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Veröffentlicht am 24.03.2026

Coming-Age-Roman zwischen Filmen und Realität: 3,5⭐️

Little Hollywood
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Ein Sommer in den späten 1990ern. Leonie möchte nach der Schule eigentlich sofort in die Freiheit aufbrechen. Sie hat den Traum, in Köln zu studieren und Drehbuchautorin zu werden. Filme liebt sie schon ...

Ein Sommer in den späten 1990ern. Leonie möchte nach der Schule eigentlich sofort in die Freiheit aufbrechen. Sie hat den Traum, in Köln zu studieren und Drehbuchautorin zu werden. Filme liebt sie schon immer über alles, sie sind ihre Flucht aus der Realität:

„Mich mit einem Film im Bett zu vergraben, ist für mich kein Zeitvertreib, sondern eher ein körperliches Verlangen, wie Hunger oder Durst. Vielleicht liegt es daran, dass jeder Film einen Anfang und ein Ende hat und dass es nicht länger als hundertzwanzig Minuten braucht, um vom einen zum anderen zu gelangen. Ich halte mich an Filmen fest wie andere an Religionen, mit einer Art irrsinnigem Glauben daran, dass am Ende alles gut wird, wenigstens Sinn ergeben wird. Was es in meinem Leben allerdings bisher noch nie getan hat.“

Doch statt der Freiheit sind Streit mit der Mutter, Ferienzeit mit dem kleinen Bruder, ein Nebenjob im Café und eine Strafanzeige gegen ihren Vater angesagt. Dazu noch Liebeskummer wegen Olli, der sie erst geküsst und dann abserviert hat. Leo flüchtet oft ins „Little Hollywood“, die lokale Videothek. Dumm nur, dass dort auch Jo arbeitet, der Leo jedes Mal zwingt, „Wahrheit oder Pflicht“ mit ihm zu spielen.

Dieser Sommer wird Leonies Leben verändern. Sie muss sich entscheiden: Entweder flüchtet sie weiter in fiktive Welten oder sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und verwirklicht ihre Träume."

Inga Hankas Schreibstil und ihre Charaktere haben mir gut gefallen, auch wenn Leos Mutter für mich leider etwas blass blieb. Besonders gelungen fand ich die feinfühlige Entwicklung zwischen Leonie und Jo.
Wer die im Buch genannten Filme kennt, wird beim Lesen definitiv noch mehr Freude an der Geschichte haben.

Insgesamt ist ‚Little Hollywood‘ ein gelungener Coming-of-Age-Roman, der das Lebensgefühl der 90er-Jahre gut trifft. Ich vergebe für diesen Debütroman 3,5 von 5 Sternen.

„Ich richte mich auf.
Die Angst meiner Mutter hat mich anscheinend inspiriert, denn auf einmal weiß ich, worüber ich in meinem Aufsatz für Köln schreiben werde. Ich knipse das Licht an, gehe zu meinem Schrank und ziehe die Kiste mit den Schreibwaren heraus, in der noch ein paar leere Hefte, neue Textmarker und Klausurbögen liegen, die ich wahrscheinlich nie wieder brauchen werde. Ganz unten finde ich einen leeren Collegeblock, den ich mit an meinen Schreibtisch nehme. Ich schlage die erste Seite auf, sie riecht noch ganz frisch. Kein Blatt ist zerknickt, keine Schrift durchgedrückt. Es gibt für mich nichts, was sich so sehr nach Neubeginn anfühlt, wie ein erstes Wort auf eine erste Seite zu schreiben.“

Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Kein Roman für Zartbesaitete

Es war nicht anders möglich
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„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hatte mich vorab durch die Leseprobe sehr neugierig gemacht; ich versprach mir davon einen tiefgründigen, Roman.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive die ...

„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hatte mich vorab durch die Leseprobe sehr neugierig gemacht; ich versprach mir davon einen tiefgründigen, Roman.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive die Geschichte von Martina, Mitte dreißig, arbeitslos. Ihren Vater kannte sie nicht gut, doch als er stirbt, trifft sie das unerwartet heftig.

„Es ist 22 Uhr 37, als ich anfange, über dich zu schreiben. Ich schreibe dir nicht etwa, weil ich dich nicht mehr anrufen kann. Ich habe dich auch, als du noch nicht tot warst, nicht angerufen.
Ich schreibe über dich, um dich loszuwerden. Dich aus meiner Biografie rauszuschreiben. Oder dich für immer an mich zu pressen. Mich endlich in dich reinzutippen. Reinzuhacken.
Mir ist erst mal beides recht, wenn ich nur diese Unruhe nicht mehr verspüren muss. Es ist ein Versuch. Trial and error. Wenn es nicht klappt, versuche ich etwas anderes. Irgendwas Installatives mit alten Videoaufnahmen von dir, verschnitten mit Sondenaufzeichnungen der menschlichen Darmschleimhaut, so die Richtung. Unterlegt mit rückwarts abgespielten Kinderliedern von Rolf Zuckowski. Mir fallt da schon was ein.“

Den Anfang des Buches fand ich noch recht gelungen, ich konnte Martinas Schmerz gut nachfühlen. Svenja Liesaus Schreibstil fand ich gerade auf den ersten Seiten sehr originell und interessant. Doch leider ging es dann recht schnell abwärts.
Protagonistin Martina stürzt sich in einen schier endlosen Rausch, versinkt in Alkohol und Drogen. Dazwischen gibt es Briefe an ihren Vater. Am Ende landet sie in der Psychiatrie.

Ich muss leider sagen, dass die Geschichte dann mit jeder Seite immer ekliger wurde und auch immer wirrer. Teilweise konnte ich überhaupt keinen roten Faden mehr finden in der bruchstückhaften Aneinanderreihung rauschhafter Momente.
Ich bin wirklich offen für vieles, aber das hier war inhaltlich wirklich hart an der Schmerzgrenze.

2 Sterne vergebe ich für den anfangs originellen Schreibstil; inhaltlich konnte mich das Buch jedoch leider überhaupt nicht begeistern.

Vielen Dank an den Rowohlt Berlin Verlag und an den Thalia Book Circle für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Jahreshighlight: Atmosphärisch und intensiv

Der Fährmann
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„Der Fährmann“ von Regina Denk ist schon jetzt eines meiner diesjährigen Jahreshightlights!
Die Autorin führt uns mit ihrer atmosphärischen, intensiven Sprache direkt in eine andere Welt.

Die Geschichte ...

„Der Fährmann“ von Regina Denk ist schon jetzt eines meiner diesjährigen Jahreshightlights!
Die Autorin führt uns mit ihrer atmosphärischen, intensiven Sprache direkt in eine andere Welt.

Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, zwischen Österreich und Deutschland, an der Salzach. Dort lebt der Fährmann Hannes Winkler. Einem alten Brauch zufolge darf er sich keine Frau nehmen, zu gefährlich ist sein Beruf, er darf keine bedüftige Familie hinterlassen. Doch sein Herz gehört schon von klein auf Elisabeth. Zusammen mit Annemarie waren die drei als Kinder beste Freund*innen. Doch Elisabeth ist nun aus wirtschaftlichen Gründen Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Bauernhofs auf der österreichischen Seite der Salzach. Nicht nur Hannes leidet darunter, auch Annemarie, die Wirtstochter auf der deutschen Seite, hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht. Doch alles kommt anders. Elisabeth ist unglücklich in ihrer Ehe, auch sie hegt unausgesprochene Gefühle Hannes gegenüber. Und Josef entpuppt sich als äußerst brutaler Mann, das bekommt nicht nur Elisabeth zu spüren, sondern auch Annemarie. Ihr Leben nimmt dadurch eine andere Wendung als sie erhoffte ...
Als der Erste Weltkrieg das Land erschüttert, bröckelt die Ordnung in den Dörfern. Inmitten von Gewalt und dem Wunsch nach Wandel nimmt das Leben dieser vier jungen Menschen eine dramatische Wendung.
Zum Ende möchte ich nichts verraten, um nicht zu spoilern: Lest das Buch unbedingt selbst!

Regina Denks Schreibstil ist einzigartig, intensiv und atmosphärisch; sie passt hervorragend zum historischen Setting.
Die Geschichte hat mich sehr mitgenommen, besonders die Schicksale der Frauen, Elisabeth und Annemarie, haben mich tief bewegt. Die Ausweglosigkeit, mit der sie den patriarchalen Strukturen damals ausgesetzt waren, mag frau sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen wollen/können:

"Es geht immer ums Heiraten ", erklärte ihre Mutter, als wäre sie wieder sechs Jahre alt." Für uns Weiber geht es immer ums Heiraten, weil uns nix g'hört ohne Heirat, weil wir nix zu sagen haben, außer, wenn es um die Kinder geht, weil wir ohne Heirat, allein, eine einzige Last sind für alle um uns herum. Finden werden wir jetzt niemanden mehr für dich. Schau ma zu, dass du zu Haus eine Hilfe bist und dass der Steiner was zahlt für diesen Schlamassel."

Herausragend sind auch die Kapitel mit der Überschrift „Anderswo“, in der die Salzach zu Wort kommt; diese Abschnitte verursachen beim Lesen eine Gänsehaut, besonders zum Schluss hin:

„[...] es sprachen die Kinder nicht die Sprache des Wassers, verstanden nicht die Warnung und die Sorge, sahen nur das, was die Menschen sehen wollten, und glaubten nur das, was sie glauben konnten anstelle von dem, was war, und dem, was noch immer wahr ist.“

Das Buch ist ein Zeugnis der damaligen Zeit, der gesellschaftlichen und politischen Situation. Vieles ist brutal und beim Lesen schwer zu ertragen. Die Geschichtge geht wirklich unter die Haut. Das Buch wird sicher noch lange in mir nachklingen – ein absolutes Highlight!

„Der Fährmann“ war mein erstes Buch der Autorin, ihren Debütroman „Die Schwarzgeherin“ kannte ich noch nicht, habe ihn mir aber sofort bestellt.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Nie war das Jetzt so viel wert: Humorvoller, wunderschöner Roman!

Statt aus dem Fenster zu schauen
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„Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel ist mal wieder eine großartige Neuveröffentlichung des pola-Verlags.

Die Ich-Erzählerin Sophie, der alle immer eine tolle Zukunft und ...

„Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel ist mal wieder eine großartige Neuveröffentlichung des pola-Verlags.

Die Ich-Erzählerin Sophie, der alle immer eine tolle Zukunft und Karriere vorausgesagt haben, langweilt sich bei ihrem Praktikum. Sie möchte das „Höher-Schneller-Weiter“-Spiel nicht mehr mitmachen und kauft sich kurzerhand für einen Spottpreis ein altes, baufälliges Haus irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Ohne das Haus vorher gesehen zu haben, steigt sie in den Zug und flüchtet vor dem leistungsorientierten Alltag. Ihren Eltern erzählt sie es nicht, nur ihre Freunde Pauline und Moritz wissen davon.

„‘Sophie ist ein vernünftiges Kind‘, hat meine Mutter einmal gesagt. »‘Sie kann eine Situation gut selbst einschätzen.‘ Das hat sie zu unserer Nachbarin gesagt, als die ihre beiden Töchter für einen Intensiv-Karate-Selbstverteidigungskurs in den Sommerferien angemeldet hat. Meine Mutter war der Meinung, bei mir würden die üblichen Warnungen reichen: Steig nicht bei fremden Menschen ins Auto. Nimm keine Süßigkeiten an. Glaub niemandem, der sagt, er möchte dir bei sich zu Hause Hundewelpen zeigen.
Sie hat nicht erwähnt, dass ich keine Häuser in der deutschen Einöde kaufen soll. Aber wer hält sein Kind schon für so bescheuert?“

Sophie muss feststellen, dass die Renovierungsarbeiten schwieriger sind als sie dachte. Sie muss schwer arbeiten, um das Haus halbwegs bewohnbar zu machen; noch dazu fehlen ihr die finanziellen Mittel. Der Alltag ohne Strom und ohne Internet ist schwer; auch die ungewohnte Stille und Einsamkeit setzen ihr zu. Soll sie aufgeben und zurück in ihr altes Leben gehen?

„Es ist noch nicht zu spät, um alles zurückzuspulen oder wenigstens so zu tun, als wäre es nie passiert. Ich kann mich mit einem Familiennotfall bei der Arbeit entschuldigen und spätestens Dienstagmorgen wieder im Büro erscheinen. Heinz hat meine tausend Euro, ich werde ihm den Kaufvertrag dalassen, dann kann er ihn vernichten und sich über mein Erspartes freuen. Was für eine dumme, dumme Idee. Was für ein dummes, dummes Kind ich bin. Einser-Abi und trotzdem völlig entscheidungsunfähig. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist Schadensbegrenzung, mein altes, richtiges Leben kitten, bis nur noch ich weiß, dass da mal ein Riss in der Fassade war, ganze vier Tage lang.“

Doch Sophie bleibt. Sie will herausfinden, was für ein Mensch sie ist, wenn sie keinen fremden Erwartungen entsprechen muss, wenn sie frei und sie selbst sein darf.

„Nach all den Tagen, die ich jetzt schon allein in meinem Haus gelebt habe, bin ich doch nicht unabhängig von der Bestätigung durch andere. Kaum ist ein anderer Mensch anwesend, brauche ich sie wieder. Dabei ist es unsinnig, einen Moment oder eine Entscheidung oder auch ein Leben nur als wertig zu betrachten, weil ein anderer das so sieht. Und in den letzten Wochen habe ich ja fast nur Dinge getan, die andere als unsinnig bezeichnen würden. Ich habe sie trotzdem getan, und es hat sich gut angefühlt.“

Sophie ist eine großartige Protagonistin, ich konnte so richtig gut mit ihr fühlen und fand sie unfassbar sympathisch (und klug).

„Das Gefühl, unter einem Apfelbaum zu liegen, die Augen halb geöffnet, über mir zwitschernde Vögel, das kommt meiner persönlichen Vorstellung von Himmel schon ziemlich nahe.
Genauso herrlich ist das Gefühl, nach getaner Arbeit in das Haus zurückzukommen, von einer willkommenen Kühle empfangen zu werden, von dieser dichten Stille, die es nur in dick gemauerten Häusern zur Mittagszeit gibt. Ich kann fast körperlich spüren, wie alles langsamer wird und der ständige Strom an »Ich müsste noch …« verebbt. Es ist, als hätte es diesen Rhythmus in diesem Haus schon immer gegeben, als wäre das der Puls des Landes, dem man sich als Bewohnerin beugen muss. Wir sind alle eigentlich nur Gäste der Jahreszeiten. In der Stadt merkt man das nur nicht so, dort sperren wir sie mit Rollos und Zentralheizungen aus. Aber hier … hier pocht dieser Puls noch. Und ich kann nicht dagegen anarbeiten. Alles, was ich tun kann, ist, mich seinem Fluss zu beugen [...] und die Stille zu genießen. Und das tue ich.“

Der Schreibstil von Anna Katharina Scheidemantel ist wunderschön, sie schafft es, den Roman gleichermaßen humorvoll (was habe ich gelacht!) und unterhaltsam zu gestalten, aber es gibt einem auch viel zum Nachdenken über unsere Leistungsgesellschaft und das „Hamsterrad“ des Lebens.

Ein wirklich großartiger Debütroman, für den ich 5 Sterne vergebe und die Hoffnung habe, bald noch mehr von dieser Autorin lesen zu dürfen!

Vielen Dank an den pola Verlag, Vorablesen.de und NetGalley für die Rezensionsexemplare! 📚💚

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Scharfsinnige Parodie auf den Literaturbetrieb

Ausradiert
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Thelonious „Monk“ Ellison ist Schriftsteller aus Überzeugung, allerdings finden seine anspruchsvollen Bücher wenig Beachtung, während stereotype „Ghetto-Romane“ sich großer Beliebtheit erfreuen und ein ...

Thelonious „Monk“ Ellison ist Schriftsteller aus Überzeugung, allerdings finden seine anspruchsvollen Bücher wenig Beachtung, während stereotype „Ghetto-Romane“ sich großer Beliebtheit erfreuen und ein Vermögen einbringen.
Als sein neuester Roman abgelehnt wird, während eine andere Autorin mit einem Gossenroman einen Millionenerfolg hat, schreibt Monk aus Wut unter einem Pseudonym daher selbst solch einen provokanten, klischeeüberladenen Roman mit dem Titel „Fuck“.
Niemals hätte er wirklich mit so einem überwältigenden Erfolg gerechnet, er bekommt ein immenses Honorar und verkauft die Filmrechte für Millionen. Doch während er neben seinem Doppelleben als Schriftsteller auch den Tod seiner Schwester, das Coming-out seines Bruders und die fortschreitende Demenz seiner Mutter verkraften muss, gerät sein Leben immer mehr außer Kontrolle. Als sein Roman „Fuck“ für einen Literaturpreis vorgeschlagen wird, bei der er selbst Jurymitglied unter seinem echten Namen ist, spitzt sich die Lage zu …

„Meine Lektorin rief meinen Agenten mit der aufregenden Neuigkeit an, Fuck würde wegen des großen Interesses früher herauskommen. Und selbst dann, als ich wusste, ich würde das Buch im März zu sehen bekommen, hatte ich nicht erwartet, im Januar einen gepolsterten, an Thelonious Ellison adressierten Umschlag zu öffnen und darin eine gebundene Druckfahne von Fuck zu finden und die Bitte, es für den Book Award in Betracht zu ziehen.

Dilemma: Ich weigerte mich zuzugeben, dass ich, Thelonious Ellison, ebenfalls Stagg R. Leigh war, der Autor von Fuck. Doch hier war das Buch. Ich konnte mich nicht selbst disqualifizieren, ohne mein Geheimnis zu verraten.

Lösung: Ignorieren. Wer würde schon diesem Roman einen Preis geben?“

„Ausradiert“ basiert auf einer brillanten Grundidee, der Plot ist originell. Percival Everett beleuchtet mit seiner Parodie, wie weit man für den eigenen Erfolg gehen würde bzw. inwieweit man sich selbst treu bleiben sollte.

Ich mag Percical Everetts Art zu schreiben sehr, sein Roman „James“ hatte mich sehr begeistert.
„Ausradiert“ ist damit allerdings nicht zu vergleichen, zu unterschiedlich sind die Inhalte. Hier haben wir eine kluge, bissige und böse Satire auf den Literaturbetrieb mit jeder Menge Kritik an Klassismus und Rassismus - und vor allem geht es um die Frage, wer erzählen darf und wie.
So sehr mich das Konzept von „Ausradiert“ begeistert, war der Roman dann doch einigermaßen anstrengend zu lesen; es erfordert viel Aufmerksamkeit, um die Tiefe zu erfassen.
Kein Buch für zwischendurch, aber ich wünsche Percival Everett, dass er für diesen Roman, der bereits aus dem Jahr 2001 stammt und nun erst dank der Verfilmung von „American Fiction“ (2023) Beachtung fand, viel Erfolg für „Ausradiert“.

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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