Cover-Bild Die bärtige Frau
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Verbrecher
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 30.01.2025
  • ISBN: 9783957326089
Bettina Wilpert

Die bärtige Frau

Roman

Die Leipziger Lehrerin Alex reist übers Wochenende zu ihrer Mutter ins bayerische Heimatdorf. Ihre Mutter hat sich das Bein gebrochen. Gemeinsam mit ihrer großen Schwester will sie das Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal seit der Geburt, dass Alex von ihrem einjährigen Kind getrennt ist. Sie vermisst ihre Tochter und merkt, wie sehr der kleine Körper ihres Kindes ihrem eigenen eingeschrieben ist. Dieses Gefühl bringt sie dazu, sich selbst näher zu betrachten, über ihre Lebensentscheidungen nachzudenken und das Begehren, den Körper, das Geschlecht sowie ihre Sozialisierung zu hinter fragen.
»Die bärtige Frau« ist ein Roman über den weiblichen Körper, dessen Veränderung, über Schwangerschaft und Mutterschaft, darüber, wie es ist, Kinder zu kriegen und in eine neue Rolle hineinzuwachsen. Es geht um christliche Prägung, darum, dass wir unsere Familie nicht loswerden, selbst wenn wir wollen. Über Lebensrollen sowie Entscheidungen, über Wertvorstellungen, Coolness und Realität. Ist der Wunsch nach Sicherheit verwerflich? Wie haben wir zu sein? Wer bestimmt es außer uns selbst? Bettina Wilpert schafft mit ihrem neuen Roman eine radikale Körperliteratur. Sie zeigt den Leser*innen die verschiedenen Facetten von Coming-of-Age, Schwangerschaft und Muttersein, und wie diese sich am Körper abzeichnen.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2025

Wie sehr prägen uns unsere Rollenbildee?

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„Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen. (…) War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand ...

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„Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen. (…) War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?“ (S.31)


Bettina Wilpert setzt sich in diesem Roman mit Lebensrollen, selbstgewählten Entscheidungen und Prägung auseinander.

Alex, vor einem Jahr Mutter geworden, ist das erste Mal getrennt von ihrer Tochter Paula. Alex hilft ihrer Mutter ein Zimmer zu entrümpeln und setzt sich dabei immer wieder mit ihrer Rolle als Frau und Mutter auseinander. In Gedanken setzt sie sich noch einmal mit ihrer Schwangerschaft auseinander: „Sie hatte ständig Angst: Angst zu fallen, Angst geschubst zu werden(…). (S.78)

Die Verunsicherung als Neu-Mutter sich im Alltag zurechtzufinden in unserer (kinderfeindlichen) Gesellschaft, die oftmals von Kindern erwartet, leise zu sein und ja nicht mit einem Kind aufzufallen. Auf sich allein gestellt zu sein, Kind und Beruf zu vereinigen - mit unserem Gesellschaftsmodell oftmals nicht kompatibel. Hier schafft Bettina Wilpert in ihrem zeitgenössischem Roman „Die bärtige Frau“ uns als Gesellschaft einen Spiegel vor das Gesicht zu halten.

„Sie verstand plötzlich, was sie bereits vor der Geburt wusste, bevor sie sich für ein Kind entschieden hatte, denn sie sah es bei Freundinnen: Das System funktioniert nicht. Es funktioniert nicht, wenn beide arbeiten. Man bräuchte neben den Eltern und dem Tagespapa noch eine vierte Person, die einspringen kann, wenn das Kind krank ist.“ (S.169)

Wilperts Sprachstil ist ausdrucksstark. Sie beschönigt nichts.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Mutterschaft, Frausein und Körperlichkeiten

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Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt ...

Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt entfliehen wollte. Gemeinsam mit ihrer älteren, kinderlosen Schwester Lena wollen sie das Schlafzimmer der Mutter ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal, dass Alex so lange von ihrem Kind getrennt ist. Obwohl sie sich gefreut hatte, mal wieder alleine zu sein, fühlt sie sich einsam und merkt, wie stark und körperlich die Verbindung zu ihrem Kind ist, das sie gerade erst abgestillt hat. Diese Gefühle führen dazu, dass sie sich mit ihren Lebensentscheidungen, ihrem Körper und ihrer Sozialisierung beschäftigt.

"Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen.
Ein Wunsch ist ein Wunsch ist ein Wunsch.
War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?"

"Sie ist keine entspannte Frau. Wie hätte sie es auch sein können, es gibt keine Vorbilder für Sie. Sie kennt nur Frauen, die durchhalten, die die Erschöpfung ignorieren."

"Wie soll sie diese ständigen körperlichen Veränderungen verarbeiten? Jeden Tag ist sie eine andere."

"Doch sie musste schnell lernen, dass die Zahl auf der Waage nicht viel bedeutete. Obwohl sie identisch mit der vor der Schwangerschaft war, passte Alex nicht mehr in ihre alten Hosen. Die Knöpfe wollten nicht zugehen, und manche Hosen konnte sie nicht einmal über die Waden ziehen. Es war okay. Ihr Körper würde nicht wieder derselbe sein. Er veränderte sich ständig. Ihr war nur etwas anderes erzählt worden. Ihr war erzählt worden, dass sie den jungen, dünnen Körper, den sie vor der Geburt hatte, behalten müsste, um etwas wert zu sein; online war sie von dünnen, weißen Frauen umgeben und im Rückbildungskurs hatte sie das Gefühl, die Frauen, die gerade aus dem Wochenbett kamen, beäugten gegenseitig ihre weichen Körper.
Doch je älter sie wurde, desto egaler wurde der Körper ihr."

"Ganz von den Schönheitsnormen würde sie sich jedoch nie befreien können, das wusste sie. Früher war sie immer ein wenig dünner als Lena gewesen, inzwischen war es umgekehrt, und sie spürte den prüfenden Blick ihrer Mutter auf ihrem Körper."

„Die bärtige Frau“ beleuchtet verschiedene Facetten des Frauseins, von Mutterschaft, von sozialer und religlöser Prägung und des gesellschaftlichen Einflusses auf den weiblichen Körper. Die Autorin beschreibt detailliert die Auseinandersetzung mit Schönheitsnormen und körperlichen Veränderungen durch Schwangerschaft, Mutterschaft und Älterwerden.

"Das hätte ich gern früher gewusst, war der Satz, den sie am häufigsten dachte."

Sprachlich ist das Buch sehr direkt und authentisch; eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Das kann teilweise irritierend sein, ist andererseits aber stimmig und thematisch passend. Es ist kein Wohlfühlroman, aber ich fand das Buch sehr lesenswert.

Es hat mich auch neugierig auf Bettina Wilperts vielgelobten Debütroman „Nichts, was uns passiert“ gemacht.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Realistischer und nahbarer Einblick in die junge Mutterschaft

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Ich lese unheimlich gerne Roman über Elternschaft. Wahrscheinlich ist es das Thema, das in meinem Bücherregal am Häufigsten zu finden ist. Und obwohl diese besondere Übergangsphase, wenn aus Menschen zum ...

Ich lese unheimlich gerne Roman über Elternschaft. Wahrscheinlich ist es das Thema, das in meinem Bücherregal am Häufigsten zu finden ist. Und obwohl diese besondere Übergangsphase, wenn aus Menschen zum ersten Mal Eltern werden, jetzt schon eine Weile hinter mir liegt, greife ich immer wieder gerne zu Romanen über diese Zeit der Veränderung.

Ihren dritten Roman widmet sich die Leipziger Schriftstellerin Bettina Wilpert genau diesem Lebensabschnitt.
Ihre Protagonistin Alex ist vor ungefähr einem Jahr Mutter eines Wunschkindes geworden und verbringt jetzt zum ersten Mal ein paar Tage ohne ihre kleine Tochter. Sie muss zu ihrer Mutter, die nach einem Beinbruch ihre Hilfe benötigt, in ihr bayrisches Heimatdorf fahren. Alex kinderlose Schwester Lena wird später dazukommen und sie dabei unterstützen.
In diesen Tage hat Alex endlich die nötige Distanz und Ruhe um über die letzten Monate nachzudenken.
In Gedanken lässt sie die Entstehung ihres Kinderwunsches, Schwangerschaft und Geburt und die erste Babyzeit Revue passieren und versucht sie für sich einzuordnen.
Gleichzeitig ruft der Aufenthalt in ihrem Elternhaus Erinnerungen hervor, die noch viel weiter in der Vergangenheit liegen.

Bettina Wilpert ist sicher nicht die Erste, die sich literarisch mit dieser Phase der Elternschaft beschäftigt, aber sie tut es mit bewundernswerter Leichtigkeit und in einer seltenen Vielfalt. Neben Kinderwunsch und gewollter Schwangerschaft thematisiert sie genauso Abtreibung und gewollte Kinderfreiheit. Trotz des gesellschaftskritischen und feministischen Grundtenors fokussiert sich Wilpert nicht auf die negativen Folgen von Elternschaft in einer Gesellschaft, die immer noch ein starres Rollenbild und hohe Erwartungen an Eltern anlegt und somit Druck ausübt. Sie bleibt oft auf der individuellen Ebene von Alex und zeigt die schönen Erfahrungen und Gefühle, die genauso mit Mutterschaft verbunden sein können, wie die die leidvollen.

Besonders hervorheben möchte ich, dass Wilpert in ihrem Roman eine frühe Fehlgeburt realistisch beschreibt, was in der Belletristik bis heute noch eine Ausnahmeerscheinung ist.
Für mich persönlich sehr interessant waren Alex Gedanken zur Manifestation des Frauseins und die Festschreibung der weiblichen Identität durch die Schwangerschaft.
Und auch generell finde ich in Wilperts Roman viele Passagen und Gedanken, mit denen ich sehr identifizieren kann.

„Bevor sie selbst ein Kind hatte, fand sie Babys langweilig und musste sich Mühe geben, um überhaupt Begeisterung für die Kinder ihrer Freund*innen aufzubringen. Sie fand auch Babysachen oder Babykleidung nicht süß. Sie mochte Kinder nicht gern, sie mochte nur selbst ein Kind haben.“

Ich habe „Die bärtige Frau“ sehr gerne gelesen und fand den Roman wunderbar nahbar. Ich denke, dass der Roman gerade für Menschen (noch?) ohne Kinder ein realistische Bild vom Mutter werden aufzeigen kann und Menschen mit Kindern sich darin wiederfinden und gesehen fühlen können.

„Als Paula auf die Welt kam, hat sie verstanden: Abhängig sind wir alle, und es ist nichts Schlimmes, sondern etwas zutiefst Menschliches. Wir können gar nicht ohne.“


Das war mein erster Roman von Bettina Wilpert und ich möchte jetzt endlich bald ihren vielgelobten und verfilmten Debütroman „Nichts, was uns passiert“ lesen!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Fragmentarisches Porträt einer ganz persönlichen Mutterschaft

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Obwohl ich selbst kinderfrei und zufrieden damit bin, lese ich gern Romane über Mutter-/Elternschaft. Da ich außerdem die Arbeit der Autorin schätze, wollte ich nach den ersten beiden nun auch ihren dritten ...

Obwohl ich selbst kinderfrei und zufrieden damit bin, lese ich gern Romane über Mutter-/Elternschaft. Da ich außerdem die Arbeit der Autorin schätze, wollte ich nach den ersten beiden nun auch ihren dritten Roman lesen. Und auch, wenn ich mit ihm nicht ganz warm geworden bin, empfehle ich ihn!

Denn wenn Bettina Wilpert eines kann, dann ist es das Abbilden komplexer Realitäten. Wir begleiten Alex auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen: Einerseits in der Gegenwart beim viertägigen Besuch bei ihrer Mutter, wofür sie zum ersten Mal ihre einjährige Tochter allein beim Vater lässt, und andererseits in den Rückblenden auf die Zeit vor bzw. kurz nach der Geburt.

Der Erzählstil ist dieses Mal in erlebter und nicht indirekter Rede verfasst, was mir das Lesen etwas leichter machte. Gleichzeitig forderte mich dann aber der fragmentarische Stil, in welchem sich Alex ihre Gedanken zu einer Fülle an Themen macht. Es geht um die grundlegende Frage, ob der eigene Kinderwunsch wirklich von innen kommt oder vielmehr eine Folge gesellschaftlicher Erwartungen ist (eine Frage, die sich wohl nie abschließend wird aufklären lassen). Es geht um Abhängigkeiten von Partner und Kind, um die Schwierigkeiten gleicher Aufgabenteilung zwischen den Elternteilen, sich verändernde Freund*innenschaften, Geschlechtsidentität und das Lösen von einer christlichen Sozialisierung. Und es geht ganz zentral immer wieder um Körper.

Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie gut Wilpert komplexe Zusammenhänge abzubilden vermag, ohne je in ein vereinfachtes Denken abzugleiten. Mehrfach hatte ich schon beim Lesen ein „Ja, aber ..“ im Kopf, nur um direkt im nächsten Satz genau das thematisiert zu sehen, was sich in meinen Überlegungen herumtrieb. Ich mag es unglaublich gern, gefordert zu werden und meine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Dafür ist der Roman wirklich perfekt geeignet.

Da es kaum eine äußere Handlung gibt, fiel es mir recht schwer, in einen guten Lesefluss zu kommen. Gleichzeitig fand ich es aber auch interessant, Alex’ Gedanken zu folgen. Besonders gefiel mir außerdem die schonungslose und hochpersönliche Schilderung einer Geburt. Insgesamt war mir der Roman trotzdem ein wenig überladen, sodass ich oft Lesepausen brauchte.

Ein persönliches Werk, das auch keinen Anspruch erhebt auf Generalisierung und ein Buch für alle, die Komplexität aushalten können und sich nicht vor einer fragmentarischen Erzählweise scheuen. Abschließend möchte ich noch ein Lob für die tolle Covergestaltung aussprechen, die von einem besonderen Detail geprägt ist! ✨

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TW: Geburt, Fehlgeburt, essgestörtes Verhalten, illegaler Substanzkonsum

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