„Flora Brimble und der verschwundene Frühling“ hatte mich vor allem durch das sehr ausdrucksstarke Cover und den tollen Farbschnitt angesprochen.
Aber auch der Plot klang vielversprechend, obwohl Fantasy ...
„Flora Brimble und der verschwundene Frühling“ hatte mich vor allem durch das sehr ausdrucksstarke Cover und den tollen Farbschnitt angesprochen.
Aber auch der Plot klang vielversprechend, obwohl Fantasy nicht mein bevorzugtes Genre ist; mein Kind dagegen liebt solche fantasievollen Romane sehr. Und dass es hier auch um die Themen Freundschaft und Hoffnung geht, fand ich vielversprechend.
Die Protagonistin dieses Romans, Flora Brimble, lebt im kleinen englischen Dorf Rye. Dort will der Winter einfach nicht vergehen. Flora fühlt sich genauso grau wie die Menschen und die Welt um sie herum. Also macht Flora sich auf die Suche nach der Maikönigin, um mithilfe ihrer Zauberkräfte den Frühling zurückzuholen. Dabei stehen ihr unterwegs der kluge Kobold Grisold und das sprechende Eichhörnchen Parzival zur Seite. Das ist auch gut so, denn es warten etliche Gefahren und die böse Hexe Ych auf sie ...
"Vielleicht liegt die Hexe ja nicht ganz falsch ", antwortete Flora. "Was ist, wenn die Dunkelheit der normale Zustand der Dinge ist und das Licht nur eine Illusion. Eine Kerze kann man auspusten, dann ist das Licht verschwunden. Aber habt ihr mal versucht, die Dunkelheit auszupusten? Sie ist immer da, man kann vor ihr ebenso wenig weglaufen, wie vor seinem eigenen Schatten."
Der tolle optische Eindruck des Covers spiegelt leider für meinen Geschmack nicht den Inhalt wider.
Die Charaktere von Flora, Harriet, Grisold und Parzival sind an sich sehr sympathisch. Doch die Geschichte an sich konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Die Grundstimmung ist (vor allem im mittleren Teil) doch sehr, sehr düster (vor allem für die Altersklasse ab 10 Jahren).
Und leider sagt mir persönlich der Schreibstil des Autors weitgehend überhaupt nicht z.
Vieles klingt etwas holprig und konstruiert, so gar nicht flüssig zu lesen. Während die Handlung stellenweise recht langatmig war, passierte dann wieder sehr sprunghaft etwas; und auch der Schluss kam für meinen Geschmackt etwas abrupt.
Schade, wir hatten so hohe (vielleicht zu hohe) Erwartungen an dieses Buch, die leider nicht erfüllt werden konnten. Ich vergebe wohlwollende 3 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Thienemann Verlag und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚
Obwohl jede vierte Frau weltweit einmal im Leben von einem Schwangerschaftsabbruch betroffen ist,
halten sich Stigmatisierung und Falschinformationen zu diesem Thema auch heute noch hartnäckig.
„Die ...
Obwohl jede vierte Frau weltweit einmal im Leben von einem Schwangerschaftsabbruch betroffen ist,
halten sich Stigmatisierung und Falschinformationen zu diesem Thema auch heute noch hartnäckig.
„Die ständige negative Bewertung von Abtreibungen führt hingegen dazu, dass ungewollt Schwangere nicht einmal in ihrem engsten Umfeld darüber sprechen können. So bleibt das Thema unsichtbar – und das Tabu erhält sich selbst. Viele Patient:innen können es kaum glauben, wenn ich ihnen sage, dass jede vierte Frau eine Abtreibung vorgenommen hat und mir das sehr häufig begegnet. ‘Und ich dachte, nur mir ist das passiert«, ist eine häufige Reaktion. Viele fühlen sich damit allein. Dabei haben wir alle Mütter, Nachbar:innen, Töchter und Freund:innen, die schon einen Abbruch hatten – wir wissen es nur nicht.
Diese Unsichtbarkeit erschwert auch die Berichterstattung: Viele Journalist:innen, die über Abbrüche schreiben, berichten, wie schwer es ist, überhaupt mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen.“
Kürzlich ist das Vorhaben, Schwangerschaftsabbrüche zu legalisieren, in letzter Minute im Bundestag gescheitert. Dr. Alicia Baier erklärt hierzu die medizinischen und politischen Grundlagen
Sie zeigt auf, was sich in der Gesellschaft, Medizin und Politik ändern muss, damit gebärfähige Menschen selbst über ihre Körper bestimmen können. Denn das Thema rund um reproduktive Rechte geht uns ALLE an!
Das Buch zeigt deutlich auf, welchen Hürden und oft auch Schikanen Menschen, die ungewollt schwanger sind, ausgesetzt sind; sie werden entmündigt und können nicht selbst über ihren Körper und ihr Leben bestimmen. Dass das in der heutigen Zeit in einem vermeintlich modernen Land wie Deutschland Standard ist, sollte uns alle erschüttern.
Welchen Einfluss die katholische Kirche bzw. Religionen allgemein und auch rechte Ideologien dabei spielen, zeigt die Autorin anhand vieler Beispiele.
„Es ist eine humanitäre Katastrophe: Unsichere Abbrüche sind eine der führenden Ursachen von Müttersterblichkeit – und laut der Organisation Ärzte ohne Grenzen die einzige, die fast vollständig vermeidbar ist. Das zentrale Argument für den ‘Lebensschutz« kippt an seiner eigenen Logik: Eine tote Frau oder eine Frau, deren Uterus entfernt werden muss, bringt kein Kind mehr zur Welt.
Und auch hinsichtlich geborener Kinder versagt der vermeintliche ‘Lebensschutz‘: Sie bleiben in der Debatte meist außen vor, obwohl gerade sie besonders unter den Folgen von Abtreibungsverboten leiden. Der sichere Zugang zu Abbrüchen ermöglicht es Menschen, den richtigen Zeitpunkt für ihr Kind selbst zu wählen – mit dem oder der richtigen Partner:in oder mit den entsprechenden emotionalen und finanziellen Ressourcen. So haben Kinder, die nach einer selbstbestimmten Abtreibung in späteren Jahren geboren werden, im Durchschnitt eine stärkere Mutter-Kind-Bindung und bessere Entwicklungschancen als Kinder, die aus einer ungewollten Schwangerschaft hervorgehen. Letztere haben ein höheres Risiko, Gewalt zu erleben, Vernachlässigung zu erfahren oder in instabilen familiären Verhältnissen aufzuwachsen. Schwangere sagen mir oft, dass sie den Abbruch für ihre bereits geborenen Kinder vornehmen lassen, um ihnen weiterhin gerecht zu werden. Auch hier zeigt die Forschung: Geschwisterkinder wachsen häufiger in Armut auf und zeigen niedrigere Werte in der kindlichen Entwicklung, wenn ihre Mütter zu einer weiteren Geburt gezwungen wurden. Wer für Kinder einsteht, muss mehr tun, als ihre Geburt zu erzwingen. Kinder haben ein Recht darauf, gewollt und geliebt zu sein – nicht nur geboren.
Abtreibungsverbote sind gesundheitsschädlich, schaden Kindern und sind als ‘Schutzinstrument für den Embryo‘ unwirksam. Wer trotzdem daran festhält, entlarvt sich selbst: Die stigmatisierende und gesundheitsschädigende Wirkung wird nicht nur hingenommen, sondern ist anscheinend sogar intendiert, um mit staatlicher Missbilligung diejenigen zu bestrafen, die nicht (noch einmal) Mutter werden wollen. Dieses Denken entspricht einer zutiefst patriarchalen Logik und sollte in keinem Fall Eingang in die Regulierung eines medizinischen Eingriffes finden.“
Dr. med. Alicia Baier ist Gynäkologin und führt selbst Schwangerschaftsabbrüche durch; außerdem ist sie Mit-Gründungsvorsitzende von Doctors for Choice Germany. Ihr Fachwissen kommt dem Buch ebenso zugute wie ihre empathische Grundhaltung.
Selten hat mich ein Sachbuch so tief bewegt, erschüttert und aufgerüttelt.
Ich hätte mir auf fast jeder Seite eine wichtige Stelle markieren können.
Das hat mir nochmals verdeutlicht, dass dieses Thema gleichermaßen hochaktuell politisch und auch unfassbar emotional ist.
„Menschen, die ihre Schwangerschaft abbrechen, sind nicht anders als andere Menschen. Es sind die gleichen Personen, die gebären, eine Fehlgeburt erleben und später einen Abbruch brauchen. Vielleicht alles in einem Leben, vielleicht in unterschiedlicher Reihenfolge. Und doch werden sie im medizinischen Alltag behandelt, als gehörten sie nicht dazu.“
„Das Patriarchat im Uterus“ ist ein wirklich kluges, aufrüttelndes und wichtiges Buch, für das ich eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen - für Menschen jeden Geschlechts!
Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Wir hatten letztes Jahr "Die Großstadtdetektive" von Eva Lezzi mit großer Begeisterung gelesen und waren daher sehr happy über die Fortsetzung „Die Großstadtdetektive - Wo ist Annabelle?“.
Zu Beginn dieses ...
Wir hatten letztes Jahr "Die Großstadtdetektive" von Eva Lezzi mit großer Begeisterung gelesen und waren daher sehr happy über die Fortsetzung „Die Großstadtdetektive - Wo ist Annabelle?“.
Zu Beginn dieses Buches ist Irina etwas gelangweilt, denn ihre Freunde Jona, Deniz und Laura sind alle im Urlaub. Nur Hündin Gloria, auf die Irina während der Ferien aufpasst, bietet etwas Abwechslung. Während eines Spaziergangs mit Gloria im Park lernt Irina die ältere Dame Annabelle beim Schachspielen kennen. Das Schachspielen erinnert Irina an ihren Vater, der nicht mehr bei ihr und ihrer Mutter lebt. Und auch Annabelle mag sie sehr gerne - doch die ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt! Was ist nur mit Annabelle passiert? Irina wittert einen neuen Fall - zum Glück kommen nach und nach auch Jona, Laura und Deniz wieder aus dem Urlaub zurück. Gemeinsam müssen sie einen kniffligen und gefährlichen Fall lösen.
Ich fand das Buch, genau wie Band 1, rundum gelungen. Nicht nur, dass der Fall mit dem Rätsel in den Schachfiguren und der versteckten Botschaft im Gedicht super knifflig und originell war – auch eine wichtige Botschaft ist enthalten: Wie schon im ersten Buch zeigt Eva Lezzi, wie ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen und von Menschen mit völlig unterschiedlichem Background möglich ist. Das hat mir sehr gut gefallen!
Ein weiteres Highlight sind neben der spannenden Geschichte auch hier wieder die witzigen und schönen Illustrationen von Daniela Kohl (bekannt auch durch die „Lotta Leben“-Bücher).
Wie schon beim ersten Buch der „Großstadtdetektive“ ist auch hier am Ende ein Glossar mit wichtigen Begriffen enthalten, super Idee!
Als weiteren Bonus ist eine Aufnahme des jiddischen Gedichts "In Majrew / Im Westen" enthalten, gelesen von Lia Martyn zum Download unter beltz.de
Wir hoffen natürlich sehr, dass es noch weitere Fälle der „Großstadtdetektive“ geben wird!
Vielen Dank an den Beltz Verlag und Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Margaret ist geschieden und hat zwei Töchter. Ihr Elternhaus meidet sie nach Möglichkeit, zu viele schmerzhafte Erinnerungen sind mit diesem Ort verbunden. Doch als ihre Mutter im Sterben liegt, kehrt ...
Margaret ist geschieden und hat zwei Töchter. Ihr Elternhaus meidet sie nach Möglichkeit, zu viele schmerzhafte Erinnerungen sind mit diesem Ort verbunden. Doch als ihre Mutter im Sterben liegt, kehrt sie mit ihren beiden Töchtern zurück.
Ihre Mutter Elizabeth war schon immer sehr meinungsstark; Kontrolle auszuüben war ihr stets wichtiger als mütterliche Fürsorge. Während sich nun der Zustand ihrer Mutter immer weiter verschlechtert, arbeitet Margaret Erinnerungen an ihre Kindheit auf. Es gab damals einen Vorfall im Pool, der ihr Verhältnis zu ihrer Mutter nachhaltig belastet hatte. Und dann gab es danach noch Geschehnisse, über die Margret nie mit ihrer Mutter gesprochen hatte …
Der Schreibstil von Honor Jones hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Passagen aus der Kindheit waren sehr intensiv. Elizabeths Verhalten Margaret gegenüber war oft unfassbar für mich, ihre Kontrollsucht und ihr Nicht-Sehen-Wollen … Dass die lange totgeschwiegenen Erfahrungen Margarets Leben bis ins Erwachsenenalter prägen und sich auf ihre Mutterschaft übertragen, ist gut nachvollziehbar.
„Auch sie hatte sich verändert – die abgestoßenen toten Zellen ihrer früheren Ichs waren längst verschwunden und ersetzt worden. Unaufhaltsam hatte sie sich verändert und oft zum Besseren. Helen und Jo planschten im Wasser an ihr vorbei, dort, wo früher nur Stein und Erde gewesen waren, Leben, wo früher kein Leben gewesen war. Aber trotz allem blieb eines unverändert, eine beschämende, kaum wahrnehmbare Sache, und es machte sie stinksauer – stinksauer auf sich selbst –, dass sie sie immer noch trug, immer noch spüren konnte: die Linie auf ihrem Körper, die ihr Bruder hinterlassen hatte.“
„Schlaf“ ist ein eindringlicher, bewegender Roman über eine Frau, die sich als Erwachsene mit ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter auseinandersetzen muss - und die es endlich schafft, ihre eigene Stimme zu erheben.
„Neulich hatte Margaret einem Autor erklären müssen, dass sein Artikel nicht funktionierte. Du versuchst zu viel auf einmal, hatte sie gesagt. Es kann nicht um alles gleichzeitig gehen. Aber stimmte das? Es war nur eine Frage der Distanz, es ging darum, manche Dinge mit dem richtigen Abstand zu betrachten und andere ganz nah heranzuholen […].“
Vielen Dank an den Ullstein Verlag, Vorablesen.de und an NetGalley für die Rezensionsexemplare! 📚💚
Marieke und Vik sind ein Paar, seit sie 14 Jahre alt waren. Das Ehepaar hat Zwillingstöchter, sie verstehen sich blind und sind sehr vertraut miteinander. Nur im Bett läuft leider nichts mehr.
„Wenn ...
Marieke und Vik sind ein Paar, seit sie 14 Jahre alt waren. Das Ehepaar hat Zwillingstöchter, sie verstehen sich blind und sind sehr vertraut miteinander. Nur im Bett läuft leider nichts mehr.
„Wenn der eine und einzige Geliebte zum Familienmitglied wird, zum besten Freund, zum Kumpel. Der alles mit einem teilt. Nur das nicht.“
Während Vik offenbar kein Interesse mehr daran hat, vermisst Marieke den Sex sehr. Sie möchte sich wieder gesehen und begehrt fühlen, möchte auch selbst ihr Begehren ausleben.
„Man kann ziemlich viele Dinge im Leben allein tun. Aber um begehrt zu werden, braucht man einen anderen Menschen.“
Während die Familie ein renovierungsbedürftiges Haus auf dem Land kauft und sich im Dorf gut einlebt, sucht Marieke online nach Abwechslung.
„Nachts, in der Dunkelheit des Schlafzimmers, stellen sich die Gespenster ein, und ein NEIN steht ihr in Gedanken grell leuchtend vor Augen.
Wenn der etwas in ihr Getränk mischt? Wenn er sie grün und blau schlägt?
Wenigstens jemand einweihen. Aber wen? Wer wird das nicht merkwürdig finden, pervers finden, als Seitensprung werden? Andererseits: Eine Dienstleistung in Anspruch nehmen ist doch nicht Fremdgehen?“
Nach einigen missglückten Versuchen, einen professionellen Escort zu finden, findet sie Rocco/John. Mit ihm kann sie ihre Lust auf bisher nie gekannte Art und Weise ausleben. Doch irgendwann scheint die Grenze zwischen dem geschäftlichen Teil und echten Gefühlen nicht mehr klar zu trennen zu sein ….
Während die Geschichte am Anfang noch etwas zäh ist, nimmt die Handlung dann gegen Ende hin immer mehr Fahrt auf. Der Schreibstil von Patricia Jozef ist oft sehr direkt und detailliert, besonders, was die Abenteuer zwischen Marieke und Rocco angeht. Das Ende lässt einige Fragen offen, war für mein Empfinden jedoch stimmig.
Insgesamt ist „Gentlemen“ ein leicht lesbarer, unterhaltsamer Roman über weibliches Begehren, den Wunsch, gesehen zu werden und die Frage, wie das eigene Leben hätte laufen können.
„Hätte die vierzehnjährige Marieke nicht in der Schule Vik kennengelernt, wie sähe ihr Leben heute aus? Wären sie nach den zarten Anfängen in der Jugend nicht zusammengeblieben, sondern hätten sie jeder seinen eigenen Weg eingeschlagen, aus wie vielen Abzweigungen hätte sie wählen können? Wie viele unbekannte Richtungen hätte sie einschlagen können? Wie viele Liebhaber hätte sie haben können? In dem einen Leben, das dem Menschen gegeben ist.“
Vielen Dank an den Arche Literatur Verlag und Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚