut hatte, mal wieder alleine zu sein, fühlt sie sich einsam und merkt, wie stark und körperlich die Verbindung zu ihrem Kind ist, das sie gerade erst abgestillt hat. Diese Gefühle führen dazu, dass sie sich mit ihren Lebensentscheidungen, ihrem Körper und ihrer Sozialisierung beschäftigt.

"Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen.
Ein Wunsch ist ein Wunsch ist ein Wunsch.
War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?"

"Sie ist keine entspannte Frau. Wie hätte sie es auch sein können, es gibt keine Vorbilder für Sie. Sie kennt nur Frauen, die durchhalten, die die Erschöpfung ignorieren."

"Wie soll sie diese ständigen körperlichen Veränderungen verarbeiten? Jeden Tag ist sie eine andere."

"Doch sie musste schnell lernen, dass die Zahl auf der Waage nicht viel bedeutete. Obwohl sie identisch mit der vor der Schwangerschaft war, passte Alex nicht mehr in ihre alten Hosen. Die Knöpfe wollten nicht zugehen, und manche Hosen konnte sie nicht einmal über die Waden ziehen. Es war okay. Ihr Körper würde nicht wieder derselbe sein. Er veränderte sich ständig. Ihr war nur etwas anderes erzählt worden. Ihr war erzählt worden, dass sie den jungen, dünnen Körper, den sie vor der Geburt hatte, behalten müsste, um etwas wert zu sein; online war sie von dünnen, weißen Frauen umgeben und im Rückbildungskurs hatte sie das Gefühl, die Frauen, die gerade aus dem Wochenbett kamen, beäugten gegenseitig ihre weichen Körper.
Doch je älter sie wurde, desto egaler wurde der Körper ihr."

"Ganz von den Schönheitsnormen würde sie sich jedoch nie befreien können, das wusste sie. Früher war sie immer ein wenig dünner als Lena gewesen, inzwischen war es umgekehrt, und sie spürte den prüfenden Blick ihrer Mutter auf ihrem Körper."

„Die bärtige Frau“ beleuchtet verschiedene Facetten des Frauseins, von Mutterschaft, von sozialer und religlöser Prägung und des gesellschaftlichen Einflusses auf den weiblichen Körper. Die Autorin beschreibt detailliert die Auseinandersetzung mit Schönheitsnormen und körperlichen Veränderungen durch Schwangerschaft, Mutterschaft und Älterwerden.

"Das hätte ich gern früher gewusst, war der Satz, den sie am häufigsten dachte."

Sprachlich ist das Buch sehr direkt und authentisch; eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Das kann teilweise irritierend sein, ist andererseits aber stimmig und thematisch passend. Es ist kein Wohlfühlroman, aber ich fand das Buch sehr lesenswert.

Es hat mich auch neugierig auf Bettina Wilperts vielgelobten Debütroman „Nichts, was uns passiert“ gemacht.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Nummern statt Namen: Erschütternde Kinderschicksale

Der Sommer am Ende der Welt
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"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In ...

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In Eva Völlers Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ reist die Journalistin Hanna nach Borkum, um dort für einen Zeitungsartikel zu recherchieren. Es geht um die traumatischen Erfahrungen ehemaliger „Verschickungskinder“, die damals in der „Villa Aurelia“ auf Borkum Schlimmes erlebt haben. Auch Hannas Mutter war damals dort, was Hannas Arbeit auch zu einem sehr persönlichen Anliagen macht.
Sie reist gemeinsam mit ihrer 16jährigen Tochter Kathi, die ihre Mutter jedoch eher widerwillig begleitet. Untergebracht sind sie in einem Nobelhotel – und genau hier war damals das Kinderkurheim.
Kaum auzf der Insel, verliebt Hanna sich in den Inselarzt Ole; auch für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick.
Als eines Tages vor Hannas Hotelzimmertür das Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin des Kinderkurheims liegt, gibt es Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen. Und es scheint so, als ob es Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gibt ...
Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeck - doch nicht alle auf der Insel möchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Wenn man bedenkt, dass auch zwei Geschwister der Autorin Eva Völler damals in Kinderkurheime verschickt wurden, macht es diese zu einem sehr persönlichen Roman.
Thematisch hat mich an dem Buch besonders der historische Hintergrund, das schlimme Schicksal der Verschickungskinder interessiert und berührt. Darüber müsste viel mehr berichtet werden und ich habe mir vorgenommen, noch mehr zu dem Thema zu lesen und zu recherchieren.

Der Roman war meiner Meinung nach insgesamt thematisch ein wenig überladen; die Liebesgeschichte war sehr klischeehaft und hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.
Der Schreibstil war jedoch gut lesbar; es kam auch ordentlich Spannung auf. Besonders die Kapitel über die Vergangenheit fand ich sehr interessant; nur die Tagebucheinträge waren aufgrund der Schreibschrift etwas schwer lesbar, das störte den Lesefluss etwas.

Insgesamt ein spannender Unterhaltungsroman zu einem historisch sehr interessanten Thema.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Nummern statt Namen: Erschütternde Kinderschicksale

Der Sommer am Ende der Welt
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"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In ...

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In Eva Völlers Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ reist die Journalistin Hanna nach Borkum, um dort für einen Zeitungsartikel zu recherchieren. Es geht um die traumatischen Erfahrungen ehemaliger „Verschickungskinder“, die damals in der „Villa Aurelia“ auf Borkum Schlimmes erlebt haben. Auch Hannas Mutter war damals dort, was Hannas Arbeit auch zu einem sehr persönlichen Anliagen macht.
Sie reist gemeinsam mit ihrer 16jährigen Tochter Kathi, die ihre Mutter jedoch eher widerwillig begleitet. Untergebracht sind sie in einem Nobelhotel – und genau hier war damals das Kinderkurheim.
Kaum auzf der Insel, verliebt Hanna sich in den Inselarzt Ole; auch für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick.
Als eines Tages vor Hannas Hotelzimmertür das Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin des Kinderkurheims liegt, gibt es Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen. Und es scheint so, als ob es Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gibt ...
Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeck - doch nicht alle auf der Insel möchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Wenn man bedenkt, dass auch zwei Geschwister der Autorin Eva Völler damals in Kinderkurheime verschickt wurden, macht es diese zu einem sehr persönlichen Roman.
Thematisch hat mich an dem Buch besonders der historische Hintergrund, das schlimme Schicksal der Verschickungskinder interessiert und berührt. Darüber müsste viel mehr berichtet werden und ich habe mir vorgenommen, noch mehr zu dem Thema zu lesen und zu recherchieren.

Der Roman war meiner Meinung nach insgesamt thematisch ein wenig überladen; die Liebesgeschichte war sehr klischeehaft und hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.
Der Schreibstil war jedoch gut lesbar; es kam auch ordentlich Spannung auf. Besonders die Kapitel über die Vergangenheit fand ich sehr interessant; nur die Tagebucheinträge waren aufgrund der Schreibschrift etwas schwer lesbar, das störte den Lesefluss etwas.

Insgesamt ein spannender Unterhaltungsroman zu einem historisch sehr interessanten Thema.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Nummern statt Namen: Erschütternde Kinderschicksale

Der Sommer am Ende der Welt
0

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In ...

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In Eva Völlers Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ reist die Journalistin Hanna nach Borkum, um dort für einen Zeitungsartikel zu recherchieren. Es geht um die traumatischen Erfahrungen ehemaliger „Verschickungskinder“, die damals in der „Villa Aurelia“ auf Borkum Schlimmes erlebt haben. Auch Hannas Mutter war damals dort, was Hannas Arbeit auch zu einem sehr persönlichen Anliagen macht.
Sie reist gemeinsam mit ihrer 16jährigen Tochter Kathi, die ihre Mutter jedoch eher widerwillig begleitet. Untergebracht sind sie in einem Nobelhotel – und genau hier war damals das Kinderkurheim.
Kaum auzf der Insel, verliebt Hanna sich in den Inselarzt Ole; auch für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick.
Als eines Tages vor Hannas Hotelzimmertür das Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin des Kinderkurheims liegt, gibt es Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen. Und es scheint so, als ob es Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gibt ...
Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeck - doch nicht alle auf der Insel möchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Wenn man bedenkt, dass auch zwei Geschwister der Autorin Eva Völler damals in Kinderkurheime verschickt wurden, macht es diese zu einem sehr persönlichen Roman.
Thematisch hat mich an dem Buch besonders der historische Hintergrund, das schlimme Schicksal der Verschickungskinder interessiert und berührt. Darüber müsste viel mehr berichtet werden und ich habe mir vorgenommen, noch mehr zu dem Thema zu lesen und zu recherchieren.

Der Roman war meiner Meinung nach insgesamt thematisch ein wenig überladen; die Liebesgeschichte war sehr klischeehaft und hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.
Der Schreibstil war jedoch gut lesbar; es kam auch ordentlich Spannung auf. Besonders die Kapitel über die Vergangenheit fand ich sehr interessant; nur die Tagebucheinträge waren aufgrund der Schreibschrift etwas schwer lesbar, das störte den Lesefluss etwas.

Insgesamt ein spannender Unterhaltungsroman zu einem historisch sehr interessanten Thema.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Vergangenheitsbewältigung: Konnte mich leider nicht überzeugen

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
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Tamar Noort hat mich dieses Jahr mit ihrem Roman „Der Schlaf der anderen“ sehr begeistert, also wollte ich nun auch noch ihren Debütroman „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ lesen.

Hier geht es um Elke, ...

Tamar Noort hat mich dieses Jahr mit ihrem Roman „Der Schlaf der anderen“ sehr begeistert, also wollte ich nun auch noch ihren Debütroman „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ lesen.

Hier geht es um Elke, eine junge Frau, die Theologie studiert hat und nun überlegt, als Pastorin zu arbeiten. Ihr Lebensgefährte Jan ist Athelist und kann ihren Glauben nicht teilen.
Als Elke während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Altenheim einer alten Frau am Sterbebett das Vaterunser beten soll, kommt sie ins Stocken: sie hat den Text vergessen! Und nicht nur das Vaterunser, sämtliche Gebetstexte wollen ihr nicht mehr einfallen. Sie diagnostiziert sich selbst eine „Gottdezemenz“ und ihr Leben gerät aus den Fugen.
Als sie von ihrem ehrenamtlichen Job suspendiert wird, beschließt Elke, in ihre norddeutsche Heimat, ein Provinzdorf zu fahren. Seit ihr Bruder vor 15 Jahren starb, fühlt sie sich seltsam, wenn sie nur noch zu dritt mit ihren Eltern am Tisch sitzt. Sie trifft auch Eva wieder, die damalige Freundin ihres Bruders. Die Kommunikation mit ihrer Mutter ist schwierig. Ihrem Vater geht es gesundheitlich schlecht, und so muss Elke sich nicht nur auf die Suche nach ihrem verloren gegangenen Glauben machen, sondern auch entscheiden, ob sie die Nachfolge ihres Vaters in der Heimatgemeinde antritt.

„‘Ich muss erst den Kopf frei kriegen‘, sagte ich, ‚bevor ich gleich eine ganze Gemeinde übernehme.‘ Mein Vater nickte etwas heftiger als nötig, dem Sekt geschuldet oder der Erleichterung, dass er nicht sofort in Rente gehen musste. ‚Du sagst Bescheid, wenn du so weit bist.‘ Ich nickte, aber das war jetzt ein Jahr her, und mein Kopf war immer noch nicht frei. Und jetzt war der Schöpfer des Himmels und der Erden mir zuvorgekommen und hatte die Arbeit für mich erledigt. Gott hatte den Platz geräumt…"

Die mangelnde Kommunikation in der Familie sowie die Trauer um den verlorenen Bruder bzw. Sohn sind zwar spürbar, doch mit der Protagonistin und vor allem mit ihrer Beziehung zu Gott bzw. der Kirche bin ich nicht so richtig warm geworden. Insgesamt überwiegt thematisch die Bewältigung der Vergangenheit. Das bleibt leider alles recht oberflächlich und konnte mich nicht überzeugen.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht so begeistern konnte wie Tamar Noorts aktuellen Roman „Der Schlaf der anderen“, welchen ich sehr empfehlen kann!

Hier kann ich nur wohlwollende 3 Sterne vergeben.

Dennoch freue ich mich auf weitere Bücher der Autorin.

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